Gibt es eine seröse Fahrradhelmdebatte?

Werte Gemeinde,

ich hoffe, ich bin hier richtig.
Neulich stieß ich im Plauderbrett die Debatte an, ob das Tragen von Helmen auf dem Rad sinnvoll oder kontraproduktiv sei.

Es gäbe eine Reihe für und widers…

Mein Nachbar ist Radhändler und Zweiradmeister. Er hat davon noch nichts gehört (Bevor alle auf das Verkaufsargument hinweisen: Er verkauft in erster Linie Fahrräder, nicht Helme).

Die Studien selber haben merkwürdige Argumente: Helmpflicht führe zu signifikant weniger Radlern… (ohne Hinweise, ob diese Korrelation durch eine Kausation begründet sei).

Gibt es hier Sportstudenten, die grad den neusten Stand wissen?

Mir reicht ein aktueller stand, ich möchte mich nicht durch 2359769 links und studien lesen (http://wiki.radlobby.at/Helmpflicht).

Es ist einfach eine grad aufgekommene Interesenfrage an Leute, die in der Materie stecken.

Neugierig,

Tilli

P.S. Es geht mir nicht um die Helmpflicht, sondern um Schutzwirkung bei Groß und Klein bei Stürzen und Unfällen.

P.P.S. Unseriös nenne ich z.b. Privatseiten, in denen EIN Argument mit lustigen, teils selbstgemachten Graphiken unterlegt wird. Im Sinne von: Helmpflicht auch bei Treppengehen, da mehr MEnschen die Treppe runterfallen, als einen Radunfall haben.

Moin Tilli,

P.S. Es geht mir nicht um die Helmpflicht, sondern um
Schutzwirkung bei Groß und Klein bei Stürzen und Unfällen.

sicher keine statistische Signifikanz, aber ich hatte einen Unfall, bei dem es mir den Helm zerlegt hat. Wenn der nicht auf der Rübe gewesen wäre, hätte mein Schädel wohl anders ausgesehen (so war die Birne heile geblieben und nur eine kleine Stauchung übriggeblieben).

Gandalf

moin gandalf,

sicher keine statistische Signifikanz, aber ich hatte einen
Unfall, bei dem es mir den Helm zerlegt hat. Wenn der nicht
auf der Rübe gewesen wäre, hätte mein Schädel wohl anders
ausgesehen (so war die Birne heile geblieben und nur eine
kleine Stauchung übriggeblieben).

in etwa so denke ich mir das auch, mit dem sinn des helms.
daher habe ich einen und meine familie auch. stört ja nicht.
ich kenne köpfe, die ohne helm/reitkappe schaden genommen haben. leichten allerdings, nun sind diese köpfe behelmt.

was treibt leute dazu, foren über foren zu füllen mit argumenten gegen den helm? selbst mit immerderselben jahrealten einjahres-studien aus downunder?

sonnige grüße,
tilli

Werte Gemeinde,

ich hoffe, ich bin hier richtig.
Neulich stieß ich im Plauderbrett die Debatte an, ob das
Tragen von Helmen auf dem Rad sinnvoll oder kontraproduktiv
sei.

Es gäbe eine Reihe für und widers…

Mein Nachbar ist Radhändler und Zweiradmeister. Er hat davon
noch nichts gehört (Bevor alle auf das Verkaufsargument
hinweisen: Er verkauft in erster Linie Fahrräder, nicht
Helme).

Die Studien selber haben merkwürdige Argumente: Helmpflicht
führe zu signifikant weniger Radlern… (ohne Hinweise, ob
diese Korrelation durch eine Kausation begründet sei).

Gibt es hier Sportstudenten, die grad den neusten Stand
wissen?

Mir reicht ein aktueller stand, ich möchte mich nicht durch
2359769 links und studien lesen
(http://wiki.radlobby.at/Helmpflicht).

Es ist einfach eine grad aufgekommene Interesenfrage an Leute,
die in der Materie stecken.

