Gefühle und Argumente
Hi
Es geht um die Frage, ob dass Gefühl oder die Tat mehr zählen.
Ist die Frage zu undifferenziert, zu kitschig, zu banal?
Was spricht für die Tat? Was spricht für das Gefühl?
Deine Frage und der thread-Titel ist wirklich total kurios formuliert. Man kann nur ahnen, worauf du abzielst. Was soll „mehr zählen“ heißen? Wonach fragt die Frage „was spricht für“?
Was spricht für gelb? was spricht für geradeaus? was spricht für Sonnenschein?
)))
Aber deine Situationsbeispiele geben Anlaß, dazu einige Sätze zu sagen:
- Sie bemängelt sein fehlendes Engagement in die Beziehung
und zweifelt an der Aufrichtigkeit seiner Gefühle. Er beginnt
daraufhin, sie öfter mit Blumen und kleinen Geschenken zu
überraschen, sie zum Essen auszuführen. Nach einigen Tagen
behauptet sie, er tue das immer noch nicht aus Liebe, sondern
nur aus Pflichtgefühl.
- Ein deutscher Politiker berät mit einer russischen
Delegation über ein bilaterales Handelsabkommen. Der Leiter
der russ. Delegation hat eine sehr kaltschnäuzige,
undiplomatische Art zu verhandeln, worüber der deutsche
Politiker seinerseits in Wut gerät. Das Abkommen scheitert.
Beides sond Beispiele, die deutlich machen, daß in der zwischenmenschlichen Interaktion mehrere Komponenten enthalten sind, deren Bedeutung wir in der Regel nicht richtig einschätzen. Das kann man durch folgende Unterscheidung deutlich machen:
ich unterscheide zwischen einem informatorischen Anteil und einem personalen Anteil an der Kommunikation.
Zum informatorischen gehört
- der Informationsaustausch. Hier liegen alle Fragen, wie Mißverständnisse entstehen, und wie man sie verhiondern kann und wie man sie korrigieren kann… Die Kommunikationspartner fungieren hier als gewissermaßen als Datenträger und sind Sender und Empfänger von Daten. Entscheidend ist hier, daß die Informationen (zu denen gehört z.B. auch „ich bin wütend“, „du machst mich glücklich“, „ich kann dich nicht verstehen“ etc…)
- der argumentative Austausch. Hier geht es um Position und Opposition. Die Partner sind in dieser Hinsicht Argumenteträger. Hier geht es um die Folgerichtigkeit bzw. die Nachvollziehbarkeit des Gedankenganges (deinen vorläufigen z.B. kann man nicht nachvollziehen), und darum, wieweit die Äußerung dem tatsächlich Gedachten sprachlich adäquat ausgedrückt ist (in deiner Mail zum Beispiel ist aus der Formulierung auf gar keinen Gedankengang schließbar)
Nun zu dem wichtigsten Anteil, den ich
die personale Kommunikation
nenne (daher auch die Bezeichnung meiner Praxis).
Hier geht es darum, daß in jeder kommunikatiorischen Situation Personen austauschen, die je ihre eigen Persönlichkeitsstruktur haben. Zur Persönlichkeitstruktur (es ist ein enorm umfangreiches Thema, ich deute es hier lediglich an) gehört z.B. die Erfahrungen, Erlebnisse, die jemand im Hintergrund hat, die Wünsche, Ideale, von denen er geleitet wird, auch die Selbstbilder oder Selbstideale (wie sich jemand selbst einschätzt, wie er über sich denkt, wie er sich selbst bewertet, z.B. im Vergleich mit anderen etc.). Hier her gehört, welche Arten von Ehrgeiz jemand hat, wie er mit Mißerfolgen umgeht… und vieles andere mehr. Man kann sagen: seine gesamte psychische Disposition (zu denen natürlich gegebenenfalls auch Psychopathien gehören, wie z.B. Persönlichkeitsstörungen etc.).
Noch viel entscheidender für das interaktive und kommunikatorische Verhalten (dafür verwende ich den Terminus „Dialogisches Verhalten“), ist der Umgang einer Person mit dem jeweiligen Anderen (in der Situation und auch generell). Hier kommt zum tragen, wie jemand genrell und im speziellen Fall überhaupt den anderen menschen wertschätzt. Sein gesamtes Menschbild liegt hierin. Ist z.B. ein Anderer generell nur eine Leinwand, um auf sie eigen Ideen, Interessen, Erwartungen zu projizieren (z.B. benutzt jmd den anderen generell nur als Zuhörer für sich?), ist jemand generell interessiert an der eigenen Ideenwelt eines Anderen (unabhängig von einem selbst)? (erkennbar daran, ob er den anderen auch mal fragt - nach was auch immer - und ihm dann zuhört? Es gab mal eine Diskussion (*g*) über das „zuhören“ und „zuhören können“ im Brett Psychologie…), oder wird der Andere ausschließlich nach seiner Bedeutung bewertet, die er für einen selbst hat…?
Ich gehe davon aus, daß in JEDEM ziwchenmenschlichen Dialog - im Privaten wie auch im Öffentlichen !! - diese letztere Komponente zu 99% (diese Zahl ist hier nur metaphorisch gemeint !) eine entscheidende Rolle spielt. Es ist von entscheidender Bedeutung, wie „kompatibel“ die beiden Persönlichkeiten sind, und wie sie die Person des jeweils Anderen einschätzen. Auch in einem rein sachlichen Dialog ist das so !!!
Beispiel: di erlebst, daß person A mit Person B sich viel besser „versteht“, sich viel lieber unterhält, vielmehr auf sie eingeht, als auf eine person C, OBWOHL A und C in den meisten Sachfragen, oder Meinungen oder denkwegen viel besser übereinstimmen.
Dein zweites Beispiel zeigt eine typische Situation, in der es vielleicht ganz simpel möglich gewesen wäre, eine Übereinstimmung (z.B. gemeinsamer Beschluss) zu erreichen (mal vorausgesetzt, die Fähigkeit der Argumentation sei bei beiden gleich), aber die Persönlichkeiten waren nicht kompatibel.
Das erste Beipiel zeigt die katastrophalen Folgen, wenn einer (oder vielleicht sogar beide) glauben, daß man personale Dinge wie Resonanz, Harmonie, Freude am Zusammenspiel, Emotionen überhaupt etc. durch argumentative und informatorische Signale (zu denen auch symbolische handlungen gehören!!!), ersetzen oder beeinflussen kann.
Beispiel:
A fragt: „Liebst du mich?“
B antwortet: „Blöde Frage, das weißt du doch!!“
oder:
C sagt: „Ich liebe dich!“
D sagt: „Wie meinst du das?“
Kurz: Sprachliche Ausdrücke können Situationen erzeugen, Emotionen „realisieren“ und es wird abstrus, wenn der andere statt Resonanz diese Ausdrücke als Informationswerte interpretiert.
Und: Gefühle (auch „Resonanz“-Gefühle, zwischenmenschliche „Atmosphären“) sind real, es sind Tatsachen, sie wirken auch, aber es sind keine Informationen, sie lassen sich nicht argumentieren, und sie lassen sich nicht beobachten (physikalisch ausgedrückt: es sind keine Observable).
Trotzdem lassen sie sich durch Handlungen erzeugen (z.B. „Charme“), und auch zerstören (z.B. durch „Verletzungen“)
Soweit erstmal
Grüße
M.G.