Hi,
du scheinst bei beiden argumentationen die existenz gottes
vorrauszusetzen
Hallo!
Ja, und nicht nur das, sondern auch die Existenz einer erklärbaren Welt. Man kommt eben zu Widersprüchen, wenn man _beides_ voraussetzt. Wenn das eine Stimmt, kann das andere nicht sein und umgekehrt. Das habe ich versucht zu zeigen (aus beiden möglichen Perspektiven).
Perspektive 1 (Naturwissenschaft): Wenn Gott in unserer Welt
wirkt und wir ihn nicht messen und begreifen können, so ist
alle Naturwissenschaft eine Farce!
Aber ebenso wir der gottesbegriff zur farce sollte er nicht
messbar sein…
Du bist auf dem Richtigen Weg! Is Gott meßbar, so ist er Teil der naturwissenschaftlich beschreibbaren Welt und steht nicht „über“ ihr, sondern ist ein („profaner“) Teil von ihr. Gott würde sich „auflösen“ in den physikalischen Theorien (nicht in denen, die wir schon kennen; natürlich würden die Theoretischen Modelle weiterentwickelt werden, um eben die Beobachtungen logisch sinnvoll beschreiben zu können!). Diese „Art Gott“ trifft sicher nicht die religiöse/mystische Definition von „Gott“. Will man eine reale, physische Verbindung von Gott mit dieser Welt, dann _muss_ Gott irgendwas in dieser Welt beeinflussen können. Dann ist er aber nicht getrennt von dieser Welt.
Glaubt man nun, daß ein „religiöser Gott“ uns alle „naturwissenschaftlichkeit“, alle Berechenbarkeit natürlicher Phänomene nur vorspielt, so muß man doch sagen, daß die Naturwissenschaft nicht im mindesten das ist, was sie bahauptet zu sein, nämlich ein Werkzeug zur Beschreibung der Welt. Stattdessen ist sie ein Spielzeug Gottes, uns Geschichten zu erzählen.
Glaubt man hingegen an die Naturwissenschaft (ja, die Basis ist auch hier ein Glaube!), verliert der Begriff „Gott“ in ähnlicher Weise seine Bedeutung. Ein Gott als „Idee“ ist denkbar und ja auch real, aber sein „Wirken“ ist nicht physikalischer Natur. Ähnlich wie man auf den Äther verzichten kann, um die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen zu erklären, kann man diese „Wirkungen“ erklären, ohne „Gott“ dafür verantwortlich zu machen. Ideen haben ja Wirkungen: Aktivitätsmuster in unseren Gehirnen bewirken ja Handlungen.
Perspektive 2 (Religion): Wenn wir „Gottes“ Wirken messen,
berechnen und verstehen können, ist der Begriff „Gott“ eine
Farce.
Würde sein wirken als tatsächlich göttlich erwiesen werden
würde der begriff doch nur bestätigt…
Nein, eben nicht. Damit würde der Begriff Gott im religiösen sinne „degradiert“ zu einem physikalischen Begriff. Zwar kannst du auf der einen Seite sagen „toll, endlich haben wir Gott bewiesen, es gibt ihn also wirklich“, zum anderen mußt du aber auch sagen: „leider ist dieser Gott nicht übernatürlich, sondern (theoretisch) berechenbar. Seine Freiheit ist dahin.“. Das ist ja nichts mehr, was ein religöser Mensch unter „Gott“ verstehen würde.
Darüber kann man streiten…
Trefflich!
Liebe Grüße,
Jochen