Hauskauf Was ist Finanzierbar?

Hallo, ich werde das Gefühl nicht los, das ein Hauskauf/Bau immer mehr nur für „Spitzenverdiener“ realisierbar ist.
Ich zu meiner Person kann mich nicht als Spitzenverdiener einstufen, eher als der Durschnittsverdiener der „Arbeiterklasse“.
Der Staat tut leider auch nicht mehr viel für Häuslebauer/Käufer.
Hier in der Gegend wo ich wohne kostet ein Einfamilienhaus im Schnitt zwischen 260000 bis 300000 Euro.

Würde ich meinen Nettoverdienst + meiner Frau zusammenzählen kämen wir auf etwa 2600 Euro.
Jedoch muss ich sagen, das dieser Betrag nur realisierbar ist,solange wir keine Kinder haben. Wäre ich Alleinverdiener läge mein Verdienst Zwischen 1700 und 1900 Euro Netto.
Für den Fall, das wir Kinder kriegen, würde meine Frau für eine begrenzte Zeit Elterngeld kriegen (glaube das liegt zur Zeit bei einem Jahr).
Wenn sich nun aber Ihre Elternzeit über mehrere Jahre ausdehnt, wäre das Netto Familieneinkommen für diese Zeit bei vielleicht etwa 2100 - 2200 Euro.

Ich frag mich ob dieses Einkommen ausreichen würde um ein Haus das 260000 Euro kosten würde abzuzahlen?
Wieviel muss man heutzutage mindestens Verdienen um sich ein eigenes Haus überhaupt in dieser Preisklasse leisten zu können?

Was wird vom Staat überhaut noch bezuschusst?
Gibt es beim Hauskauf langfristig Steuerliche erleichterungen?

Wer ist vielleicht in einer ähnlichen Situation, bzw. hat den Schritt mit dem Hausbau/Kauf als Normalverdiener schon gemacht?

Wie ist eure Erfahrung mit der finanziellen Monatsbelastung nach dem Kauf/Bau?

Ich frag mich ob dieses Einkommen ausreichen würde um ein Haus
das 260000 Euro kosten würde abzuzahlen?

Wenn Du 260.000 € finanzieren mußt, beträgt die monatliche Belastung für Zins und Tilgung, 6 % Annuität unterstellt, 1300 €. Das ist vergleichbar mit der Kaltmiete, denn die Nebenkosten kommen noch dazu.

Das mag solange gut gehen, wie Ihr beide verdient. Sobald Deine Frau aufhört zu arbeiten, weil Ihr Kinder bekommen habt, dürfte die Rechnung nicht mehr aufgehen.

Wieviel muss man heutzutage mindestens Verdienen um sich ein

Das Einkommen ist eine Sache, das vorhandene Eigenkapital eine andere. Wenn kein Eigenkapital vorhanden ist, wird es bei Eurem Preisniveau eng.

Gibt es beim Hauskauf langfristig Steuerliche erleichterungen?

Bei derzeitiger Gesetzeslage meines Wissens nicht.

Wie ist eure Erfahrung mit der finanziellen Monatsbelastung
nach dem Kauf/Bau?

Man sollte nie den letzten Cent verplanen, da immer unerwartet Geldbedarf entsteht. Wenn es also rechnerisch gerade soeben klappt, lieber die Finger davon lassen, speziell dann, wenn man Kinder hat.

Hallo

Nordlicht hat Recht.
Selbst mit 2600 € netto ist eine Finanzierung von 260.000 € nicht machbar. Denn es ist ja nicht der Hauspreis allein, dazu kommen noch 5% Notarkosten, Grunderwerbsteuer und diverse „Kleinigkeiten“ die bei einem neuen Haus so anfallen.

Prinzipiell sollte es eigentlich so sein, dass man eine gewisse Summe an Eigenkapital hat, zumindest einen gut angesparten Bausparvertrag.

Ein Haus bedeutet auch, dass man auf Dinge verzichten muss, wenn man nicht gerade Großverdiener ist, entweder beim ansparen des Eigenkapitals und/oder auch hinterher.

