Heikel: Juden, ich und 'meine' Vergangenheit

Zitat bitte!
Hallo Malte!

Übrigens: Stalin hat keine 100 Millionen Menschen umgebracht.

Die Historiker sind sich da uneinig. Die Zahl der Toten ist
wohl noch schwerer einzuschätzen als bei anderen, das geht bei
20 Millionen los und geht bis 100 Millionen.

Mich würde interessieren, aus welchen Quellen du deine historische Kenntnisse beziehst.

Im großen und ganzen folgt der aktuelle Wissensstand den Schätzungen aus dem Schwarzbuch des Kommunismus ISBN: 3492041760 Buch anschauen

Da erscheint die Zahl 100 Millionen im Zusammenhang mit allen Opfern aller totalitären Staaten, die im 20. Jahrhundert sich als kommunistisch bezeichneten.

Gruß

Hallo Pendragon

Allerdings sollte man sich auch mal vor Augen führen, ob diese
deine Betrachtungsweise wirklich sinnvoll ist. Im Irak sind
unter dem Regime von Saddam Hussein z.B. auch schreckliche
Gräuel passiert. Trotzdem hab ich noch niemanden von der
Schuld der irakischen Bevölkerung reden hören. Es gibt einfach
Situationen, da bist du als Otto Normalverbraucher völlig
machtlos und tatsächlich auch Opfer staatlicher
Minipulation. Entsprechende Beispiele gibt es aktuell weltweit
zuhauf.

Sorry, auch hier bin ich anderer Meinung. Saddam Hussein hat im Irak ein blutrünstiges
Terrorregime etabliert, er hatte einen gutgeölten Repressionsapparat an der Hand und er hat
ebarmungslos und bestialisch seine Gegner vernichtet. Insofern ist das Regime sicherlich mit dem
Nazideutschlands zu vergleichen.
Der kleine Unterschied ist nur der: Die irakische Armee hat sich schlicht geweigert für ihren
ungeliebten Herrscher ins Gras zu beisen, die haben zu hunderttausenden ihre Uniformen
ausgezogen, die Waffen weggeworfen und sind einfach nach Hause gegangen. Die Amerikaner
und Briten stiessen kaum auf Gegenwehr.
Dagegen haben die Deutschen bis zur vollkommenen Zerschlagung ihres Landes, selbst noch ihre
Kinder und Opas Berlin verteidigen lassen. Und die haben dass auch noch mitgemacht!
Deutschland war am Boden, die Bevölkerung darbte, hungerte, aber trotzdem haben sie ihren
Führer noch bis zuletzt verteidigt. Die Gründe hierfür sind vielfältig und würden Bücher füllen.
Wärend sich in Deutschland die meisten Naziführer, vielleicht abgesehen von den ganz hohen
Positionen, frei und ohne Angst vor Attentaten bewegen konnten, galt dieser Zusaten im Irak nicht.
Es kam immer wieder zu Übergriffen auf Vertreter des Regimes die blutig niedergeschlagen wurden.
Die Frage die bleibt, und auf die schon zahlreiche Historiker viel Zeit des forschens verwendet
haben, ist, warum es hierzulande keine Widerstandsbewegung gab. Man kann das nicht durch die
Brutalität des Regimes erklären. In allen besetzten Gebieten gab es gutorganisierten Widerstand.
Nur eben in Deutschland nicht. Wir müssen uns an Sophie Scholl und von Stauffenberg halten.
Zweifelsohne bewundernswert mutige Menschen aber eben nur eine handvoll in einem Volk von
damals mehr als 80 Millionen. Während in den besetzten Gebieten (z.B. Niederlande) viele
deutsche Juden von der Bevölkerung unter Lebensgefahr versteckt wurde, sind auch solche
Berichte absolute Mangelware aus dem Deutschen Reich.

Es verlangt ja niemand, dass die Deutschen ein Volk von Freiheitskämpfern hätten sein sollen.
Aber ein klitzekleines Quäntchen an zivilem Ungehorsam, ein bisschen Zivilcourage, ein wenig
den Drang Sand ins Getriebe der Vernichtungsmaschinerie zu streuen, und sei es auch noch so
unbedeutend, noch so subtil, leider totale Fehlanzeige. Der Mut der Deutschen reichte gerade mal
aus das Regime in den eigenen vier Wänden zu kritisieren, das wars dann auch schon. Es gab
noch nicht mal eine Exilopposition geflohener Deutscher.
Für mich ist das ein ziemlich trauriges Kapitel. Nicht nur die viehische Herrschaft der Nazis,
sondern auch das willige Unterordnen eines Volkes, dass ohne mit der Wimper zu zucken Millionen
anderer Menschen krepieren lies, Land verwüstete und unermessliches Leid über die Welt brachte,
und nach dem Krieg, superschnell zu Demokraten mutiert, davon nix mehr hören will.

Gruß
Tom

wirklich?
Hallo peet,

ich weiß nicht, welchen Thread Du gelesen hast, ich zumindest habe hier überwiegend sachliche und maßvolle und durchaus in alle Richtungen kritische Postings gelesen.

Nebenbei, ich finde es wenig hilfreich, die gesamte Newsgroup in Richtung Antisemitismus drängen zu wollen (was Du definitiv machst, wenn Du Deinen Text nochmals liest), denn damit sind wir genau wieder bei dem Thema Totschlagskeule, das wirklich langsam langweilt.

