Gegen Rechts - Wie weit dürfte eure Tochter gehen?

Hallo Ihr alle,

meine Tochter ist 17 und schon lange richtig gegen Rechts. Soweit finde ich das ja richtig, wobei mir selbst „ganz Rechte“ genau wie „ganz Linke“ nicht ganz geheuer sind.

Allerdings kommt in letzter Zeit immer Mal wieder: da wollen sich die Rechten treffen… da muss ich hin. Auch an einer Demo gegen rechts in einigen Wochen will sie unbedingt teilnehmen.

Schon klar, gegen rechts etwas zu tun, macht Sinn. Trotzdem habe ich Angst um meine Tochter. Mir ist auch klar, dass ich sie mit 17 nicht mehr einsperren kann.

Dürfte eure Tochter an solchen Veranstaltungen teilnehmen? Unter welchen Voraussetzungen? Wie geht ihr damit um?

Ich danke euch sehr für eure Meinungen!

MfG Uta

moin,
in meiner „jugend“ war es tagesgeschaeft, auf irgendwelchen demos mitzulatschen - teils ohne zu wissen, worum es da ueberhaupt genau ging.
das richtige demofeeling kam dann auf, wenn man im polizeikessel stand, wasserwerfern standhielt, oder bei sitzblockaden als einer der letzten rausgetragen wurde.
meine eltern fanden sowas natuerlich schrecklich und schaemten sich…

im nachhinein betrachtet finde ich, dass „wir“ damals eine menge bewegt haben!
die verkrusteten strukturen der autoritaeten wurden aufgebrochen und die ueberall noch praesenten nazis in fuehrungspositionen wurden einer nach dem anderen abgesaegt.

daher wuerde ich mir wuenschen, dass heute noch viel mehr junge menschen auf die strasse gehen!
ob das was bringt ist eine ganz andere frage, aber allein die bereitschaft, politischen willen oeffentlich mit zum ausdruck zu bringen, finde ich eine bewundernswerte sache, zumal es heute immer seltener wird.

gruss
khs

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Hallo khs,

danke dir.

Schon klar, dass nur etwas bewegt werden kann, wenn wer was für tut.

Aber Angst habe ich trotzdem…völlig unverständlich?

LG Uta

Hallo.

Aber Angst habe ich trotzdem…völlig unverständlich?

Unverständlich ist Deine Angst nicht. Aber gesetzt den Fall, Deine Tochter hätte einen dunklen Teint und schwarze Haare (oder sie wäre mit „ausländisch aussehenden“ Kumpels unterwegs), fielen mir etliche Landstriche ein, in denen sie gar nicht demonstrieren müsste, um Gewalt von rechts zu erfahren. Dass man überhaupt Angst haben muss vor den Bräunlingen, sollte Grund genug sein, dagegen zu demonstrieren. Wer das nicht tut, hat trotzdem keine Garantie, nicht bei unpassender Gelegenheit auf die Schnauze zu bekommen von dem Pack.

Von daher ist es nicht nur gut und sinnvoll, wenn sich Deine Tochter engagiert, sondern auch bitter notwendig. Das Beste wäre es allerdings, wenn sie Dich dazu brächte, mitzukommen …

Meine erste Anti-Nazi-Demo fand 1979 an einem bekannten Treffpunkt von Altkriegern statt. In dem Jahr hatte sich der Kriegernachwuchs angesagt, um ein wenig Rahmenprogramm, wie Rudolf-Hess-Gedächtnismarsch, Bücherverbrennungen und andere neckische Dinge abzuhalten. Dass das nicht in vollem Umfang gelang, ist eine Sache, auf die ich heute noch stolz bin. Der Anlass hat mich zu einem gewissen Grad geprägt, und ich war genau so alt wie Deine Tochter jetzt ist. Sie sei darum begromeckt
mit antifaschistischem Gruß von
Eillicht zu Vensre

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Hi,

Schon klar, dass nur etwas bewegt werden kann, wenn wer was
für tut.

Aber Angst habe ich trotzdem…völlig unverständlich?

Nein, völlig verständlich!
Aber, wird die Angst kleiner wenn sie 18, 25 oder 40 ist? Und was willst Du tun, wenn sie dann gefährliche Dinge unternimmt?

