Hi,
Was Jo richtig gesagt hat, möchte ich ein wenig
konkretisieren, über Gegenwart im physikalischen Sinne zu
„philosophieren“ bringt nichts.
Sehe ich anders. Philosophie und Physik haben sehr wohl was
miteinander zu tun.
Ich habe nicht gesagt, dass sie nichts miteinander zu tun haben!
Lies nochmal, oben stehts. Die Physik stammt ja aus der Philosophie und die Philosophie wird natürlich immer interdisziplinär bleiben. Mann kann nicht umhin physikalische oder sonstige Erkenntnisse in die philosophischen Überlegungen zu integrieren. Aber man muß sie als solche auch stehen lassen! Carnap und Neurath haben einmal versucht eine Sprache zu bilden, die intersubjektiv nachprüfbar und allgemein verständlich sein sollte. Sie versuchten erfahrungswissenschaftliche Vorgänge und Sachverhalte (eben z.B. psychologische), in physikalischer Sprache darzustellen. Die Einheit der Wissenschaft sollte in einer einheitlichen Wissenschaftssprache dargestellt werden.
R. Carnap: „Die physikalische Sprache als Universalsprache der Wissenschaft“
Müßte in „Erkenntnis 2“ zu finden sein.
Carnap glaubte diese Probleme in der Syntax zu lösen.
Siehe auch " „Die logische Syntax der Sprache“
Er mußte dann aber später seinen Irrtum selbst erkennen. Physik und Philosophie arbeiten mit unterschiedlichen Methoden und teilweise unterschiedlichen Zeichen. Man kann sie nicht so ohne weiteres fluktuieren lassen. Es ist ein Unding über Gegenwart im physikalischen Sinne zu philosophieren. Da arbeiten verschiedene Methoden, die nicht miteinander vermengt werden können.
Ums mal so zu sagen: Die kleinste Zeiteinheit, in der du
irgendwas beeinflussen kannst, ist die Planck-Zeit. Kleinere
Zeiträume sind schlicht nicht möglich. Das heißt: Die
„Gegenwart“ der Physik, ist ein Zeitraum, der daher sehr klein
ist, genauer 5.4 * 10-44 Sekunden. Das ist verdammt
klein und eigentlich kaum mehr zu erfassen oder vorzustellen.
Eben solche Aussagen meinte ich damit, was du nicht erfassen kannst, darüber kannst du auch nicht philosophieren. Man kann sie höchstens messen und das ist eine physikalische Methode.
Allerdings Gegenwart im philosophischen Sinne ist etwas ganz
anderes.
Um die Frage zu klären braucht es erst einmal eine Definition.
Das ist richtig, hierzu gibt es sicherlich die verschiedensten
Defintionen und ohne eine gemeinsame macht eine Diskussion IMO
nicht viel Sinn.
Wenn du darauf wartest, bis du in allem und jedem eine gemeinsame Definition findest, dann wirst du alt und grau und kommst nie zum Schluß! Die einzige Chance besteht darin eine Definition als Diskussionsgegenstand vorzugeben. Das muß ja nicht der Weisheit letzter Schluß sein. Aber sich einfach hinzustellen, so wie du das tust und zu behaupten, es gibt sicherlich die verschiedensten Definitionen, (welche denn z.B?) macht imho überhaupt keinen Sinn!
„Primär ist dabei das Gegenwartsbewußtsein, als aktuelles
Jetzt der Empfindung, weil es der Ort aller Vergegenwärtigung
vergangener und zukünftiger Erlebnisse ist.“
Die Gegenwart ist eben NICHT(!) punktuell, sondern zeigt eine
Ausdehnung, innerhalb derer das Gewesene noch gegenwärtig ist.
Das nennt man „Retention“ und das Kommende in Erwartung ist,
das nennt man dann „Protention“.
Es ist also eine Frage des Bewußtseins.
Das ist das, was ich persönlich für mich auch als Gegenwart
bezeichnen würde. Aber das ist halt eine sehr subjektive
Darstellung und hat IMO eher wenig damit zu tun, was wirklich
Gegenwart ist. Also ob es überhaupt ein Jetzt gibt. Dein
Gehirn und dein Bewußtsein verarbeiten ja immer Vorgänge, die
in der Vergangenheit liegen, daher ist es klar, dass die
Gegenwart im Bewußtsein ein Zeitraum sein muss.
Da habe ich doch ausdrücklich auf Husserls „Phänomenologie des inneren Zeitbewußtseins“ verwiesen, wo H. aufzeigt, wie das Bewußtsein einer objektiven Zeit, auf das innere Bewußtsein der zeitlichen Erlebnisse gründet. Diese sehr subtile und komplizierte Werk hier auf forumfähiges Format zu komprimieren, übersteigt aber meine Möglichkeiten.
Gruss
Junktor