„Früher“, also vor 30,40 Jahren wurden auch Häuser gebaut und der, der weniger Geld hatte, erbrachte jede Menge Eigenleistung um sein Ziel zu erreichen, dabei halfen Freunde und Verwandte.
Das scheint heute aus der Mode gekommen zu sein.
Usus war auch: man konnte (und wollte) die ersten Jahre nicht in Urlaub fahren, jeder Pfennig wurde in das Haus gesteckt.

Es wurden auch Teilbereiche (Keller, oder einige Zimmer) erst nach und nach fertiggestellt, so - wie eben das Geld da war - heute muss alles bei Einzug perfekt sein.

Früher war das Bauen zwar billiger, dafür auch die Löhne niedriger, also ungefähre Relation wie heute. Und 260.000 € für ein Haus sind in DM immerhin um die 510.000 DM.

Wie Nordlicht schrieb: viele vergessen, dass der Abtrag wie die Kaltmiete ist, dazu kommen: Heizung, Wasser, Müll, Schornsteinfeger, Haus- und andere Versicherungen, Telefon, Auto und und und…
da werden aus 1300 € netto Abtrag ganz schnell 1700 € und dann sieht es schon wieder schlecht aus.

Möglichkeit trotzdem zum Eigentum zu kommen:
eine Eigentumswohnung - gibt es teilweise schon für 70.000 € - damit kann man den Grundstein legen für einen späteren Hauskauf.
Alternative: ein gebrauchtes, älteres Haus - welches man nach und nach erneuert
Beim Bauen auf einen Keller zu verzichten, viele Eigenleistung erbringen
Eigenkapital ansparen.

Tut mir Leid, dass es so lang geworden ist - aber ich musste mal grundsätzlich so einige Gedanken loswerden.

Gruß

Hallo Dominik,

hier noch die Ergänzung zum älteren Haus. Wir haben uns ein älteres Haus gekauft, weil wir so was ganz nett finden und auch nicht bis zum Ende unseres Lebens an nem Haus rumfinanzieren wollten. Das was wir im Rhein-Main-Gebiet nett finden fängt irgendwo bei 500.000 an… ähm ja, was soll man zu diesen Preisen noch sagen…

Die Tage habe ich mal eben alle Rechnungen zusammen addiert um zu sehen, was wir nur so nebenbei noch in das Häuschen rein gesteckt haben, um es im Inneren bewohnbar zu machen. … Wir haben nur Strom und Fliesen im Flur und Küche erneuert. Neu Tapeziert und ansonsten Böden aufgearbeitet. Ein paar wenige Pflanzen für den Garten und das Fensterbrett gekauft … und schwups waren mal wieder 20.000 Euro beisammen.
Die Nebnekosten für so ein Haus sind auch nicht ganz ohne. Wenn DU das Ganze finanzierst, will die Versicherung auch eine entsprechende Absicherung des Risikos durch eine Wohngebäudeversicherung sehen etc… nur die Nebenkosten (Strom, Wasser, Abfall, Heizen, Versicherung, Kanalerschließungsgebühren) betragen sich bie uns auf knapp 5000 Euro im Jahr. Haben mal im Bekanntenkreis rum gehört, bei denen ist es ähnlich. Diese Kosten musst Du abdecken können und dann noch einen Puffer von 20% frei haben, damit sich die Bank auf eine Finanzierung einlässt… es sei denn, Du hast wirklich viel EK und kannst einen großen Teil anzahlen.

Eine Eigentumswohnung ist für viele der Weg zum Haus. Allerdings rate ich Dir hier vorher ein paar Bücher zum Thema WEG zu lesen, damit Du weißt auf was Du Dich da einlässt. Solltet Ihr so keine ETW finanziert bekommen oder einfach nicht umziehen wollen, gibt es in manchen Familien noch die schöne Möglichkeit, dass die meistens besser verdienenden Eltern in die ETW der Kinder einziehen und diese somit abbezahlen. Das Spiel machen die Banken relativ gerne mit, da dann auch die Mieter bekannt sind. So könntet ihr Eigentum aufbauen und auf diesem basierend dann ein Haus anfinanzieren.