Neugierig,

Tilli

Die protektive Wirkung des Helmschutzes ist grundsätzlich eigentlich unbestritten und da der Helmschutz wohl niemanden ernsthaft einschränken dürfte, kann man sich die ganze Diskussion auch an den Hut stecken.
Hier gehts zwar nicht ums Fahrradfahren, aber im Wintersport ist das auch schon sehr lange Thema von kontroversen Diskussionen. Wobei es häufig wie gesagt „nur“ darum geht, inwieweit bzw. in welchen Situationen der Helmschutz am wirkungsvollsten ist und nicht ob er überhaupt eine Wirkung besitzt.
Allerdings ist vielen schon damit geholfen, sich im Verkehr defensiv zu verhalten.

Koehle, M. S., R. Lloyd-Smith, et al. (2002). „Alpine ski injuries and their prevention.“ Sports Med 32(12): 785-93.
Harris JB. Neurological injuries in winter sports. Physician
Sports Med 1983; 11: 111-22
Nakaguchi, H., T. Fujimaki, et al. (1999). „Snowboard head injury: prospective study in Chino, Nagano, for two seasons from 1995 to 1997.“ J Trauma 46(6): 1066-9

Franz, T., R. M. Hasler, et al. (2008). „Severe spinal injuries in alpine skiing and snowboarding: a 6-year review of a tertiary trauma centre for the Bernese Alps ski resorts, Switzerland.“ Br J Sports Med 42(1): 55-8.

HG
sunconure

hallo,

gibt es schon:

http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=990441105&…

Das mittlere Schädel-Hirn-Trauma kann als typisches Trauma des verunfallten
Fahrradfahrers angesehen werden. Die handelsüblichen Fahrradhelme schützen nicht
hinreichend gegen höherenergetische Unfallmechanismen, denen mittlere und schwere
Schädel-Hirn-Traumata folgen.
im weiteren text:

Hinsichtlich
der Schwere des Schädel-Hirn-Traumas findet sich allerdings kein signifikanter
Verteilungsunterschied zwischen den Patienten, die behelmt mit dem Fahrrad
verunfallten, und denen ohne Helm. Bei entsprechender Schutzwirkung eines
Fahrradhelmes würde man eine Umverteilung zugunsten der weniger schweren
Schädel-Hirn-Traumata erwarten. Dieses kann aber selbstverständlich keineswegs
als Hinweis auf eine fehlende Schutzwirkung des Fahrradhelmes gewertet werden,
da man unterstellen darf, dass eine große Anzahl von leichteren
Fahrradverkehrsunfällen wegen des Tragens eines Helmes nicht zu einem Schädel-
Hirn-Trauma geführt hat und daher nicht in dieser Studie erfasste wurde. Genaue
Zahlen hierzu liegen nicht vor. Die Beobachtung jedoch, dass der Fahrradhelm die
Quote der mittelschweren und schweren Schädel-Hirn-Traumata an der Gesamtzahl
nicht signifikant zu senken vermag, legt die Vermutung nahe, dass eine
entsprechende Schutzwirkung hinsichtlich der höherenergetischen
Fahrradverkehrsunfälle fehlt.

Also: Wenns schee macht, bittesehr! Scheint bis zu einem gewissen grade zu schützen, Vorsicht ist die Mutter der duweißtschon.

Strubbel
4:open_mouth:)

Die protektive Wirkung des Helmschutzes ist grundsätzlich
eigentlich unbestritten und da der Helmschutz wohl niemanden
ernsthaft einschränken dürfte, kann man sich die ganze
Diskussion auch an den Hut stecken.

genau das meine ich eigentlich auch.
ich wäre plaudernd gar nicht auf die idee gekommen, dass es da gegenargumente geben würde.

ich fragte nur, wie eltern ihren kindern klarmachen, dass sie selber ohne helm fahren, während die kinder behelmt sind.
vielen dank für die quellen!!!

tilli

hallo,

gibt es schon:

http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=990441105&…

Also: Wenns schee macht, bittesehr! Scheint bis zu einem
gewissen grade zu schützen, Vorsicht ist die Mutter der
duweißtschon.

ja, die habe ich auch gefunden. dort steht aber auch, dass die leichten fälle gar nicht erst in der studie auftauchen, weil der helm das hirntrauma eben verhindert hat. s. 101
das führt mich zu der gegenteiligen schlußfolgerung:

es macht nicht schee, aber läßt mich heil…

lg,
tilli

Werte Tilli

Die Studien selber haben merkwürdige Argumente: Helmpflicht
führe zu signifikant weniger Radlern…

