Hallo Harald,
Wissenschafter zu sein, muss ein harter
Job sein. *seufz*
Die Theologen haben es da viel einfacher.
Sie sagen das ist so, und die Gläubigen
nicken und glaubens.
Stimmt in gewisser Weise. Ist aber oft auch für die Wissenschaftler dann befriedigender (rational gesehen).
Nun ist mir letzteres aber zuwider. Ich
liebe es, alles zu hinterfragen. Ich
werde also noch eine Weile an Deiner
Aufgabe herumbasteln. 
Das ist schön, mir geht’s genauso.
Viele Erkenntnise unserer Zeit wurden
erst einmal angezweifelt. War es da nicht
so, dass man von einer Theorie
ausgegangen ist, die dann durch Versuche
zu beweisen war?
Ganz genau. Und so ist es immer noch.
Also hier nochmal die Theorie:
Es gibt einen Gott, der das Universum
erschaffen hat, der sich um die
Menschheit, sowohl in ihrer Gesamtheit
als auch um den Einzelnen, kümmert, und
der mit den Menschen in Kontakt treten
will.
Ferner behaupte ich, dass es jederman
möglich ist, diese Theorie zu überprüfen.
Das sind also denn 4 „Voraussagen“ der Theorie, die zu überprüfen wären. Nummer eins entfällt: Ob Gott das Universum erschaffen hat oder nicht, ist prinzipiell nicht überprüfbar und in DIESEM Sinne nicht relevant. Bleiben 3 Aspekte, die prinzipiell überprüfbar sind:
- Gott kümmert sich um die Menschheit
- Gott kümmert sich um den Einzelnen
- Gott will mit uns in Kontakt treten.
Die Beweisführung in unserem Thread dürfte sich da hauptsächlich um Aspekt 3 drehen, stimmts? Also weiter.
Muss die Beweisführung so allgemein
gehalten sein, dass jeder den gleichen
Ausgangspunkt einnehmen soll ??
Nicht unbedingt. Die „Regeln“ sind die folgenden: Man gibt eine Reihe von „Arbeitsschritten“ vor, die jeder (im Prinzip) nachmachen kann. Wenn er sich exakt an die Vorgehensweise hält, muß er die gleichen Ergebnisse erhlten. Ob er sie natürlich auch genauso interpretiert, ist eine andere Sache. Welche Interpretation jeweils „richtig“ ist, ist oft nicht so einfach zu entscheiden. Die Wissenschaftler halten sich dabei in der Regel an zwei Kriterien:
-
Als richtig wird die Hypothese angesehen, die die meisten der Ergebnisse aus den diversen Experimenten richtig vorhergesagt hat.
-
Wenn mehrere Theorien die gleichen Vorhersagen machen, gibt man der den Vorzug, die die einfachste Struktur hat, also die wenigsten „Kunstgriffe“ oder „Ausnahmeregeln“ oer so braucht (Diese Überlegung ist in etwas anderer Form auch als „Ockhams Rasiermesser“ bekannt.
Hier müßte es also heißen: Nehmen wir an,
dass es einen Gott gibt.
Ok, Postulat akzeptiert. 
Also Gott existiert in einer anderen
Dimension, die unserem Auge nicht
zugänglich ist. Er kann nur von unserem
Geist (nicht Verstand!) wahrgenommen
werden.
Die Unterscheidung ist künstlich. Wenn Gott außerhalb unserer Dimension steht (und das tut er mit ziemlicher Sicherheit), ist er für uns nicht erfahrbar. Wir können nur erfahren, was er uns zukommen läßt(sozusagen seinen an uns angepaßten Schatten). Das kann er aber genausogut über die geistige wie über die visuelle Schiene machen.
Als Jesus Wunder vollbrachte, war es für
alle Anwesenden erfahrbar. Aber sie haben
trotzdem nicht geglaubt.
Würde ich auch nicht. Ich fände es traurig, wenn Gott Wunder nötig hätte. Ich glaube eher daran, daß er konsequent genug ist, die von ihm initiierten Regeln dann auch einzuhalten.
Wenn Du einen
Stromschlag bekommst und Du zu Boden
fällst, kann ich, der es nur sehe und
nicht auch spüre, auch sagen: Zufall oder
die Aufregung oder so…
Das ist natürlich richtig. Irgendwo ist natürlich mit jeder Beweisbarkeit Schluß. Aber hier kommt Ockhams Rasiermesser zum Zug: wenn wir das Experiment mehrmals machen, zu verschiedenen Zeiten und mit verschiedenen Personen, und das Ergebnis ist immer wieder das gleiche, dann spricht das dafür, daß die Theorie, die es voraussagt, richtig ist. Sonst müßte man an sehr viele Zufäle glauben, oder an kollektive Aufregung, und diese Hypothesen sind einfach viel „erklärungsbedürftiger“ als Strom.
Ich kenne aber seine Motive!
Wow! Meinst Du nicht, daß das anmaßend ist? Oder bist Du auserwählt? (Ich will nicht beleidigend werden, aber Du lehnst Dich hier ziemlich weit aus dem Fenster!)
Wenn DU willst, wird er Dir antworten.
NEIN! Wenn ER will, wird er mir antworten! Ob ich das will, spielt keine Geige.
Aber was Du unter „jüngstem Gericht“
verstehst, würde mich brennend
interessieren.
Nichts. Ich hätte genauso gut „am St. Nimmerleinstag“ sagen können, aber das jüngste Gericht paßte von der Thematik besser.
Und ich denke, Du kannst beurteilen, ob
Dich jemand liebt.
Das wäre schön. Wie viele
zwischenmenschliche Probleme beruhen auf
dem Umstand, daß man das eben nicht
sicher kann!
Gibt es dafür auch noch keine
wissenschaftliche Methode?
Nein.
Um das nochmal klarzustellen: Meine obige
Argumentation richtet sich NICHT gegen
die Existenz Gottes, nicht einmal gegen
eine bestimmte Eigenschaft, die er (?)
hat oder auch nicht. Sie richtet sich
einzig und allein gegen die Möglichkeit,
Gott oder irgendeine seiner Eigenschaften
wissenschaftlich beweisen zu können!
Vielleicht finden wir noch eine ?
Ich glaube es nicht. Und das aus mehreren Gründen, die aus völlig verschiedenen Ecken kommen.
Worauf bezieht sich das (?) ?
Auf die Benutzung des „er“ für Gott. Du stellst Dir doch garantiert auch keinen Mann unter Gott vor, hoffe ich doch. Wir benutzen „er“ aus Stilgründen, um nicht ständig „Gott“ zu wiederholen, aber glauben nicht wirklich an einen „er“ (ich jedenfalls nicht). Daher das (?): um das nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
So, nun habe ich ganz schön viel geschrieben, aber ich finde es gut, meine Argumentation an Dir zu „schärfen“. Tut gut, sich auseinanderzusetzen, ohne daß einer ausfallend wird.
Liebe Grüße, Kubi