Hallo Dominik!

260 bis 300 T€ für ein Haus und das Familieneinkommen passen nicht so recht zusammen, schon gar nicht ohne nennenswertes Eigenkapital. Es bliebe selbst bei einer mageren 1%-Tilgung, bei der Du fast bis zur Rente abzahlst, nur wenig zum Leben übrig. Jede unvorhergesehene Ausgabe kann Dich aus der Bahn werfen und dauernde finanzielle Enge und Sorgen tun Ehe, Familie und Gesundheit nicht gut. Dennoch halte ich nach einem Blick in Deine Vika, wo als Beruf Mechaniker steht, den nachvollziehbaren Wunsch nach einem eigenen Haus für erfüllbar, nur eben nicht mit der Methode, ein nagelneues Haus fix und fertig hinstellen zu lassen.

Ein gangbarer Weg könnte wie folgt aussehen: Für eine überschaubare Zeit schnallst Du den Konsumgürtel ein paar Rasten enger und sparst eisern, verzichtest auf Ratenkäufe und bescheidest Dich mit einem kleinen, alten Auto, bis z. B. 20 T€ beisammen sind. Das ist Dein Eigenkapital. Sodann leihst Du Dir z. B. 100 T€ von der Bank und kaufst ein großes altes Haus. Das muß nichts Komfortables sein, Hauptsache weitgehend frei von Schädlingsbefall, Feuchtigkeits- und Frostschäden und die Lage der Immobilie gefällt Dir. Irgendwelche Ausstattungen interessieren nicht, weil ohnehin restlos alles erneuert werden muß. Küche, Bad und einige Zimmer des Hauses richtest Du so her, daß Du dort samt Deiner kleinen Familie einziehen kannst. Für die 100 T€ von der Bank zahlst Du bei 2% Tilgung weniger als 600 € monatlich. Das ist vermutlich die ähnliche Größenordnung, die Du jetzt für Miete ausgibst, aber Du lebst dann schon im eigenen Haus. Mit der verträglichen Belastung bleibt vom Familieneinkommen bei halbwegs vernünftiger Lebensweise monatlich noch ein bißchen übrig.

Das alte Haus ist groß genug, so daß Du nicht auf einer Baustelle leben mußt. Weil Du finanziell nicht auf dem Zahnfleisch gehst, verwendest Du den monatlichen Überschuß und einen Teil Deiner Arbeitskraft, um den nicht bewohnten Teil des Hauses abschnittsweise zu sanieren und auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Das Vorhaben kann etliche Jahre dauern und erfordert, daß Deine Frau dahinter steht und am gleichen Strang zieht Weitere Voraussetzungen sind Lust zu handwerklicher Tätigkeit und Freude am gelungenen Ergebnis. Dabei entwickelt mancher Selbermacher handwerkliche Fertigkeiten, die sich nicht verstecken müssen und professionellen Ansprüchen genügen.

Wenn man ein altes Haus von Grund auf saniert und sich nicht mit Verkleidungen und Dekoration begnügt, wird es kaum billiger als ein Neubau. Aber den vollständig kreditfinanzierten Neubau zahlst Du über die Zinsen glatt zweimal, während Du bei der Sanierung fehlendes Geld weitgehend durch Deine eigene Arbeitskraft ersetzt. Unter dem Strich erzielst Du das gleiche Ergebnis wie beim Neubau, möglicherweise sogar besser und Du bist schneller schuldenfrei.

Im Grunde empfehle ich Dir einen uralten Hut, denn so oder ähnlich kommen seit ewigen Zeiten Durchschnittsverdiener zum eigenen Haus. Daß man zum Bauträger geht, in einem bunten Prospekt auf eine Abbildung zeigt, „Das da!“ sagt und dann in das fix und fertige Haus samt fertiger Gartenanlage einzieht, funktioniert nur bei passendem finanziellen Hintergrund und auch dann bin ich mit gar nicht sicher, ob solche Vorgehensweise immer erstrebenswert ist.

