Göttlicher Wille

Hallo Michael,

ich versuche mich auch mit einer Antwort.

Hat Gott den Sündenfall und die aus diesem resultierenden
Folgen gewollt?

Nein! Er hat den Sündenfall nicht gewollt, sondern dadurch, dass er Geschöpfe mit freien Willen schuf, die Option dafür frei gelassen. In dem Moment, in dem Gott auf eine Vorprogrammierung verzichtet und einen wirklichen freien Willen ermöglicht, besteht die Möglichkeit, dass sich diese Geschöpfe gegen ihn wenden.

Den Sündenfall gab es nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Engeln. (Vor einiger zeit hatten wir das Thema, ob Engel einen freien Willen haben.)

Da sich Engel normalerweise nicht weiter vermehren trug jeder einzelne seine eigene Sünden. Bei den Menschen war das Problem, das der Sündenfall vor der Geburt der Nachkommen stattfand. Somit waren die Nachkommen auch fehlerbehaftet (Erbsünde).
Anstatt das erste Menschepaar zu vernichten und ein neues zu erschaffen hat er mit dem ersten weitergemacht.

Was den freien Willen betrifft ein Beispiel. Wenn du einen 18jährigen Sohn oder eine Tochter in diesem Alter hast, willst du sicherlich nicht, dass sie mit dem frischerlangten Führerschein nach einer Disconacht an einem Baum knallt.
Dennoch wirst du ihn oder sie wahrscheinlich bei dem Erwerb des Führerscheins und einem entsprechenden Gefährt unterstützen.

Gruß
Carlos

Hi Carlos,

wenn ich jetzt schriebe, dass ich mit dem Konzept des „Freien Willens“, zumindest so, wie es hier gebraucht wird, nichts anfangen kann, dann würde ich den Rahmen wohl sprengen (das wär dann wohl endgültig was für das Philosophiebrett); deshalb schreibe ich das jetzt nicht (*zwinker*)…

Nur zwei Anmerkungen:

Da sich Engel normalerweise nicht weiter vermehren trug jeder
einzelne seine eigene Sünden. Bei den Menschen war das
Problem, das der Sündenfall vor der Geburt der Nachkommen
stattfand. Somit waren die Nachkommen auch fehlerbehaftet
(Erbsünde).

Bei der Erbsünde kann es ja wohl kaum um eine Vererbung im biologischen Sinne gehen, oder? Wenn ich meinen Nachbarn tot schlage und danach einen Sohn zeuge, ist der ja auch kein geborener Mörder (was immer man sich darunter vorstellen mag)

Was den freien Willen betrifft ein Beispiel. Wenn du einen
18jährigen Sohn oder eine Tochter in diesem Alter hast, willst
du sicherlich nicht, dass sie mit dem frischerlangten
Führerschein nach einer Disconacht an einem Baum knallt.
Dennoch wirst du ihn oder sie wahrscheinlich bei dem Erwerb
des Führerscheins und einem entsprechenden Gefährt
unterstützen.

Ich habe weiter unten zu einem Posting von Hanna Zauner geschrieben, dass es einen Unterschied macht, ob man Elter oder Gott ist. Die Eltern haben nur begrenzte Möglichkeiten, diese Welt so zu verändern, dass ihre Kinder keinen Schaden nehmen können. Aber wenn sie es könnten, würden es wohl die meisten tun. Meine Frau hat ihren Bruder durch einen solchen Discounfall verloren. Was meinst Du, was ihre Eltern alles getan hätten, wenn sie das Leben ihres Sohnes dadurch hätten retten können? Gott, der die Welt ja selbst geschaffen hat, sollte wohl unbegrenzte Möglichkeiten haben, die Menschen vor den schlimmsten Auswirkungen ihrer Dummheiten zu bewahren. Wenn er es denn wollte bzw. gewollt hätte.

Insofern ist Deine Antwort für mich auch eine „Kategorie 2“-Antwort: Gott hat alles so gewollt.

Herzliche Grüße
Michael

Hallo Michael,

Bei der Erbsünde kann es ja wohl kaum um eine Vererbung im
biologischen Sinne gehen, oder?

Aber genauso wird sie verstanden. Frage mich nicht wie das gehen soll. Ich weiss es nicht.

Gott, der die Welt ja selbst geschaffen hat,
sollte wohl unbegrenzte Möglichkeiten haben, die Menschen vor
den schlimmsten Auswirkungen ihrer Dummheiten zu bewahren.
Wenn er es denn wollte bzw. gewollt hätte.

