Na, dann einfacher:
- Wie alt etwa ist dieser Text? Also Genesis.
Die Genesis ist kein einheitliches Werk; darin sind verschieden alte Schichten enthalten.
Die Josefsgeschichten dürften zu den jüngsten Lügenmärchen dieses Buches gehören, also nachexilisch sein. Vielleicht gab es ältere Stücke, aber die Theologie der Josefsgeschichte weist sie als nachexilisch aus. Der Text könnte also so 600 - 500 v. Chr. verfasst worden sein.
- Dieser Traum wurde später durch Josef gedeutet, wie deutete
Josef den Traum?
Sieben fette Kühe steigen aus dem Nil, danach noch sieben magere; diese fressen die fetten auf.
Sieben dicke, volle Ähren gehen auf, danach sieben leere, fruchtlose; diese vertilgen die fetten vollen.
Josef deutet das auf sieben fruchtbare Jahre, die durch die genau richtig hohen Nilüberschwemmungen sieben Mal hintereinander entstehen, so dass reichlich Frucht wächst.
Darauf folgen sieben schlechte Jahre; der Nil steigt nicht hoch genug, er bringt zu wenig fruchtbaren Schlamm mit, also gibt es Missernten. In diesen sieben schlechten Jahren wird der Ertrag der sieben guten Jahre aufgebraucht.
- Gab es damals tatsächlich diese 7 fetten und mageren Jahre
in Ägypten?
Nur im Glauben der bibelgläubigen Juden und Christen. In keiner ägyptischen oder sonstwie ernst zu nehemenden Quelle - außer eben in dem größten Märchenbuch des Vorderen Orients - wird die Geschichte erwähnt.
Hätte es sie wirklich gegeben, diese zweimal sieben Jahre und wäre damit das passiert, was die Bibel erzählt, nämlich die Versklavung aller Ägypter, so wäre dies sicher in einer ägyptischen Quelle erwähnt worden.
Frage: Was können wir über die Geschichte des in den Träumen beschriebenen volkswirtchaftlichen Tatbestandes sagen?
Besser nichts!
Nun kann man dieses Lügenmärchen aber durchaus als Parabel für wirtschaftlich kluges Verhalten betrachten. So wie man ein Märchen der Grimms ebenfalls heranziehen kann, um einen typischen Fall gleichnishaft zu interpretieren.
Der Wolf und die sieben Geislein etwa als Hinweis:
Lass die Türen geschlossen, wenn du nicht sicher bist, wer draußen steht.
Und:
Wenn du dich verstecken willst, versteck dich gut und sicher.
Na, und so kann ein Volkswirtschaftler aus der Josefsgeschichte lernen, dass es gut ist, in Zeiten des Überflusses eine kluge Vorratswirtschaft zu pflegen, denn Notzeiten kommen auch immer wieder.
Wenn nun die Volkswirtschaft und die Wirtschaftswissenschaften tatsächlich Wissenschaften wären, so könnten sie aus den Zeichen der Zeit lesen, was die Zukunft bringt und den Managern und Geschäftsleuten sinnvolle Tipps für ihre Planungen, INvestitionen, Rücklagen etc. geben.
Da aber diese Wirtschaftsweisen gut getarnte Kaffeesatzleser und Glaskugelgucker sind, so ist das ganze Unternehmen einfach auch bloß ein schlechtes Märchen.
Aber insofern passen natürlich Bibel und Wirtschaftswissenschaften prima zusammen.
Fritz