Hallo,
ich bin Baujahr 74, war zu der von dir beschriebenen, „goldenen Zeit“ also Kind. Darf ich mich trotzdem dazu äußern?
Nein, da haben wir keine speziellen Betten gebraucht damit
Kind nicht plötzlich verstirbt, und auch keine
Geburtstagskuchen ohne Mehl und Zucker.
Die habe ich für meine Kinder auch nicht. Wenn ich hier öffentlich verraten würde, was meine Kinder mit einem halben Jahr gegessen haben, dann würde ich morgen wahrscheinlich zwangsernährungsberaten werden.
Irgendwie habe ich den Eindruck, alle übertreiben plötzlich.
Einem meiner Altersgenossen musste der Vater die Pfützen mit einem Besen auskehren, damit er nicht reinspringen und nass werden konnte.
Auch wir haben damals darauf geachtet das das Kind gesund
ernährt wird … und alles hat. Trotzdem hat es seinen
Schnuller in den Sand gesteckt und abgelutscht.
Haben meine Kinder nur 1x gemacht, hat nämlich eklig geschmeckt.
Keiner hat
gekreischt: vorsiiiiicccchtt… auch dann nicht wenn Kind und
Hund sich den Keks geteilt haben *ggg*
Wenn Hund ranbeißt, ist der Keks alle. Hund wird es verkraften, dass Kind vorher rangebissen hat.
Es hat auch keiner gesagt grosse Gefahr wenn Kind sich mit
Katze nach draussen verzog und stundenlang mit Kumpel hinterm
Haus in den Feldern spielte mit 5 Jahren.
Das durften wir nicht in dem Alter, obwohl wir nicht überbehütet wurden. Allein aus dem Kiga nach Hause laufen, rd. 1-1,5 km ohne Fußwege aber schon.
Mein Bruder (jünger als ich) und ich durften durchschnittlich viel, manchmal sogar mehr als andere.
Heute wird
hinterfragt wie man ein Kid mit 15 zum Arzt bringt, oder ob.
War ein fremdes Kind, lies mal genau.
Unsere Kids sind schon mit 8 alleine per Bus quer durch die
Gross-Stadt gefahren. Und wir waren stolz auf sie. (wie
schreibt man Gross-Stadt??? mit 3 s?)
Wir mussten ab der 1. Klasse in den Nachbarort fahren, weil die Schule dort war.
So manchmal habe ich den Eindruck, wir haben mittlerweile
ärgere „Sagrotan-Eltern“ (innerlich + äußerlich) als die,
gegen die wir damals protestiert haben …
Nein, nicht unbedingt. Die fallen nur mehr auf. Die wenigsten, die einen normalen Kuchen backen für ihre Einjährigen fragen vorher im Kochbrett nach. Kaum einer, dessen Zehnjähriger allein zum Kinderarzt geht, schreibt hier darüber. Wenn ich hier jede Schramme meiner Kinder, die sie sich beim toben und spielen geholt haben, dokumentieren wollte, würde ich abgemahnt, weil das Brett dann voll wäre.
und irgendwie
denke ich manchmal, so manche Allergie z.B. wird durch diesen
übertriebenen Schutzwahn ausgelöst…
Der Mensch braucht in seinem Leben rund 7 Pfund Dreck - nur nicht auf einmal.
Wie seht ihr das? Die Eltern-Generation die vor ca 20-25
Jahren Eltern wurden?
Wie eingangs erwähnt, bin ich Kind der von dir angesprochenen Elterngeneration. Ich hoffe, mein Senf war trotzdem nicht ganz unwillkommen.
Was Schutzausrüstung angeht, bin ich froh, dass die Entwicklung hier große Schritte gemacht hat. Ich kann meine Große viel entspannter mit ihrem Fahrrad (von Anfang an ohne Stützräder) üben lassen, wenn ich weiß, sie hat den Helm auf. Als sie den einzigen Baum auf dem großen Platz „küsste“, war der auch recht hilfreich. (Baum und Kind haben es gut überstanden.) Einer aus meiner weiteren Verwandtschaft, etwas älter als ich, stürzte mit dem Rad und schlug mit dem Kopf an den Bordstein. Er stand auf, ging heim und legte sich hin. Die Eltern nahmen es erst nicht so schwer, er erzählte auch nicht gleich, was geschehen war. Tags drauf lag er im Koma für viele Monate, dir Beine und Füße behielten eine Spastik zurück. Er konnte nie wieder radfahren, lernte nur mühsam wieder laufen und behielt auch geistig was zurück. Nicht jede Neuerung ist übertriebener „Weicheikram“.
Viele Grüße, Heike