Hallo Uta,
was denkst du, wie hast du deine Tochter erzogen? Vertraust du ihr? Hast du ihr den Unterschied zwischen Gut und Böse beigebracht und auf ihre Fragen auch mit mehr als nur „Darum.“ geantwortet? Hast du ihr beigebracht dass wir in einer Demokratie leben? Hast du ihr beigebracht, das Brutalität nichts bringt und Gewalt nur in der Defensive angewendet werden sollte? Hast du ihr erklärt, dass Defensive nur dann existiert wenn man auch angegriffen wird?
Wenn du all diese Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, musst du dir keine grundsätzlichen Sorgen machen. Das Urteil von Anibal halte ich für übertrieben.
Wenn eine Demo der Rechten stattfindet und eine Gegendemonstration dann „muss man dahin“. Stimmt doch. Und es sollten noch viel mehr Leute dahin!
Natürlich sieht es lustig aus wenn da 40 Nazis marschieren und 200 Gegendemonstranten und ein paar Polizisten, aber es ist doch RICHTIG so. Was für ein Armutszeugnis wäre es andersrum, und die Rassisten würden sich bestätigt fühlen weil keiner mehr gegen sie anstrebt und zeigt, dass sie eben NICHT die Mehrheit haben? (hoff ich).
Dagegen zu demonstrieren und sich zu organisieren und zu engagieren ist richtig. Wichtig ist nur, dass du ihr beibringst, dass Scheiben einschlagen und Molotov-Cocktailswerfen nichts mit Links oder Anti-Faschismus zu tun hat. Im Gegenteil es sind eben die Methoden der Nazis die Angst und Schrecken verbreiten, und wenn die Linken sich genauso verhalten, sie die neutrale Bevölkerung nur in die Hände des „Feindes“ treiben.
Ich habe bei besserer Gesundheit an jeder Demo in diese Richtung teilgenommen (war sogar mal auf einer Titelseite), sei es nun eine spontane Gegendemo oder ein städtisch-schulisch organisierter Fackelmarsch.
Meine Mutter hat mich immer dabei unterstützt und ich bin ihr dankbar dafür, dann ich weiß welche Sorgen sie sich machte.
Wir haben immer abgesprochen, dass ich abhaue wenn ich die ersten vermummten Gestalten am Straßenrand sehe (wir haben schließlich Vermummungsverbot).
Ist zwar nie was passiert aber ich hätte mich auch drangehalten, denn im Krankenhaus bring ich ja keinem was.
Demonstrationen sind übrigens auch gute Orte um Kontakte zu knüpfen, Diskussionen zu fördern, den Geist anzuregen und einfach unter Menschen zu kommen. Die Demonstration an sich ist gesund und belebt den Geist des Volkes, sie hindert daran völlig in der politischen Müdigkeit zu versinken und man macht sich bei der nächsten Wahl automatisch mehr Gedanken wo man sein Kreuzchen hinmacht.
Vor allem GEHEN die Leute dann auch mal wählen.
Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen,
lg
Kate, idealistisch links. Gewaltfrei.