Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Hallo liebe R+E LeserInnen:smile:,

da las ich neulich bei Epikur:

„Der Tod ist nichts, was uns betrifft. Denn das Aufgelöste ist empfindungslos. Das Empfindungslose aber ist nichts, was uns betrifft.“

Und in diesem Zusammenhang habe ich dann mehr bei Epikur dazu gelesen. Dann aber auch darüber nachgedacht, was meine christliche Seite dazu fühlt und glaubt.

Ich bin mir da in vielem so unsicher und habe sehr wenig bis gar keine Vorstellungen. Habe ich festgestellt. Hat Epikur recht? Ist das dann nicht tröstlich? oder eher erschreckend? (die Angst vor dem nichts??)

Jetzt würde ich gerne mit euch den Austausch über Eure Ansichten darüber suchen. Im Dialog kommt man ja oft zu klareren (eigenen) Ansichten.

Mich interessiert, wie das Juden sehen, aber auch Atheisten, Agnostiker, andere Christen und überhaupt alle, die das lesen und die das interessiert.

Was habt ihr persönlich für einen Bezug zu diesem Thema? Ist es überhaupt ein Thema (ich persönlich gehöre eher zu den leuten, die nicht allzu oft darüber nachdenken, muss ich sagen) für euch? Und was sagt eure Religion dazu?

Beste Grüße,

barbara

Was habt ihr persönlich für einen Bezug zu diesem Thema? Ist
es überhaupt ein Thema (ich persönlich gehöre eher zu den
leuten, die nicht allzu oft darüber nachdenken, muss ich
sagen) für euch?

das ist auch gut so, dass du nicht allzuviel drueber nachdenkst.
wenn jemand ueber den tod nachgruebelt, halte ich das fuer ein
alarmsignal! in diesem sinne hat epikur sogar recht.

Und was sagt eure Religion dazu?

im moment bin ich ohne bekenntnis, interessiere mich aber sehr
fuers judentum. dort ist das leben nach dem tod keine allzugrosse
sache. die religion ist diesseitsbetont. iris wird uns sicher
eine ganze menge mehr darueber berichten!

Leben… weiß nicht… aber es ist nichts vorbei
Barbara,

meine Antwort habe ich gefunden. Es ist nichts vorbei. Oh, ich bin kein Gläubiger, habe keinen Gott, keine Vorstellung an eine überirdische Macht, keinen Respekt vor einem Herrn in irgendeiner Form. Ich kenne kein Schicksal, keine Fügung, keine Bestimmung, keinen „großen Plan“. Aber ich habe die Gewissheit, daß keine Existenz von nichts kommen und keinesfalls zu nichts werden kann.

Lediglich eine Frage kann ich nicht beantworten. Nämlich die, wie alles begann. Aber hier akzeptiere ich meine Unwissenheit.

Okay, ich fange mal an…

Auf einen Grundsatz müssen wir uns einigen, ansonsten ist alles hinfällig: Wir sind mehr als die Summe unserer Körperfunktionen. Da gibt es etwas, gemeinhin als Seele bezeichnet, daß als selbständige Daseinsform gewertet werden muß.

Schau mal in die Naturwissenschaften: Alles ist aus etwas entstanden. Nichts wurde durch ein Wunder aus dem Nichts erschaffen. Keine Materie, keine Energie… nichts war auf einmal da. Lediglich die „Aggregatzustände“ wandeln sich permanent, die Konstellationen. Es ist ein steter Fluß von einem Zustand in einen anderen, unendliche Wechselwirkungen.

Genauso ist es völlig unmöglich, etwas rückstandsfrei zu vernichten. Wie soll das gehen? Verbrenne ein Stück Papier, und alles ist noch da, Asche, Gase, Wärme. Du zündest eine Atombombe, im All kracht eine Supernova… na und? In Summe ist alles noch vorhanden. Vielfältige Umwandlungen, aber nichts hat sich verflüchtigt. Unter dem großen Strich ist alles vorhanden, als wäre nichts passiert. Denn:

Es ist nichts passiert.