Ich stehe dazu, dass ich mittlerweile jeden angrinse oder angähne, der mir mit besonderer Verantwortung der Deutschen kommt. Warum? Weil ich diese Verantwortung nicht als besonderes sehe (und im grunde für eine Art gutgemeinte „Herrenmenschen“-Attitüde). Diese Verantwortung gegenüber anderen hat jeder(!) auf unserem Planeten, denn es ist die Verantwortung gegenüber dem Wohl des nächsten unabhängig von Aussehen, Geschlecht, Religion etc. Und diese Verantwortung haben wir nicht, weil unsere Opas in Europa gemetzelt haben, sondern weil allein dies ein friedvolles Zusammenleben aller für die Zukunft gewährleistet…

Grüße
Jürgen

Moin Tom,

ok, reden wir also über die Schuldhaftigkeit des irakischen Volkes oder meinetwegen auch irgend eines anderen Volkes an den Gräueltaten ihrer Diktatoren.

Gibt zu diesem Thema allgemeine Kriterien, nach denen du Urteilst, oder nur den direkten Vegleich Nazi-Deutschland irgend ein anderes Volk ? Falls letzters möchte ich diese Diskussion beenden, da es nie ein Volk, eine Diktatur geben wird, die genau so wie Nazi-Deutschland sein wird/war. Wenn letztes also dein Kriterium ist, dass hast du recht, nur die Deutsche Bevölkerung hat zur Nazi-Zeit Schuld auf sich geladen. Ende der Diskussion. Nur kann ich dieses Kriterium ehrlich gesagt nicht wirklich ernst nehmen.

Der kleine Unterschied ist nur der: Die irakische Armee hat
sich schlicht geweigert für ihren
ungeliebten Herrscher ins Gras zu beisen, die haben zu
hunderttausenden ihre Uniformen
ausgezogen, die Waffen weggeworfen und sind einfach nach Hause
gegangen. Die Amerikaner
und Briten stiessen kaum auf Gegenwehr.

Das kann auch lediglich ein Zeichen für Intelligenz auf Seiten Husseins sein. Immerhin wissen wir, dass er nicth Tod ist, wir wissen, dass die Armee ihre Waffen kaum weggeworfen hat (sonst müssten nämlich hunderte von MGs in der Irakischen Wüste liegen) und wir wissen, dass die irakische Armeeführung durch dieses Handeln das Leben seiner Armee bewahrt hat. Ist dir schon mal der Gedanke gekommen, Hussein und seine Schwergen warten einfach nur ab ? Schließlich ist dieses Abwarten zumindest eine Option, während alles andere den sicheren Untergang bedeutet hätte.

Ansonsten dürfte Angesichts des Kriegs Irak-Iran z.B. kaum ein Zweifel an der Radikalität der irakischen Armee bestehen haben.

Dass das in D gegen Ende des WWII anders gelaufen ist, sagt IMHO mehr über den Wahn der Deutschen Führer aus, als über die Einstellung der deutschen Bevölkerung. Ich gehe davon aus, dass fast jeder Deutsche, der gegen Ende des Krieges noch fanatisch kämpfte, eher der Meinung war, für sein eigenes Leben und das seiner Familie zu kämpfen, als für irgend einen Führer. Die Führer hätten dies jedoch durch eine Kapitulation stoppen können.

Wärend sich in Deutschland die meisten Naziführer, vielleicht
abgesehen von den ganz hohen
Positionen, frei und ohne Angst vor Attentaten bewegen
konnten, galt dieser Zusaten im Irak nicht.

Wieviele Attentatsversuche auf Hitler sind dir bekannt und wieviele auf Hussein ?

Es kam immer wieder zu Übergriffen auf Vertreter des Regimes
die blutig niedergeschlagen wurden.

Richtig. Schließlich hat der Irak ja auch fast 50% der eigenen Bevölkerung allein aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit verfolgt (Kurden und Schiiten). Hier gibt sich auch ein ganz anderes Potential für Gegenwehr, als bei einem Volk, wo wie du selbst sagst, die Verfolgnung der eigenen Bevölkerung nur einen geringen Anteil ausmacht. Oder willst du jetzt ensthaft sagen, du hättest einen militärischen Aufstand der Zeugen Jehovas oder der Homosexuellen gegen das Hitler-Regime erwartet ?

Dass die nicht von Saddam verfolgten Volksgruppen im Irak Aufstände gegen Saddam machten, wäre mir hingegen auch unbekannt.

Die Frage die bleibt, und auf die schon zahlreiche Historiker
viel Zeit des forschens verwendet
haben, ist, warum es hierzulande keine Widerstandsbewegung
gab.

Siehe oben. So schwer finde ich die Frage gar nicht zu beantworten. Ich kenne auch kaum eine Volksgruppe auf der Welt, die sich militärisch gegen eine Regierung gewandt hat, von der sie nicht unterdrückt wurde, sozusagen zugunsten einer verfolgten Minderheit. Hättest du da vielleicht ein Beispiel parat (aktuell oder aus der Geschichte)? Das der Aufstand gegen Besatzungsmächte nicht hierzu zählt, dürfte ebenfalsl klar sein, schließlich war das Nazi-Regime in D keine Besatzungsmacht. Ich rede als von eigenen Regierungen.

