Gender Mainstreaming?

Hallo Experten der deutschen Sprache,

den obigen Begriff fand ich in einem stern-Artikel. Hinter diesem Wort-Ungetüm verbirgt sich sowas wie eine „sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern“.

Zu Sinn und Unsinn von sowas will ich mich hier nicht äußern aber wie spricht man „Gender“? Vielleicht Dschänder oder Dschender oder Gänder oder Gender mit langgezogenem e in der ersten Silbe wie bei „Gentechnik“?

Fragende Grüße
Pat

Gender ist das englische Wort für Geschlecht…
nun, ich tue mich mit ‚Lautschrift‘ etwas schwer, also, eh:

‚dschender‘, wie der englische Name Jenny, oder Jennifer Lopez.

Es handelt sich um das Bemühen, nicht nur eine geschlechtergerechte Sprache im Sinne von der Nennung der männlichen und weiblichen Form zu benutzen, sondern um noch viel mehr.

So wird zB in vielen Unterrichtsmaterialien in Beispielen und Beispielübungen die 'klassische ‚Rollenverteilung‘ verwendet.

Herr x ist der Chef, und die so-und-so die Buchhalterin, oder was auch immer.

Und nicht nur das - so ist es zB auch häufig der Fall, dass der Mann mit Nachnamen genannt wird (Herr Müller), die Frau aber mit Vornamen (Susanne). Diese ganzen Ungleichheiten sollten betrachtet werden.

Aber das wirst Du ja eh’ schon gelesen haben.

Wenn’s sich um die aktuelle Ausgabe handelt - muss ich unbedingt mal lesen! Interessiert mich sehr.

Gruss, Isabel

(bei Interesse: http://www.genderanalysen.de )

aber wie spricht man „Gender“? Vielleicht Dschänder oder
Dschender oder Gänder oder Gender mit langgezogenem e in der
ersten Silbe wie bei „Gentechnik“?

Vielleicht hilft das:

_ gender ['d¦ende] s ling. Genus n, Geschlecht n: what gender is …? welches Genus hat …?

© Langenscheidt._

Fritz

Hi Pat,

„sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern“.

ja, haarsträubender Schwachsinn. Spricht sich [ˈdʒɛndəʁ] (Quelle: Langenscheidt-Longman DCE).

Gruß
Christopher

Hallo Pat,

hier kannst du dir die Aussprache anhören:

http://www.m-w.com/cgi-bin/dictionary?book=Dictionar…
http://www.bartleby.com/61/59/G0075900.html

Grüße
Wolfgang

Nachtrag…
falls ich mal von dem von mir genannten link zitieren darf:

Genderanalysen in der Weiterbildung

Im Gegensatz zum Deutschen unterscheidet das Englische zwischen dem biologischen Geschlecht (sex - angeboren, unveränderbar) und dem sozialen Geschlecht (gender - erworben, veränderbar). Gender bezieht sich also sowohl auf Frauen wie auf Männer und lässt sich am besten mit geschlechterspezifisch, geschlechterbezogen oder das Geschlechterverhältnis betreffend ins Deutsche übertragen.

Eine Genderanalyse ist also die Untersuchung eines Textes oder einer Situation - z.B. einer Unterrichtsstunde oder eines Seminars - aus der Perspektive des Geschlechterverhältnisses. (…)

Gender Mainstreaming ist eine integrative Gleichstellungsstrategie
zur Herstellung rechtlicher und faktischer Gleichberechtigung
zwischen den Geschlechtern.

1998 hat sich die Bundesrepublik Deutschland im Amsterdamer Vertrag zur Umsetzung des Gender Mainstreaming verpflichtet: „Gender Mainstreaming ist die (Re-)Organisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaluation politischer Prozesse mit dem Ziel, eine geschlechterbezogene Sichtweise in alle politischen Konzepte auf allen Ebenen und in allen Phasen durch alle an politischen Entscheidungen beteiligten AkteurInnen einzubeziehen.“

Hallo Isabel,

wir hatten das Thema schon oft, aber ich möchte jedes Mal wieder darauf hinweisen. Da bin ich gerne so penetrant wie die Feministinnen.

(bei Interesse: http://www.genderanalysen.de )

Eine Seite, die nicht einmal die sehr einleuchtende Unterscheidung zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht korrekt darstellt, kann ich auch in anderen Punkten kaum ernst nehmen – selbst wenn ich dann als „Chauvi“ gelte (fragt sich immer noch: Bei wem?).