Und nun unsere Seele… daß sie existiert, steht für mich zweifelsfrei fest. Wie sonst hätte ein Einstein etwas - völlig theoretisches - in seinem Hirn entwickeln können? Niemand hat ihm eine Raumkrümmung gezeigt, kein Apfel fiel ihm auf die Rübe, keine geologische Formation lieferte einen Anhaltspunkt. Nein, er dachte sie sich aus und wurde in übrigen bestätigt. Also hat die Seele eine Substanz, die sich selbst den Beweis ihrer existenz liefert. Quasi nach dem Motto: Ich denke, also bin ich.

Wenn die Seele also etwas Existierendes ist - und damit kommen wir zurück zum Thema - wie sollte sie vergänglich sein? Wie gesagt, nichts kann rückstandsfrei vernichtet werden. Ob die Seele zum Kugelblitz wird, zum gedanklichen Lufthauch oder sich für alle Zeiten verwandelt in ein stilles, zum Schweigen verdammtes Dasein, vermag kein Lebender je zu beantworten. Es kann auch der Himmel sein, glückstaumelndes Gefühl, unendliche Erkenntnis. Aber sie wird existieren. Leben im landläufigen Sinne wird es nicht sein, es sei denn durch Reinkarnation oder sowas.

Aber etwas von uns wird immer existieren.

Kannst Du damit was anfangen?

Gruß!
Tino

Tod
Hallo barbara,

ich denke, wenn ich tot bin, bin ich tot. Schluss aus.
Finde ich auch gar nicht erschreckend.

Viele Grüße
Gitte

Es ist ein steter Fluß von
einem Zustand in einen anderen, unendliche Wechselwirkungen.

nicht zuletzt bleibt information erhalten. sie ist unzerstoerbar.

wir leben ewig in…

  • der erinnerung anderer menschen.
  • den dingen, die wir geschaffen haben.
  • und den genen unserer nachkommen!

wer weiss, vielleicht ist auch die seele wiedererweckbar, indem
einfach ihr informationsgehalt in einen neuen koerper oder ein
computerprogramm fliesst. das ist alles nicht unmoeglich.
auferstehung ist also denkbar.

Hallo Tino,

deine Vorstellung find ich sehr spannend. Grad gestern habe ich mit einem Buddhisten heiße Diskussionen darüber geführt, ob es eine Seele überhaupt gibt und wie die beschaffen ist. Deine Beschreibung einer Seele hat mir sehr gut gefallen!
Eine Vorstellung, die ich bis jetzt so noch nicht hatte.

theoretisches - in seinem Hirn entwickeln können? Niemand hat
ihm eine Raumkrümmung gezeigt, kein Apfel fiel ihm auf die
Rübe, keine geologische Formation lieferte einen Anhaltspunkt.
Nein, er dachte sie sich aus und wurde in übrigen bestätigt.

Also hat die Seele eine Substanz, die sich selbst den Beweis
ihrer existenz liefert. Quasi nach dem Motto: Ich denke, also
bin ich.

Dann ist also das Bewusstsein der Beweis für die Existenz der Seele?

Wenn die Seele also etwas Existierendes ist - und damit kommen
wir zurück zum Thema - wie sollte sie vergänglich sein? Wie
gesagt, nichts kann rückstandsfrei vernichtet werden. Ob die
Seele zum Kugelblitz wird, zum gedanklichen Lufthauch oder
sich für alle Zeiten verwandelt in ein stilles, zum Schweigen
verdammtes Dasein, vermag kein Lebender je zu beantworten. Es
kann auch der Himmel sein, glückstaumelndes Gefühl, unendliche
Erkenntnis. Aber sie wird existieren. Leben im landläufigen
Sinne wird es nicht sein, es sei denn durch Reinkarnation oder
sowas.

Eine sehr gläubige Freundin von mir sieht das Leben nach dem Tod so: die Nähe zu Gott für sie als Gläubige führt zu diesem „glückstaumelnden Gefühl, zu dieser unendlichen Erkenntnis.“ Ich hoffe, dass ist nicht allein für strenggläubigen Fundamentalisten gedacht!:wink:

Aber etwas von uns wird immer existieren.

Kannst Du damit was anfangen?

Ja, kann, ich Danke Tino,

Beste Grüße,

barbara

Hallo lehitraot:smile:,

wenn jemand ueber den tod nachgruebelt, halte ich das fuer ein
alarmsignal! in diesem sinne hat epikur sogar recht.