Nicht mal die Russen haben diesen Aufstand gegen Stalin zustande gebracht, obwohl nun wirklich viele Sovietbürger Opfer der eigenen Regierung geworden sind.

Es verlangt ja niemand, dass die Deutschen ein Volk von
Freiheitskämpfern hätten sein sollen.
Aber ein klitzekleines Quäntchen an zivilem Ungehorsam, ein
bisschen Zivilcourage, ein wenig
den Drang Sand ins Getriebe der Vernichtungsmaschinerie zu
streuen, und sei es auch noch so
unbedeutend, noch so subtil, leider totale Fehlanzeige.

Nun ja, wenn du die Deutschen fragst, war doch fast jeder damals ein kleiner Widerständler. Wenn ich dich frage, sagst du, es hätte überhaupt keine gegeben. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen.

Der

Mut der Deutschen reichte gerade mal
aus das Regime in den eigenen vier Wänden zu kritisieren, das
wars dann auch schon.

Nicht mal das war immer gegeben, bzw. hat manchem Deutschen den Kopf gekostet, wenn beispielsweise die Kinder eine etwas andere Auffassung hatten. Schließlich dürfte bekannt sein, dass z.B. Kinder in der Schule oder den Jugendorganisationen nach der Einstellung ihrer Eltern befragt wurden.

Es gab

noch nicht mal eine Exilopposition geflohener Deutscher.

Meines Wissens haben geflohene jüdische Deutsche und Intellektuelle sehr wohl versucht, das Ausland über das Ausmaß der Verfolgung etc. aufzuklären. Wen das nur überhaupt nicht interessiert hat, war das Ausland. Warum meinst du wohl, wurden Institutionen wie die UNO und der Weltsicherheitsrat bzw. ins Leben gerufen bzw. ihre Kompetenzen ausgebaut ? (Und auch das nützt vielen von ihrem eigenen Regime verfolgten heutzutage noch nicht viel. Die Tiber haben z.B. so gut wie gar keien Chance, internationale Unterstützung zu erlangen)

Für mich ist das ein ziemlich trauriges Kapitel. Nicht nur die
viehische Herrschaft der Nazis,
sondern auch das willige Unterordnen eines Volkes, dass ohne
mit der Wimper zu zucken Millionen
anderer Menschen krepieren lies, Land verwüstete und
unermessliches Leid über die Welt brachte,
und nach dem Krieg, superschnell zu Demokraten mutiert, davon
nix mehr hören will.

Da stimme ich dir zu, das ist allerdings ein Kapitel ohne Ende. Auch heute lassen Millionen von Menschen ohne mit der Wimper zu zucken zu, dass ihre Regierungen in anderen Ländern rummetzeln und Kriege führen, Land verwüsten und unermessliches Leid über andere Länder bringen. Und diese Leuten nennen sich sogar jetzt Demokratie und wollen von Kritik an ihrer Einstellung nichts hören.

Was ich damit sagen will: Deine Trauer über das Kapitel in D schön und gut, nur wirst du niemanden der damaligen Opfer mehr retten können. Richte dein Augenmerk lieber auf die heutigen Zustände. Heute kannst du tatsächlich etwas beitragen, Menschenleben zu retten und zwar auch und grade dadurch, dass du aus der Vergangenheit lernst, statt dich von ihr hypnotisieren zu lassen.

Allerdings hab ich manchmal auch den Eindruck, dass einigen Menschen dieses Starren in der Vergangenheit als Alibi missbrauchen, sich um die Zustände heute nicht kümmern zu müssen (Nein, damit mein ich jetzt ausdrücklich nicht dich, ich weiss nicht, ob es bei dir so ist, ich kenne aber persönlich solche Menschen).

Gruss
Marion

…etwas lang …
Hallo Marion!

Ich kann deinen Gesichstpunkt hier gut nachvollziehen, allerdings ausnahmsweise nicht teilen.
„Schuld“ ist nur teilweise etwas Individuelles. In der Zeiten des Nationalsozialismus kann man m.E. wohl von kollektiver Schuld sprechen, da ein Widerstand kaum vorhanden war. Du kennst mit Sicherheit das Buch von Goldhagen zu diesem Thema (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/344275500X/qid…)

Ich bin mit den meisten Thesen von Goldhagen einverstannden, so wie ich mit dem einverstanden bin, was Tom hier im Brett darüber gesagt hat.

Aber um zu dem eigentlichen Thema der Diskussion zu kommen, d.h. zu den Deutschen HEUTE: Ich denke, dass viele die falsche Einstellung zur Geschichte haben. Meiner Meinung nach(wie gesagt: es ist MEINE persönliche Meinung!)ist es falsch, mit der Geschichte, vor allem mit der des Holocaust, nichts zu tun haben zu wollen, da man persönlich nicht dabei war. So etwas nenne ich „Verdrängung“ - und durch Verdrängung löst man bekanntlich keine Probleme.
Fremdenfeindlichkeit ist überall präsent, in Deutschland genauso wie in anderen Ländern. Doch GERADE hier, wo so etwas wie die Vernichtung Millionen Juden, Homosexueller und Andersdenkender passieren konnte, durfte so etwas nicht mehr möglich sein.
Rechtsradikale Jugendliche haben wahrscheinlich keine richtige Ahnung von dem, was damals passiert ist.
Es ist nicht dasselbe, Marion, wenn jemand wie du - die wohl weißt, was damals war - sagt, er/sie sei nicht schuldig und möchte nicht für schuldig gehalten werden! Die meisten Menschen in Deutschland wollen nicht mit der Geschichte konfrontiert werden. Gerade diese Ignoranz halte ich für extrem gefährlich!