Gruß
Wolfgang

Hallo Dominik,

als ich Mitte 20 war hab ich die Situation ähnlich wie du gesehen - man steht vor einem Berg und denkt man kann ihn nicht erklimmen - hab mich dann aber doch entschlossen den Weg zu gehen.

Alexandra, Irene, Wolfgang und Nordlicht konnten die Lage nicht besser analysieren - ich sehe es gibt noch Menschen die mit beiden Beinen im Leben stehen :smile:.
Ich selbst hab genau nach diesen Plänen gehandelt - erst ein altes Fachwerkhaus aufgemöbelt. Für den Plan B „alles neu“ war ich mit einer schuldenfreien Immo im Nacken mit Mitte 30 bei den Banken ein gern gesehener Gast. Das war auch nicht billig, bezogen auf den knappen Faktor Zeit, denn es hat viel Zeit gekostet mit gegenseitiger Hilfe bei und mit meinen Freunden und Verwandten - wir haben zeitweilig auf drei Baustellen parallel gearbeitet - aber es geht! Immo „Neu“ hat auch 9 Jahre gebraucht um fertig zu werden - sie ist ja schließlich auch um einiges grosser und komfortabeler als das Fachwerkhaus.

Ich denke das wichtigste ist einen eigenen Plan zu haben und nicht andere für sich planen zu lassen.

Gruss Keuper

Hallo zusammen,

die bisherigen Antworten sind sicherlich alle sehr hilfreich, mich würde ein Randaspekt sehr interessieren:

Alle Vorschläge gehen mit jahrelanger Mühsal, Einschränkung, großem Konfliktpotential in der Familie und Opferung aller Freizeit einher.

Kann mir jemand erklären, was unter diesen Umständendazu führt, dass man unbedingt eine Immobilie erwerben möchte? In Kenntnis der o.g. Umstände? Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Vielen Dank für Aufklärung

Ramona

Hallo Ramona,

die Freiheit im eigenen Haus zu wohnen (auch wenn es anfangs eigentlich der Bank gwehört) ist m.E. unbezahlbar.
Ich kann mein persönliches Umfeld wo ich die meiste Zeit meines Lebens verbringe, wo ich eventl. meine Kinder großziehe usw ganz nach meinem Sinn gestalten. Ich kann meinen Kindern einen Sandkasten im Garten bauen , ich kann mir eine Sauna aufstellen, ich kann mir mein Bad mit Totenkopffließen bekleben oder weissderTeufelwastun ohne mir das von jemand anderem vorschreiben zu lassen. Dem einen ist das viel wert dem nächsten weniger.
Gruß elmore

1 „Gefällt mir“

Das weiss man, wenn so nach und nach alle netten Mieter im derzeit bewohnten (Miet-)Haus ausziehen und durch Harz-IV-Gesocks ersetzt werden.

Das mag jetzt hart klingen und ich will damit auch niemanden hier beleidigen.

Aber wenn über, unter, rechts und links von dir nur noch A****löcher hausen, die bis nachmittags um vier pennen und um Ein Uhr in der Nacht anfangen zu leben (und zwar mit voller Lautstärke), dann wünscht man sich schon eine Handgrante . . . oder eben ein eigenes Häuschen - auch, wenn mann es sich nicht oder nur unter großen Opfern leisten kann.

Wenn man ein altes Haus von Grund auf saniert und sich nicht
mit Verkleidungen und Dekoration begnügt, wird es kaum
billiger als ein Neubau. Aber den vollständig
kreditfinanzierten Neubau zahlst Du über die Zinsen glatt
zweimal, während Du bei der Sanierung fehlendes Geld
weitgehend durch Deine eigene Arbeitskraft ersetzt. Unter dem
Strich erzielst Du das gleiche Ergebnis wie beim Neubau,
möglicherweise sogar besser und Du bist schneller
schuldenfrei.

Uneingeschränkte Zustimmung.