Bei Interesse:
http://www.trennungskinder.de/sprache-mann-frau.htm

Dass Gender Mainstreaming nicht nur sprachliche, sondern vor allem inhaltliche Missstände bekämpfen will, ist mir bekannt. Einem durchaus sinnvollen Projekt kann es allerdings massiv schaden, wenn sich beliebig kostenintensive und – vor allem – beliebig schwachsinnige Vorhaben als Teile des Projekts verkaufen dürfen. Geld genug ist ja vorhanden, zumal uns im derzeitigen binnenwirtschaftlichen Boom mit Vollbeschäftigung und Haushaltsüberschuss wenig andere Sorgen plagen.

Die Seite der Bundesregierung (mit Gleichstellungsquiz):
http://www.gender-mainstreaming.net/

Gruß
Christopher

Einfacher Kompromissvorschlag
Hallo,

Einem durchaus sinnvollen Projekt kann es allerdings massiv
schaden, wenn sich beliebig kostenintensive und – vor allem –
beliebig schwachsinnige Vorhaben als Teile des Projekts
verkaufen dürfen.

Bisher hat mir noch niemand sinnvoll klarmachen können, was an der folgenden Regelung problematisch sein soll:
Jeder benutzt den Genus, dessen Sexus er angehört. Will sagen: Lehrer, wenn sie über ihr Kollegium schreiben, sagen „Unser Kollegium besteht aus 100 Lehrern“. Lehrerinnen sagen „Unser Kollegium besteht aus 100 Lehrerinnen“.
Ebenso sollte mit der Erst- und Zweitnennung verfahren werden. Also sagen Lehrer „Unser Kollegium besteht aus 100 Lehrern, 50 davon sind Männer, 50 Frauen“. Lehrerinnen sagen „Unser Kollegium besteht aus 100 Lehrern, 50 davon sind Frauen, 50 Männer“. Ebenso bei der Begrüßung, wenn beide Geschlechter aufgezählt werden sollen („Hallo liebe Kollegen und Kolleginnen“ oder eben umgekehrt).
Möchte man den Respekt der Geschlechter füreinander in den Vordergrund stellen, spricht auch nichts dagegen, dies genau umgekehrt zu handhaben (also Männer benutzen die explizit weibliche Form, stellen die weibliche Form voran und vice versa).

Grüße,

Anwar

Hallo Christopher,

ich wundere mich gerade, wie Dir dies Thema zu Herzen geht!
Wie dem auch sei…

wieder darauf hinweisen. Da bin ich gerne so penetrant wie die
Feministinnen.

Zu denen ich persönlich mich nicht zähle.
Gleichberechtigung, egal auf welcher Ebene (ob die Unterschiede nun geschlechtlicher, religiöser, ethnischer oder was-weiss-ich welcher Natur sind) hat für mich nichts mit Feminismus zu tun, mal so als Beispiel.

Eine Seite, die nicht einmal die sehr einleuchtende
Unterscheidung zwischen grammatischem und natürlichem
Geschlecht korrekt darstellt, kann ich auch in anderen Punkten
kaum ernst nehmen – selbst wenn ich dann als „Chauvi“ gelte
(fragt sich immer noch: Bei wem?).

Chauvi? Von mir kam das nun sicherlich nicht.

Aber was die von Dir genannte ‚Unterscheidung‘ von ‚natürlichem‘ und ‚grammatikalischem‘ Geschlecht angeht:
Da bist Du einfach einem Trugschluss erlegen (??heisst das so?):
Das GRAMMATIKALISCHE Geschlecht ist nämlich für die gender Diskussion völlig irrelevant.

Grüsschen,
Isabel

(die zB auch nicht meint, man sollte als Frau man durch frau ersetzen… Sowas fördert nur diese Trugschlüsse…)

1 „Gefällt mir“

Hi Isabel,

Wenn’s sich um die aktuelle Ausgabe handelt - muss ich
unbedingt mal lesen! Interessiert mich sehr.

musst dich beeilen, denn morgen (oder wegen Ostern vielleicht schon heute) liegt der neue am Kiosk! In diesem (mit Gender …) ist das Titelthema schnarchen.

Gruss, Isabel

Gruß
Pat

Hallo,

auch hallo

Jeder benutzt den Genus, dessen Sexus er angehört. Will sagen:
Lehrer, wenn sie über ihr Kollegium schreiben, sagen „Unser
Kollegium besteht aus 100 Lehrern“. Lehrerinnen sagen „Unser
Kollegium besteht aus 100 Lehrerinnen“.

seit ungefähr 40 Jahren vermeide ich die geschlechtsspezifische Aussage und benutze die o. a. Formulierung oder etwas Gleichwertiges.