Grüße,
Camilla

Hallo Mathias,

ich frage das bewusst prokativ:

ist es nicht für Dich als Italienierin recht einfach, solches
zu schreiben und dabei Mussolini mit keinem Wort zu
erwähnen…?

Ja, ist es. Ich kann dir auch erklären warum: Es gab hier bereits Diskussionen über das Thema „Unterschiede zw. Hitler und Mussolini“ und ich möchte vermeiden, dass man wieder damit anfängt, da manche Meinungen bei mir Magengeschwüre auslösen :wink:

Ich habe mich bewusst strickt an dem eigentlichen Thema gehalten.

Grüße
Camilla

Hallo Camilla,

Es ist nicht dasselbe, Marion, wenn jemand wie du - die wohl
weißt, was damals war - sagt, er/sie sei nicht schuldig und
möchte nicht für schuldig gehalten werden! Die meisten
Menschen in Deutschland wollen nicht mit der Geschichte
konfrontiert werden. Gerade diese Ignoranz halte ich für
extrem gefährlich!

Von letzterem war hier aber eigentlich gar nicht die Rede.
Sondern genau von jenen Schuldzuweisungen, die einfach Fakt sind - selbst oft genug erlebt. Klar, vornehmlich von dummen Menschen, aber die Welt ist voll von dummen Menschen, und auch mit denen muß ich mehr oder weniger klarkommen.

Naja, und dann kommen Leute wie peet, die da gleich die Antisemitismus-Keule schwingen. Vermutlich, ohne über darüber nachzudenken, was sie da sagen. Klar, nenn mich anti-israelisch und anti-amerikanisch, im politischen Sinne nehm ich das gerne an, aber in die Ecke von Nazis und Rassisten gestellt zu werden, geht einfach zu weit und entbehrt jeder Grundlage.

Und genau solche Ereignisse nerven tatsächlich ungemein.

Gruß,

Malte.

Hallo Pendragon!

Erstmal Danke für die sachliche Diskussion die man mit Dir (und auch mit vielen anderen) hier im
Brett führen kann.

Gibt zu diesem Thema allgemeine Kriterien, nach denen
du Urteilst, oder nur den direkten Vegleich Nazi-Deutschland
irgend ein anderes Volk ? Falls letzters möchte
ich diese Diskussion beenden, da es nie ein Volk, eine
Diktatur geben wird, die genau so wie Nazi-Deutschland
sein wird/war. Wenn letztes also dein Kriterium ist, dass hast
du recht, nur die Deutsche Bevölkerung hat zur Nazi-Zeit
Schuld auf sich geladen. Ende der Diskussion. Nur kann ich
dieses Kriterium ehrlich gesagt nicht wirklich ernst nehmen.

Natürlich hast Du Recht, dass man totalitäre Regime nicht miteinander vergleichen kann. Alle
haben aber eines gemeinsam: Einparteien Herrschaft (bzw. Militärdiktatur), damit Hand in Hand das
Verbot und die Verfolgung Oppositioneller, Einschränkung der Presse- und Versammlungsfreiheit,
Gleichschaltun und Erziehung der Bevölkerung und noch vieles mehr. Wenn man jetzt das
Instrumentarium betrachtet nach denen das Regime stabilisiert wird, lassen sich Vergleiche in
zwischen den einzelnen Diktaturen ziehen. So z.B. die Frage ob man als Oppositioneller in den
Knast kommt oder erschossen wird. Unter diesen Gesichtspunkten war die DDR (z.B.) „weniger“
represiv als z.B. die Stalindiktatur, Nazideutschland oder auch der Irak.
Die Frage wie fein dieses Terrornetz gestrickt ist, wie konsequent es angewendet ist, habe ich mal
ausenvor gelassen.
Über allgemeine Kriterien der „Schuldigkeit“ eines Volkes habe ich mir ehrlich gesagt noch keine
Gedanken gemacht. Wird wohl auch nicht von heute auf morgen gehen da auf ein Ergebnis zu
kommen. Natürlich sind die Vorgänge die zur Machtergreifung eines Diktators führen auch
unendlich komplex. Da spielen so viele Faktoren mit rein, dass man wahrscheinlich die Sachlage
vereinfachen muss um ein Bild zu bekommen. Andernfalls kann man alles bis zur Unkenntlichkeit
„zerdiskutieren“.
O.k. für mich steht fest: Hitler kam „legal“ an die Macht. Er wurde gewählt und hat sich nicht nach
oben geputscht. Auch seine Notstandsgesetze stiessen auf wenig Gegenwehr.
Das ganze passierte in einer Gesellschaft die Demokratie schon erfahren hatte (im Gegensatz zu
Russland oder dem Irak). Man lies sich demokratische Rechte einfach wieder wegnehmen. Auch
später machten die Deutschen (o.k. nicht alle aber der Übergroße Anteil) alles mit. Selbst als im
Winter 42 der Vormarsch an der Ostfront abermals stoppte, die 6. Armee in Stalingrad plattgemacht
wurde rührte sich an der Heimatfront kein Widerstand. Statt dessen nahmen weite Teile der
Bevölkerung Goebbels Aufruf zum totalen Krieg sehr ernst.
Und das man von nichts gewusst hätte, eine beliebte Ausrede, ist einfach nur lächerlich. Schon die
14jährige Anne Frank schreibt 1942 von Deportationen und der Vernichtung von Juden in Lagern
in Polen. Die Deutschen hatten den gleichen Zugriff auf Informationen wie Anne und ihre
Leidensgenossen, da der BBC auf deutsch ins Reich sendete.