Hinzufügen wäre noch, das bei diesem Vorgehen auch gerade durch den Zeitfaktor ein gewisses Einsparpotential besteht:

Wenn man das Material (Dämmstoffe, Fliesen, Kabel, Schrauben, Badezimmeramaturen oder was auch immer) nicht zu einem bestimmten Termin haben muss, weil sonst der ganze Bau aufgehalten wird, dann kann man einiges sparen, wenn man Restposten auf eBay abgreift, Sonderangebote im Auge behält oder einfach nur auf eine weitere „20% auf Alles“-Aktion im Baumarkt wartet.
Kostet zwar etwas Zeit und man muss schon dicke Nerven mitbringen, kann aber einiges an Geld einsparen . . .

Hallo Ramona,

die Frage ist berechtigt. Um so mehr Vermögen und insbesondere auch Grund und Boden man besitzt, desto mehr Verantwortung und Gerenne hast Du im wahrsten Sinne des Wortes am Hals. Deine Freiheit kann auch hier sehr begrenzt werden (wir stehen kurz davor unter Denkmalschutz gestellt zu werden, was wir nicht gerade toll finden) durch Auflagen und natürlich auch die Verantwortung die Du hast. Ist die Heizung defekt ist eben keiner da, den Du mal eben anrufst und der sich dann kümmert.

Das heißt bevor Du Dich vielleicht auch über mehrere Jahre an eine Region und ein Objekt bindest, überlege Dir genau, ob das zu Dir und Deiner Person passt. Auch Leute die viel und gerne Reisen werden wohl besser mit einer Wohnung bedient sein, da die Grundkosten ggf niedriger sind, die Wohnung ggf auch durch einen Hausmeister bewacht und betreut wird. Dem Nachbarn 6 Mal im Jahr die Schlüssel zu nem Haus und 1000qm Garten in die Hand zu drücken ist nicht wirklich die Lösung.

Generell würde ich sagen, dass sich der Ärger nur verschiebt. Ich hatte persönlich immer super Vermieter und kann nunr sagen, dass das Leben mit dem Haus weitaus aufwändiger und stressiger ist als gedacht - gut, es macht auch stellenweise Spaß, aber die zeitliche und emotionale Belastung ist bei mir persönlich höher.

Darum, nicht alle Wünsche die man so im Leben hat, müssen auch wirklcih wahr werden. Dann sieht man nämlich erst, dass es gar nicht so toll ist das was man erwünscht hat, auch wirklich zu besitzen.

Man braucht sehhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhr viele Nerven und vieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeel Zeit um sich mit dem Kram auseinander zu setzen ;o) Das Gesuche nach geeigneten Baumaterialien für Altbauten nimmt mitunter mehr Zeit in Anspruch als hinterher die eigentliche Umsetzung. Habe bis unser Haus fertig ist das Suchen zu meinem Hobby erklärt um am Ende des Jahres nicht dazustehen und zu sagen, dass ich keine Freizeit hatte ;o)

Hallo,

Alle Vorschläge gehen mit jahrelanger Mühsal, Einschränkung,
großem Konfliktpotential in der Familie und Opferung aller
Freizeit einher.

Kann mir jemand erklären, was unter diesen Umständendazu
führt, dass man unbedingt eine Immobilie erwerben möchte? In
Kenntnis der o.g. Umstände? Das ist für mich nicht
nachvollziehbar.

Mühsal hat man auch so im leben oder aber man ist faul.
Einschränkungen hat man ohne Eigentum auch.
Familienstress kommt auch auf.
Opfern der Freizeit macht man auch so nur eben dann für andere Sachen die mehr oder weniger Spaß machen.

Meiner Meinung nach habe ich die gleichen Probleme über die Jahre gesehen mit oder ohne Eigentum. Zwar nicht alle in gleicher Höhe aber was beid em einen ein großes ist bei dem anderen ein kleines usw.

Man muss sich halt LANGFRISTIG überlegen wo man seine Prioritäten setzt und dann entscheiden, was man macht. Wichtig dabei ist allerdings das LANGFRISTIGE. Was mir heute wichtig ist kann vielleicht in 5 Jahren nicht mehr so wichtig sein.

mfg
Bert

Hallo Ramona!

