Hamburg-Wechsler-IQ-Test bei Kind

hallo liebe gemeinde,

morgen macht mein sohn im rahmen seiner therapie den hamburg-wechsler-test, da offensichtlich eine hochbegabung vorliegt. nun soll der test ans licht bringen, wo genau seine stärken liegen und ob das ergebnis des tests evtl. in einem zusammenhang zu seinem verhalten steht. der kleine ist 9 jahre und der test morgen dauert 2 stunden beim psychologen. was wird denn da eigentlich alles getestet? bekommt man dann das ergebnis als IQ irgendwas, also nur die „zahl“ oder gibt es auch eine art bericht dazu?
wie „sicher“ und zuverlässig ist denn solch ein test?
ich bin echt gespannt, was da rauskommt, wenn ich mir vorstelle, daß mein sohn da 2 stunden konzentriert arbeiten soll, er keine lust drauf hat und mit sicherheit rumzappelt und sich durch alles mögliche ablenken läßt. wird sowas berücksichtigt?
vielleicht hat jemand erfahrungen und kann mir tipps geben.
ich frag mich echt so langsam, ob ich das ergebnis überhaupt wissen will. was soll das bringen?

danke
c.

Hallo Claudia

wie „sicher“ und zuverlässig ist denn solch ein test?

Ein Anhaltspunkt unter vielen.

http://www.phf.uni-rostock.de/institut/ipp/lehrmater…
–> pdf: http://www.sfz-e.de/tz2/seiten/download/hawik3.pdf

ich bin echt gespannt, was da rauskommt, wenn ich mir
vorstelle, daß mein sohn da 2 stunden konzentriert arbeiten
soll, er keine lust drauf hat und mit sicherheit rumzappelt
und sich durch alles mögliche ablenken läßt. wird sowas
berücksichtigt?

Wieso? Er muss ja nicht „gewinnen“.

was soll das bringen?

Auch das Nichterfüllen oder Abbrechen
ist ja ein „Resultat“.

Vielleicht hat er einen guten Tag und kommt
über 150. Das stärkt das Selbstvertrauen, dann
ist der „Test“ bereits ein Aspekt der Behandlung :wink:

Alles in allem ist es eine Art „Spiel“. Dieses
Spiel kann ein brauchbares Resultat liefern,
muss es aber nicht.

Grüße

CMБ

Hallo Claudia,

ich bin echt gespannt, was da rauskommt, wenn ich mir
vorstelle, daß mein sohn da 2 stunden konzentriert arbeiten
soll, er keine lust drauf hat und mit sicherheit rumzappelt
und sich durch alles mögliche ablenken läßt. wird sowas
berücksichtigt?

Deswegen würde ich mir keine Sorgen machen,– wenn wirklich eine Hochbegabung
vorliegt, werden ihm die kniffligen Aufgaben bestimmt Spaß machen, weil er
endlich mal adäquat gefordert wird. Seine Aufmerksamkeitsstörungen könnten ein
Zeichen von Unterforderung sein. Einfach mal abwarten.

Du scheinst ja aufgeregter zu sein als dein Sohn ;o)
Grüße,
Cachoo

was soll das bringen?

Hallo c.,
gar nix.

Der HAWIK ist eine Deutsche Bearbeitung des WISC aus dem Jahre 1949. Seine Schwäche ist das Zusammenziehen der Altersgruppe von 6 bis 15.

"Verwunderlich ist, daß bei der Fragwürdigkeit bzw. dem mehr historischen Wert des zugrundeliegenden Intelligenzmodells mehr an einer instrumentellen Verbesserung des Tests gearbeitet wird als an einer konsequenten Hinterfragung des Gesamtkonzeptes (vergl. Kubinger 1983).
Grubitzsch: Testtheorie Testpraxis, S. 401

Gruß
J.

Hallo Claudia,

was wird denn da eigentlich alles getestet?

es gibt mehrere Bereiche, die getestet werden. Dazu gehört die Abfrage von Faktenwissen, das Benennen von fehlenden Details in einem Bild, die Zuordnung von Symbolen zu Zahlen, das Finden von Gemeinsamkeiten bei Begriffen, einfache Rechenaufgaben, das Ordnen von Bildern aus Bildergeschichten, das Nachlegen von Mustern mit Bauklötzen, das Kennen der Bedeutung von Wörtern, die Beantwortung von einfachen Verständnisfragen, das Legen von Figuren, das Nachsprechen von Zahlen, sich in einem aufgemalten Labyrinth zurechtfinden.

bekommt man dann das ergebnis als IQ irgendwas, also nur die „zahl“
oder gibt es auch eine art bericht dazu?