Das kann auch lediglich ein Zeichen für Intelligenz auf Seiten
Husseins sein. Immerhin wissen wir, dass er nicth Tod ist, wir
wissen, dass die Armee ihre Waffen kaum weggeworfen hat (sonst
müssten nämlich hunderte von MGs in der Irakischen Wüste
liegen)

Tun sie auch.

und wir wissen, dass die irakische Armeeführung durch

dieses Handeln das Leben seiner Armee bewahrt hat. Ist dir
schon mal der Gedanke gekommen, Hussein und seine Schwergen
warten einfach nur ab ? Schließlich ist dieses Abwarten
zumindest eine Option, während alles andere den sicheren
Untergang bedeutet hätte.

Täusche Dich nicht. So denkt doch Saddam nicht. Sind die Amerikaner erst in Bagdad ist er seine
Macht los, für immer. Das war ihm klar. Sein einziger Ausweg bestand in der gnadenlosen
Verteidigung der Hauptstadt. Aber da machten ihm seine Soldaten einen Strich durch die
Rechnung.

Wieviele Attentatsversuche auf Hitler sind dir bekannt und
wieviele auf Hussein ?

Auf Hitler sind mir 3 bekannt. Auf Hussein auf Anhieb keiner. Was aber auch an der Paranoia
Saddams liegt, der allen und jedem misstraute. Diese war Hitler ziemlich fremd.

Die Frage die bleibt, und auf die schon zahlreiche Historiker
viel Zeit des forschens verwendet
haben, ist, warum es hierzulande keine Widerstandsbewegung
gab.

Siehe oben. So schwer finde ich die Frage gar nicht zu
beantworten. Ich kenne auch kaum eine Volksgruppe auf der
Welt, die sich militärisch gegen eine Regierung gewandt hat,
von der sie nicht unterdrückt wurde, sozusagen zugunsten einer
verfolgten Minderheit. Hättest du da vielleicht ein Beispiel
parat (aktuell oder aus der Geschichte)? Das der Aufstand
gegen Besatzungsmächte nicht hierzu zählt, dürfte ebenfalsl
klar sein, schließlich war das Nazi-Regime in D keine
Besatzungsmacht. Ich rede als von eigenen Regierungen.

Ich weiss was Du meinst. Aber die Deutschen wurden unterdrückt. Sie liessen es halt mit sich
machen. Sie wurden zum Kriegsdienst gezwungen, oder zur Arbeit an der Heimatfront, sie wurden
zum Verzicht und zum Hunger gezwungen, ihre Städte wurden zerstört…
Ihnen ging es wesentlich dreckiger als den Deutschen die 1951 gegen das SED Regime putschten,
oder den Ungarn drei Jahre später, oder den Tschechen beim Prager Frühling oder auch den
„Weissen“ die sich nach Lenins Machtergreifung gegen die Diktatur des Proletariats einsetzten und
2 Jahre lang gegen die Kommunisten kämpften, oder den Bauern die Lenin die Hölle heiß machten
bis dieser seine „Neue ökonomische Politik“ einführte und weitgehende Zugeständnisse an die
Bauern machte (sogar Privatbesitz war wieder erlaubt). Du siehst es geht auch anders.

Nicht mal die Russen haben diesen Aufstand gegen Stalin
zustande gebracht, obwohl nun wirklich viele Sovietbürger
Opfer der eigenen Regierung geworden sind.

s.o. Widerstand gegen Lenin. Als Stalin an die Macht kam war der Widerstand gebrochen.
Außerdem hatte Stalin in den 30 Jahren seiner Herrschaft ca. 20 Millionen seines eigenen Volkes
ermorden lassen. Die Opposition, und die war vorhanden, wurde physisch zerstört.
Im Gegensatz zum Naziregime zeigte sich die fehlende Bindung an das System auch durch
gigantische Ausfälle in der Wirtschaft und der Landwirtschaft (im Gegensatz zum deutschen Reich).
Mitte der 30er Jahre fiel etwa die Weizenproduktion auf 70% des Wertes von 1917 ab! Die Russen
gaben sich nicht her für das System. Außer natürlich der sog. Nomenklatura mit ca. 5% Anteil an
der russischen Bevölkerung.

