Hi!
Dein kleiner kompakter Aufsatz erklärt mir vieles recht gut, und ich kann nachvollziehen, was Du schreibst.
Das schon mal auf jeden Fall. Habe ich auch weiter oben
geschrieben. In kleinen Aquarien hast du immer
Ammoniak/Nitrit/Nitrat und einen schwankenden pH-Wert. Jede
Fütterung und jeder Wasserwechsel ist wegen der kleinen
Wassermenge ein krasser Eingriff in das chemische
(Nicht-)Gleichgewicht des Beckens. In einem großen Aquarium
mit moderatem Fischbesatz ist z.B. Nitrit/Nitrat mit einem
Streifentest nie nachweisbar.
Warum die Eiweissabbaustoffe giftig sind, weiss ich, beim pH denke ich noch drüber nach, macht der falsche Wert oder ein schwankender Wert den Fisch anfälliger für Pilze und Bakterien?
Unser Wert liegt bei 8-8.5, lag er zumindest gestern abend…
Dann könnte man ja ein wenig mit
häufigeren Wasserwechseln entgegensteuern (?).
Sicher, in gewisser Weise könnte man es machen. Aber die
chemischen/ biologischen Schwankungen sind einfach eminent
groß, weil jeder Eingriff die Chemie und Biologie komplett
über den Haufen schmeist. Jede Fütterung ist bei einer kleinen
Wassermenge eine Überdüngung, jeder Wasserwechsel kann das
Säure-Base-Gleichgewicht einfach mal so um das 10 - 100fache
(logarithmisch zum pH) ändern oder die Temperatur um mehrere
Grad heben oder senken. Selbst das Einschalten des Lichtes
kann in einem kleinen, stark bepflanzten Aquarium mit wiechem
Wasser sämtliche Werte kippen. Die Pflanzen fangen mit der
Photosynthese an und verbrauchen sofort das über Nacht
angesammelte CO2, damit fällt der CaCO3-Puffer aus, das
Säure-Base-Gleichgewicht läuft aus dem Ruder, aus Ammonium
wird Ammoniak, die Fische hängen oben und japsen nach Luft…
Je kleiner ein System ist, desto instabiler ist es, es ist
einfach keine Pufferwirkung da. Und große Änderungen ihrer
Umweltbedingungen mögen Lebewesen nun mal prinzipiell nicht
sonderlich. Das kann man auch nicht verhindern.
Hm, ja, leuchtet ein. Der Haupthaken am kleinen Becken,wie der eines jeden kleinen Systems, kleine Änderung große Wirkung.
Also robuste Fische, wenn kleines Becken, und die BArben müssen wohl wirklich raus.
WAs sagt Ihr denn zu den Welsen?
HAbe unten schon an Anja die Frage nach noch einem Welspärchen gestellt, oder kriegen die dann Ärger mit den Antennenwelsen, die schon drin sind?
Gibt es friedliche Einzelgänger unter den Fischen, sind Welse friedlich und gibt es noch andere Arten ausser Welsen, die friedlich sind und gerne alleine?
Zum Glück sind die meisten Aquarienfische ziemlich gut
abgehärtet, um das zumindest eine Weile zu überleben. Einige
schaffen es sogar, sich unter diesen suboptimalen Bedingungen
fortzupflanzen. Die meisten jedoch nicht.
Wegen der zu großen Nähe verschiedener Arten zueinander, die
zu Stress führt?
Das kommt drauf an. Wenn, dann eher wegen der Nähe der
Individuen einer Art. Andere Arten verursachen meist weniger
Stress, weil die Tiere verschiedener Arten ihr Verhalten
gegenseitig weniger gut deuten können und sich dementsprechend
auch weniger dafür interessieren. Mit ihresgleichen können sie
mehr anfangen, Interaktion ist möglich und kann gegebenenfalls
zu Stress führen. Bei revierbildenden Fischen ist das gut zu
beobachten, aber da kann man in einem 50 Liter - Becken
ohnehin nur ein Pärchen halten. Auf jeden Fall ist es wirklich
so, dass Fische in einem großen Aquarium viel entspannter
miteinander umgehen. Ich habe das selbst bei
Orangesaumbuntbarschen beobachtet. In einem 160 Liter - Becken
gab es da permanente Rangkämpfe und Raufereien (dafür sind sie
ja verschrieen), kleine Fischlies, wie Neons wurden todsicher
getötet. In einem 800 Liter - Becken leben sie absolut
friedlich miteinander und bilden sogar einen kleinen Schwarm.
Sie schließen persönliche Freundschaften mit
Diskusbuntbarschen und lassen selbst Neonsalmler unbehelligt.