Verbote, in welcher Form auch immer, bringen Dich nicht weiter. Sei froh, daß sie nicht auf der anderen Seite steht und daß sie etwas sinnvolleres mit ihrer Zeit anzufangen weiß als Shoppen gehen…

Gruß Stefan

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Hallo,
Ich kann Dein Angst zwar verstehen, aber lasse Deine Tochter mal los.
Lasse sie einfach machen, denn so lernt sie erst zu leben und sich selbst zu finden.
Solange da keine Drogen im Spiel sind oder Sie täglich besoffen nach Hause kommt, würde ich mir da keinen Kopf machen.

gruss
carsten

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Geh mit
Hallo Uta,

Deine Angst kann ich gut verstehen. Nicht selten kommt es ja am Rande solcher Demos auch zu Gewalttätigkeiten, durch die Berichterstattung in den Medien bekommt man den Eindruck, dies sei alltäglich. Führe Dir mal vor Augen, wieviele Demonstrationen völlig gewaltfrei ablaufen, nur wird nie über sie berichtet.

Ich selber war auf zig Demos gegen die WAA in Wackersdorf (im Übrigen häufig mit meinen Eltern) und ich habe nie einen Steinewerfer oder einen harten Polizeieinsatz direkt miterlebt.

Geh doch einfach mal mit und mache Dir ein eigenes Bild und das schreibe ich jetzt nicht im Tenor von „Bürger laßt das Glotzen sein. Kommt herunter, reiht Euch ein“, sondern schlicht erziehungstechnisch.

Glückwunsch zu Deiner Tochter!

kernig

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Hallo,

es steht zu befürchten, daß Deine Tochter dabei ist, in das gewaltbereite „Antifa“-Milieu abzudriften. Gemeinschaftlich begangene Überfälle auf einzelne „Rechte“ oder auch Brandanschläge auf Nazi-Funktionäre usw. sind keineswegs selten und können mit ein bißchen Pech auch mal die Schwelle zwischen politisch erwünschter Jugendkriminalität und blanker Schwerkriminalität durchbrechen.

Deine Tochter scheint Dir gesprächsweise noch ein bißchen zugänglich zu sein, also versuche sie mehr in Richtung auf die geistige Auseinandersetzung mit „Rechts“ zu bewegen. Mit den besseren Argumenten kann man viel erfolgreicher überzeugen als mit Flaschenwürfen, seien sie nun leer oder Molotow.

Grüße

Anny

Reden, aus meiner Sicht das einzige was da hilft.
Setz Dich mir Ihr hin und rede über Ihre Gesinnung, Ihre Pläne, Ihre Aktionen usw.
Alles andere ist kalter Kaffee.

Gruß D.

Hallo,

hier geht es aber nicht um normale linke Demos, sondern um Versammlungen usw. der Rechten, wo die junge Dame was gegen Rechts zu tun gedenkt. Das ist was anderes.

Grüße

Anny

Hallo uta,

danke dir.

Schon klar, dass nur etwas bewegt werden kann, wenn wer was
für tut.

Aber Angst habe ich trotzdem…völlig unverständlich?

mal provokativ gefragt: Lässt Du Deine Tochter alleine auf die Straße? Mit Freunden und Bekannten im Auto mitfahren?

Wieviele Menschen kommen im Straßenverkehr um und wieviele auf solchen Demos? Da dürfte selbst das Verhältnis von Menschen, die das tun, und den Verunglückten noch deutlich zugunsten der „gegen Rechts“ aktiven liegen.

Gruß, Karin

Hallo Uta,

in meiner Jugend hab ich meinen Eltern auch einige male Bauchweh bereitet, weil ich auf Demos war, in besetzten Häusern nächtigte und andere für sie unerhörte Sachen machte.
Das gab den einen oder anderen Krach mit meinem Vater, der als gestandener Konservativer nun so gar nicht damit einverstanden war.
Zum ideologischen Streß kam dann sicher auch noch die Angst, daß mir juristisch oder körperlich was passieren kann. Das änderte sich (zumindestens was das juristische betraf) mit meinem 18. Geburtstag.
Das mit physisch was passiert machte ihnen wohl immer Angst.