Beim guten Psychologen gibt es ein Gespräch über die Befunde der Untersuchung und über die Schlußfolgerungen, die der Psychologe aus den Befunden zieht.

wie „sicher“ und zuverlässig ist denn solch ein test?

Für einen psychologischen Test ist der HAWIK-III schon ein recht guter Test mit relativ hoher Meßgenauigkeit. Allerdings darf man keine Ansprüche an einen solchen Test stellen, in dem man meint, die Ergebnisse seien so ähnlich zu verstehen, wie wenn man die Temperatur an einem Thermometer abliest. Eine weitere Schwierigkeit ist die Interpretation der Ergebnisse. Aber das kennt man auch beim Thermometer: Für den einen sind 20 Grad Celsius „warm“, für den anderen „noch recht kühl“. Immerhin gibt es für Intelligenztests wie den HAWIK-III allgemein übliche Interpretationsregeln wie „dann und dann ist ein Ergebnis überdurchschnittlich hoch“ oder „überdurchschnittlich niedrig“. So etwas funktioniert recht zuverlässig.

ich bin echt gespannt, was da rauskommt, wenn ich mir
vorstelle, daß mein sohn da 2 stunden konzentriert arbeiten
soll, er keine lust drauf hat und mit sicherheit rumzappelt
und sich durch alles mögliche ablenken läßt. wird sowas
berücksichtigt?

Ja, falls der Test regelgerecht durchgeführt wird, ist das berücksichtigt. Das bedeutet: Der Test muß bei allen Kindern gemäß den gleichen Regeln durchgeführt werden. Dann ist automatisch berücksichtigt, wenn Kinder zappeln und andere Kinder nicht zappeln. Weicht der Testleiter von den Durchführungsregeln ab, in dem Glauben, dem Kind „etwas Gutes“ zu tun, wird die Testung im Prinzip wertlos und ohne Aussagekraft. Die Ergebnisse aus Testungen verschiedener Kinder sind dann nicht mehr vergleichbar und darauf beruht die Auswertung und Interpretation.

vielleicht hat jemand erfahrungen und kann mir tipps geben.
ich frag mich echt so langsam, ob ich das ergebnis überhaupt
wissen will.

Die Sache ist halb so wild. Schaden nehmen die Kinder nicht. Der IQ sollte nicht überbewertet werden. Es ist und bleibt nur eine Zahl, die sich von Test zu Test ändern kann. Das Wichtigere ist die Interpretation durch den Psychologen.

was soll das bringen?

Mit dem Test kann überprüft werden, ob wie intelligent Ihr Kind ist und in welchen Bereichen der Intelligenz es gut oder weniger gut abschneidet. Damit lassen sich in Kombination mit anderen Informationsquellen nützliche Aussagen für die weitere Entwicklung Ihres Kindes machen. Oder wie Sie sagten:

nun soll der test ans licht bringen, wo genau seine
stärken liegen und ob das ergebnis des tests evtl. in einem
zusammenhang zu seinem verhalten steht.

Dazu können die Testergebnisse einen Beitrag liefern.

Freundliche Grüße,

Oliver Walter

Hallo,

Der HAWIK ist eine Deutsche Bearbeitung des WISC aus dem Jahre
1949. Seine Schwäche ist das Zusammenziehen der Altersgruppe
von 6 bis 15.

der damit gemeinte HAWIK ist die Erstausgabe von 1956. Inzwischen gibt es den HAWIK-III und der ist aus dem Jahr 2000.

Grüße,

Oliver Walter

Ergebnis
hallo ihrs,

erstmal vielen dank düe eure antworten. dadurch bin ich schon etwas schlauer geworden. der kleine hat also heute den test gemacht und das ergebnis lautet: IQ 130. die bewerung der teilbereiche bekomme ich datailiert (mit bericht und kurven) beim nächsten psychologen-termin. ich habe jetzt nur schnell die info bekommen, daß er in einigen teilbereichen durchschnitt ist und in einigen wenigen sehr herausstach, deshalb begründet sich der schnitt von IQ 130. ich habe natürlich so meine vermutungen, was die „wenigen teilbereiche“ betrifft und bin voller hoffnung, daß beim nächsten therapiegespräch rückschlüsse gezogen und zusammenhänge erkannt werden, die eine gezielte therapie ermöglichen.

wenn jemand noch irgendwelche ideen oder anregungen hat, nur zu…ich freue mich.

schönes wochenende wünscht
claudia

Anmerkung
Hallo Claudia,
das Ergebnis von 130 ist eine Annäherung an den „wahren“ Wert. Denn das Testergebnis wird durch Tausend kleine Dinge mehr oder weniger verfälscht (Tagesform des Kindes, des Testleiters, bestimmte Zufälle und anderes). Man kann davon ausgehen, dass der „wahre“ Wert irgendwo zwischen 120 und 140 liegt.
Gruß!
Christian

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Moin,

ich habe
natürlich so meine vermutungen, was die „wenigen teilbereiche“
betrifft und bin voller hoffnung, daß beim nächsten
therapiegespräch rückschlüsse gezogen und zusammenhänge
erkannt werden, die eine gezielte therapie ermöglichen.

