Hallo Eckard,
Ich sehe durchaus einen Sinn für Religion darin, dass sie
einen grundsätzlichen Kanon ethischer Werte vermittelt.
ich meine, dass wir uns hier unterscheiden, denn den Sinn von Religion sehe ich nicht in der Vermittlung von ethischen Werten (allenfalls von moralischen, wenn ich so sagen darf, also von solchen die tradiert werden und nicht begründet). Begründete Werte, also ethische, sind philosophischer Natur. Aber wahrscheinlich wolltest du nicht so streng unterscheiden. Dennoch ist Wertvermittlung kein Wert an sich, denn welcher Natur die Werte sein können , sieht man ja im Fundamentalismus.
Allerdings befreit dies (soweit ich das beurteilen kann
übrigens auch aus christlicher Sicht) den Menschen keinesfalls
davon über sein Tun und Lassen selbst nachzudenken, auch und
gerade wenn dies die Grenzen der jeweiligen
Religion/Weltanschauung sprengt!
Ja, einverstanden. Mir ging es lediglich darum zu sagen, dass nicht jeder in der Lage ist, diesen Sprung zu machen. Für diese Menschen ist die Religion die Grenze ihrer Möglichkeit.
- Ein Sicherheitsgefühl, das auf weltanschaulichen
Überzeugungen gründet, kann ebenso oft trügerisch sein und
Fehlhandlungen hervorbringen wie das Fehlen eines solchen.
In Ordnung, aber man kann sich auch rational täuschen. Es kommt eben doch auf das Denken an, dass sich immer wieder selbst befragt.
- Von Angstfreiheit kann ja wohl kaum die Rede sein, wenn
jegliche Abweichung vom „wahren Glauben“ (wie und von wem auch
immer der definiert sein mag) mit realen oder fiktiven
Sanktionen (von körperlicher Züchtigung über Liebesentzug bis
zu ewiger Verdammnis) sanktioniert wird.
Ich sprach wie gesagt nicht von Fanatikern oder Fundamentalisten, sondern von einer Art von Religion, wie sie sein kann , wenn der Machtfaktor nicht dominiert.
- Die Erklärung der Wirklichkeit aus religiöser Sicht kann
immer nur ein eingefärbtes, eingeschränktes Weltbild bieten
(z.B. stark zensierte Weitergabe naturwissenschaftlicher
Erkenntnisse, Einschränkungen im zwischenmenschlichen
Verhalten - Sexualität zuförderst, Feindbilder usw)
Hier freilich würde ich einschränken, dass du die Naturwissenschaft und ihre Möglichkeiten überschätzt, aber das wäre ein anderes Thema. Ich meinte eher eine Art induktives Denken, dass nach Ursachen sucht und die nicht zu benennenden Ursachen „Gott“ nennt.
Insgesamt scheint mir die unreflektierte Fixierung auf ein
religiöses Weltbild der Intoleranz und der Ignoranz eher
Vorschub zu leisten als diese Feinde der menschlichen
Fortentwicklung zu begrenzen und zurückzudrängen.
Durchaus einverstanden mit dem Einwand, dass das zwar häufig so ist, aber durchaus nicht immer so sein muss.
Zudem leistet jede Weltanschauung, jeder -ismus, vor allem
eines: den unkontrollierten Machterhalt einiger weniger über
viele andere.
Ja, das kann man so sehen, ich denke nur, dass auch das nicht zwingend ist.
Herzliche Grüße
Thomas Miller