Ebenso bei der Begrüßung, wenn beide Geschlechter
aufgezählt werden sollen („Hallo liebe Kollegen und
Kolleginnen“ oder eben umgekehrt).

so mach ich das auch

Möchte man den Respekt der Geschlechter füreinander in den
Vordergrund stellen, spricht auch nichts dagegen, dies genau
umgekehrt zu handhaben (also Männer benutzen die explizit
weibliche Form, stellen die weibliche Form voran und vice
versa).

na klar! Was bitte ist daran so neu, dass es eines solchen Wortungetümes bedarf?

Grüße,

Anwar

Gruß
Pat

genus vs. sexus oder warum das unsinn ist
hi,

gender kommt von genus, das das grammatische (!) geschlecht bezeichnet. der gegesatz ist sexus, der das biologische geschlecht bezeichnet.

in manchen sprachen gibt es die unterscheidung zwischen genus und sexus. zb. im deutschen: „friedrich ist 20 jahre alt. er ist 20 jahre alt.“ das ER steht, weil friedrich ein mann ist. „der tisch ist braun. er ist braun.“ das ER steht, weil das wort tisch das genus „männlich“ hat. der tisch ist aber nicht sexuell männlich, d.h. er hat keine hoden.

im englischen gibt es das jedoch nicht. alles was keine person ist, ist immer IT (mit ausnahmen von dingen, die dem menschen nahestehen wie zb. haustiere. städte, länder, schiffe sind weiblich.)

wenn eine sprache zwei genusformen hat (oder sogar drei wie im deutschen und russischen), dann muß man sich entscheiden, wenn die gruppe allgemein oder gemischt ist. meistens nimmt man die kürzere form. das ist meistens das maskulin (nicht immer wie man in anderen sprachen sieht).

das generische maskulin hat aber mit sexus nichts zu tun, was manche nicht zu kapieren scheinen.

das „fahrverbot für radfahrer“ bedeutet NICHT, daß dort frauen auf rädern fahren dürften.

manche sprachen haben in jedem einzelnen VERB das geschlecht ausgedrückt. wenn also steht „wirf (m) keinen müll aus dem bus“, dann bedeutet das nicht, daß ich als frau das darf, da ich nicht angesprochen wäre…!

was für ein schwachsinn. frauen verdienen bis zu 10% weniger! darum sollte man sich kümmern und nicht um so einen firlefanz.

gruß
dataf0x

Bisher hat mir noch niemand sinnvoll klarmachen können, was an
der folgenden Regelung problematisch sein soll:

sie ist grammatisch falsch!

„Unser
Kollegium besteht aus 100 Lehrern“.

wenn es ohne kontext steht, dann bedeutet das eine menge von 100 männern und frauen, die das lehramt ausüben, und deren geschlecht irrelevant ist. es kann 1 mann und 99 frauen sein, 50 frauen und 50 männern, 99 männer und eine frau oder 100 männer.

„Unser
Kollegium besteht aus 100 Lehrerinnen“.

das sind ausdrücklich 100 frauen, die das lehramt ausüben.

für ausdrücklich 100 männer, die das lehramt ausüben, hat die sprache kein eigenes wort. man müßte es umschreiben: „100 männliche lehrkräfte“.

gruß
dataf0x

Im Gegensatz zum Deutschen unterscheidet das Englische
zwischen dem biologischen Geschlecht (sex - angeboren,
unveränderbar) und dem sozialen Geschlecht (gender - erworben,
veränderbar).

hallo,

da ich kein englischexperte bin würde ich das gern genauer wissen. was ist ein „soziales geschlecht“??

afaik gibt es im englischen die unterscheidung zwischen genus (grammatisches geschlecht) und sexus (biologisches geschlecht) im gegensatz zum deutschen NICHT. das englische hat NUR das biologische geschlecht: HE ist immer ein mann, SHE eine frau, und IT sind dinge. erworbenes geschlecht wie „der tisch, ER“ gibt es nicht.

bitte um aufklärung!

TNX
gruß
dataf0x

Hallo datafox!

das generische maskulin hat aber mit sexus nichts zu tun, was
manche nicht zu kapieren scheinen.

Das unterschreibe ich jederzeit. Ich sehe die Auswüchse täglich. Der schönste war: „Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder!“

was für ein schwachsinn. frauen verdienen bis zu 10% weniger!

Wer behauptet das?
Oder ist das aus einer Statistik, die du (nicht?) selbst gefälscht hast?
Was da nämlich häufig miteinander verglichen wird, beruht so gut wie nie auf gleichwertigen Ausgangslagen.
Solche Aussagen kommen meist zustande, weil

  • nicht wirklich gleiche Arbeit verglichen wird,
  • nicht mit Vollbeschäftigungsäquivalenten gerechnet wird,
  • unterschiedliche Bildungsniveaus zusammengewürfelt werden,
    um die wichtigsten Fälschungskriterien zu zitieren.
    Im österreichischen öffentlichen Dienst gibt es jedenfalls nur ein geschlechtsloses Gehaltsschema und somit keine Ungleichbehandlung. Hier dürfen die Frauen auch gleich lang arbeiten wie die Männer und müssen nicht um fünf Jahre früher in Pension gehen.