Habs aber trotzdem gemacht, weil ich es für wichtig erachtete.

Die Gefahr, in kriminelle Kreise abzudriften halte ich für eher gering. Und eine Nacht in Polizeigewahrsam zu verbringen ist sicher auch kein Beinbruch.

Und die Angst, daß ihr was körperlich passieren kann:
Sie nimmt z.B. sicher irgendwie am Straßenverkehr teil, hast Du da keine Angst, daß ihr da was passieren kann? Verbietest Du ihr von jetzt an, mit dem Fahrrad zu fahren?
Wohl kaum - oder?

Sei lieber froh, daß Du ein Kind hast, das sich engagiert!

Gandalf

Hallo,

es geht nicht um die Gefahr, daß die junge Dame selbst z.B. bei einer Notwehrreaktion eines Rechten einen Schlag abbekommen könnte, sondern es geht darum, daß sie sich an einer Antifa-Aktion, Überfall, Anschlag usw. beteiligten könnte, die für den betroffenen „Rechten“ so schlimm endet, daß der Dame das noch lange nachhängt.

Grüße

Anny

hallo uta,

vielleicht könntest du ja mal unverfänglich das gespräch darauf bringen, das es relativ wenig bringt, immer nur gegen etwas zu sein, sondern es sinnvoll ist, auch mal etwas für eine bestimmte stimmung zu tun. also organisierung eines meinetwegen multikulturellen festes, eines punk-(o.ä.)konzertes, kinderparty usw. usf.?
einfach auch mit dem argument, den „rechten“ (genauer wäre wohl eher nazis) die basis zu entziehen, nach der sie die einzigen sind, welche veranstaltungen durchführen.

strubbel
L:open_mouth:)

Hallo Uta,

was denkst du, wie hast du deine Tochter erzogen? Vertraust du ihr? Hast du ihr den Unterschied zwischen Gut und Böse beigebracht und auf ihre Fragen auch mit mehr als nur „Darum.“ geantwortet? Hast du ihr beigebracht dass wir in einer Demokratie leben? Hast du ihr beigebracht, das Brutalität nichts bringt und Gewalt nur in der Defensive angewendet werden sollte? Hast du ihr erklärt, dass Defensive nur dann existiert wenn man auch angegriffen wird?

Wenn du all diese Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, musst du dir keine grundsätzlichen Sorgen machen. Das Urteil von Anibal halte ich für übertrieben.
Wenn eine Demo der Rechten stattfindet und eine Gegendemonstration dann „muss man dahin“. Stimmt doch. Und es sollten noch viel mehr Leute dahin!
Natürlich sieht es lustig aus wenn da 40 Nazis marschieren und 200 Gegendemonstranten und ein paar Polizisten, aber es ist doch RICHTIG so. Was für ein Armutszeugnis wäre es andersrum, und die Rassisten würden sich bestätigt fühlen weil keiner mehr gegen sie anstrebt und zeigt, dass sie eben NICHT die Mehrheit haben? (hoff ich).

Dagegen zu demonstrieren und sich zu organisieren und zu engagieren ist richtig. Wichtig ist nur, dass du ihr beibringst, dass Scheiben einschlagen und Molotov-Cocktailswerfen nichts mit Links oder Anti-Faschismus zu tun hat. Im Gegenteil es sind eben die Methoden der Nazis die Angst und Schrecken verbreiten, und wenn die Linken sich genauso verhalten, sie die neutrale Bevölkerung nur in die Hände des „Feindes“ treiben.

Ich habe bei besserer Gesundheit an jeder Demo in diese Richtung teilgenommen (war sogar mal auf einer Titelseite), sei es nun eine spontane Gegendemo oder ein städtisch-schulisch organisierter Fackelmarsch.
Meine Mutter hat mich immer dabei unterstützt und ich bin ihr dankbar dafür, dann ich weiß welche Sorgen sie sich machte.

Wir haben immer abgesprochen, dass ich abhaue wenn ich die ersten vermummten Gestalten am Straßenrand sehe (wir haben schließlich Vermummungsverbot).
Ist zwar nie was passiert aber ich hätte mich auch drangehalten, denn im Krankenhaus bring ich ja keinem was.