Ich kann das sofort nachvollziehen. Ich würde keinen Helm aufsetzen, schon gar nicht bei der Hitze. Ich würde vermtlich weiter -ohne Helm- radfahren. Ich fahre ja sowieso nicht auf Straßen, sondern nur auf Radfahrwegen und wenn es keinen gibt, auf dem Gehweg. Langsam, versteht sich.
Ein Dorn im Auge sind mir die Fahrrad-Kollegen, die trotz Radfahrweg auf der Straße zwischen den Autos lang rasen. Kürlich habe ich einen erlebt, der dann noch die Stirn hatte, einen Autofahrer zu beschimpfen, der zu dicht an ihm vorbei gefahren sei.
Gruß,
Branden

Ich fahre ja sowieso nicht auf
Straßen, sondern nur auf Radfahrwegen und wenn es keinen gibt,
auf dem Gehweg. Langsam, versteht sich.

Genau das ist ein Trugschluss. Auf abgetrennten Radfahrwegen dürfte das Risiko höher sein, zu verunfallen, als wenn man auf der Straße fährt. Es sei der typische Rechtsabbiegerunfall genannt.

Ein Dorn im Auge sind mir die Fahrrad-Kollegen, die trotz
Radfahrweg auf der Straße zwischen den Autos lang rasen.

War der Radweg überhaupt benutzungspflichtig?

Kürlich habe ich einen erlebt, der dann noch die Stirn hatte,
einen Autofahrer zu beschimpfen, der zu dicht an ihm vorbei
gefahren sei.

Kann ich gut verstehen, Autofahrer haben genügend Abstand zu halten.

1 „Gefällt mir“

Ein Dorn im Auge sind mir die Fahrrad-Kollegen, die trotz
Radfahrweg auf der Straße zwischen den Autos lang rasen.

War der Radweg überhaupt benutzungspflichtig?

Wenn er von einem Fahrradweg auf der Strasse redet, könnte es gut möglich sein, dass er beschildet gewesen ist. In diesem Fall ist der Radweg benutzungspflichtig.
Für die Nutzungspflicht von Rad- bzw. Gehwegen gelten Altersbeschränkungen.

Kürlich habe ich einen erlebt, der dann noch die Stirn hatte,
einen Autofahrer zu beschimpfen, der zu dicht an ihm vorbei
gefahren sei.

Kann ich gut verstehen, Autofahrer haben genügend Abstand zu
halten.

Wenn der Radweg nicht beschildert ist bzw. wenn keine Fahrbahnmarkierungen für eine Radspur vorhanden ist, würde ich bezweifeln, ob die Beschwerde rechtmäßig ist. In solchen Fällen sind die Fahrdämme meistens (so meine Erfahrung) nur für einen bspw. zweispurigen Kraftfahrzeugverkehr ausgelegt (ein Nebeneinander von Radfahrern und Kraftfahrzeug ist nicht möglich und nur durch Überholmanöver zu machen).

HG
sunconure

Wenn der Radweg nicht beschildert ist bzw. wenn keine
Fahrbahnmarkierungen für eine Radspur vorhanden ist, würde ich
bezweifeln, ob die Beschwerde rechtmäßig ist.

wieso willst Du das bezweifeln? Sollen sich Radfahrer in Luft auflösen, wenn es keinen markierten Radweg gibt?

In solchen
Fällen sind die Fahrdämme meistens (so meine Erfahrung) nur
für einen bspw. zweispurigen Kraftfahrzeugverkehr ausgelegt
(ein Nebeneinander von Radfahrern und Kraftfahrzeug ist nicht
möglich und nur durch Überholmanöver zu machen).

logisch muss man dann - unter Beachtung eines Sicherheitsabstandes - vorsichtig überholen. Was denn sonst?

Gruß
Demenzia

helmpflicht-radlerabnahme-gerücht

Werte Tilli

Die Studien selber haben merkwürdige Argumente: Helmpflicht
führe zu signifikant weniger Radlern…

Ich kann das sofort nachvollziehen.
Ich würde keinen Helm
aufsetzen, schon gar nicht bei der Hitze.