Ich weiss nicht, man sollte sicher nichtständig drüber nachdenken, es aber auch nicht völlig verdrängen. Früher war der Tod ein ständiger Begleiter der Menschen. (Krankheit, Hunger, Krieg)…heute wirft es Menschenoft völlig aus der Bahn, wenn sie mit dem Tod eines lieben Menschen konfrontiert werden. Oder gar mit der iegenen Sterblichkeit. Da kann es nicht schaden, sich mal ein paar Gedanken gemacht zu haben.

Auf diese „Tunnel+Licht am Ende“ bin ich jetzt gar nicht mehr gekommen, fällt mir grad ein. Hm. Was denkst du?

Und was sagt eure Religion dazu?

im moment bin ich ohne bekenntnis, interessiere mich aber sehr
fuers judentum. dort ist das leben nach dem tod keine
allzugrosse
sache. die religion ist diesseitsbetont. iris wird uns sicher
eine ganze menge mehr darueber berichten!

Das würde ich wirklich interessieren.

Beste Grüße,

barbara

Morgäään Gitte:smile:)),

ch denke, wenn ich tot bin, bin ich tot. Schluss aus.

Finde ich auch gar nicht erschreckend.

Diese Ruhe möcht ich mal erreichen! Oder innere Sicherheit.

Sehr epikureisch, by the way:smile:),

beste Grüße,

barbara

Ich denke, wenn ich tot bin, bin ich tot. Schluss aus.
Finde ich auch gar nicht erschreckend.

Diese Ruhe möcht ich mal erreichen! Oder innere Sicherheit.

Hallo, Barbara, Gitte,
ich stimme Gitte insoweit zu, als mit dem Tod die physische Existenz endet. Ich kann mich auch nicht mit der Idee einer wie auch immer gearteten „Seele“ anfreunden.

Allerdings hat das Individuum während seiner physischen Existenz mit seiner Umwelt interagiert, ihr sozusagen seinen Stempel aufgeprägt. Wie stark diese Prägung war, wird sich darin zeigen, wie lange der weiterexistierende Rest der Menschheit an den Folgen dieser Interaktion zu knabbern hat oder davon profitiert. Hat diese Interaktion nur in begrenztem Raum stattgefunden (die liebe Tante Susi…), oder hat sie menschheitsweite Auswirkungen gehabt (Alexander d.G. Aristoteles, Napoleon, Hitler …)? Dann kann man also von einem, zwar nicht Weiterleben, aber Weiterwirken nach dem physischen Ende sprechen.
Ob man das „Seele“ nennen kann ist aber sicher eine Frage der Definition.
Fazit: der Mensch als individuum endet mit dem Tod. seine Taten wirken fort.
Gruß Eckard
(der hofft, dass man sich dereinst noch ein Weilchen seiner guten Werke, nicht seiner Schandtaten erinnert.)

Hallo barbara!

Auf diese „Tunnel+Licht am Ende“ bin ich jetzt gar nicht mehr
gekommen, fällt mir grad ein.

Ich las mal, dass dieses Phänomen von einigen Wissenschaftlern recht nüchtern erklärt bzw. entschlüsselt wurde.
Im Augenblick des Sterbens, sendet das Gehirn letzte elektrische Signale aus, was zu optischer Wahrnehmung führt, also irgendwas auf der Netzhaut abgebildet wird. Diese ‚Entladung‘ empfänden die Menschen, die ein Todesnähe Erlebnis hatten, als Licht am Ende des Tunnels. Das sind jetzt nicht die exakten Worte, aber so hab ich es verstanden.
Für mich persönlich ist es eigentlich immer etwas erschreckend, wenn die Naturwissenschaft wieder einmal solche ‚Wunder‘ aufdeckt. Ich bin eigentlich gewillt zu glauben, dass es eine höhere Macht gibt, und es nach dem Tode weitergeht. Aber mein rationaler Verstand sagt mir eindeutig, dass dem nicht so ist; wenn ich ganz tief in mich reinhöre, dann vernehme ich eine Stimme, die mir sagt, lebe dein Leben jetzt, du weisst nicht was später kommt. Und im schlimmsten Fall kommt da gar nichts. Leere.Wie in Ohnmacht fallen,sich nichts mehr bewusst sein. Ich kann mir (noch) nicht vorstellen, wie die Seele ohne materiellen Körper überleben soll. Dazu müsste man erst wieder die Grundsatzdiskusion aufheizen, was denn nun genau die Seele ist. Ob Energieform, schlichte Einbildung, oder etwas Gottgegebenes.
Ja,ich habe habe sogar Angst vor dem Sterben, dem plötzlichen Tod, weil ich diese Frage noch nicht eindeutig für mich klären konnte. Es gibt soviele Widersprüche, wissenschaftlicher und religiöserseits. Angst, das ganze Leben nicht voll ausgekostet zu haben, und dann zu Staub zu werden. Über mehrere Generationen hin zu völliger Vergessenheit zu geraten. Angst auch vor der erschreckenden Erkenntnis, an welchen dünnen Faden doch ein (menschliches) Leben hängt.
Das ist meine Meinung.
Einen Gruss,
Nicole

