Meine Gedanken gehen hin, zu ihm, dem Erlöser, diesem Jesus.
Er ward in dieser Welt, die er geschaffen hat, die die Seine ist, da er aus Gott kommt und zugleich Gott ist, mehr als der Sendbote Gottes, den wir so nötig hatten und dennoch wandelte er in dieser Welt, dem heimatlosen Wanderer gleich, dem unverstandenen Fremden.
Wir, die wir Gast in seiner Welt sind, deren Existenz endlich und nicht ewiglich ist, vermochten das eigene Heil nicht zu erkennen, da wir uns selbst genügten, getrieben und getragen von Begierden und Bedürfnissen. Voll der Selbstgerechtigkeit jagen wir durch die Zeit, die wir Leben nennen.
Längst hat er ausgedient, gekreuzigt, gestorben und begraben - und Gott sei Dank - hinaufgefahren in den Himmel ist er, dieser Gottes Sohn.
Allein hat er uns gelassen! - verlassen?
Wenn wundert es darum, dass neue Götter wir haben, die uns sichtbar und begreiflich sind, die ausfüllen, die vermeintliche Lücke, die er hinterließ.
Ist er wirklich ganz vergessen, hat er wirklich ganz verspielt - in unserer Welt - die nicht die unsere ist, da sie dies seine bleibt.
Dieser Gott, der uns gestattet, ihn zu verleugnen, zu verlassen und dennoch uns die Treue hält, der zusieht, wie wir ihn institutionalisieren, kategorisieren und vereinnahmen, um unserer selbst Willen, wie wir auch in seinem Namen all das in die Welt stellen - das aus der Welt zu nehmen - Jesus uns bat.
Wofür ist dieser Jesus gestorben, wofür hat er gelebt, ist nicht alles sinnlos gewesen, was geschah - sind wir in Wahrheit und wirklich nicht mehr zu retten?
Geht man wachen Auges durch diese Welt, man könnte es glauben!
Das sind die Gedanken, die mich plagen, die ich hintrage vor meinen Gott. Die Antwort erfahrend, das milde Lächeln in Gottes Gesicht erkennend. Wie er sich verständnisvoll herab beugt, zu mir, dem fragenden Kinde und zu mir spricht: „Die Hoffnung habe ich in diese Welt gestellt, so wie die Liebe, meinen Sohn habe ich gesandt, zum Heil und der Erlösung und ihr habt es erkannt - wenn gleich nicht alle!
Solange ich bin, solange wird diese Liebe sein und mit ihr die Hoffnung und mit ihr die Erlösung, daraus erwachsend das Heil.“
Gott selbst - der Ewigliche - hat sie in die Welt gestellt, diese seine Liebe, die die Hoffnung nährt, diese Erlösung die zum Heil uns führt, so ist die Welt nicht verloren, noch wir selbst. Die wir geboren sind, aus ihm, die wir in tragen in uns selbst, die wir ihn nicht verleugnen können, da wir uns sonst selbst verleugnen, da wir nur existieren, weil er existiert, da wir nur leben, weil er uns lebendig macht.
Diesen Gott annehmen, bedingungslos anerkennen, ist in Wahrheit das Bekenntnis zum Leben. Täglich ist es erfahr- und erlebbar durch unser Sein, dieses Bekenntnis zum Leben.
Allein durch das Sein legen wir Zeugnis dessen ab, dessen können wir uns nicht verweigern - wenn gleich wir es oft genug verleugnen.
Nehmen wir es an, dieses Leben - stammend aus Gottes Hand - anerkennend und nicht bestreitend, ist dies der Wandel, die Erlösung und damit einhergehend das Heil.