Demonstrationen sind übrigens auch gute Orte um Kontakte zu knüpfen, Diskussionen zu fördern, den Geist anzuregen und einfach unter Menschen zu kommen. Die Demonstration an sich ist gesund und belebt den Geist des Volkes, sie hindert daran völlig in der politischen Müdigkeit zu versinken und man macht sich bei der nächsten Wahl automatisch mehr Gedanken wo man sein Kreuzchen hinmacht.
Vor allem GEHEN die Leute dann auch mal wählen.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen,

lg
Kate, idealistisch links. Gewaltfrei.

Hallo Anibal,

es geht nicht um die Gefahr, daß die junge Dame selbst z.B.
bei einer Notwehrreaktion eines Rechten einen Schlag
abbekommen könnte, sondern es geht darum, daß sie sich an
einer Antifa-Aktion, Überfall, Anschlag usw. beteiligten
könnte, die für den betroffenen „Rechten“ so schlimm endet,
daß der Dame das noch lange nachhängt.

wie gut kennst Du denn die betroffene Familie, dass Du genau diese Gefahr für so stark gegeben siehst?

Für mich hat sich Utes Posting schon eher nach Angst vor der passiven Gefahr gelesen.

Gruß, Karin

Zitat aus dem Ursprungsposting
"Allerdings kommt in letzter Zeit immer Mal wieder: da wollen sich die Rechten treffen… da muss ich hin. "

Grüße

Anny

Hallo Kate,

nichts gegen Dein flammendes politisches Bekenntnis, aber hier scheint es mir um mehr zu gehen als um die völlig harmlose Teilnahme an halbamtlichen Aktionen „gegen rechts“.

Und die 17-jährige Demoiselle wird für den Kampf gegen illegale Demonstrationen und Zusammenrottungen Rechtsextremer nicht wirklich benötigt, dafür gibt es die sogenannten „Bullen“ oder auch Polizei.
Angriffe auf legale Demonstrationen oder Versammlungen sind gesetzlich verboten. Für mich wäre es an dieser Stelle vorbei mit der Gemütlichkeit.

Grüße

Anny

Hi Anibal,

also ähm…

nichts gegen Dein flammendes politisches Bekenntnis, aber hier
scheint es mir um mehr zu gehen als um die völlig harmlose
Teilnahme an halbamtlichen Aktionen „gegen rechts“.

Und das liest du WO?

Und die 17-jährige Demoiselle wird für den Kampf gegen
illegale Demonstrationen und Zusammenrottungen Rechtsextremer
nicht wirklich benötigt, dafür gibt es die sogenannten
„Bullen“ oder auch Polizei.

Wo stand etwas von illegalen Demonstrationen? Du wirst es nicht glauben aber auch die Rechtsextremen melden ihre Demos an.

Angriffe auf legale Demonstrationen oder Versammlungen sind
gesetzlich verboten.

Und du liest etwas von einem Angriff genau WO?
Davon steht in Utas Posting überhaupt nichts.
Und eine Gegendemonstration ist ein gutes Recht im demokratischen Staat, mit einem Angriff hat sie nichts zu tun.
Uta hat in ihrem Posting nur erwähnt, dass ihre Tochter da hin will und dies stark äußerst, von einem Angriff oder auch nur iiiirgendeinem Hinweis zum kriminell werden steht da überhaupt gar nix. Darum hat mich dein Posting auch sehr verwundert.

lg
Kate

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Hi!

Du merkst aber schon, dass da nichts von einem „und dann machen wir die Rund“ o.ä. steht, ja?
Seinerzeit sind die Leute den Jungs auch hinterher gegangen und haben lautstark klar gemacht, dass sie dieses Gesocks nicht haben wollen. Zu Prügelleien ist es nur sehr selten gekommen, evtl.kann man das Provokation nennen, was für ein Mädchen zweifelslos nicht sonderlich gesund ist, aber ein Anschlag ist das nicht.
Man sollte ihr nur klar machen, dass sie sich als Mädel besser nicht prügelt.

Das große „kriminell werden“ sehe ich da nach wie vor nicht.

lg
Kate

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