Gruß
Barney

1 „Gefällt mir“

Hallo Isabel,

ich wundere mich gerade, wie Dir dies Thema zu Herzen geht!

das ist eine Fehleinschätzung. Was mir stets am Herzen liegt, ist, zu verhindern, dass offensichtliche Fehler verbreitet werden. Genau das geschieht auf der Genderanalysen-Seite.

Chauvi? Von mir kam das nun sicherlich nicht.

Nee, das kam von unser Chef-Humoristin ein paar Zeilen weiter oben.

Das GRAMMATIKALISCHE Geschlecht ist nämlich für die gender Diskussion völlig irrelevant.

Offensichtlich nicht. Die Behauptung, dass Sätze wie „Der Arbeitnehmer muss …“ sexistisch sind, ist ein exzellentes Beispiel für Unterscheidungsschwierigkeiten, die manche Damen und Herren in grammatischen Belangen haben. Datafox hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, die Problematik zu erläutern, was ich mir damit ersparen kann.

Gruß
Christopher

Wer behauptet das?

jede bevölkerungsstatistik.

Im österreichischen öffentlichen Dienst…

das ist doch irrelevant. ich rede von der freien marktwirtschaft. da frauen schwanger werden, sind sie ein risiko für den unternehmer. da frauen meistens mit den kindern zu tun haben, fallen sie häufiger aus. sprich sie sind weniger gefragt bei gleicher qualifikation = niedrigerer lohn! (das sind keine fantasien, sondern ich weiß das von meinem mann, der 10 leute anstellt.)

diese diskriminierung wurde hierzulande vom gesetzgeber derartig anerkannt, daß frauen weniger einkommenssteuer zahlen müssen.

gruß
dataf0x

Die Behauptung, dass Sätze wie „Der
Arbeitnehmer muss …“ sexistisch sind, ist ein exzellentes
Beispiel für Unterscheidungsschwierigkeiten, die manche Damen
und Herren in grammatischen Belangen haben.

ja! diese seite

http://www.genderanalysen.de/nichtsexistisch/nichtse…

ist der reinste witz.

leider entsteht so der eindruck, daß frauen erstens keine ahnung von grammatik hätten und zweitens an solchen kleinigkeiten herumzicken!

im gegensatz dazu gibt es WIRKLICH geschlechtsdiskriminierende mißstände, vor allem in schulbüchern, wo es immer noch mutti ist, die in der küche steht, und papi es ist, der ingenieur und programmierer ist. wenn dem kind dieses von klein auf eingetrichtert wird, dann wundert es mich nicht, daß das mädchen dann später in jedem grammatischen ER einen feind erkennt.

gruß
dataf0x

Zu dem:

„Liebe Mitglieder und MitgliederInnen …“ – Ist unsere Muttersprache frauenfeindlich?

„Was bestellt eine Feministin bei McDonalds? Eine Cola und eine Hamburgerin.“
Volksmund

aus dem im obigen Artikel genannten Link, haben wir doch längst die alternativen Formen:

und

Liebe Mitclitorinnen und Mitglieder!

Nach Diktat untergetaucht!

Hallo,

Bisher hat mir noch niemand sinnvoll klarmachen können, was an
der folgenden Regelung problematisch sein soll:

sie ist grammatisch falsch!

Naja, aber es geht doch gerade darum eine NEUE verbindliche gramatische Regelung zu finden. Die ist natürlich JETZT falsch.

wenn es ohne kontext steht, dann bedeutet das eine menge von
100 männern und frauen, die das lehramt ausüben, und deren
geschlecht irrelevant ist. es kann 1 mann und 99 frauen sein,
50 frauen und 50 männern, 99 männer und eine frau oder 100
männer.

Ja, das ist die momentane Regelung, die ja offenbar bei einigen auf Missfallen stößt. Mein Vorschlag ist einfach, statt immer beide Formen mitschleppen zu müssen (was ja nun extrem ärgerlich ist), wie vorgeschlagen zu verfahren.
(Unnötig zu sagen, dass mir die jetzige Regelung auch reicht. Aber wenn man schon was ändern will, dann bitte NICHT beide Formen überall mitdurchschleppen)

für ausdrücklich 100 männer, die das lehramt ausüben, hat die
sprache kein eigenes wort. man müßte es umschreiben: „100
männliche lehrkräfte“.

Stimmt.

Grüße,

Anwar