Auf den ersten Blick lebt es sich als Mieter unkomplizierter. Man zahlt seine Miete und fertig. Einen Eindruck vom unbeschwerten Leben in fremdem Eigentum bekommst Du, wenn Du gelegentlich einen Blick ins Mietbrett wirfst. Ein paar gängige Kostproben:

Man streitet sich mit dem Hausmeister, der Verwaltung oder dem Eigentümer über die abgeplatzte Ecke im Treppenhaus und darüber, ob die durchgeführte Reinigung ausreichend ist, ob man Schuhe vor die Tür stellen darf, wo ein Kinderwagen stehen darf und wo nicht und ob die Briefkastenanlage mit Klappen knapp für Postkarten ausreichend ist. Letztlich bekommt der Mieter Bescheid, was er zu tun, zu lassen und zu dulden hat.

Im Wohnzimmer ist die Wand rund ums Fenster verschimmelt. Der Vermieter tut daraufhin kund, der Mieter müsse besser lüften. Daß Baupfusch vorliegt und die ganze Hütte auf einem baulichen und technischen Stand von annokrug ist, stört nur den Mieter, aber der hat gefälligst den Schnabel zu halten oder auszuziehen.

Du freust Dich täglich beim Blick aus dem Fenster an den Bäumen und den darin tobenden Eichhörnchen. Eines Tages kommst Du nach Hause und die Bäume sind weg. Statt dessen steht dort eine Reihe Mülleimerkästen aus Waschbeton. Als Mieter wirst Du nicht gefragt. Du hast hinzunehmen, was andere über Dein Lebensumfeld beschließen.

Du bekommst die Nebenkostenabrechnung und Dir tränen die Augen. Du zahlst für die Pflege von Anlagen, die Du gar nicht benutzen darfst. Weil die Installationen von Heimkehrern aus dem letzten Krieg geplant wurden, gibt es natürlich nur Verdunsterröhrchen an den Heizkörpern und eine einzige Wasseruhr für zig Mietungen im Keller. Als Mieter hast Du solche Zustände hinzunehmen und zu zahlen.

Als Mieter wird Dir beschieden, daß andere Leute Deine Wohnung besichtigen wollen, entweder turnusmäßig oder weil der Immobilieneigentümer verkaufen, umbauen oder was auch immer will. Und so latschen dann Leute durch Deine privateste Sphäre, die Du weder kennst, geschweige denn eingeladen hast.

Das soll als Schlaglicht reichen; die Liste läßt sich beliebig fortsetzen. Damit kein falscher Zungenschlag in die Sache kommt, betone ich, daß es mir nicht darum geht, auf böse Vermieter zu schimpfen. Aber die Interessen eines Vermieters und Eigentümers können eben ganz anders gelagert sein als die Interessen eines Mieters. Dabei endet der Einfluß des Mieters unmittelbar an der Oberfläche des Türblatts seiner Wohnung und selbst innerhalb seiner Wohnung nutzt er fremdes Eigentum, muß um Genehmigung nachsuchen, hat Rechtfertigungsbedarf, ist im Zweifel ersatzpflichtig sowie den Einflüssen von Leuten neben, über und unter ihm ausgesetzt.

Die Zahlung für die Nutzung fremden Eigentums läuft lebenslänglich, ohne daß der Mieter dabei Eigentum erwirbt. Er wird sein Leben lang Konsument kurzlebiger Güter sein, lebenslang für die Erträge anderer Leute zahlen, aber zu keinem Eigentum kommen, mit dem er selbst Erträge erwirtschaften kann, daß sich beleihen oder versilbern oder wenigstens ohne dauernde Zahllast nutzen läßt.

