Hallo!
Sieh dich doch um: Es gibt keine (!) einzige Partei, die nicht
für eine Ausweitung des Sozialstaats (natürlich nur für die
jeweils zu begünstigenden Gruppen) eintritt.
Also was die Parteien sagen, ist für mich nicht so relevant. Ich lese die beschlossenen Gesetze und die sprechen nicht für den Ausbau des Sozialstaates.
Das finde ich nun sehr weit hergeholt, ein typisches
unsachliches Totschlagsargument. Die Staaten Europas mit
Totalstaaten gleichzusetzen ist abstrus.
Geh bitte. Du beschwerst Dich, daß ich Dich angeblich einen
Kommunisten genannte hätte, obwohl ich das K-Wort nie
geschrieben habe.
Ich kontere, daß Du mich tatsächlich einen Neoliberalen (mit
allen negativen Konnotationen) genannt hast, was durchaus
vergleichbar unfreundlich ist und Dir fällt nichts besseres
ein, als mir aufgrund eines Wortes (ich habe wiederum nicht
„totalitär“ geschrieben, weil dies tatsächlich falsch wäre)
„Totschlagargumente“ zu unterstellen.
Das habe ich schon verstanden, du vergleichst aber Äpfel mit Birnen. Du sprichst von einem „Totalstaat“ nur weil ich von Eigentumsbeschränkungen gesprochen habe, obwohl Eigentumsbeschränkungen etwas völlig normales sind und es aus meinen Postings weder Anhaltspunkte dafür gab, dass ich für ständige Staatsverschuldung bin noch für Kommunismus oder so etwas.
Da hat doch das eine mit dem anderen nichts zu tun. Ich
verstehe nicht, warum in diesem Zusammenhang das Wort
Überschuldung fällt. Abgesehen davon sind Schulden beim Staat
und beim Privathaushalt wirklich nicht gleich zu sehen - es
sei denn man setzt Mikro- und Makroökonomie gleich, gerade das
erscheint mir aber sehr zweifelhaft.
Das wird meist solange behauptet, bis der nächste
Offenbarungseid - vulgo „Währungsreform“ (nein, ich meine
nicht den Euro) - bevorsteht.
Das wüsste ich jetzt nicht, welches Beispiel das sein sollte.
Tatsache ist, daß
alle reicher werden. Das was heute unter „neue Armut“
firmiert, wären vor 40 Jahren wohlhabende Bürger gewesen
(materiell).
Wenn man den Durchschnittslohn hernimmt sicher, ebenso wenn
man absolute Beträge hernimmt. Nur nützt einem Armen der
Durchschnittslohn nichts. Ein Durchschnitt berücksichtigt
nicht die Standardabweichung - man sollte also bei Statistiken
vorsichtig sein.
Ich habe mich bewußt nur auf die „neuen Armen“ bezogen. Der
weitaus größte Teil jener lebt in geordneten Wohnverhältnissen
und hat jeden Tag genug zu essen - das ist doch schon etwas.
Ja natürlich ist das was, aber das ist nur deswegen so, weil es immer noch einen Sozialstaat gibt. Wenn das aber immer mehr werden, die den Sozialstaat in Anspruch nehmen müssen, dann stimmt irgendetwas nicht.
Etwas neues war es nicht grundsätzlich - man bedenke aber,
dass die positiven Veränderungen nicht von selbst kamen,
sondern eben durch die dei freie Wirtschaft begrenzende
Sozialgesetzgebung, die in Österreich vor allem von der
Sozialdemokratie und den christlich sozialen gemeinsam ausging
(objektiv gesehen war die 1. Republik da sehr erfolgreich, nur
haben die Österreicher damals halt einen riesigen
Minderwertigkeitskomplex gehabt).
Ohne entsprechende Produktivitätsfortschritte, wäre diese
Gesetzgebung Makulatur geblieben, weil sie nicht leistbar
gewesen wäre.
Das ist eine ziemlich marxistische Argumentation, die du hier an den Tag legst:smile: Die größten Produktivitätsfortschritte wurden aber in Zeiten gemacht, in denen der Sozialstaat nicht in Frage gestellt wurde und nicht vorher.
Die Ursache besserer sozialer VErhältnisse liegt nicht in
Forderungen, sondern in Leistung.
Russland ist für mich da ein Extrembeispiel. Das Konzept für
die Reformen dort kam ja nicht von irgendwem, sondern von
Professoren der Harvard University in den USA und forderte
eine besonders radikale Einführung einer sehr radikalen
Marktwirtschaft.
Russland ist nu wirklich kein Beispiel für eine
funktionierende Marktwirtschaft. Korruption allerorts,
staatliche Einmischung, wenn es dem Kreml opportun ist,
politische Unfreiheit.
Ja es ist wirklich kein Beispiel - die Ursache für das nicht mehr funktionierende System sind streng liberal orientierte Wirtschaftsreformen in den 90er Jahren gewesen, die schlussendlich die Macht von der Politik in die Hände einiger weniger Kapitaleigner übertragen haben, sodass der Politik die Macht entglitten ist. Auch wenn man Putins Methoden in vielerlei Hinsicht als Demokrat so nicht akzeptieren kann, so hat er in einem Punkt Recht, nämlich in der Wiederherstellung des Primats der Politik - denn das ist auch Voraussetzung für eine Demokratie.
