Geschlechtsspezifische AGs in der Grundschule - Umfrage

Ich bin gerade etwas geplättet, und hätte daher gerne ein paar Fakten zu dem Umgang mit dem Thema an anderen Schulen:

Meine Tochter sollte zu Beginn der 3. Klasse jetzt eine AG auswählen und bekam mitgeteilt, dass die von ihr gewählte Fußball AG nur für Jungen gedacht sei, während „Ball über die Schnur“ nur den Mädchen vorbehalten sei. Es hatte sich auch ein anderes Mädchen für die Fußball AG angemeldet, die dies ebenfalls mitgeteilt bekam. Die beiden spielen in den Pausen regelmäßig zusammen mit den Jungen Fußball, wissen sich durchzusetzen, kassieren ihre blauen Flecke und sind sogar von den Vereinsspielern voll respektiert.

Gibt es eine solche geschlechtsspezifischen AGs 2019 auch noch an anderen Grundschulen?

Ich spreche hier nicht von Liga-Sport mit entsprechenden Vorgaben (bei dem es aber natürlich auch Frauen-Ligen gibt), sondern lediglich von einer AG für Drittklässler.

Ob meine Tochter in einem diskriminierungsfreien Auswahlverfahren wirklich einen Platz bekommen hätte, steht hier auch nicht zur Debatte. Eben so wenig, dass sie in einem Verein in einer Mädchenmannschaft oder privat und in den Schulpausen zusammen mit Jungen spielen kann.

Ich bin selbst überhaupt nicht an Sport interessiert, und alles andere als ein „Fußball-Papa“, der alles daran setzen würde, damit der Nachwuchs möglichst viel Fußball spielen kann. Darin liegt also keine Motivation für meine Frage, falls dies jemand vermuten sollte.

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So etwas gibt es der Grundschule meiner Töchter nicht (obwohl das eine katholische Grundschule ist).

Tatsächlich würde ich sogar aufs Schärfste protestieren, wenn man mir mit sowas kommen würde. Vor allem, da es keinerlei Rechtfertigung für diese Diskriminierung gibt. Die biologisch bedingten Unterschiede in der Physis kommen in der ersten Klasse praktisch noch gar nicht zum tragen - und da will ich mal gar nicht davon anfangen, dass Fußball in den USA ein typischer Mädchensport ist und dass die meisten Vereine auch hierzulande Mädchenmannschaften haben.

Was da an deiner Schule passiert ist nicht nur eine Frechheit sondern ein blanker Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz.

Hallo,

hört sich für mich (Erfahrungen mit Schulen im Bereich Südhessen) total unzeitgemäß an. An den Schulen, die ich kenne, wurde so etwas in den letzten 15 Jahren (wahrscheinlich länger, aber ich beschränke mich auf meine tatsächlichen Erfahrungen) anders gehandhabt.

Grüße
Siboniwe

Es mag sogar sachliche Gründe geben, die nur geschlechterspezifische Teilnahme zulassen.
Ein denkbarer Grund könnte sein, dass es nur einen einzigen Umkleideraum gibt.

Da konzentriert man sich auf die potenziel grössere Interessengruppe.

Aber ich würde hier auch intensiv nachhaken und ggf. intervenieren.

Echt jetzt? Ball über die Schnur? Warum nicht gleich Autos für die Jungs und Kochen für die Mädchen? Das könnte man sich vielleicht noch, um den Stammtisch zu bemühen, im katholischen Nirgendwo vorstellen, aber in Niedersachsen?
Das Einzige, was ich mir vorstellen könnte, ist genau wie @odo01 es schon ansprach, dass dem sachliche Gründe entgegenstehen. Vielleicht ist eine getrennte Nutzung der Umkleideräume außerhalb des Unterrichts nicht möglich. Allerdings wäre es dann auch kein Problem, Mädchenfußball anzubieten und nicht Ball über die Schnur.
Was sagen denn die anderen Eltern dazu? Was sagen die Mädchen dazu?

Soon

Ich bin schlicht und einfach entsetzt. Kann ja froh sein, in den 50 -bis 60 gern des letzten Jahrhunderts die Schulen besucht zu haben. Es gab bis etwa zum Eintritt der Pubertät mit 12/13 Jahren weder in der Volksschule noch im Gymnasium Trennung der Geschlechter beim Sport.
Wir paar Mädchen auf einem Jungengymnasium wurden ermutigt, auch z.B. über Boden- oder Geräteturnen hinsus Anderes auszuprobieren. Darin wurden wir dann gefördert.
Mag aber sein, dass ich qua Alter den Sinn dieser diskriminierenden Maßnahme nicht kapiere.
LG
Amokoma1

Also einereits finde ich es nicht richtig, Mädchen ihres Geschlechts wegen auszuschließen.

