Hallo!
Ich kann Dir etwas dazu sagen, als jemand der daran glaubt, dass mit dem Tod jede Form der „seelischen Existenz“ endet.
Als Arzt ist man vor allem einer Sache verpflichtet: Menschlichkeit
Diese drückt sich darin aus, dass man Leben und/oder Lebensqualität verbessert. Dass sich diese zwei Interessen manchmal in der Durchführung entgegenstehen, ist leider Fakt.
Deshalb erscheint mir auch lebensverkürzende Palliativmedizin mit den Grundsätzen der Medizin grundsätzlich vereinbar, wohingegen ich das bei Euthanasie nicht sehe und auch bei manchem Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen nicht sehe.
In den letzten beiden Dingen sehe ich zwei Entscheidungen, die, wenn jemand sie treffen darf, dann sowieso nur der Patient selber, da er über sein Leben entscheiden kann. (Das soll nicht bedeuten, dass ich nicht gegen Selbstmord bin, aber ich sehe kein objektiv rechtzufertigendes Verbot)
Du selbst hast von Bedeutungslosigkeit mit dem Tod gesprochen. Aus Induktion folgt nach deiner Annahme, dass nach meinem Tod mir auch meine Angehörigen bedeutungslos und damit auch ihre Gedanken bedeutungslos wären.
Und da jedes Leben zwangsweise zum Tod führt wäre „auf lange Sicht“ sowieso alles Ding auf dieser Welt bedeutungslos.
Aber diese Unterstellung (dass mir alles egal ist, die deine Äußerung impliziert) trifft nicht zu!!!
Nur weil jemand an ein Ende der Existenz glaubt muss er nichtz völlige Gewissenlosigkeit üben!
Im Gegenteil ist es so, dass ich annehme, dass es kein Reset gibt und ich deswegen mein Handeln vernunftorientiert ausführen muss und ein Stückchen Menschlichkeit in diese Welt bringen muss um das zum scheitern verurteilte Leben auf dieser Welt ein wenig zu verbessern.
Damit kann Linderung von Leid nicht ausgeschlossen werden, selbst wenn sie das Leben verkürzt!
Kurzum möchte ich „Leiden“ lindern und „Glück“ mehren.
Und an einer Appendizitis wollte ich nicht sterben! Seitdem habe ich auch ein paar schöne Erlebnisse gehabt. Ich wüsste nicht wofür ich mich zu schämen hätte! Und wenn jemand mein Blut oder meine Organe erhält, so sind diese ein gutgemeintes Geschenk von MIR und ich SCHENKE sie jedem, der damit etwas länger/schöner leben kann. Wenn ich tod bin kann mir das Leben anderer wirklich egal sein, aber ich lebe jetzt und jetzt ist es mir nicht egal. Siehst du was ich meine?
Auch ist es keine Frage des Glauben Wollens oder nicht.
Ich denke einfach, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen handele.
Von einer Transzendenz weiss ich nichts, weshalb mein Handeln sein Vorbild in der Ethik findet!
VG, Stefan
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