Was ich damit sagen will: Deine Trauer über das Kapitel in D
schön und gut, nur wirst du niemanden der damaligen Opfer mehr
retten können. Richte dein Augenmerk lieber auf die
heutigen Zustände. Heute kannst du tatsächlich
etwas beitragen, Menschenleben zu retten und zwar auch und
grade dadurch, dass du aus der Vergangenheit lernst, statt
dich von ihr hypnotisieren zu lassen.

Na da hast Du mich aber gründlich missverstanden. Ich lasse mich nicht von der Vergangenheit
hypnothisieren. Wenn mir jemand sagt (es kam noch nie vor) ich sei Schuld am Holocaust, dann
würde ich ihm den Vogel zeigen.
Ich bin mir der Vergangenheit aber bewusst und trage die sich daraus resultierende Verantwortung
gerne. Ich fühle mich schon als „Deutscher“ und dazu gehört nun auch mal sich mit dem
schwärzesten aller Kapitel unserer Geschichte zu befassen.

Allerdings hab ich manchmal auch den Eindruck, dass einigen
Menschen dieses Starren in der Vergangenheit als Alibi
missbrauchen, sich um die Zustände heute nicht kümmern zu
müssen (Nein, damit mein ich jetzt ausdrücklich nicht dich,
ich weiss nicht, ob es bei dir so ist, ich kenne aber
persönlich solche Menschen).

Offensichtlich bin ich wirklich missverstanden worden. Um das nochmal klar zu stellen: Ich bin
absolut niemand, der die Deutsche Schuld am 2.WK versucht irgendwie in einer
Auseinandersetzung oder allgemein in meinem Handeln zu instrumentalisieren.
Aber wenn mir jemand sagt es störe ihn, dass die Juden in Deutschland die offene Wunde
Holocaust durch ständiges bohren am heilen hindern, dann wehre ich mich dagegen entschieden.

Gruß
Tom

Moin Camilla,

Ich kann deinen Gesichstpunkt hier gut nachvollziehen,
allerdings ausnahmsweise nicht teilen.
„Schuld“ ist nur teilweise etwas Individuelles. In der Zeiten
des Nationalsozialismus kann man m.E. wohl von kollektiver
Schuld sprechen, da ein Widerstand kaum vorhanden war.

Ok, so hat also jeder an allem Schuld, gegen dass er keinen aktiven Widerstand leistet. Wenn das deine Definition von Schuld ist, hast du natürlich recht, nur warum willst du das unbedingt auf die Zeit des Nationalsozialismus beschränken ? Warum soll das z.B. heute oder bei anderen Völkern (aktuelles Beispiel Irak) nicht (mehr) gelten?

Ich hab überhaupt nichts dagegen, wenn ein Volk, sei es das Deutsche oder irgend ein anderes, an bestimmten Kriterien gemessen wird, sofern diese Kriterien für alle anderen gleichermaßen gelten.

Falls aber ausschließlich das Deutsche Volk an bestimmten Kriterien gemessen werden soll, dürfte hier der Tatbestand des Anti-Deutismus erfüllt sein.

Du

kennst mit Sicherheit das Buch von Goldhagen zu diesem Thema
(http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/344275500X/qid…)

Ich hab mal ein wenig drin herum geblättert. Ich halte es für (sorry) Schrott.

Ich bin mit den meisten Thesen von Goldhagen einverstannden,
so wie ich mit dem einverstanden bin, was Tom hier im Brett
darüber gesagt hat.

Oh, das ist schon ok, wenn es keine unterschiedlichen Meinungen gäbe, gäbs ja auch nichts mehr zu diskutieren. Mich interessiert vielmehr, warum jemand eine bestimmte Meinung hat, also wie diese begründet ist.

Aber um zu dem eigentlichen Thema der Diskussion zu kommen,
d.h. zu den Deutschen HEUTE: Ich denke, dass viele die falsche
Einstellung zur Geschichte haben. Meiner Meinung nach(wie
gesagt: es ist MEINE persönliche Meinung!)ist es falsch, mit
der Geschichte, vor allem mit der des Holocaust, nichts zu tun
haben zu wollen, da man persönlich nicht dabei war. So etwas
nenne ich „Verdrängung“ - und durch Verdrängung löst man
bekanntlich keine Probleme.

Wie kann ich denn etwas verdränden, wenn ich nicht mal beteiligt war ? Wenn ich der Meinung bin, dass ich mit der Ausrottung der amerikanischen Urbevölkerung, der Sklaverei, der Zwangschristianisierung der Germanen etc. etc. nichts zutun habe, ist das dann auch Verdrängung ?

Fremdenfeindlichkeit ist überall präsent, in Deutschland
genauso wie in anderen Ländern. Doch GERADE hier, wo so etwas
wie die Vernichtung Millionen Juden, Homosexueller und
Andersdenkender passieren konnte, durfte so etwas nicht mehr
möglich sein.

Ich denke auch immer, grade in Israel, wo so viele Menschen eine Zuflucht vor Verfolgung und Repression gefunden haben, dürfte die Unterdrückung und Entrechtung der Palästinenser eigentlich möglich sein. Nur dieser Gedankengang ist natürlich albern. Toleranz und Menschlichkeit ist kein Automatismus der sich einstellt, weil Vorfahren schlimmes erlebt oder angestellt haben. Toleranz und Menschlichkeit sind Eigenschaften, die in jedem Menschen reifen und kultiviert werden müssen, egal ob der Vorfahre ein Heiliger, ein Opfer oder ein Schlächter war.