Im Vergleich dazu hat China gerade das abgelehnt und war sehr
viel erfolgreicher (ich meine das natürlich nur aus
wirtschaftlicher Sicht, Russland ist sehr demokratisch im
Vergleich zur VR China).
man Sonderwirtschaftszonen.
Dort erfolgt ein Großteil des Wachstums, geplant ist dort nur
die Existenz dieser Zonen, der Rest ist freies Unternehmertum.
Jein, es bestätigt aber eigentlich das was ich sage.
Das würde erstens auch nur im Durchschnitt gelten, weil sich
nicht jeder alles leisten kann und zweitens stimmt es auch
nicht. So ist etwa das österreichische staatliche
Krankenversicherungssystem insgesamt effizienter als das
privat organisierte amerikanische.
Wirklich? Wieso kratzen dann einige Kassen regelmäßig am
Konkurs?
Teilweise, weil Geld versickert und teilweise, weil sie zuwenig Geld bekommen und teilweise, weil man in Österreich z.B. auch mit 75 noch Dialyse bekommt und nicht einfach als überflüssiger Kostenfaktor sterben muss, weil man sie sich privat nicht leisten kann, wie das in England der Fall ist. Dass das Geld kostet ist klar, in einem der reichsten Länder ist das aber finanzierbar.
Aber bitte einmal zum Vergleich:
Anteil der Gesundheitskosten insgesamt am BIP lt. OECD Studie Health Data 2005
1 USA 15
2 Schweiz 11,5
3 Deutschland 11,1
5 Norwegen 10,3
6 Frankreich 10,1
8 Kanada 9,9
9 Niederlande 9,8
14 Italien 8,4
18 Großbritannien 7,7
21 Österreich 7,6
Ich finde das ziemlich gut und sehr effizient und das alles in einem staatlichen System, wo eigentlich alle gesundheitlich voll versorgt sind bei staatlicher Pflichtversicherung fast aller Einkommen ohne freie Wahl des Versicherungsträgers. Der Markt ist also doch offensichtlich nicht alles. Ich werde es nie verstehen, warum die CDU in Deutschland die Bürgerversicherung so als Schreckgespenst darstellt.
Das Elend der Alllmende schlägt auch hier zu: Was allen
gehört, gehört niemandem und wird gnadenlos ausgebeutet.
Das ist ein Risiko, das tatsächlich besteht und auch zu
berücksichtigen ist.
Und? Wie soll das geschehen? 20 Beamte zr Kontrolle der
unbotmäßigen Untertanen? Wieso schaftt man erst Probleme, die
man dann umständlich „lösen“ muß?
Weil es keine Patentlösung gibt - du unterstellst, dass eine Lösung die Probleme löst und die andere neue schafft, da das offensichtlich nciht der Fall sein kann, geht das ins Leere. Alles ist und bleibt letztendlich eine politische Wertentscheidung.
1/3 der Menschen erhält 2/3 mit seiner Arbeit, und hat nicht
den Hauch einer Chance auf demkratischem Wege diesem System zu
entrinnen.
Das hat aber sehr stark mit der Gesellschaftspyramide zu tun.
Inwiefern?
Weil immer mehr Leute alt (-Pensionisten) werden und immer weniger Kinder nachkommen.
Es traut sich aber niemand das zu ändern, weil man immer noch
auf ein höheres Wirtschaftswachstum wartet. Das ist aber wie
warten auf Godot, da in einem so hohen Entwicklungsstand die
Wirtschaftswachstumsraten immer niedrig bleiben werden - wir
müssen die Arbeit also anders verteilen.
Platitüden. Wollen wir jetzt staatlicherseits die zur
Verfügung stehenden Arbeitsstunden „gerecht“ verteilen?
Was ist eine Arbeitszeitregelung sonst, als eine staatliche Regelung zur Verteilung der Arbeit? Man könnte staatlicherseits verstärkt versuchen, Überstunden zu reduzieren. Man könnte auch die gesetzliche Arbeitszeit verkürzen.
Das Problem ist nicht, daß es zu wenig Arbeit gäbe, sondern
daß viele
Arbeiten zu den herrschenden Preisen einfach nicht mehr
rentabel sind.
Das ist mikroökonomisch und betriebswirtschaftlich vollkommen richtig. Der Größenschluss auf die Makroökonomie stimmt aber nicht.
Schön - aber nezahlt muß das alles dennoch mit Geld werden.
Geld ist nicht irgendeine abstrakte Gröpße ohne Bedeutug,
sondern letzendlich menschliche Arbeit.
Nein nicht alles, vieles muss mit Geld bezahlt werden. Es gibt auch viele Werte, die mit Geld eigentlich nichts zu tun haben, aber untergehen, wenn es nur mehr ums Geld geht.
Das ist aber jetzt schon sehr off topic.
Gruß
Tom