Hallo Michael.
Wenn es für Gott keine Zeit, kein vorher und kein nachher
gibt, dann gibt es für ihn auch keine Ungewissheit darüber,
wie sich ein konkreter Mensch in einer konkreten Situation
entscheiden wird, oder?
Doch, weil es verschiedene Möglichkeiten gibt und G’tt alle sieht. Die Entscheidung liegt aber bei uns und kommt nicht von G’tt, somit weiss er „vorher“ nicht wie wir uns entscheiden. Das Problem beim Verständnis ist hier die Kommunikation zwischen etwas Unendlichem und etwas Beschränktem. Das ist schon mathematisch kein einfaches Problem und hier erst recht nicht.
Die wahrgenommene Willensfreiheit des Menschen („Ich weiß noch
nicht was ich tun werde“) bedeutet dann nicht, dass für Gott
die Entscheidung einen „Neuigkeitswert“ hat; die Freiheit wäre
dann aus der göttlichen Perspektive aufgehoben.
Eben.
Deiner Visitenkarte entnehme ich, dass Du orthodoxer Jude
bist: könntest Du vielleicht mal erläutern, ob es im Judentum
auch diese Vorstellung der menschlichen Erbsünde gibt, wie sie
das Christentum kennt?
Nein, es gibt bei uns keine Erbsünde. Jeder Mensch wird frei von Sünde geboren und es liegt allein an ihm, was aus ihm wird.
Schalom,
Eli
