Hallo,
es geht ha hier um die Frage des freien Willens des Menschen gegenüber Gott. Jedenfalls verstehe ich die ursprüngliche Frage dieses Threads so.
Also: Hat der Mensch gegenüber Gott einen freien Willen hinsichtlich seines persönlichen Heils? Wie verträgt sich das mit der Vorhersehung?
Ich bin zwar persönlich theologisch der Überzeugung, daß der Mensch keinen freien Willen in dieser Hinsicht hat, aber vielleicht kann ja in Eurer Diskussion der gute Augustin weiterhelfen, dem wir nicht nur die Durchsetzung der Erbsündenlehre zu verdanken haben, sondern auch die bis heute maßgeblichen Ansichten zum freien Willen innerhalb der christlichen Theologie…
Augustin hatte nämlich genau dasselbe Problem, das Du hier angsprochen hast. Ein Determinismus wäre ungerecht gewesen, aber Gottes Gerechtigkeit gehörte genauso wie seine Allwissenheit zu seinen grundlegenden Glaubensüberzeugungen („Gottesdefinitionen“). Zudem würde Determinismus bedeuten, daß Gott Urheber der Sünde ist.
Die Lösung lag für Augustin in Gottes pronoia (=Vorherwissen). D.h., daß Gott schon vorher weiß, wie die freie Entscheidung (!) des Menschen ausfällt. Gott zwingt den Menschen nicht zu einer anderen Entscheidung, weil er ihm seine Freiheit einmal geschenkt hat.
Natürlich kann man hier fragen, und das wurde auch gefragt, ob es denn so nett von Gott ist, zu wissen, daß jemand sündigen wird, und ihn nicht davon abzuhalten (angesichts der Strafe…).
Das Verhältnis von freien Willen des Menschen und Gottes Allwissenheit wird heute auch oft mit dem Hinweis auf Gottes Ewigkeit beantwortet. Ewigkeit bedeutet dann keine lineare, sondern eine mehrdimensionale. Gott ist an allen Punkten, auch der Zeit, gleichzeitig, und weiß daher eh, wie der Mensch sich entscheidet.
dem ist eben nicht so
was voraussagbar ist, ist
determiniert (nicht immer umgekehrt). beeinflussungen spielen
keine rolle, sondern die freiheit des willens. wenn du vor
einer entscheidung stehst, und gott WEISS bereits wie du
entscheiden WIRST, dann ist die entscheidung bereits gefallen!
Es geht also nicht um das Voraussagen, sondern Vorauswissen. Und nach dieser Theorie hat weiß Gott zwar im Voraus, aber er determiniert nicht.
sie hat nur gut geraten. vielleicht *errechnet* gott einfach
unsere entscheidungen mit 99.9999% wahrscheinlichkeit, weil er
uns tausendmal besser kennt als deine frau dich kennt. aber
WISSEN kann er die entscheidungen nicht. dieses wissen hat er
aufgeben müssen, als er uns den freien willen gegeben hat. so
könnte man das darstellen.
Das würde bedeuten, daß Gott sich von uns überraschen ließe:wink: Wie gesagt, Augustin würde Dir vehement widersprechen, denn Gottes Allwissenheit wäre nicht durch den freien Willen des Menschen aufgehoben.
ja. wenn alles determiniert ist, dann ist der freie wille
einbildung. wir haben das gefühl zu entscheiden, aber in
wirklichkeit laufen nur kausale biologische oder geistige
prozesse in unseren hirnen ab, die nur eine möglichkeit
offenlassen. wie beim billardspiel: stärke und richtung des
stoßes bestimmen 1:1 wo die kugel landen wird.
Man kann in jeder Hinsicht (auch ohne die Voraussetzung „Gott“) über den freien Willen streiten.
Und man kann auch die Vorstellung eines freien Willens des Menschen gegenüber Gott ablehnen, ohne daß man von einem Determinismus ausgehen muß (wie ich weiter unten erläutert habe).
Grüße,
Taju