Klar könnte er das.

  • Er könnte alle schlechten und dummen Menschen direkt töten und nur die Guten und Schlauen übrig lassen.
  • Er könnte durch eine gezielte Gehirnwäsche dafür sorgen, dass kein Mensch mehr einen Fehler oder etwas Böses macht.
  • Er könnte mit Legionen von Engeln ständig alle Fehler und Schandtaten von Menschen direkt nach ihrem Entstehen reparieren.

Das passt aber irgendwie nicht mit dem freien Willen zusammen.
Fällt dir noch etwas ein was er machen könnte?

Gruß
Carlos

Hallo Carlos,
ich halte dagegen: der Sündenfall war programmiert! Denn der Tod muss sein! Der Tod ist der Anfang vom Leben. Ohne Tod kein Leben. Die Evolution ist nur mit dem Tod möglich. Stell dir die Katastrophe vor, wenn unsere Vorfahren noch Leben würden und sich mit den Jetztzeitmenschen vermischen würden!
dieses affenartige Wesen (kein Affe: er ist nur unser Verwandter, eine andere Entwicklung.)
Genauo schlimm wäre es, wenn wir heutigen in 2 mio Jahren noch leben würden: wir wären die „Affen“ der dann lebenden Menschen.
Es ist so gut eingerichtet, dass das Alte wegstirbt und Platz für das neue macht.
Denn die Schöpfung ist noch lange nicht abgeschlossen. wir sind mitten drin.
Grüße
Raimund

Was mir noch so einfällt

Fällt dir noch etwas ein was er machen könnte?

Na klar, jede Menge: Er könnte Erdbeben verhindern, Überschwemmungen, Vulkanausbrüche, giftige Pilze eliminieren, ebenso Grippeviren, usw. usw.

Aber im Ernst: warum sollte der freie Wille eigentlich ein absoluter Wert sein? Das klingt immer so: Gott konnte gar nicht anders, er mußte dem Menschen doch einfach den freien Willen geben, sonst hätte es ja gar nicht richtig Spaß gemacht. Warum sollte der freie Wille so eine unbedingte Notwendigkeit sein?

Michael

Hallo Michael,

Warum sollte der freie Wille so eine unbedingte
Notwendigkeit sein?

Er ist keine Notwendigkeit. Aber Gott scheint ihn bei seinen intelligenten Geschöpfen (Engel und ein Teil der Menschheit) zu bevorzugen.

Gruß
Carlos

hallo,

Mir selbst fallen darauf zunächst zwei mögliche Antworten ein:

  1. Der Schöpfer und/oder die Schöpfung sind nicht perfekt… damit auch die Folgen für den
    Menschen ungewollt
  1. Der Schöpfer und/oder die Schöpfung sind perfekt: Alles was
    ist, ist so gewollt, nichts was geschieht, widerspricht dem
    göttlichen Plan;

warum setzt du determiniert mit perfekt und nichtdeterminiert mit nicht perfekt gleich? warum kann nicht etwas perfekt und vollkommen sein, OBWOHL oder GERADE WEIL es in diesem system freiheit, wille und zufall gibt? da steckt ein eigenartiges gottesbild dahinter. eine vorstellung von der welt als maschine, die erschaffen worden ist und wie ein uhrwerk heruntergeleiert wird. eins darfst du nicht vergessen: ein determiniertes universum und ein gott, der moralische verpflichtungen aufgibt, schließen sich notwendigerweise (!) aus. wenn du davon ausgehst, daß es einen gott gibt, der nicht nur die welt hingerotzt hat, sondern auch in kontakt mit seinen geschöpfen steht und vor allem von ihnen ein freiwilliges verhalten verlangt, dann MUSST du den glauben an dein „perfektes universum“ sowieso aufgeben.

das paradebeispiel ist natürlich der biß in die verbotene frucht. dieses bild steht symbolisch für alles, was den menschen eigentlich ausmacht: absichtlicher ungehorsam und ein fehltritt nach dem anderen. mit anderen worten: moral ist überhaupt nur dadurch möglich, daß wir auch anders können als wir sollen. und NATÜRLICH darf man den „ersten moralischen fehltritt der menschheit“ nicht als „gottgewollt“ interpretieren, sondern als „menschengewollt“, ansonsten haben wir es mit einem schizophrenen unlogischen gott zu tun.

gruß datafox

warum setzt du determiniert mit perfekt und nichtdeterminiert
mit nicht perfekt gleich?