Mich würde mal interessieren, wie das zusammenhängen soll. IQ 130 ist ja schließlich keine Diagnose einer Störung/Erkrankung oder was auch immer. Schließlich gibt es zahllose Kinder mit IQ 130, die ohne Therapiebedarf durchs Leben gehen.

Wie Begründen denn die Therapeuten hier Zusammenhänge ?

Gruß
Marion

hallo pendragon,

Moin,

ich habe
natürlich so meine vermutungen, was die „wenigen teilbereiche“
betrifft und bin voller hoffnung, daß beim nächsten
therapiegespräch rückschlüsse gezogen und zusammenhänge
erkannt werden, die eine gezielte therapie ermöglichen.

Mich würde mal interessieren, wie das zusammenhängen soll. IQ
130 ist ja schließlich keine Diagnose einer Störung/Erkrankung
oder was auch immer.

daß ein IQ von 130 keine diagnose einer erkrankung ist, ist klar. Auf eine störung kann er aber hindeuten. für den behandelnden psychologen (und auch für mich als mutter) ist es aber wichtig abzutesten, WAS genau mit dem kind los ist. sein verhalten in vielen bereichen ist leider nicht als normal zu bezeichenen, deshalb auch die verhaltenstherapie. wir versprechen uns durch die auswertung des tests evtl. einen anderen blickwinkel für die probleme zu bekommen und einen besseren zugang zum kind zu finden. vielleicht besteht hierdurch die chance, das kind besser zu verstehen, einfach besser zu wissen, warum er manche dinge tut oder eben nicht, die eben nicht der norm entsprechen.
wenn man als mutter praktisch schon seit der geburt das gefühl hat, daß das kind „anders“ ist (ich benutze gerne völlig wertungsfrei das wort „besonders“), dann möchte ich mein kind verstehen lernen, anders, als eben andere (normale) kinder verstanden werden. die frage für mich ist: wie finde ich den richtigen zugang zum kind? dieses gefühl hatte auch die erzieherin im kindergarten und der lehrer in der schule seit 3 jahren. da seine „andersartigkeit“ definitiv nicht auf erziehungsstrukturen (normal) zurückzuführen sind, liegt es jetzt mit am verhaltenstherapeuten herauszufinden, wo genau die schwierigkeiten liegen. der test wurde im rahmen der therapie angeordnet, weil schnell klar war, daß der kleine „anders tickt“.

Schließlich gibt es zahllose Kinder mit
IQ 130, die ohne Therapiebedarf durchs Leben gehen.

ja sicher gibt es die, nur gehört mein kind offensichtlich nicht in diese gruppe. ich möchte hier an dieser stelle betonen, daß ich sicher nicht zu den müttern gehöre: Ach-du-lieber-himmel-der-kleine-ist-ja-so-klug-was-der-schon-alles-kann-mann-was-bin-ich-stolz.

Wie Begründen denn die Therapeuten hier Zusammenhänge ?

siehe oben

Gruß
Marion

grüße
claudia

Hallo,

Mich würde mal interessieren, wie das zusammenhängen soll. IQ
130 ist ja schließlich keine Diagnose einer Störung/Erkrankung
oder was auch immer.

wir
versprechen uns durch die auswertung des tests evtl. einen
anderen blickwinkel für die probleme zu bekommen und einen
besseren zugang zum kind zu finden. vielleicht besteht
hierdurch die chance, das kind besser zu verstehen, einfach
besser zu wissen, warum er manche dinge tut oder eben nicht,
die eben nicht der norm entsprechen.

ok, aber wie ist da der Zusammenhang mit dem IQ-Test? Für welche Art von Verhalten könnte denn ein IQ von 130 die Ursache sein? Und welche anderen Komponenten kommen dazu bei Kindern, die diese Verhaltensweisen aufweisen im Gegensatz zu anderen Kindern mit einem IQ von 130, die diese Verhaltensweisen nicht aufweisen ?

liegt es
jetzt mit am verhaltenstherapeuten herauszufinden, wo genau
die schwierigkeiten liegen. der test wurde im rahmen der
therapie angeordnet, weil schnell klar war, daß der kleine
„anders tickt“.

