Ist es das Programm einer neuen Partei?
… das ist meine Antwort
Worauf? Auf meine Frage, ob wir uns für die anderen sensibilisieren oder desensibilisieren wollen? Oder ist es vielmehr deine Selbsterklärung, wobei das Wort Liberalität ohne Erklärung geblieben ist (oder habe ich da etwas überlesen?)?
Hallo Jürgen,
du hast mir ausführlich deine (aktuelle) Position beschrieben, die du nach deinen Worten vor 5 Jahren für dich gewonnen hast. Mein Warum bezog sich auf deine Beweggründe dazu. Warum vor 5 Jahren? Was passierte damals, was dich dazu bewegt hat?
Warum? Weil ich wie bereits erwähnt mittlerweile überhöhende
Sonderrollen der Deutschen (auch die des Berufsguten der Welt
aus moralischer Pflicht) als nicht sinnvoll ansehe. Denn das
ist meine Lehre aus unserer Geschichte:
Wir Deutschen sind nicht besser und nicht schlechter als der
Rest der Welt. Wir sind in vielem gleich, in manchem anders
aber eben niemals besser
Mir fällt es schwer, von jeglichem „wir“ außer rhetorischem zu reden, deswegen interessiert mich nicht, was die Deutschen oder die Amerikaner oder die Russen etc. aus jeweiliger Geschichte lernen müssen, sollen oder wozu sie sonstwie anders verpflichtet sind. Mich interessiert die Position eines Einzelnen, wie er zu der Geschichte steht und sich dadurch definiert.
Ich stimme Dir hier in der Tendenz sicher zu, nur wie ich
vorher schrieb, halte ich ein Flugblatt der FDP für deutlich
diskussionswürdiger als die gebetsmühlenartigen Postings von
Provokateuren, denen eben erst durch eine Antwort Gewicht
gegeben wird. Das ist dann für mich Pragmatismus, dass ich das
ignoriere…
Eine Frage: Hast du dich zu dem Flyer Möllemanns in diesem Forum geäußert? Es ist kein Muß, klar. Nur wie soll ich sonst wissen, was du davon hältst, wo doch mindestens zwei Meinungen dazu möglich sind.
Ich dagegen sehe vielmehr das Problem, dass zum Teil durchaus
diskussionswürdige Dinge auch im Verhältnis von Minderheiten
zu unserer Gesellschaft
Moment! Habe ich richtig gelesen: Verhältnis von Minderheiten zu unserer Gesellschaft? Mich beschäftigt viel mehr Verhältnis der Gesellschaft (in diesem Fall, der Mehrheit) zu den Minderheiten. In der multikulturellen Welt ist es mindestens genausowichtig wenn nicht einmal mehr, meine ich.
vermischt werden mit extremen Thesen,
Beschwerst du dich über jemand, den du hier meinst, ohne zu präzisieren, oder über mich? Wo war ich extrem?
was dann (eben auch über die sich ergebende Argumentation der
Gegner) zu einem Schlagabtausch und einem Abbruch der
Diskussion führt.
Sind dann immer beide daran schuldig oder wie?
Und genau das ist der Stil der Provokateure,
aber eben leider auch häufig der überzeugten Gegner, die
ebenfalls von Verallgemeinerung nicht zurückschrecken…
Eine begründete Verallgemeinerung ist nicht dasselbe wie eine flache Pauschalisierung, oder?
Eine Überzeugung würde ich auch höher bewerten als eine Stammtischausbildung…
Und in diesem Zusammenhang ist es mir egal, wer der
Brandstifter ist, ob er Haider, Schönhuber, Möllemann heißt
oder ob er bei den Reps, der CSU oder bei den Grünen ist,
gefährlich könnten bei ausreichend politischer Begabung und
Intellekt alle werden…
Hättest du Lust, diesen deinen letzten Satz noch einmal durchzudenken? ‚Bei ausreichend politischer Begabung und Intellekt könnten alle gefährlich werden.‘ Tja…
Die Schwelle
zur Intoleranz ist hierbei IMHO schnell gegeben. Es steht
natürlich jedem zu, sich durch solche Provokatuere angegriffen
oder beleidigt zu fühlen, aber bei der engagierten Gegenwehr
läuft man sehr schnell Gefahr, durch sprachliche Unpräzision
und Verallgemeinerungen (Stichwort Totschlagsarg.)
Mitdiskutanten ebenfalls zu treffen, die eben eine andere
Herangehensweise an die Diskussion haben.
Nehmen wir ein weitgezogenes Beispiel zum Vergleich. Ein Kind wird verprügelt (eine Frau wird vergewaltigt, ein Ausländerwohnheim wird verbrannt etc.). Es laufen mehrere Passanten vorbei. Der eine sagt, das ist eine Provokation! Der andere sagt, wir müssen darüber diskutieren. Der dritte sagt, es ist ein Verbrechen, wieso sehen es die anderen nicht. Der vierte Passant sagt, was haben Sie denn hier überhaupt verloren? Der fünfte Passant sagt, ja, so sind sie alle. Der sechste fragt, warum sich die Polizei erst zwei Tage später einmischt.
Die anderen Passanten sind sehr betroffen und beobachten die weitere Entwicklung mit großer Neugier. Usw.
Wenn ich z.B. den
Eindruck habe, dass ich (weil ich auf den diskussionswürdigen
Teil eingehe und den anderen Teil als Dummfug ignoriere) in
die Antisemitenecke gedrängt werde (hier schon passiert,
allerdings nicht durch Dich, sondern durch eine ebenfalls sehr
engagierte Antisemitismus-Bekämpferin:wink:), dann hat das
ebenfalls Stammtischniveau, eben der Stammtisch der
„Gutmenschen“.
Und noch einmal, es tut mir leid um dich in so einem Fall, viel mehr tut mir aber derjenige leid, der die Zielscheibe von dem „Dummfug“ ist.
Zu guter Letzt: ich habe (noch) nie das Thema der besonderen
Stellung einer Nation angesprochen. Da hast du mich mit
jemandem verwechselt.Das war im Bezug auf Toms „besondere Verantwortung“ der
Deutschen und hatte nur über Dein Lob dieses Postings Bezug
auf Dich.
Meine Unterstützung gilt nicht jedem seiner Worte, sondern seinem Ton, seinem Umgang mit dem „Dummfug“, dem, daß er sich dem entgegengestellt hat. Bei einer anderen Gelegenheit würde ich mich auch mit ihm diskutieren, es bleibt mir aber wichtig, sein Engagement nicht als Gutmenschen-Attitüde, sondern als „normale“ Reaktion zu würdigen.
Wo es bis hier eine friedliche Klärung der Divergenzen
zwischen uns werden durfte, würde es mich interessieren, worin
du ein Totschlagsargument in unserer Diskussion meinerseits
siehst.Wie oben beschrieben, wer früh das Wort Antisemitismus in den
Mund nimmt, läuft Gefahr, in diesen Ruf zu kommen…
Darf man denn dieses schlimme Wort gar nicht benutzen? Ab wann ist es für dich nicht früh? Was bedeutet die Konnotation Antisemitismus-Totschlag?
Viele Grüße