Tu ich das? Ich bin nur von einer Vorstellung ausgegangen, die mir hier im Forum häufiger begegnet. Gott schuf eine vollkommene Welt, ohne Krankheit, Leid und Homosexualität (sorry, das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen). Der Tod, das Leid, die Homosexualität kamen mit dem Sündenfall in die Welt. Nur in diesem Kontext macht meine Anfrage einen Sinn, denke ich. Was ich persönlich über Perfektion (was soll das sein?) und Determination meine, spielt - für diese Anfrage zumindest - keine Rolle.

eins darfst du nicht vergessen: ein
determiniertes universum und ein gott, der moralische
verpflichtungen aufgibt, schließen sich notwendigerweise (!)
aus.

okay, ich werde versuchen, es mir zu merken…

und NATÜRLICH darf man den "ersten moralischen

fehltritt der menschheit" nicht als „gottgewollt“
interpretieren, sondern als „menschengewollt“, ansonsten haben
wir es mit einem schizophrenen unlogischen gott zu tun.

„Schizophren“ ist nicht der richtige Begriff, der ist schon vergeben. Aber ja, widersprüchlich finde ich das auch. Aber was folgt daraus?

Stellen wir uns mal eine große Untersuchungskommission der Götter vor, die klären soll, wie es kommen konnte, dass es in dem von Jehova hergestellten Universum so viel Leid gibt. Nachdem man geduldig die Zeugenaussagen von einigen Milliarden Betroffenen zur Kenntnis genommen hat, wird der Schöpfer befragt. Die Mitglieder der Kommission sind entsetzt: „Was hast du dir dabei gedacht? Warum schaffst du Wesen und läßt sie dann so entsetzliche Dinge erleiden?“ Und Jehova antwortet: „Ihr Schnarchsäcke, wo wäre der Spaß, wenn ich eine Welt mit Wesen geschaffen hätte, die ohne freien Willen in Frieden und ohne Leid leben? Das wäre doch einfach nur langweilig!“

Michael

Hallo,

Der Vorwurf der ‚Sünde‘ ist doch nicht an den Glauben gebunden? Oder irre ich mich da?

Doch, da irrst du. Der Begriff der Sünde (der bei den Christen
ursprünglich weniger irreführend „Verfehlung“ hieß) bezieht
sich ausschließlich auf „göttliche“ Gebote, die daher
selbstverständlich nur für die Anhänger des betreffenden
Kultes gelten. Er ist daher auch bei gegebener Handlung nur
anwendbar auf jemanden, der diesem Kult angehört.

Mir ist klar, daß Du einen religionshistorischen Zugang bevorzugst, von daher ist auch klar, daß Du hier zwar nicht unrecht haben mußt, man paulinische Theologie historisch-kritisch aber auch anders interpretieren kann. Aber darum geht es mir nicht. Es wurde hier ja mal - ursprünglich - mit dem Umgang von Gläubigen mit der Frage nach Gottes Gerechtigkeit gefragt. Nun ja, es ist zumindest verkürzt, eine „Religion“ nur nach ihren Ursprüngen hin zu fragen und ihre Geschichte zu ignorieren. Daher zumindest auf die Frage nach der Sünde eine Antwort aus der heutigen Theologie, ev.-luth.

Tatsächlich gibt es aber Religionen, deren Anhängern es
erlaubt ist, auch die Handlung von Menschen moralisch zu
bewerten, die ihr nicht angehören.

Wir landen bei einer Definitionsfrage. Wenn ich Dich richtig verstehe, ist der Begriff der Sünde mit einer moralischen Vorstellung verbunden. Sicherlich entspricht das einem Sprachgebrauch, aber theologisch halte ich das für arg verkürzt.
Daß der Mensch ein Sünder ist, ist für die christliche Theologie eine Art anthropologischer Grundkonstante (Erbsünde). Erst recht, wenn man schon den Zeugungsakt als eigentlich sündig ansieht, bei dem man dann darüber nachdenkt, wie denn nun die Erbsünde übertragen wird.
Worum es mir aber geht, ist Luthers simul iustus et peccator. Der Mensch ist gerecht vor/durch Gott (da gerecht gesprochen) und zugleich Sünder. Nach lutherischer Theologie ist er Sünder, weil er nicht Gott ist, er ist prinzipiell in Sündenverstrickung. Die meisten Menschen können mit den Begriffen von Sünde und Schuld selten so umgehen, daß sie sich nicht vehement dagegen wehren. Aber den Satz „ich bin ja nicht Gott“ können selbst Atheisten sagen, und damit sagen sie letztlich nur „ich bin halt Sünder“. Ein solches Verständnis von Sünde müßte eigentlich auch moralische WErturteile über andere ausschließen (Wer von Euch ohne Sünde ist…).