Mir ist immer noch nicht ganz klar, wie ein festgestellter IQ von 130 dabei helfen kann herauszufinden, wo die Schwierigkeiten begründet liegen.

Schließlich gibt es zahllose Kinder mit
IQ 130, die ohne Therapiebedarf durchs Leben gehen.

ja sicher gibt es die, nur gehört mein kind offensichtlich
nicht in diese gruppe. ich möchte hier an dieser stelle
betonen, daß ich sicher nicht zu den müttern gehöre:
Ach-du-lieber-himmel-der-kleine-ist-ja-so-klug-was-der-schon-alles-kann-mann-was-bin-ich-stolz.

Nein, den Eindruck machst du auch nicht, mal davon abgesehen, dass vermutliche jede Mutter irgendwo zu den Ach-du-lieber-himmel-der-kleine-ist-ja-so-klug-was-der-schon-alles-kann Müttern zählt :smile: Es ist schon klar, dass es hier um Probleme , also vermutlich Verhaltensauffälligkeiten geht, die problematisch für das Kind sind. Genau deshalb interessiert mich ja auch die Sache mit dem IQ.

Lieben Gruß
Marion

hallo marion,

ok, aber wie ist da der Zusammenhang mit dem IQ-Test? Für
welche Art von Verhalten könnte denn ein IQ von 130 die
Ursache sein? Und welche anderen Komponenten kommen dazu bei
Kindern, die diese Verhaltensweisen aufweisen im Gegensatz zu
anderen Kindern mit einem IQ von 130, die diese
Verhaltensweisen nicht aufweisen ?

genau darum geht es ja. einen eventuellen zusammenhang zwischen verhalten und IQ zu sehen, der dann auf die ursprungsproblematik zu führen ist. leider habe ich die auswertung des tests noch nicht vorliegen, ich versuche mich einfach mal an ein paar laienhafen beispielen:
wenn das kind zB in sich zurückgezogen ist, nur 1-er in der schule schreibt, die sozialkompetenz nicht ausgeprägt ist,
wenn das kind immer und über alles diskutiert, auch wenn es noch so nichtig ist, die eltern schier damit in den wahnsinn treibt, sein wissensdrang fast unstillbar ist, dann läuft das kind in der gesellschaft oft gegen eine mauer, entwickeltund agressionen, die gegen wen auch immer gerichtet sind, eben weil es aus seiner sicht auf unverständnis trifft.
wenn ein kind offensichtlich „anders tickt“ und die umwelt die gedankengänge des kindes nicht nachvollziehen kann und dann vielleicht vollkommen falsch (weil normal) auf das kind reagiert,
wenn ein kind schlafstörungen hat, immer wieder wach wird, weil es nicht abschalten kann, die gedanken nur so im kleinen hirn umherpurzeln…
…dann, finde ich (und zum glück auch der therapeut), muß geschaut werden, in welchen teilbereichen eine abweichung der norm besteht, um einen besseren zugang zu bekommen und evtl. mit ganz anderen ansätzen therapieren zu können. ich meine jetzt nicht „heilen“, sondern einfach Verständnis lernen, daß ein „besonderes“ kind andere bedürfnisse hat…
mehr fällt mir dazu nicht ein, aber ich poste gerne, wenn ich die auswertung habe.

schönes wochenende
claudia

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*einmisch*
Interessante Diskussion, meine Lieben. :smile:

Ich glaube, daß es Claudia weniger um das Endergebnis „IQ 130“ geht als vielmehr um die genaue Auswertung. Sie hat ja schon angedeutet, daß der Kleine in Teilbereichen wohl besonders begabt zu sein scheint, in andere aber weniger (das ergibt dann wohl auch diesen zwar hohen, aber nicht irre hohen Wert).

Wenn es zum Beispiel so ist, daß jemand einen mathematisch unglaublich hohen Wert hat, spachlich aber eher zurück ist, dann kann ich mir durchaus vorstellen, daß das zu kommunikativen Schwierigkeiten führt.

Grundsätzlich schadet so was nicht. Nicht, um den IQ zu „messen“ (genaue, also bleibende Meßergebnisse sind eh erst ab Teenageralter möglich), sondern eben, um zu sehen, wie der Kleine „tickt“ - wie Claudia so schön schreibt.

Wie alt ist er eigentlich, Claudia? Mal nur interessehalber.