ja, sehe ich auch so
Hallo Eckard,

das hast Du schön zusammengefasst: genau meine Gedanken.

Dankeschön :smile:
und ein schönes Wochenende
Gitte

Hallo.

fuers judentum. dort ist das leben nach dem tod keine
allzugrosse sache.

So kann man es auch ausdrücken :wink: Allerdings gibt es im Einzelnen sehr verschiedene Ansichten darüber. So wird im Judentum geglaubt, dass die Toten wieder auferstehen werden. In diesem Sinn spielen die Toten schon eine wichtige Rolle, da dadurch den Grabstätten eine besondere Bedeutung zukommt und diese so angelegt und gepflegt werden, dass sie bis zur Erlösung erhalten bleiben.

Auch die Begleitung, Pflege, Vorbereitung und Beerdigung der Toten ist eine grosse Mitzwa. Und deneben auch das Trauern und die Trauerbegleitung.

Daneben finden sich Vorstellungen (schon im Talmud), welche von einem Weiterleben nach dem Tod oder einer Wiedergeburt ausgehen. Auch der Aspekt des ewigen Lebens lässt sich hier finden.

Wesentlich bei allem bleibt aber (wie lehitraot schon schrieb), dass wir jetzt leben und dieses Leben aktiv gestalten müssen. Die Vorbereitung auf den Tod ist ein erfülltes, gerechtes Leben und da wir den Todestag nicht kennen, ist dieses eine ständige Aufforderung.

Schalom,
Eli

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Hallo,

Mich interessiert, wie das Juden sehen, aber auch Atheisten,
Agnostiker, andere Christen und überhaupt alle, die das lesen
und die das interessiert.

ich bin nicht religiös (aber ich respektiere Religion).
Meinen Zugang habe ich über Martin Heidegger gefunden. Einige Zitate (aus „Sein und Zeit“, 15. Aufl. 1979):

„Der Tod enthüllt sich zwar als Verlust, aber mehr als solcher, den die Verbleibenden erfahren. Im Erleiden des Verlustes wird jedoch nicht der Seinsverlust als solcher zugänglich, den der Sterbende erleidet. Wir erfahren nicht im genuinen Sinne das Sterben der Anderen, sondern sind höchstens immer nur dabei.“ (S. 239)

„Der Übergang zum Nichtmehrdasein hebt das Dasein (d. i. der Mensch, TM) gerade aus der Möglichkeit, diesen Übergang zu erfahren und als erfahrenen zu verstehen.“ (S. 237)

„Im Tod ist das Dasein weder vollendet, noch einfach verschwunden, noch gar fertig geworden oder als Zuhandenes ganz verfügbar.
So wie das Dasein vielmehr ständig, so lange es ist, schon sein Nochnicht ist, so ist es auch schon immer sein Ende. Das mit dem Tod gemeinte Enden bedeutet kein Zu-Ende-sein des Daseins, sondern ein Sein zum Ende dieses Seienden. Der Tod ist eine Weise zu sein, die das Dasein übernimmt, sobald es ist.“ (S. 245)

„Mit der Furcht vor dem Ableben darf die Angst vor dem Tode nicht zusammengeworfen werden.“ (S. 251)

„Das Dasein stirbt faktisch, solange es existiert …“. (ebd.)