Bei Schwarmfischen dürfte es natürlich etwas anders sein,
obwohl auch friedliche Salmler in zu kleiner Zahl (3 - 5
Exemplare) und zu kleinen Becken untereinander aggressiv
werden können. Auch das habe ich schon bei Neons beobachtet.
In einem großen Aquarium mit 20 - 25 Tieren passiert das nie.
Hm, das macht alles sehr viel Sinn.
Die BArsche werden schon aus dem wasserökologischen Grunde wegkommen, dennoch frag ich mal ganz laienhaft, die machen keine Anstalten, aggressiv zu sein, zeigen sich eher mit den Guppies als eine große Gruppe, obwohl sie schon immer nah beieinander sind.
Oder weil es so erscheinen mag, dass die Fische sich
eingesperrt fühlen? Aus dem selben Grunde, warum man auch Zoos
manchmal kaum ertragen kann?
Nicht dass sie sich „eingesperrt fühlen“, das ist dann wohl
doch zu sehr vermenschlicht. Aber die natürlichen Bedürfnisse,
in diesem Fall das Bewegungsbedürfnis, können in keinster
Weise ausgelebt werden. Das führt nicht nur zu Stress, sondern
auch zu körperlichen Problemen. Neons in einem 50 Liter-Becken
zu halten, ist sicher wie Wohnungshaltung für einen Husky oder
Bordercollie. Sie sind von natur aus darauf geeicht, größere
Strecken in relativ starker Strömung zu schwimmen. Das können
sie im Aquarium nicht tun, schon gar nicht auf 30 x 60 cm.
Dazu habe ich mir schon in der Antwort an Anja Gedanken gemacht.
KAnn man angesichts der vergleichsweise primitiven Organisationsstufe des Nervensystems und überhaupt eines Fisches ihn auf der Verhaltensebene und der Empfindungsebene wirklich mit einem Säuger vergleichen?
Merken die überhaupt den Unterschied, ob sie im Kreis schwimmen oder ein langes langes Becken haben?
Ich will ja nicht sagen, dass man mit seinem Aquarium
natürliche Verhältnisse schaffen soll, das geht ja gar nicht.
Selbst ein 1000 Liter - Becken ist ausgegossen nur eine
Pfütze, in der im Freiland kein Fisch leben könnte (außer
Killies ^^). Aber man kann experimentell herausfinden, ob die
Lebensumstände für das Wohlbefinden eines Fisches ausreichend
sind. Dass ist dann der Fall, wenn er ein halbwegs natürliches
Alter erreicht, nicht zu viele Anzeichen von Stress zeigt und
sich auch mal fortpflanzt. Alles das ist nach meiner
Beobachtung z.B. für südamerikanische Salmler in einem 50
Liter-Becken nicht gegeben. Bei anderen Fischen mag das anders
sein. Man muss da differenzieren. Aber die meisten Fische
zeigen in kleinen Aquarien Anzeichen von Stress und werden,
gemessen an ihren Möglichkeiten, nicht sehr alt. Man erkennt
das allerdings oft nur im Vergleich, wenn man die Fische mal
in einer anderen Umgebung beobachtet hat. Wie gesagt - Neons
werden in einem 800 Liter Becken durchaus 15 Jahre alt und
jagen sich außerhalb der Paarung z.B. eben absolut nicht
herum, nur in zu kleinen Becken tun sie das = Stress.
Ja, sehr gute Erklärung, wirklich.
Welche Arten sind denn ausser Guppies grundsätzlich für das kleine Becken geeignet?
Alles gehört überprüft, nur muss man auch die Möglichkeiten
dazu haben und einige biologische Kenntnisse. Z.B. würde ich
bei Guppies die erfolgreiche Reproduktion nicht unbedingt als
Zeichen für gute Hälterungsbedingungen ansehen. Die
Embryonalentwicklung von Guppies läuft ja wie bei allen
Lebendgebährenden im Mutterleib weitgehend abgekoppelt von den
äußeren Bedingungen (Wasserwerte) ab, so dass diese sich
selbst dann noch reproduzieren können, wenn die Eier
laichender Fische totsicher zu Grunde gehen würden. All das
muss man mit einbeziehen. Und natürlich Vergleichswerte zum
natürlichen Lebensraum oder zumindest zur Haltung der Fische
in viel größeren Becken haben. Da würde selbst somancher
Experte staunen, wenn der bösartige Raubfisch plötzlich ein
Friedfisch wird…
Ja, macht alles echt Sinn, danke noch mal für die tollen Erklärungen!
Anja
LG Jesse