Aus den erwähnten Zusammenhängen ergibt sich für jeden einzelnen Betroffenen eine mehr oder minder stark empfundene Abhängigkeit. Ferner ergeben sich gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Probleme. Wir sind ein Volk überwiegend von Mietern, die darüber hinaus mehrheitlich über kein Eigentum an Produktionsmitteln und über kein geistiges Eigentum verfügen. Dabei bewirkt u. a. die Miete für Wohnraum eine stetige Umverteilung von Vermögen und Kaufkraft von unten nach oben. Eine Folge dieses Umstands sind Probleme bei der Altersversorgung. Wer aus dem Arbeitsprozeß herausfällt, wird ohne Eigentum, daß sich ohne größere Kosten nutzen läßt oder sogar Rendite bringt, zum Empfänger staatlich organisierter Umlage- und Versorgungssysteme.

Gruß
Wolfgang

1 „Gefällt mir“

Hallo Ramona,

Kann mir jemand erklären, was unter diesen Umständendazu
führt, dass man unbedingt eine Immobilie erwerben möchte? In
Kenntnis der o.g. Umstände? Das ist für mich nicht
nachvollziehbar.

nunbin ich in der glücklichen Lage, in einer Gegend zu wohnen, wo die Immobilienpreise nicht gar so hoch sind und wir uns ein Haus erwerben konnten, das den Traumziel nahe kommt und trotzdem einigermaßen bezahlbar ist.

Sämtliches Geld in eine Immobilien zu stecken, ohne die Möglichkeit den Rest des Lebens zu genießen wäre für uns keine Alternative gewesen, aber ein eigenes Haus hat schon was.
Als Kind lebte ich mit meinen Eltern in einem größeren Miethaus, habe also meine eigenen Erfahrungen mit Nachbarn, die uns Kinder als Pest und Vorstufe zur Hölle beschimpften und uns entsprechend behandelten.
Wo dann zwar ein winziger grüner Fleck hinterm Haus war, wir ihn aber kaum nutzen konnten (siehe oben).
Die Bude war jämmerlich klein (65 qm für vier Personen).
Der einzige Vorteil war, daß wir recht zentral lebten, was für uns Kinder aber eher ein Nachteil war, weil es kaum Spielmöglichkeiten gab.

Wir haben ein Haus mit etwa der doppelten Fläche und auch vier Personen.
Der Garten ist über 1000 qm groß, hinter dem Grundstück sind Äcker, Wiesen und kleine Baumgruppen.
Die Jungs haben ein Baumhaus, ich hab mir aus einem Stall ein Arbeitszimmer gemacht und aus einem anderen eine Werkstatt. Meine Frau kriegte einen abgelegenen Raum als Rückzugzimmer umgebaut.

Was ich umbauen möchte, läßt sich machen, solange die Statik es zuläßt.
Eine Küche anbauen und eine Wand durchbrechen - kein Problem.
Das Haus Isolieren und mit Holz verkleiden - da brauch ich nur meine Geldbörse zu befragen.

Sehr lebhafte Kinder - kein Thema.

Mit einem Dutzend Freunden feiern - kein Problem.

Wenn ich dann an die Beschränkungen der Wohnung meiner Eltern denke, oder an die der Wohnungen die ich vorher bewohnte, ist mir immer wieder klar, warum wir ein Haus gekauft haben.

In ein paar Jahren ist der Kredit zurückgezahlt, dann hab ich einiges an Geld frei, was ich als Mieter nicht hätte.

Gandalf

1 „Gefällt mir“

Hallo zusammen,

vielen Dank schonmal für Eure Erklärungen.

Nur noch als Zusatzinfo:

  • Ich suche nicht nach Entscheidungshilfe
  • Es geht mir nicht um Fälle, in denen die Immobilie relativ locker finanziert wird.

Es geht mir um Fälle, in denen eine Immobilienfinanzierung rational einfach die finanziellen Möglichkeiten übersteigt - und dann alle Tanten angepumpt, Kinder versklavt und Nachtschichten geleistet werden um es doch noch irgendwie möglich zu machen.

Ich bezweifla ja keineswegs die Vorteile des Eigentums, ich verstehe nur nicht, warum es um jeden Preis sein muss.