„Faktisch hält sich das Dasein zunächst und zumeist in einem uneigentlichen Sein zum Tode.“ (S. 260)

Und nach diesen hoffentlich nicht ganz unverständlichen Zitaten fasst Heidegger zusammen:
"Das Vorlaufen enthüllt dem Dasein die Verlorenheit des Man-selbst und bringt es vor die Möglichkeit …, es selbst zu seinm selbst aber in der leidenschaftlichen, von den Illusionen des Man gelösten, faktischen, ihrer selbst gewissen und sich ängstenden F r e i h e i t z u m T o d e .

Fazit (in verständlichen Worten): Durch den Tod haben wir als Menschen überhaupt erst die Möglichkeit, unsere Bedeutsamkeit für uns als solche zu würdigen. Gäbe es den Tod nicht, wäre das Leben selbst uninteressant, denn wir müssten uns nicht um das Leben sorgen.

Viele liebe Grüße

Thomas Miller

Hallo Eli:smile:,

Wesentlich bei allem bleibt aber (wie lehitraot schon
schrieb), dass wir jetzt leben und dieses Leben aktiv
gestalten müssen. Die Vorbereitung auf den Tod ist ein
erfülltes, gerechtes Leben und da wir den Todestag nicht
kennen, ist dieses eine ständige Aufforderung.

Das finde ich ein schöne Einstellung!

Danke für die Informationen,

beste Grüße + Schalom,

barbara

Hallo barbara,

Es macht (auch) in meinen Augen keinen Sinn nach dem Tode zu fragen.

denn:

Wenn man noch nicht das Leben kennt, wie sollte man den Tod kennen?
(Konfuzius)

Beste Grüße
Martin

Lebendigkeit…
Hallo Thomas,

als philosophisch zwar (noch?) nicht bewanderter (liebte zwar Jaspers in meiner Jugend) aber immer grübelnder Zeitgenosse ein paar Fragen/Gedanken zu Deinem interessanten posting!

Fazit (in verständlichen Worten) Durch den Tod haben wir als
Menschen überhaupt erst die Möglichkeit,

Ist das so gemeint:

  1. Im Angesicht des Todes leben wir würdevoller,intensiver, alles in allem lebendiger??

Oder

  1. begründet der Tod sogar sozusagen den Sinn unseres Lebens???

(Fratge: Ist letztere Auffassung nicht auch ein „Hauptgedanke“ der Existenzphilosophie…? Jaspers verwendet ja ähnliche Worte in seiner Schule des philosophschen Denkens)

für uns als solche zu würdigen. Gäbe es den Tod nicht, wäre
das Leben selbst uninteressant,

Bei (Klein)kindern könnte man das allerdings nicht behaupten…(meinst Du mit „uns“=nur denkende Erwachsene???)

Für sie ist das Leben doch wahnsinnig spannend-sie sind ja unheimlich lebendig und neugierig, und das obwohl sie ja noch keine Vorstellung vom Tod haben…

denn wir müssten uns nicht um das Leben sorgen.

Das uns Erwachsene das Wissen um die Endlichkeit des Lebens dieses intensiver und bewusster (auch demütiger…) erleben läßt, kann dagegen wohl kaum bestritten werden…

Viele Grüße von
Martin

Hallöchen,

Aber ich
habe die Gewissheit, daß keine Existenz von nichts kommen und
keinesfalls zu nichts werden kann.

Das würde ich so nicht unterstreichen. Denn das würde
implizieren, daß wir (bzw. das was uns hervorgebracht hat), auf
jeden Fall aus einer Materie entstanden sein muß, und wo willst
du dann den „Anfang“ setzen? Zumal neuere Erkenntnisse der
Physiker darauf hindeuten, daß das was wir vermeintlich als
Materie bezeichnen selbst eigentlich fast völlig „substanzlos“
ist, d.h. zum allergrößten Teil tatsächlich aus „Nichts“
besteht…

Auf einen Grundsatz müssen wir uns einigen, ansonsten ist
alles hinfällig: Wir sind mehr als die Summe unserer
Körperfunktionen.

Woher weißt du das, bzw. wie willst du das beweisen und was sagt
das überhaupt aus? Ein schöner Spruch vielleicht, aber was genau
er bedeutet und ob er überhaupt stimmt, konnte mir bisher noch
niemand klar dalegen.

Da gibt es etwas, gemeinhin als Seele
bezeichnet, daß als selbständige Daseinsform gewertet werden
muß.

