Erwartungshaltung contra Machbarkeit (leicht oT)
Hallo Petra!
Wenn ich denn mal ungefragt hier einhaken darf, aber das ist ein sehr guter Aufhänger für ein paar grundsätzliche Dinge.
Klar, dass ein
billiges Hotel in der Regel nicht so gut ist wie ein teures.
In meinem damals in Hamburg war z.B. kein Frühstück dabei,
außerdem machte alles einen recht altbackenen Eindruck. Wenn
ich schön wohnen will, muss ich tiefer in die Tasche greifen,
das ist schon klar.
Das ist Dir vielleicht klar, aber vielen anderen eben nicht. Du kannst Dir kaum vorstellen, mit welchen völlig illusorischen Preis-/Leistungsvorstellungen manche Leute in Reisebüros kommen …
Man kann ja den Leuten auch gar keinen Vorwurf machen. Völlig besoffen gemacht durch irreführende Werbung irgendwelcher TV-Reiseshops, Internetanbieter und sogenannter Billigflieger müssen sie, bei unkritischer Herangehensweise, ja glauben, es gäbe irgendwo 5-Sterne-Leistung zum 2-Sterne-Preis und sind dabei nur die armen Opfer werbepsychologischer Augenwischereien …
Denn natürlich gibt es z.B. die im Ausgangsposting angeführte TUI-Leistung nirgendwo für wesentlich weniger Geld. Andere Leistungen, im selben Zielgebiet sicher, aber immer verbunden mit qualitativen Abstrichen. Ich glaube, hier liegt eines der großen Probleme im Verständnis des Reiseverkehrs. Ein Flug von Frankfurt nach Mallorca, mit Transfer, Unterbringung im 4-Sterne-Hotel und AI-Verpflegung ist noch lange nicht dasselbe wie ein Flug von Frankfurt nach Mallorca, mit Transfer, Unterbringung im 4-Sterne-Hotel und AI-Verpflegung. Auf den ersten Blick paradox, aber Realität.
es hat aben nicht jeder das Geld für schöne Hotels, leider.
Das ist nun leider wirklich so. Aber das ist auch, glaube ich, gar nicht das Hauptproblem. Mit zu meinen Lieblingskundengruppen gehörte eigentlich immer der Typ junger Mensch, meist Azubi oder Studi, der zu mir kommt und klipp und klar sagt: "So, ich hab’ hier nur € 500,–, was kann ich damit realisieren? Dem Menschen kann geholfen werden, dem Menschen helfe ich auch gerne und wenn ich ihm (jetzt, wo ich gerade keinen Arbeitsplatzgeber habe, darf ich das ja verraten
so ganz nebenbei den Tipp gebe, die Flüge separat über Ryan-Air und mit Pappas Kreditkarte zu buchen, damit ich ihm dafür keine Bearbeitungsgebühr abnehmen muß. (Halte ich aber, nebenbei gesagt, auch kaufmännisch für durchaus vertretbar: Der Kunde ist zufrieden und aus dem armen Studi wird irgendwann einmal ein gutverdienender Akademiker, der 'ne Luxuskreuzfahrt bucht
.
Ich habe in meinem eigenen bisherigen Reiseleben so ziemlich alle Varianten durch, von Daumen/Rucksack/Schlafsack bis zur luxuriösen Kreuzfahrt, von Absteigen in Bahnhofsvierteln bis zu komfortabelsten Suiten. Und ich weiß, daß es letztlich wirklich nicht der Preis und die damit verbundene vordergründige Bequemlichkeit alleine ist, die mir eine Garantie für ein gutes und intensives Reiseerleben gibt. (Einige meiner billigsten Reisen gehörten zu den schönsten und intensivsten und die zweitteuerste überhaupt war der größte Flop.) Wobei der Bequemlichkeitsfaktor mit zunehmendem Alter zugegebenermaßen an Bedeutung gewonnen hat 
Problematisch wird es aber immer dann, wenn jemand, der über den o.a. Etat von € 500,-- verfügt glaubt, davon 14 Tage lang eine Suite im Burj-al-Arab bewohnen zu können, inklusive Flug und Butler versteht sich 
Ist jetzt natürlich deutlich überspitzt, aber das ist im Prinzip die Beschreibung einer nicht gerade kleinen Kundengruppe, die Dir im Reisebüro tagtäglich begegnen kann. Genau dieselben Leute sind es dann auch, die nach ihrer Reise vor Dir stehen und sich über schlechte Leistungen beklagen.
Und mit dieser Erfahrung im Nacken gewöhnst Du Dir, wenn Du professionell mit der Touristik befasst bist, irgendwann an, lieber einmal zuviel als zu wenig auch auf die qualitativen Unterschiede hinzuweisen, die die Preisunterschiede zwangsläufig nach sich ziehen.
Gruß, Hartmann.