Auch dies trägt zu den erheblichen Konflikten zwischen
staatlichen und religiösen Gestzesnormen bei, die pendragon
gerade erwähnt hat.

Das ist leider wahr.

Das bezeiht sich - um Mißverständnissen vorzubeugen -
keineswegs nur auf die christlichen Bekenntnisse.

Klar, ich habe trotzdem von einem solchen aus gewantwort.
Und falls jemand so weit liest, der sich eigentlich für die Theodizee-Frage interessiert: Die kann ich nicht beantworten:wink:

Grüße,
Taju

1 „Gefällt mir“

Sind wir alle kleine Sünderlein?
Ich stelle fest, dass ich ganz viel Nachhilfe in theologischen Fragen benötige.

Nach lutherischer Theologie ist er
Sünder, weil er nicht Gott ist, er ist prinzipiell in
Sündenverstrickung.

Das bedeutet dann Mensch = Sünder. Die Sündigkeit ist eine Wesenseigenschaft des Menschen. Soweit verstehe ich das. Und wie geht es jetzt weiter? Hat der Mensch eine Möglichkeit zur Besserung oder Läuterung? Kann er sich von der Sünde befreien oder kann er durch göttlichen Willen von der Sünde befreit werden?

Michael

‚Sippenhaft‘
Hallo,

Bei der Erbsünde kann es ja wohl kaum um eine Vererbung im
biologischen Sinne gehen, oder? Wenn ich meinen Nachbarn tot
schlage und danach einen Sohn zeuge, ist der ja auch kein
geborener Mörder (was immer man sich darunter vorstellen mag)

Ich kann’s mir nicht verkneifen, hier auf die „Sippenhaft“ hinzuweisen. Hatten wir doch schon mal vor nicht zu langer Zeit! Die hatten das auch nicht erfunden, sie haben einfach nur bestehendes „kulturelles Gut“ genommen … so isses …

Guruß, Stucki

Sünde & Theodizee

Hallo,

Hallo auch,

Mir ist klar, daß Du einen religionshistorischen Zugang
bevorzugst, von daher ist auch klar, daß Du hier zwar nicht
unrecht haben mußt, man paulinische Theologie
historisch-kritisch aber auch anders interpretieren kann.

Völlig klar, ja.

Es wurde hier ja mal - ursprünglich -
mit dem Umgang von Gläubigen mit der Frage nach Gottes
Gerechtigkeit gefragt.

Nicht nur „mal“. Das Theodizee-Problem ist genau der Inhalt dieses Threads und steht fast hinter jedem Posting, in dem polemisch gegen Religion als solche und gegen Christentum und Judentum speziell argumentiert wird.

Und es ist auch schon oft heftig in direkter Form diskutiert worden … z.B. hier:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Nun ja, es ist zumindest verkürzt, eine
„Religion“ nur nach ihren Ursprüngen hin zu fragen und ihre
Geschichte zu ignorieren.

Ein völlig zutreffender Einwand.

Wir landen bei einer Definitionsfrage. Wenn ich Dich richtig
verstehe, ist der Begriff der Sünde mit einer moralischen
Vorstellung verbunden. Sicherlich entspricht das einem
Sprachgebrauch, aber theologisch halte ich das für arg
verkürzt.

Das ist so nicht gemeint gewesen, da hab ich mich tatsächlich irreführend verkürzt formuliert: Die Implikationen des Sündebegriffs, die über die moralische Wertigkeit hinausgehen, sind jedoch nur religionsimmanent darstellbar - sogar nur in der jeweiligen Religion. Einem, der keiner theistischen Religion anhängt, sagen Begriffe wie z.B. „Ungehorsam gegen Gott“ oder „Gottesferne“ ja nichts …

Daß der Mensch ein Sünder ist, ist für die christliche
Theologie eine Art anthropologischer Grundkonstante
(Erbsünde). Erst recht, wenn man schon den Zeugungsakt als
eigentlich sündig ansieht, bei dem man dann darüber nachdenkt,
wie denn nun die Erbsünde übertragen wird.