Die angeführten Vergleiche zeichnen häufig das Bild: gemietete 2-Zimmerwohnung im Ghetto-Vorort contra frestehendes Einfamilienhaus in Schwabing… Ich wohne bewusst in einem sehr schönen, großen Haus in perfekter Lage zur Miete. Wenn mir nun jemand ein 100-Parteien Haus vor die Nase setzt, ziehe ich problemlos um. Die Kosten für den Umzug verrechne ich einfach mit der Grunderwerbssteuer… ; )

Viele Grüße

Ramona

Hallo Gandalf,

Sämtliches Geld in eine Immobilien zu stecken, ohne die
Möglichkeit den Rest des Lebens zu genießen wäre für uns keine
Alternative gewesen,

…und genau um diesen Fall ging es mir.

Als Kind lebte ich mit meinen Eltern in einem größeren
Miethaus,

Wir haben ein Haus mit etwa der doppelten Fläche und auch vier
Personen.
Der Garten ist über 1000 qm groß, hinter dem Grundstück sind
Äcker, Wiesen und kleine Baumgruppen.

Wir sind uns doch darüber einig, dass das Äpfel und Birnen sind?! In einem Mehrparteien Betonbunker gibt es auch Eigentumswohnungen und freistehende Häuser im Grünen kann man auch mieten…

Trotzdem natürlich vielen Dank für Deine Erfahrungen und herzlichen Glückwunsch zum schönen Haus!

Gruß

Ramona

Hallo Ramona!

Es geht mir um Fälle, in denen eine Immobilienfinanzierung
rational einfach die finanziellen Möglichkeiten übersteigt -
und dann alle Tanten angepumpt, Kinder versklavt und
Nachtschichten geleistet werden um es doch noch irgendwie
möglich zu machen.

Solche auf Kante genähten Finanzierungen wird kein vernünftiger Mensch befürworten. Wenn elementare Bedürfnisse nicht mehr erfüllbar sind, jede unvorhergesehene Ausgabe das Kartenhaus ins Wackeln bringt und die Kinder keine gute Ausbildung erhalten, weil jeder verfügbare Groschen ins Haus gesteckt werden muß, setzt man gewiß untaugliche Prioritäten.

Zwischen einem Leben voller Entbehrungen und Sorgen zugunsten eines eigenen Hauses und problemloser Finanzierung, von der man kaum etwas bemerkt, liegen viele Schattierungen. Wenn jemand Golf statt Mercedes fährt und die Armbanduhr von Casio statt von Rolex ist, geht damit vielleicht Verzicht, aber nicht wirklich ein Verlust von Lebensqualität einher.

Gruß
Wolfgang

Hallo Ramona

In einem Mehrparteien Betonbunker gibt es auch
Eigentumswohnungen

nur will ich so was nicht geschenkt haben.
Der Ärger mit den Mitbestuzern (Eigentümerversammlung, Gemeineigentum…) will ich mir nun so gar nicht gerne antun.

und freistehende Häuser im Grünen kann man
auch mieten…

Mit allen Beschränkungen und Nachteilen des Mietens.
Da kann ich nicht mal schnell war an-, aus- oder umbauen etc.
Zudem sind die Mietzinsen für einigermaßen gute Objekte (bei uns) oft so hoch wie bei mir die Zinsen und die Abtragung zusammen, da hab ich dann nur noch Nachteile.

Trotzdem natürlich vielen Dank für Deine Erfahrungen und
herzlichen Glückwunsch zum schönen Haus!

Bitte, danke.

Gandalf

Hallo Ramona,

Es geht mir um Fälle, in denen eine Immobilienfinanzierung
rational einfach die finanziellen Möglichkeiten übersteigt -
und dann alle Tanten angepumpt, Kinder versklavt und
Nachtschichten geleistet werden um es doch noch irgendwie
möglich zu machen.

solche Fälle kenne ich natürlich auch und kann es auch nicht so richtig verstehen.
Vielleicht ist es die Illusion der Unabhängigkeit, die Menschen dazu treibt ein Haus mit allen Mitteln zu erwerben.
Leider geht so was allzu häufig in die Hose.

Gandalf