Insofern bin ich mit der Situation in D noch ganz zufrieden. Immerhin haben rechtradikale Parteien hier zumindest nicht den Stellenwert in der Gesellschaft, wie in anderen europätischen Staaten (wie beispielsweise Italien oder Frankreich). Nur denke ich, dass das die Verantwortung eines jeden Menschen ist, der heute in D lebt, und nicht nur die der Menschen, deren Vorfahren im Nazireich rumgemetzelt haben. Ich schließe mich da völlig der Meinung von Jürgen wilhelm weiter oben an.

Ganz Beseitigen wirst du rechtsradikales, faschistisches oder ausländerfeindliches Gedankengut jedoch vermutlich nie, genau so wenig wie frauenfeindliches Gedankengut.

Rechtsradikale Jugendliche haben wahrscheinlich keine richtige
Ahnung von dem, was damals passiert ist.

Ich befürchte eher, sie wissen sehr wohl, was damals passiert ist, und das macht mir noch viel mehr Bauchschmerzen. Spätestens dann, wenn du im Ausland von Anhängern dortiger rechtsradikaler Gruppen darauf angesprochen wirst, dass das so schlecht ja wirklich nicht war, was Hitler damals gemacht hat, dann stellen sich mir zumindest die Nackenhaare hoch (mir so in den USA passiert).

Es ist nicht dasselbe, Marion, wenn jemand wie du - die wohl
weißt, was damals war - sagt, er/sie sei nicht schuldig und
möchte nicht für schuldig gehalten werden!

Ach Camilla, selbst wenn ich sagen würde, ich fühle mich schuldig, wem würde das denn was nutzen ? Würde dadurch auch nur eines der Opfer von damals wieder lebendig ? Wohl kaum. Ich fühle mich allerdings sehr wohl schuldig, wenn heute zu meinen Lebzeiten Dinge passieren, ohne dass ich nicht wenigstens das Maul aufmache.

Das ist zumindest die Lehre, die ich aus den Gesprächen mit den älteren Generationen gezogen hab, die sich damals meinen Fragen stellen mussten „Warum hast du denn nichts dagegen gemacht“ ?. Ich bin mir sicher, dass mein Kind mir vielleicht bei dem ein oder anderen auch irgendwann mal diese Frage stellen wird, und dann wird sich zeigen, ob ich das Gefühl habe, schuldig zu sein oder nicht.

Die meisten

Menschen in Deutschland wollen nicht mit der Geschichte
konfrontiert werden. Gerade diese Ignoranz halte ich für
extrem gefährlich!

Ja, da stimme ich dir zu. Ich denke, jeder Mensch sollte genauestens mit der Geschichte des Nazi-Reiches konfrontiert werden. Damit sowas nie wieder passiert, nirgendwo auf der Welt. Nur leider ist es ja mittlerweile so, dass wenn man versucht auf faschistische oder diktatorische Tendenzen im Ausland warnend hinweist mit dem Verweis auf die Geschichte, wohin sowas führen kann , dann kriegt man gleich mit der Keule eins rübergebraten. So geraten die Lehren, die man eigentlich aus der Vergangenheit ziehen könnte, in eine nutzlose Tabuzone.

Gruss
Marion

Ohne Zweifel
Hallo Jürgen,

grundsätzlich sehe ich mindestens zwei Problemzonen, die ich anscheinend getroffen habe, wie du dich angesprochen zeigst.

Zuerst die selektive Reaktion, oder Auswahl, auf welche Postings man reagiert.

Es stehen (exemplarisch) zwei Texte nacheinander. Der erste bringt unreflektierte antisemitische Äußerungen. Zu einer bestimmten Zeit, wo gerade eine starke antisemitische Welle durch die gelbe Presse und durch Stammtischforen zieht - aus gegebenem Anlaß. In einem bestimmten Brett, wo so gut wie nie sachlich, dafür aber sehr wohl emotional mit Fakten, Halbwahrheiten und Lügen hantiert wird. Darauf kommt eine gemischte Reaktion, unter anderem erscheint ein zweiter Text, der ruhig, kritisch und sachlich antwortet. Unmißverständlich sich dagegen stellt. Und dann fällt es auf, daß der Erstposting viel, aber wirklich viel weniger Gegenmeinungen bekommt als dieser zweite Posting. Ich betrachte dies als einen bedauerlichen empirischen Fakt. Noch einmal für kleine Kinder - die meisten sind nicht über den Beschmutzer empört, sondern über denjenigen, der den Beschmutzer kritisiert. Außerdem, nebenbei, habe ich eine Frage an dich: Ist es dir egal, wer deine nationalen Gefühle an- und ausspricht? Bist du damit einverstanden, daß dies Thema von den Antisemiten besetzt wird?