Hm - scheint mir gar nicht durchgängig christlich zu sein. Und wenn wir nochmal an die Anfänge zurückblicken ist das paulinisch und z.B. nicht johanneisch. Und in der Gegenwart scheint mir die Erbsünde immer mehr stillschweigend unter den Tisch zu fallen …

Für deine Ausführungen zu Luther herzlichen Dank - sehr erhellend und interessant und im Diskussionszusammenhang auch wichtig.

Grüße

Metapher

Hallo.

Wie kann etwas sein, das nicht bereits im Schöpfungsakt
angelegt war?

Die Überlegung scheitert an zwei Punkte:

  1. G’tt ist zeitlos und somit gibt es hier kein vorher und nacher, sondern für Ihn ist alles.

  2. Der Mensch wurde in seinem Bilde, will heissen, mit freiem Willen geschaffen. Dadurch entstehen ständig mehrere Möglichkeiten, welche zwar alle angelegt sind, aber die konkrete Wahl liegt beim Menschen.

Dadurch sind sogar beide Varianten gewollt, neben zahlreichen anderen, zu denen es nie kam.

Schönes Wochenende, git schabbes,
Eli

Tu ich das? Ich bin nur von einer Vorstellung ausgegangen, die
mir hier im Forum häufiger begegnet.

tut mir leid, mea culpa. ich bin erst nach dem abschicken meiner antwort draufgekommen, daß du ja nicht deine meinung darstellst, sondern eine bestandsaufnahme der meinungen im forum gemacht hast. und das wie ich finde gelungenerweise :smile:

okay, ich werde versuchen, es mir zu merken…

sorry nochmal :smile: hab da wohl eulen nach athen getragen. stimme dir da absolut zu, was den widerspruch angeht, den du aufgezeigt hast.

"Ihr Schnarchsäcke, wo wäre der Spaß, wenn ich eine

Welt mit Wesen geschaffen hätte, die ohne freien Willen in
Frieden und ohne Leid leben? Das wäre doch einfach nur
langweilig!"

ja das stimmt doch auch wohl. so eine welt gibt es übrigens: es ist die der tiere. ich geh mal präpotenterweise davon aus, daß tiere keine willensfreiheit haben und deshalb keine unmoralischen oder sonstigen handlungen tun können. es bedeutet aber auch, daß sie keinen „sinn“ in ihrem leben erfahren können. sinn ergibt sich erst durch bewußtes zielgerichtetes handeln und die reflexion darüber. aber wer intelligent und zielgerichtet handelt, kann diese fähigkeiten natürlich auch destruktiv und aggressiv einsetzen. es sind zwei seiten derselben medaille. diese überlegungen kannst du völlig unabhängig davon anstellen, ob du an gott glaubst oder nicht. mit unmoralisch habe ich nämlich erstmal nur dinge gemeint, die anderen menschen absichtlich schaden zufügen. eigentlich sind wir hier offtopic. das gehört ins philosophiebrett.

gruß datafox.

Nein
Ich verstehe es nicht!

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schrödingers katze
hallo,

Dadurch sind sogar beide Varianten gewollt, neben zahlreichen
anderen, zu denen es nie kam.

und was löst die auswahl letztendlich aus? gott, wir selber, oder ist es zufall? das ist der interessanteste ansatz bisher, der auch mit modernster physik (!) im einklang steht. oder glaubst du an mehrere parallelwelten?

fragen über fragen… und weg :smile:
gruß datafox

Hi Eli!

Die Überlegung scheitert an zwei Punkte:

  1. G’tt ist zeitlos und somit gibt es hier kein vorher und
    nacher, sondern für Ihn ist alles.

Aber die Vorstellung eines Schöpfungsaktes bedeutet doch, dass es ein vorher und ein nachher gibt.

  1. Der Mensch wurde in seinem Bilde, will heissen, mit freiem
    Willen geschaffen. Dadurch entstehen ständig mehrere
    Möglichkeiten, welche zwar alle angelegt sind, aber die
    konkrete Wahl liegt beim Menschen.