Und als praktischer Tip: Abgesehen davon, wieso ein IQ-Test bei Kindern notwendig ist, raten die meisten Ärzte davon ab, Kindern das Ergebnis ihrer IQ-Tests explizit zu verraten. Stand letztens in Psychologie Heute, Thema Hochbegabung, leider kann ich Dir keine Quelle mehr nennen, war eine ältere Ausgabe. :confused:
Jedenfalls setzt eine genaue Zahl die Kinder nur unter Druck, sie finden sie zu hoch oder zu niedrig, messen sich selbst daran und können letzten Endes mit einer abstrakten Ziffer doch nichts anfangen.

Liebe Grüße,
Nike

Hai, Marion,

also stell Dir vor, Du hast da so’n vier-jährigen Stippich, bringst ihn das erste Mal in die Kita, hoffst, daß er da viele Freunde findet und nach 'ner Woche erzählt Dir die Kita-Tante, daß Dein Kind nicht mit den anderen spielt. Daß es den ganzen Tag in der Ecke sitzt und an Aktivitäten nur äußerst lustlos teilnimmt. Er muß dauernd mehrfach angesprochen werden, bis er überhaupt reagiert und nach spätestens 10 Minuten gemeinsamen Spielens/Bastelns/Was-auch-immer schmeißt das Gör Sachen rum, haut andere Kinder und, sobald er drauf angesprochen wird, verfällt er in Schweigen und verzieht sich wieder in seine Ecke…

Verhaltensstörung? Neigung zum Autismus?
…oder es geht dem Kind, wie mir damals: eine halbe Stunde hat gereicht, um mir klar zu machen, daß alle anderen blöd sind - so konnte ich das auch sagen: „Die sind alle blöd“ - leider konnte ich nicht ausdrücken, daß ich die alle für blöd hielt, weil sie nichtmal lesen und nur „Baby-Spiele“ konnten, daß ich grenzenlos gelangweilt war, daß es mich frustriert hat, mit Fingern in der dicken Fingerfarbe rumzupanschen, statt mit feinen Pinseln und guter Farbe „richtig“ Bilder malen zu dürfen…

Heute macht man dann einen IQ-Test, um genau diesen Unterschied herauszufinden: benimmt das Kind sich nicht, wie die anderen, weil ihm 'was fehlt, oder weil’s 'was zuviel hat…
Stellt man dabei z.B. fest, daß das Kind im mathematisch-logischen Bereich weit jenseits von Gut und Böse ist, dann weis man auch, warum es den größten Ärger immer in der Mathe-Klasse gibt - spätestens, wenn der Lehrer das dritte Mal den gleichen Sachverhalt erklärt (den unser Überflieger schon bei der ersten Erklärung mit allen Konsequenzen erfasst hat), dreht das Kind durch - je nach Neigung schaltet es ab, träumt, scheint fast autistisch, oder wird zappelig, aggressiv. Das gleiche Verhalten kann aber auch entstehen, wenn das Kind mathematisch weit unter dem Duchschnitt ist und Frust über’s nicht-Verstehen erlebt.

Alle Klarheiten beseitigt?

Gruß
Sibylle

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Moin,

Heute macht man dann einen IQ-Test, um genau diesen
Unterschied herauszufinden: benimmt das Kind sich nicht, wie
die anderen, weil ihm 'was fehlt, oder weil’s 'was zuviel
hat…
Stellt man dabei z.B. fest, daß das Kind im
mathematisch-logischen Bereich weit jenseits von Gut und Böse
ist, dann weis man auch, warum es den größten Ärger immer in
der Mathe-Klasse gibt - spätestens, wenn der Lehrer das dritte
Mal den gleichen Sachverhalt erklärt (den unser Überflieger
schon bei der ersten Erklärung mit allen Konsequenzen erfasst
hat), dreht das Kind durch - je nach Neigung schaltet es ab,
träumt, scheint fast autistisch, oder wird zappelig,
aggressiv. Das gleiche Verhalten kann aber auch entstehen,
wenn das Kind mathematisch weit unter dem Duchschnitt ist und
Frust über’s nicht-Verstehen erlebt.

Alle Klarheiten beseitigt?

Nein, denn es gibt auch Kinder, die in bestimmten Bereichen die absoluten Überflieger sind und trotzdem nicht so extrem verhaltensauffällig werden, dass sie einer Therapie bedürfen.

Hier seh ich ja auch genau den Denkfehler. Es werden eben nur die Kinder getestet, die extrem verhaltensauffällig sind. Die anderen Kinder, die halbwegs normal durchlaufen, können aber genau so über ähnliche IQs verfügen. Ein sinnvolles Kriterium wäre aber meiner Meinung eins, dass nur die verhaltensauffälligen Kinder haben, die nicht verhaltensauffälligen hingegen nicht.

