Hallo Lisa,
der Unterschied ist, daß bei Schlaf, Bewußlosigkeit und Narkose die Hirnzellen noch leben bzw. noch elektrisch aktiv sind. Wenn jedoch Sauerstoffmangel z.B. infolge Durchblutungsstop herrscht, so werden die Zellen elektrisch stumm („reversibler Hirtod“) und sterben recht schnell (binnen Minuten) ab („entgültiger Hirntod“).
Aber wie ist das z.B. bei Apallikern, deren Großhirnrinde abgestorben ist, wobei jedoch die tieferen Zentren noch funktionieren?
Fragen kann man sie nicht mehr, denn für eine sprachliche Artikulation braucht man eine funktionierende Großhirnrinde. Das scheint ganz allgemein das Dilemma zu sein, denn ist das Bewußtsein, welches ganz offensichtlich (s.o.) auch ohne Gehirn weiterexistiert, demselbigen entfleucht, so hat es ja keine körperlichen Mittel mehr, um sich zu artikulieren.
Anders ausgedrückt, zu Lebzeiten scheint das Bewußtsein an das Gehirn gebunden, was einerseits die Verrichtung von spezifischen, logisch-deduktiv-analytisch gelagerten Aufgaben wie Denken, Sprechen und Sprachverständnis ermöglicht, andererseits aber auch die zeitliche und räumliche Einschränkung unserer Wahrnehmung auf unseren gegenwärtigen Standort beschränkt. Auch können Denkprozesse anscheinend nur innerhalb gewisser vorgegebener Bahnen verlaufen, ein ganzheitliches, gleichzeitiges Verständnis aller Dinge im Kosmos scheint uns zu Lebzeiten nicht möglich zu sein.
Allerdings scheinen wir schon zu Lebzeiten einen Draht zum Ganzheitlichen zu haben: Wir verstehen z.B. Kunst und Musik, obwohl man sie ja verstandesmäßig nicht wirlklich fassen kann, wir erfassen die Emotionen anderer, z.B. die des Künstlers, welche er mit seinem Kunstwerk vermitteln wollte, oder die unseres Gegenübers. Oft machen wir Dinge auf einer rein intuitiven Basis richtig, die wir aufgrund ihrer Kopmlexizität gar nicht logisch zerpflücken konnten.
Interessant sind in diesem Zusammenhang nun Forschungsergebnisse aus der Positronenemissionstomographie, mit dem man die Hirnaktivität bei der Lösung verschiedener Aufgaben messen kann. Man hat entdeckt, daß bei logisch-deduktiven Aufgaben nur spezielle, genau abgrenzbare Bereiche in (je nach Aufgabe) verschiedenen Teilen unserer Großhirnrinde genutzt werden. Die Bereiche sind offenbar von ihrer anatomischen Struktur spezialisiert für, aber eben auch eingeschränkt auf ganz spezielle logisch-sprachliche Aufgaben. Bei Beschäftigung mit musisch-künstlerisch-ganzheitlichen Dingen ist jedoch im Gegensatz dazu das ganze Gehirn aktiviert. Spekulativerweise laufen auch Prozesse im Rückenmark und (!) vielleicht auch außerhalb des eigentlichen zentralen Nervensystems ab. Die Beschäftigung mit ganzheitlichen Dingen würde demnach in einen Zustand führen, in welchem sich die Verarbeitung wegbewegt von speziellen, anatomisch begrenzten Regionen hin zu vielen anderen, gleichzeitig aktiven Regionen die vielleicht nicht einmal mehr in der Großhirnrinde selbst lokalisiert sein müßten.
Wenn dies so zutrifft, so wäre es ja vielleicht möglich, daß sich unser Bewußtsein schon zu Lebzeiten ganz vom Gehirn lösen und Dinge fernab vom Körper wahrnehmen kann.