ICH denke, das problem der studie liegt woanders:
die aussies und kiwis waren von der einführung der helmpflicht VOLLKOMMEN überrascht, so wie die norddeutschen vom ende der butterfahrten.

ergo: keiner hatte einen helm, alle mußten ins auto.

nun haben sich die zahlen vermutlich erholt, sie radeln wieder. aber die studie ist beendet, der bericht geschrieben, die gelder ausgezahlt. neue studie wurde nicht beantragt.

fertig ist das helmpflicht-radlerabnahme-gerücht.

tilli

Ein Dorn im Auge sind mir die Fahrrad-Kollegen, die trotz
Radfahrweg auf der Straße zwischen den Autos lang rasen.

die tun das, weil sie sonst geplättet werden, von autos, die aus der einfahrt kommen und nur langsame radler erwarten…

sagt man mir…

Hi,

Wenn der nicht
auf der Rübe gewesen wäre, hätte mein Schädel wohl anders
ausgesehen

und du wärst ganz sicher nicht vorsichtiger gefahren wenn du keinen aufgehabt hättest?

VG
J~

Hi,

ich fragte nur, wie eltern ihren kindern klarmachen, dass sie
selber ohne helm fahren, während die kinder behelmt sind.

ist das nicht eher eine Frage fürs Kinder-Brett? wie machen Eltern ihren Kindern denn klar, dass sie selbst Alkohol trinken während die Kinder dies nicht dürfen?

VG,
J~

1 „Gefällt mir“

ui jui jui… :smile:
Da sind wir ja schon wieder mitten in einer polarisierten Debatte :wink:

Wenn der Radweg nicht beschildert ist bzw. wenn keine
Fahrbahnmarkierungen für eine Radspur vorhanden ist, würde ich
bezweifeln, ob die Beschwerde rechtmäßig ist.

Nur: als Autofahrer HABE ich NIEMANDEN zu gefährden, vorsätzlich (z.B durch zu geringen Abstand) schon gleich zweimal nicht. Ich muss beim Auto fahren das Fehlverhalten anderer einplanen und ggf. ausgleichen.

Jemanden der meinen Vorgarten unbefugt betritt darf ich auch keinen Hammer auf den Kopf hauen, nur weil ich grade mal Lust hatte Weitwurf zu üben. Dürfte jedem klar sein. Nur im Straßenverkehr setzt bei soo vielen die Denkkugel plötzlich aus.

Warum eigentlich grade hier, was ist der Hintergrund? (uff, grade noch die Wende bekommen und eine in-topic-Frage eingebaut bekommen).

VG,
J~

Moin J~,

und du wärst ganz sicher nicht vorsichtiger gefahren wenn du
keinen aufgehabt hättest?

in diesem Fall bin ich mir sehr sicher, weil mich eine unerwartete Windböe auf regennasser Fahrbahn umgehauen hat.

Gegenfrage:
Schnallst Du Dich an, oder fährst Du lieber vorsichtiger?

Gandalf

Hi,

Gegenfrage:
Schnallst Du Dich an, oder fährst Du lieber vorsichtiger?

Im Auto oder aufm Rad? *grins*

Also ich mache beides, schnalle mich an und fahre vorsichtig. Allerdings weiß ich, dass ich damit ziemlich allein da stehe.

Wenn/seit ich einen Helm tragen, fahre ich aggressiver. Darum trage ich ihn weil ich mich sonst in HH nicht von der Stelle bewegen könnte.

VG,
J~

Moin J~,

Wenn/seit ich einen Helm tragen, fahre ich aggressiver. Darum
trage ich ihn weil ich mich sonst in HH nicht von der Stelle
bewegen könnte.

tja, das Leben auf dem Land hat auch seine Vorteile :wink:
Aber Fahrradfahren hab ich in einer Großstadt gelernt.

Gandalf

[MOD]: Ende der Debatte
Hallo,

abgesehen davon, dass diese Frage eigentlich nur sehr bedingt ein Thema fürs Medizinbrett ist, scheint mir die Sache hinreichend diskutiert. Neues ist wohl nicht erwarten.
Ich schließe deshalb den thread ab.

Sollte weiterer Diskussionsbedarf bestehen, setzt das Thema bitte in einem passenderen Brett fort, z.B.im Brett „Fahrräder“.

Viele Grüße
Montanus
Moderator