Gruß
Marin

Moin,

ok, aber wie ist da der Zusammenhang mit dem IQ-Test? Für
welche Art von Verhalten könnte denn ein IQ von 130 die
Ursache sein? Und welche anderen Komponenten kommen dazu bei
Kindern, die diese Verhaltensweisen aufweisen im Gegensatz zu
anderen Kindern mit einem IQ von 130, die diese
Verhaltensweisen nicht aufweisen ?

genau darum geht es ja. einen eventuellen zusammenhang
zwischen verhalten und IQ zu sehen, der dann auf die
ursprungsproblematik zu führen ist.

Ja, aber wo ist dieser Zusammenhang ?
Schließlich gibt es doch einige Kinder mit ähnlichen IQs und Hochbegabung. Die sind aber nicht alle verhaltensauffällig, sondern nur einige davon. Was unterscheidet also die verhaltensauffälligen Kinder von den nicht verhaltensauffälligen Kindern mit ähnlichem IQ ?

leider habe ich die
auswertung des tests noch nicht vorliegen, ich versuche mich
einfach mal an ein paar laienhafen beispielen:
wenn das kind zB in sich zurückgezogen ist, nur 1-er in der
schule schreibt, die sozialkompetenz nicht ausgeprägt ist,

Das wäre zumindest ein Anhaltspunkt. Gibt es irgend einen Hinweis dafür, dass die Sozialkompetenz bei Hochbegabten weniger ausgeprägt ist, als bei anderen Kindern ? Was ist mit den Hochbegabten, deren Hochbegabung nie „ertestet“ wird, weil sie über keine auffällige Sozialkompetenz verfügen ?

wenn das kind immer und über alles diskutiert, auch wenn es
noch so nichtig ist, die eltern schier damit in den wahnsinn
treibt, sein wissensdrang fast unstillbar ist, dann läuft das
kind in der gesellschaft oft gegen eine mauer, entwickeltund
agressionen, die gegen wen auch immer gerichtet sind, eben
weil es aus seiner sicht auf unverständnis trifft.

Aus Unverständnis zu treffen, kann natürlich immer zu Agression führen. Dazu muss ein Kind hingegen nicht hochbegabt sein.

…dann, finde ich (und zum glück auch der therapeut), muß
geschaut werden, in welchen teilbereichen eine abweichung der
norm besteht, um einen besseren zugang zu bekommen und evtl.
mit ganz anderen ansätzen therapieren zu können. ich meine
jetzt nicht „heilen“, sondern einfach Verständnis lernen, daß
ein „besonderes“ kind andere bedürfnisse hat…

Das finde ich völlig richtig. Mit einem IQ-Test wird ja nichts ertestet, was „heilbar“ wäre. Das „besondere“ an dem Kind ist jedoch dessen Verhalten, und nicht unbedingt der IQ. Alle Kinder, die sozial anecken, haben „besondere“ und „andere“ Bedürfnisse. Der IQ muss dabei nicht unbedingt eine Rolle spielen. Schließlich gibt es auch viele „hochbegabte“ Kinder, die nicht anecken. Ich seh also immer noch nicht ganz, wie ein IQ Test hier hilfreiche Erkenntnisse liefern soll.

mehr fällt mir dazu nicht ein, aber ich poste gerne, wenn ich
die auswertung habe.

Das wäre nett. Frag doch mal den Therapeuten, was verhaltensauffällige Kinder mit einem IQ von 130 von anderen Kindern mit einem IQ von 130 unterscheidet, die nicht verhaltensauffällig sind. Das würde mich ernsthaft interessieren.

Gruß
Marion

hallo nike,

Interessante Diskussion, meine Lieben. :smile:

Ich glaube, daß es Claudia weniger um das Endergebnis „IQ 130“
geht als vielmehr um die genaue Auswertung. Sie hat ja schon
angedeutet, daß der Kleine in Teilbereichen wohl besonders
begabt zu sein scheint, in andere aber weniger (das ergibt
dann wohl auch diesen zwar hohen, aber nicht irre hohen Wert).

genau

Wenn es zum Beispiel so ist, daß jemand einen mathematisch
unglaublich hohen Wert hat, spachlich aber eher zurück ist,
dann kann ich mir durchaus vorstellen, daß das zu
kommunikativen Schwierigkeiten führt.

in unserem fall ist es wohl genau andersrum. der begriff „sprachliche hochbegabung“ haben wir schon oft gehört. zu verhaltensauffälligkeiten kam es dann erst in der schule.