Aber andererseits: Mädchen und später Frauen sind männlichen Personen gegenüber insgesamt und statistisch körperlich immer unterlegen. Das hat nichts mit Gleichberechtigung oder Abwertung zu tun. Deshalb gibt es keine einzige Sportart, wo Frauen gegen Männer antreten oder umgekehrt. Wenn deine Tochter und das andere Mädchen in die "Mann-"Schaft aufgenommen würden und bei Spielen den Jungen immer oder meist unterliegen: würde das ihrem Selbstbewusstsein gut tun?

Meine Tocher hat iniher Jugendzeit mehrere Jahre lang Fußball gespielt - im Frauenfußballteam eines Sportvereins. Wenn es bei dir vor Ort keinen Sportverein gibt, der das anbietet: Wenn die beiden Mädchen an der Schule Werbung unter ihren Freundinnen machen, vielleicht finden sich soviele zusammen, dass die Schule ein Frauenteam zusammenstellt?

Größe
Carsten

Hallo,

Wiz spricht von Grundschulkindern.
Die körperliche Entwicklung bis etwa 10 Jahre ist aber bei Jungen und Mädchen ungefähr gleich: https://www.physio.uni-luebeck.de/fileadmin/files/lehre/Humanmedizin/Wahlfaecher/Sportphysiologie/Sport_b_Mann_u_Frau_P_Stengel.pdf

Grüße
Siboniwe

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Deine Behauptung, dass es keine Sportart gibt, in der Frauen und Männer gemeinsam antreten, ist schlichtweg falsch. Und ich meine hohes internationales Niveau.

Du kannst ja mal recherchieren, welche Sportarten (ja, es gibt mehrere) ich meine

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Das schöne an „Voraussetzungen“ ist, dass man die schaffen kann, und in diesem Fall auch schaffen muss, weil es hier um ein Gleichberechtigungsthema geht, bei dem der Staat zum Handeln verpflichtet ist. D.h. man könnte hier notfalls bis vor das BVerfG gehen, und letztendlich dann unter Bezug auf Art. 3, Abs. 2 Satz 2 GG („Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“) darauf klagen, dass die Voraussetzungen geschaffen werden.

Tatsächlich hat mir inzwischen die Schulleitung binnen eines Tages bestätigt, dass sie das Thema als problematisch betrachtet und gerne lösen möchte, sich jedoch bislang daran orientiert habe, dass die Stadt ebenfalls nur geschlechtsspezifische Turniere für diese beiden Themen anbietet, und sie den Kindern die Enttäuschung ersparen wolle zwar an der AG, dann aber nicht an Turnieren teilnehmen zu können. Da aber speziell zum Fußball jetzt gerade eine Einladung des Niedersächsischen Fußballverbands für ein Turnier mit gemischten Mannschaften eingegangen sei, nimmt sie das Thema jetzt schulintern mit auf die nächste Dienstbesprechung.

Und da ich die zuständige Dezernentin im Rathaus kenne und schätze, habe ich sie heute angeschrieben, damit auch die Stadt ihre Turniere öffnet.

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Da ich schon mehrfach mitbekommen habe, dass die Mädchen selbst von den Jungen geschätzt, akzeptiert und respektiert werden, die im Verein spielen, mache ich mir da keine Sorgen. Und nach dem Anruf einer erzürnten Mutter, die sich über das „Durchsetzungsvermögen“ meiner Tochter gegenüber ihrem Sohn beschwerte, da diese es - vollkommen typisch für diesen Sport - beim erfolgreichen Kampf um den Ball etwas übertrieben hatte, noch viel weniger. Zudem ist die körperliche Entwicklung in dem Alter noch nicht weit auseinander. Dafür gibt es kleine und zierliche Jungen und Mädchen, aber eben auch große und kräftig gebaute Mädchen und Jungen. D.h. auch in einer geschlechtsspezifischen Mannschaft muss man damit leben, dass es Leute gibt, die größer und stärker sind.

Zum aktuellen Stand und zur Frage ggf. fehlender „Voraussetzungen“ siehe meine Antwort an Odo01 Geschlechtsspezifische AGs in der Grundschule - Umfrage

Die Mädchen finden es natürlich doof, und ich bin stolz auf meine Kleine, bei der unsere Erziehung offenbar so gefruchtet hat, dass sie diese Geschichte gleich als Diskriminierung erkannt, und sich an mich gewendet hat, da tätig zu werden. Mit der anderen Mutter habe ich gestern auch gesprochen. Sie findet die Sache auch als „aus der Zeit gefallen“, und würde sich ebenfalls freuen, wenn man es hinbekommen würde, dass die Fußball AG für Mädchen geöffnet würde. Sie war da selbst aber offenbar noch nicht tätig geworden.