Wenn es für Gott keine Zeit, kein vorher und kein nachher gibt, dann gibt es für ihn auch keine Ungewissheit darüber, wie sich ein konkreter Mensch in einer konkreten Situation entscheiden wird, oder?
Die wahrgenommene Willensfreiheit des Menschen („Ich weiß noch nicht was ich tun werde“) bedeutet dann nicht, dass für Gott die Entscheidung einen „Neuigkeitswert“ hat; die Freiheit wäre dann aus der göttlichen Perspektive aufgehoben.

Deiner Visitenkarte entnehme ich, dass Du orthodoxer Jude bist: könntest Du vielleicht mal erläutern, ob es im Judentum auch diese Vorstellung der menschlichen Erbsünde gibt, wie sie das Christentum kennt?

Gut Schabbes auch

Michael

Hallo,

freier Wille ist deshalb unabdingbar, da auch Gott - der Gott der Bibel - einen freien Willen hat. Auch er hat sich entschieden, nur das Gute zu tun.

Warum soll Gott Vulkanausbrüche verhindern oder giftige Pilze eliminieren? Einmal würde ein Vulkanausbruch niemanden stören, wenn niemand in der Nähe wohnt :wink: und tja, die giftigen Pilze sind dazu da, dass man sich immer wieder bewusst werden sollte, dass man sich immer für das Gute entscheiden sollte.

Ach ja: auch wenn ich mein Kind total liebe, aber es sagt sich von mir los dann habe ich die Freiheit ihm nicht alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, oder? Und genauso ist es im Allgemeinen. Der Mensch hat sich von Gott losgesagt und nun müssen wir die (log.) negativen Auswirkungen miterleben. Und diese Auswirkungen waren bekannt!

Außerdem: auch wenn mich mein Kind nicht verlässt, muss ich ihm nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. Von was soll er lernen und innerlich stark werden? Kann ja gar nicht funktionieren. Niemand kann ohne Hindernisse stark werden - oder hast du schon mal im Fitness-Studio ohne Gewichte gestemmt???

Gruß

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

freier Wille ist deshalb unabdingbar, da auch Gott - der Gott
der Bibel - einen freien Willen hat. Auch er hat sich
entschieden, nur das Gute zu tun.

Leider ist davon auf unserem Planeten so herzlich wenig zu merken. Aber bevor ich wieder vergesse, meine Bemerkungen als Ironie zu markieren, setze ich jetzt ganz schnell ein :wink:

Warum soll Gott Vulkanausbrüche verhindern oder giftige Pilze
eliminieren? Einmal würde ein Vulkanausbruch niemanden stören,
wenn niemand in der Nähe wohnt :wink: und tja, die giftigen Pilze
sind dazu da, dass man sich immer wieder bewusst werden
sollte, dass man sich immer für das Gute entscheiden sollte.

Ich nehme an, hier hast DU jetzt ein :wink: vergessen!

Niemand kann ohne Hindernisse stark werden -

oder hast du schon mal im Fitness-Studio ohne Gewichte
gestemmt???

Nein, Du hast Recht, das habe ich nicht. Guter Punkt :wink:

Gruß
Michael

Hallo Michael,

Stellen wir uns mal eine große Untersuchungskommission der
Götter vor, die klären soll, wie es kommen konnte, dass es in
dem von Jehova hergestellten Universum so viel Leid gibt.
Nachdem man geduldig die Zeugenaussagen von einigen Milliarden
Betroffenen zur Kenntnis genommen hat, wird der Schöpfer
befragt. …

Ich glaube das mit der Untersuchungskommision kommt der Sache schon nahe. Nur die Fragestellung ist eine andere.
Hat Gott das Recht das Leben der Menschen zu bestimmen? Nachdem sie schon von der Frucht der Erkenntnis gegessen haben, warum sollen sie nicht selber entscheiden wie das Leben auf diesem Planeten aussehen soll?

Um das abzuklären hat nun die Menschheit viele Jahrtausende Zeit gehabt. Sie konnte alle möglichen politischen Herrschaftssysteme ausprobieren. Sie konnte mit sozialen und wirtschaftlichen System experimentieren. Es gab eine gewaltigen technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt.
Es ist nun aber nicht so, dass es gelungen ist, Leid, Armut, Krankheit oder Tod zu beseitigen.

Alle Forumsteilnehmer fordern Gott auf, so es ihn gäbe, endlich einzugreifen und die Zustände auf der Erde zu ändern. Somit ist die Fragestellung beantwortet.
Und genau das ist ein Kerngedanke des Christentums, dass Gott zu einem nicht genau bezeichneten Zeitpunkt eingreift.

Gruß
Carlos