Grundsätzlich schadet so was nicht. Nicht, um den IQ zu
„messen“ (genaue, also bleibende Meßergebnisse sind eh erst ab
Teenageralter möglich), sondern eben, um zu sehen, wie der
Kleine „tickt“ - wie Claudia so schön schreibt.

ja, denn die zahl alleine sagt ja nichts aus.

Wie alt ist er eigentlich, Claudia? Mal nur interessehalber.

9

Und als praktischer Tip: Abgesehen davon, wieso ein IQ-Test
bei Kindern notwendig ist, raten die meisten Ärzte davon ab,
Kindern das Ergebnis ihrer IQ-Tests explizit zu verraten.
Stand letztens in Psychologie Heute, Thema Hochbegabung,
leider kann ich Dir keine Quelle mehr nennen, war eine ältere
Ausgabe. :confused:
Jedenfalls setzt eine genaue Zahl die Kinder nur unter Druck,
sie finden sie zu hoch oder zu niedrig, messen sich selbst
daran und können letzten Endes mit einer abstrakten Ziffer
doch nichts anfangen.

Liebe Grüße,
Nike

grüße
claudia

Hai, Marion,

Obwohl Hochbegabung selbst keine Störung ist, kann unerkannte Hochbegabung einen Rattenschwanz von Schwierigkeiten nach sich ziehen, sie kann die Hauptursache von Verhaltensauffälligkeiten sein, die zum Teil fatal Krankheitsbildern gleichen (kann, nicht muß!).

Es gibt Hochbegabte, die „wegschalten“, wenn sie sich langweilen - von außen wirken die tatsächlich leicht autistisch; andere könnte man für manisch halten…

Um zu vermeiden, daß so „getarnte“ Hochbegabte falsch behandelt werden, prüft man erstmal nach, ob man sich darum überhaupt Gedanken machen muß.
(So, wie ein Arzt einen mit Einstichen im Arm ohnmächtig Eingelieferten erstmal fragt, ob er denn Blutspender ist, statt ihm gleich 'ne Methadon-Behandlung zu verpassen)

Gruß
Sibylle

1 „Gefällt mir“

hi marion

Moin,

ok, aber wie ist da der Zusammenhang mit dem IQ-Test? Für
welche Art von Verhalten könnte denn ein IQ von 130 die
Ursache sein? Und welche anderen Komponenten kommen dazu bei
Kindern, die diese Verhaltensweisen aufweisen im Gegensatz zu
anderen Kindern mit einem IQ von 130, die diese
Verhaltensweisen nicht aufweisen ?

genau darum geht es ja. einen eventuellen zusammenhang
zwischen verhalten und IQ zu sehen, der dann auf die
ursprungsproblematik zu führen ist.

Ja, aber wo ist dieser Zusammenhang ?

das hat sibylle doch super beschrieben, finde ich.

Schließlich gibt es doch einige Kinder mit ähnlichen IQs und
Hochbegabung. Die sind aber nicht alle verhaltensauffällig,
sondern nur einige davon. Was unterscheidet also die
verhaltensauffälligen Kinder von den nicht
verhaltensauffälligen Kindern mit ähnlichem IQ ?

das ist ne gute frage. zum einen würde ich sagen, daß bei den nicht verhaltensauffälligen 130ern eine annähernd hohe intelligenz in allen bereichen vorliegt und keine inselbegabung (wie bei meinem kind) vorliegt. zum anderen denke ich, daß die nicht verhaltensauffälligen 130er nicht bei einem psychologen vorstellig werden, wenn keine sonstigen auffälligkeiten vorliegen. warum auch? die sind in der schule prima, kommen prima mit der umwelt zurecht und machen nicht den eindruck, …wie soll ich sagen?? …innerlich nicht ausgeglichen, ja teilweise richtig „innerlich errissen“ zu sein.

leider habe ich die
auswertung des tests noch nicht vorliegen, ich versuche mich
einfach mal an ein paar laienhafen beispielen:
wenn das kind zB in sich zurückgezogen ist, nur 1-er in der
schule schreibt, die sozialkompetenz nicht ausgeprägt ist,

Das wäre zumindest ein Anhaltspunkt. Gibt es irgend einen
Hinweis dafür, dass die Sozialkompetenz bei Hochbegabten
weniger ausgeprägt ist, als bei anderen Kindern ?

nein, natürlich nicht.