Auch da könnte man dir wiedersprechen. Schließlich gibt es ja
auch diejenigen die uns als bloße Automaten sehen. Nur weil
unsere „Daseinsform“ zu komplex ist, um sie für uns verständlich
zu machen, bedeutet das noch lange nicht, daß wir tatsächlich so
etwas wie eine Seele haben…

Schau mal in die Naturwissenschaften: Alles ist aus etwas
entstanden. Nichts wurde durch ein Wunder aus dem Nichts
erschaffen. Keine Materie, keine Energie… nichts war auf
einmal da. Lediglich die „Aggregatzustände“ wandeln sich
permanent, die Konstellationen. Es ist ein steter Fluß von
einem Zustand in einen anderen, unendliche Wechselwirkungen.

Und wieder: Wo ist da der Anfang? Ich meine, wenn man davon
ausgeht, daß alles aus „irgendetwas“ enstanden sein soll, muß es
entweder irgendwann mal einen Anfang gegeben haben, an dem
Materie aus dem Nichts entstanden ist oder alles gab es schon
immer…(wobei ich letzteres glaube, zumindest teilweise…)

Genauso ist es völlig unmöglich, etwas rückstandsfrei zu
vernichten. Wie soll das gehen? Verbrenne ein Stück Papier,
und alles ist noch da, Asche, Gase, Wärme. Du zündest eine
Atombombe, im All kracht eine Supernova… na und? In Summe
ist alles noch vorhanden. Vielfältige Umwandlungen, aber
nichts hat sich verflüchtigt. Unter dem großen Strich ist
alles vorhanden, als wäre nichts passiert. Denn:

Es ist nichts passiert.

Also bestehen wir doch aus „Nichts“? :wink:

Und nun unsere Seele… daß sie existiert, steht für mich
zweifelsfrei fest.

Für mich nicht…

;Wie sonst hätte ein Einstein etwas - völlig

theoretisches - in seinem Hirn entwickeln können? Niemand hat
ihm eine Raumkrümmung gezeigt, kein Apfel fiel ihm auf die
Rübe, keine geologische Formation lieferte einen Anhaltspunkt.
Nein, er dachte sie sich aus und wurde in übrigen bestätigt.
Also hat die Seele eine Substanz, die sich selbst den Beweis
ihrer existenz liefert. Quasi nach dem Motto: Ich denke, also
bin ich.

Die bloße Tatsache, daß sich jemand etwas „Neues“ ausdenkt,
beweist für mich nichts. Schließlich gab es vor Einstein eine
Menge Leute, die sich auch etwas ausgedacht hatten. Nur haben
die meißten das Pech gehabt, daß deren Idee eben nicht zutraf.
Wobei man sich (wenn man sich mit dem Thema „Geist“ etwas näher
beschäftigt) fragen muß, ob Einstein etwas gefunden hat, was
schon da war, oder ob Einstein durch seine Vorstellungen
lediglich potentiellen Möglichkeiten zur Realität verholfen hat.
Klingt etwas kompliziert, kurz gesagt, könnte es sich auch
einfach um eine sich selbst erfüllende Prophezeihung gehalten
haben… :smile:

Wenn die Seele also etwas Existierendes ist - und damit kommen
wir zurück zum Thema - wie sollte sie vergänglich sein?

Aber wie definierst du „Existenz“? Es gibt ja schließlich auch
die Theorie, daß unsere „Materie“ lediglich verdichteter Geist
ist (kurz formuliert)…

Das hat zwar jetzt nicht wirklich irgendwelche Fragen
beantwortet, regt aber vielleicht zu einer interessanten
Diskussion an… :smile:

Schönen Tag noch,

Stephan Hübner

Hallo, Tino.
Wie Du es meinst weiß ich.
Du versuchst den Tod rational zu vermessen. Dahinter steckt die Angst vor ihm. Meinst Du wirklich, er verliert so seinen Schrecken? Würdest Du von ihm träumen, wären es keine guten Träume. Nicht bei Dir, nicht bei mir.

Der Tod ist ein schrecklicher Gedanke, weil das Außmaß des Schreckens hinter ihm alle Dimensionen erreichen kann. Hoffnung auf ein schönes Leben nach dem Tod ist ein Unding. Wer ein schönes Leben hat, will es nicht verlieren und fürchtet sich. Wer ein schlechtes Leben hat, verliert die Hoffnung auf Besseres oder befürchtet noch Schlimmeres.