Unter anderem in rennomierten Berkley hat man in den frühen 70ern diese Frage intensiv und wissenschaflich korrekt untersucht. Karten mit verscheidenen Symbolem wurden in Umschläge gesteckt, die Probanden sollten erraten, welche Karte sich wo verbirgt. Sensationell waren die Ergebnisse insofern nicht, als daß keiner der Probanden mit hundertprozentiger Sicherheit eine Vorhersage treffen konnte. Als man jedoch das Gesamtkollektiv auswertete, so stellte man fest, daß die Ratewahrscheinlichkeit nicht bei den statstisch zu erwartenden 50-50, sondern bei 49-51 bewegte. Viele Gruppen in den verschiedensten Teilen der Welt wiederholten den Versuch mit einer großen Anzahl von Probanden verschiedenster Herkunft. Das Ergebnis war immer dasselbt. Besonders konsistent waren die Ergebnisse übrigens, wenn nicht nur zwei, sondern zehn oder zwanzig verschiedene Karten vorgegeben waren und die Probanden also nunmehr rein intuitiv aus einem unüberschaubaren Meer von Möglichkeiten wählen mußten. Das ganze funktionierte auch, als man die Umschläge vor der Versuchsduchführung tief im Pazifik versenkte, was einen wie auch immer gearteten, abstrusen Imformationsfluß zwischen Umschläge und Proband ausschoß (Wasser absorbiert elektromagnetische Wellen). Auch wenn das Ergebnis mehr oder weniger zähneknirschend von der wissenschaftlichen Welt akzeptiert wurde, so fehlt bis heute noch eine Erklärung für dieses Phänomen.
Es gibt noch weitaus eindrucksvollere Experimente aus dieser Zeit: Probanden sollten versuchen zu „sehen“ wohin ein Team aus Versuchsleiter und Assistent, die sie kurz vorher getroffen hatten, mit dem Auto hinfuhren. Nach etwas Übung lieferten die meisten Probanden erstaunliche Angaben über den Ort, an dem sich die Zielpersonen aufhielten. Sie konnten Objekte in der Umgebung zum Teil bis ins Detail beschreiben. Auch diese Versuche waren reproduzierbar. Schwierig ist hier nur die Interpretation der Probandenanganben, diese kann nämlich subjektiv durch den Interpretierenden verfärbt werden. Einerseits also sehr eindrücklich, andererseits kein strenger Beweis.
Kurzum, je strenger und logisch-deduktiver man den Versuch faßt, desto geringer (aber immerhin noch nachweisbar) die extrakorporale Sinneswahrnehmung, und umgekehrt, je assoziativ-intuitiver, desto beeindruckender die Ergebnisse - aber halt auch unwissenschaftlicher. Scheint fast so, als würden sich da zwei Dinge weitgehend ausschließen.
Mit den Lottozahlen funktionert es also leider nicht (zu eng gefaßte Aufgabe), was jedoch hervorragend funtionieren müßte (nur als Beispiel), wäre, über eine räumliche Distanz hinweg die Emotionen eines Menschen zu erfassen, ohne daß man spezifisch sagen könnte, was der Betreffende gerade denkt (das eben nicht). Also, mehr so ein diffuses Gefühl (eben ganzheitlich-intuitiv), daß z.B. gerade jemand an einen denkt oder daß es jemanden besonders gut oder schlecht geht usw.
Ergänzend möchte ich noch anfügen die Erfahrung einer Bekannten, die eine Entspannungstechnik anwandte, bei der man sich auf einen fiktiven Punkt ganz nahe vor dem Auge konzentrieren und an rein gar nichts denken soll (manche kennen es vielleicht, soll die sexuelle Empfindichkeit steigern *g*). Sie, Kopffrau durch und durch, hatte dabei ein extrakorporelles, nahtodartiges Erlebnis. Seitdem ist sie von der Existenz von Seele und Jenseits überzeugt.
So etwas gibt einem dann, in Zusammenhang mit obingen wissenschafltichen Befunden, doch schon sehr zu denken, ob es vielleicht nicht doch so etwas wie eine „Seele“ oder ein „Jenseits“ gibt.
Ich persönlich stelle mir die Seele vor wie ein Elektron: Gefangen in den konstruktiv vorgegebenen Elementen eines Mikrochips erbringt es eine durch diese Konstruktion vorgegebene Leistung (Rechnen). In einer Glühbirne ist das Leuchten der Effekt. Elektronen außerhalb der Strukturen können diese eine Sache womöglich nicht, aber dafür alle anderen Phänomene hervorrufen. Vielleicht wird das Elektron also, nachdem es einmal dem Chip entfleucht ist, chemische Reaktionen im Glühwürmchen katalysieren, das Nordlicht mitverursachen, in Gewitterblitzen zur Erde sausen und sich eben frei im Kosmos bewegen.
Naja, das ganze ist natürlich nur ein Modell, mein kleines Weltbild sozusagen
Die wissenschaftlichen Daten sind allerdings relativ hart, man wird sie, auch wenn man nicht an die Seele glaubt, nicht so ohne weiteres negieren können.
Danke jedenfalls fürs Durchlesen. Über Kommentare und Anregungen wäre ich sehr erfreut!
Oliver