Was ist mit
den Hochbegabten, deren Hochbegabung nie „ertestet“ wird, weil
sie über keine auffällige Sozialkompetenz verfügen ?

na dann gelten sie einfach als schlauberger, leute, die gleich alles kapieren, die im allgemeinen als „themenübergreifend“ klug bezeichnet werden.

wenn das kind immer und über alles diskutiert, auch wenn es
noch so nichtig ist, die eltern schier damit in den wahnsinn
treibt, sein wissensdrang fast unstillbar ist, dann läuft das
kind in der gesellschaft oft gegen eine mauer, entwickeltund
agressionen, die gegen wen auch immer gerichtet sind, eben
weil es aus seiner sicht auf unverständnis trifft.

Aus Unverständnis zu treffen, kann natürlich immer zu
Agression führen. Dazu muss ein Kind hingegen nicht hochbegabt
sein.

sicher MUSS es das nicht, da spielen ein haufen von umweltfaktoren eine rolle. gerade hier gibt es nicht nur schwarz und weiß sondern eine vielfalt von graustufen.

…dann, finde ich (und zum glück auch der therapeut), muß
geschaut werden, in welchen teilbereichen eine abweichung der
norm besteht, um einen besseren zugang zu bekommen und evtl.
mit ganz anderen ansätzen therapieren zu können. ich meine
jetzt nicht „heilen“, sondern einfach Verständnis lernen, daß
ein „besonderes“ kind andere bedürfnisse hat…

Das finde ich völlig richtig. Mit einem IQ-Test wird ja nichts
ertestet, was „heilbar“ wäre. Das „besondere“ an dem Kind ist
jedoch dessen Verhalten, und nicht unbedingt der IQ. Alle
Kinder, die sozial anecken, haben „besondere“ und „andere“
Bedürfnisse. Der IQ muss dabei nicht unbedingt eine Rolle
spielen. Schließlich gibt es auch viele „hochbegabte“ Kinder,
die nicht anecken. Ich seh also immer noch nicht ganz, wie ein
IQ Test hier hilfreiche Erkenntnisse liefern soll.

ich weiß nicht, wie ich es sonst noch klarer beschreiben soll, aber sibylle hat das gut gemacht.

mehr fällt mir dazu nicht ein, aber ich poste gerne, wenn ich
die auswertung habe.

Das wäre nett. Frag doch mal den Therapeuten, was
verhaltensauffällige Kinder mit einem IQ von 130 von anderen
Kindern mit einem IQ von 130 unterscheidet, die nicht
verhaltensauffällig sind. Das würde mich ernsthaft
interessieren.

das hatte ich schon mal angedeutet. es ist halt so, daß verhaltensunauffällige kinder mit hohem IQ seltener erfaßt werden, weil kein handlungsbedarf besteht.

Gruß
Marion

grüße
claudia

Moin,

Obwohl Hochbegabung selbst keine Störung ist, kann unerkannte
Hochbegabung einen Rattenschwanz von Schwierigkeiten nach sich
ziehen, sie kann die Hauptursache von
Verhaltensauffälligkeiten sein, die zum Teil fatal
Krankheitsbildern gleichen (kann, nicht muß!).

Das ist mir schon klar, aber genau so kann Hochbegabung eben auch keinen Rattenschwanz von Schwierigkeiten nach sich ziehen. Somit ist mir nicht klar, wieso die Hochbegabung bei diesen Kindern die Haupt ursache für Verhaltensauffälligkeiten sein soll.

Es gibt auch mittelmäßig begabte Kinder mit oder ohne Verhaltensauffälligkeiten. Wenn jemand bei mittelmäßig begabten Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten auf die Idee käme, die mittelmäßige Begabung als Hauptursache für die Verhaltensauffälligkeit heranziehen zu wollen, würde ich genau so stutzig werden. Verstehst du, was ich meine ?

Es gibt Hochbegabte, die „wegschalten“, wenn sie sich
langweilen - von außen wirken die tatsächlich leicht
autistisch; andere könnte man für manisch halten…

Um zu vermeiden, daß so „getarnte“ Hochbegabte falsch
behandelt werden, prüft man erstmal nach, ob man sich darum
überhaupt Gedanken machen muß.

Ich halte es ja auch nicht für verwerflich, den IQ zu testen. Mir ist nur immer noch nicht klar geworden, wofür das hilfreich sein soll. Wenn ein Kind sich beispielsweise im Unterricht langweilt und rumstört, dann muss ich keinen IQ testen um zu wissen, dass da was nicht stimmt. Dann kann ich entweder etwas dagegen unternehmen, dass das Kind sich langweilt (Veränderung beim Verhalten oder Unterricht des Lehrers bewirken z.B.) oder etwas dagegen unternehmen, dass das Kind mit Langeweile anders fertig wird als durch „rumstören“.

Gruß
Marion