An Barbara:
Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Aber ich befürchte, es wird eine Heimsuchung sein. Ewigkeit, wie Tino sie beschrieb, muß die schlimmste Langeweile sein.

Die Kati

Hallo barbara,

zu meiner Großmutter hatte ich ein starkes Gefühl der Verbundheit wie zu keinem anderen Menschen. Man würde sagen, wir hatten einen guten Draht zueinander. Nun ist sie bald 12 Jahre tot.
Unsere Seelen waren wohl sich sehr ähnlich. Sie hatte nicht viel Einfluß auf mich genommen, aber einer der einprägendsten von allen.
Ich glaube daran, dass wir alle für das Leben unserer Nachkommen eine größere Verantwortung haben, als wir es jemals einschätzen können. Durch all unser Tun, unsere Erfahrungen und Erlebnisse, durch die Art und Weise wie wir miteinander umgehen hinterlassen wir Eindrücke im wahren Sinn des Wortes. Diese Eindrücke prägen Stück für Stück die Wesensart unserer Kinder, die ihre Kinder wiederum beeinflussen.
Wenn wir lernen immer wiederkehrende Schwierigkeiten zu überwinden, dann bereichern wir unsere Erkenntnisswelt und damit unser Innerstes, was wir bewußt oder unbewußt an unsere Nachkommen weitergeben.
Ich glaube an das Leben nach dem Tod in der Form, dass wir, mal platt gesagt, schlauer werden und diese Schläue weiterleben lassen.
Ich glaube nicht an meine Wiedergeburt. Aber ich mag Dejavu-Erlebnisse, auch wenn ich weiß, dass es sich dabei um ein geistiges Irrlicht handelt.
Durch die Geburt meiner Kinder habe ich die Erfahrung gemacht, wie machtlos man gegenüber seinem Körper ist. Der läßt sich nicht immer alles sagen und gefallen. Und das ist gut so. Ich habe die Vorstellung, wenn ich sterbe, dann bleibt mir nur noch ein Loslassen, Wegsacken und Akzeptieren.

viele Grüße
Claudia

Betrachtungsweisen & Träume
Katrin,

der Tod schreckt mich nicht. Ich sehne ihn nicht herbei, doch er hat keinen bösen Charakter.
Ich werde es Dir nicht erklären können, da wir verschiedenartig denken. Eher kann ich mich in Dich hineinversetzen als umgekehrt.

Wenn ich an einen Toten denke, kann ich sogar Neid entwickeln. Denn dieser Mensch hat das Wissen erlangt, welches mir zu Lebzeiten unerreichbar und verschlossen bleibt. Wie sollte ich jemals von Dir verlangen können, meine Betrachtungen zu verinnerlichen, das Nichtvorhandensein meiner Angst nachzufühlen?

Etwas anschaulicher:
Nähert sich mir eine Wespe oder höre ich nur den tiefen Ton ihres Fluges, stellen sich mir schlagartig die Nackenhaare auf. Zur Salzsäule erstarrt hoffe ich inständig, sie möge mir nicht zu nahe kommen. Eine klassische Phobie.

Du nimmst sie bestimmt nur im Vorrübergehen wahr und denkst: „Wenn sie mich in Ruhe läßt, muß ich sie nicht umbringen. Mein Gott, warum ist dieser Typ denn so erschrocken? Hat bissel Angst, der Kleine… vor einer Wespe… mein Gott!“

Ich dagegen kann absolut nicht begreifen, wie Du das Vieh mit einer lässigen Handbewegung von Deinem Kuchen verscheuchst, ohne an die nächsten zehn Sekunden zu denken.

Ich kenne Träume, die der Tod beherrschte. Doch niemals war es der Tod selbst, der mir die Nacht versaute.
Es waren die Verluste, die er mir im Leben zufügte. Den Menschen zu verlieren, der nicht mehr da ist. Eine klaffende Lücke zu verspüren, von der ich nicht weiß, wie sie zu schließen ist… von der ich nicht weiß, ob sie je geschlossen wird.

Das ist grausam.
Nicht das Sterben selbst oder die Unwissenheit, was dem folgt.

Gruß!
Tino

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