Menschenbild
hallo
Erst unterstellst Du mir Absicht, dann fragst Du, ob „ihr“ das so verstehen sollt. Was denn nun?
Holla, warum so gereizt? Ich wollte doch nur wissen, ob es deine Absicht ist, und ob wir (also wir psychologische Laien) es also auch so verstehen sollen, daß man sich nach deiner Beschreibung als Patient wie ein in eine Maschine eingespanntes Werkstück empfindet.
Dein Posting ist lehrreich, aber auch so voller Zynismus und Abwertung. Warum?
Ich hätte noch so viele Fragen, aber wenn das so ist, verzichte ich lieber darauf, sie in diesem Brett zu stellen.
Ja, ich glaube, da liegt das Problem. Es sind zwei
Menschenbilder, die sich nicht vertragen. Das eine, nach dem
der Mensch ein sich nach Regeln verhaltendes Wesen ist, das
andere - was auch immer, nur nicht das. Wenn man das erste
Menschenbild hat, so wie ich es habe, und es ausspricht, dann
verletzt man die „heiligsten Gefühle“.
Ich hab von verletzten Gefühlen nichts gesagt, glaube ich. Hab nur gefragt, ob es in deinem Sinne ist, daß sich jemand, der dabei ist, sich psychologische Hilfe holen zu wollen wie die erwähnte Frau, wie ein Werkstück in einer Maschinerie fühlen soll. Ich werde ihr mal zeigen, was du schreibst, damit sie informiert ist.
Muß ich denn „vor Kühnheit zittern“, wenn ich das schreibe, was schon seit
Jahrzehnten praktiziert wird? Nein, muß ich nicht und tue ich
nicht.
Nein, du mußt nicht zittern und ob du kühn bist, kann ich nicht beurteilen. Aber du selbst hast vor einiger Zeit (leider finde ich es nicht mehr) irgendwo hier gesagt, daß auch du verschiedene Menschenbilder hast (ging irgendwie um „die Bibel mit offenem Herzen lesen“). Klar, daß die sich nicht vertragen. Aber du kommst damit selbst doch auch klar? Auch ok, daß es du hier dein psychologisches Menschenbild vertritts und nicht das, mit dem du außerhalb deines Berufes lebst. Aber hier sind deine Gesprächspartner selbst keine Psychologen und sie reden auch nicht deine fachsprache und sie denken auch nicht in deiner Geisteswelt, warum also so zynisch damit umgehen, daß es uns, auch wenn wir selbst nicht betroffen sind, davor gruselt, im Falle einer Therapie nach einem fertigen rezept „behandelt“ zu werden.
„Kalt“, nüchtern, objektiv? Wenn ich einen
Menschen in dieser Verfassung sehe, dann leide ich mit. Aber
ich darf mich von diesem Mitgefühl nicht leiten lassen, wenn
ich professionell handeln will. Denn das Mitgefühl würde mich
dazu veranlassen, die Person aus der ihr Angst einflößenden
Situation herauszuholen.
Verstanden. Mitgefühl hab ich aber nicht gemeint. Das weiß ich, daß das keinen Sinn macht.
Das sind Beispiele dafür, daß etwas nicht stimmt. Vielleicht
ist es eine Angststörung mit Panikattacken. Vielleicht sind es
auch Symptome einer „körperlichen“ Erkrankung. Nur genauere
Untersuchungen könnten diese Frage klären.
Danke.
Verhalten ist von Konsequenzen abhängig. Den Hintergrund lernt
man als Patient in der „Psychoedukation“ kennen.
Ok. Du meinst vorgestellte oder erwartete Konsequenzen, richtig?
Und wie ist das, wenn jemand mit 230 Sachen Mütter mit Kindern von der Autobahn schießt? Oder wenn jemand, wie vor kurzem einer schrieb, systematisch auf die zerstörung seiner Liebesbeziehung und auf beruflichen Mißerfolg hin handelt? Handeln diese Leute konsequenzabhängig?
Naja, vielleicht hab ich das alles nicht richtig verstanden. Nimms mir nicht übel, ich hab nicht studiert wie du.
Vielleicht kommt das daher, daß sich das so wie ein Kochrezept liest?
Prinzipiell sind es Methoden, Techniken usw.
Also doch ähnlich wie wenn man sich den Blinddarm operieren
läßt?Ja. Was stört Dich daran? Ein bißchen ist es so. Ich habe kein
Problem damit. Im Gegenteil: Ich bin froh darüber, daß man
Psychotherapie durchführen kann, ohne von einem mystischen
irgend etwas zu sprechen.
Was mich daran stört, hm, es macht Angst, obwohl ich selbst nicht ängstlich bin. Du als Psycho, der keine Angst kennt und auch sonst keinerlei mystisches irgend etwas in deinem Leben, magst kein Problem damit haben. Aber andere haben nun mal dummerweise sowas wie Gefühle, und die möchten sie gerne erhalten und nicht wegoperiert bekommen, auch wenn sie dadurch in Gefahr sind, manchmal Psychoprobleme zu bekommen.
Eine Frage noch, und bitte ohne Zynismus antworten wenns möglich ist: Kommt es auch vor, daß professionelle Psychologen Psychoprobleme, Angstgefühle z.B. haben? Hängen die dann einem mystischen irgend etwas nach und sind daher nicht professionell genug?
Vielleicht ist es keine Panikstörung, sondern irgend etwas anderes. Du hast doch nicht Dein Posting geschrieben, um von mir eine Einschätzung der Lage der Freundin Deiner Frau zu bekommen.
Weiß nicht, vielleicht doch? Aber ist ok jetzt, du hast mir ja das Wichtigste erklärt.
Ok, dann weiß ich jetzt mehr. Praktische Lebenserfahrung mit der Spritze.
Noch nie ´ne Spritze bekommen? Medikamente sind immer
Teufelszeug, nicht wahr? Man sollte sie alle verbrennen und
ihre Herstellung verbieten. Ja, genau. Damit wir das größte
Massensterben in der Geschichte der Menschheit bekommen.
Jedenfalls wäre dann das Problem der Überbevölkerung ziemlich
bald gelöst.
Siehst du, diesen Zynismus meinte ich, der wie eine Ohrfeige rüberkommt, professionell. Ich habe nichts gegen Medikamente, aber ich hab von jemandem erzählt, der davor Panik hat. Tschuldigung, ich tus nie wieder!
Gefragt hast Du nicht. Du hast vom „Vollstopfen“ geredet.
Ich bin in wissenschaftlichen Abhandlungen nicht so geschult, Ich hätte es deutlicher als Zitat einer zeitweise unter Panik leidenden vermerken sollen.
Also, nochmal danke für die Aufklärung.
Zam