Zweitens. Wie man reagiert. In dem Erstposting, aber auch in den vielen weiteren Postings zeigt sich eine Tendenz, deren profiliertester Vertreter Martin Walser ist, der seine berühmte Keule erfunden hat. Man ist nämlich sehr sensibel im Umgang mit sich selbst und vermutet überall schlimme Vorwürfe. Deswegen verteidigt man sich (schnell, sonst ist es wahrscheinlich bald zu spät), indem man die Minderheiten verbal angreift, die nicht imstande sind, sich tatsächlich zu verteidigen. Man ist dann unsensibel zu den anderen, weil man sich doch mehr liebt, warum eigentlich nicht?! Daß dadurch der Frieden in der Gesellschaft infrage gestellt wird, merkt man nicht, weil diese Minderheiten in sich verschliessen und nicht mehr an einem Dialog teilnehmen (für sie ist es dann kein Dialog mehr). Kurzum, für kleine Kinder - Reifeprüfung ist es, wenn ich nicht an Deutsche oder Juden apelliere, sondern konkret vor dem Fall stehe und mich entscheide, ist es mir egal, was der anonyme Provokateur sagt oder nicht. Wenn ich mich in dem Moment langweile und gähne oder grinse, dann kommt peet und sagt, wie es von aussen aussieht. Sehr böse. Kinder haben Angst und sind ganz erschrocken, sie werden in ihre Betten geschickt. Der böse peet. *g*

Wenn du Lust hast, auf Links einzugehen, die ich empfohlen habe, sowie darauf, was ich geschrieben habe, hätte es vielleicht sachlicher werden können.

ich weiß nicht, welchen Thread Du gelesen hast, ich zumindest
habe hier überwiegend sachliche und maßvolle und durchaus in
alle Richtungen kritische Postings gelesen.

Auf solche Argumente habe ich immer eine Antwort, und die lautet - ich kann überhaupt nicht lesen, und schon gar nicht schreiben. Das hast du offensichtlich als erster erkannt, wozu ich dir gratuliere. :smile:

Nebenbei, ich finde es wenig hilfreich, die gesamte Newsgroup
in Richtung Antisemitismus drängen zu wollen (was Du definitiv
machst, wenn Du Deinen Text nochmals liest), denn damit sind
wir genau wieder bei dem Thema Totschlagskeule, das wirklich
langsam langweilt.

Darauf habe ich oben geantwortet.

Ich stehe dazu, dass ich mittlerweile jeden angrinse oder
angähne, der mir mit besonderer Verantwortung der Deutschen
kommt. Warum? Weil ich diese Verantwortung nicht als
besonderes sehe (und im grunde für eine Art gutgemeinte
„Herrenmenschen“-Attitüde). Diese Verantwortung gegenüber
anderen hat jeder(!) auf unserem Planeten, denn es ist die
Verantwortung gegenüber dem Wohl des nächsten unabhängig von
Aussehen, Geschlecht, Religion etc. Und diese Verantwortung
haben wir nicht, weil unsere Opas in Europa gemetzelt haben,
sondern weil allein dies ein friedvolles Zusammenleben aller
für die Zukunft gewährleistet…

Ich will meinerseits für dich hoffen, daß du dich nie in die Lage gebracht siehst, am eigenen Leibe zu erfahren, was es ist, wenn Worte und Taten auseinander gehen. Wenn dir z.B. das beste gewünscht wird und das schlechte angetan. Vielleicht kommst du auf nicht so schmerzvollen Wegen zu einer Position, die auf tatsächlicher Selbstverantwortung basiert und nicht durch die Ablehnung einer gut oder schlechtgemeinten Herrenmenschen-Attitüde. Vielleicht auch nicht. Steht dir frei.

Viele Grüße

Hallo peet,

Zuerst die selektive Reaktion, oder Auswahl, auf welche
Postings man reagiert.

ACK

Es stehen (exemplarisch) zwei Texte nacheinander. Der erste
bringt unreflektierte antisemitische Äußerungen. Zu einer
bestimmten Zeit, wo gerade eine starke antisemitische Welle
durch die gelbe Presse und durch Stammtischforen zieht - aus
gegebenem Anlaß.

Also ich mag naiv sein, aber ich sehe keine besondere antisemitische Welle derzeit. Es sind für mich die selben Revisionisten, mit denen ich bereits vor 10 Jahren ärgerlichen Kontakt hatte…

In einem bestimmten Brett, wo so gut wie nie
sachlich, dafür aber sehr wohl emotional mit Fakten,
Halbwahrheiten und Lügen hantiert wird. Darauf kommt eine
gemischte Reaktion, unter anderem erscheint ein zweiter Text,
der ruhig, kritisch und sachlich antwortet.

Ehrlich gesagt war für mich dieser Text auch nicht sachlicher als der Durchschnitt, aber Du hast recht, jeder hat eine selektive Wahrnehmung.

Unmißverständlich
sich dagegen stellt. Und dann fällt es auf, daß der
Erstposting viel, aber wirklich viel weniger Gegenmeinungen
bekommt als dieser zweite Posting.

Wie konnst Du denn darauf?
Wenn ich objektiv anhand der direkten Antworten beurteile, wieviel Gegenwind beide Artikel hatten, dann hat der Ursprungsartikel mindestens 6 Gegenstimmen bekommen, während der Artikel von Tom ganze 2(!) Gegen-Antworten bekommen hat, wobei ich bei den Antworten keine generelle Ablehnung (denn Du willst doch hoffentlich nicht ausgerechnet Malte und Christian Antisemitismus vorwerfen? Oder doch?) sondern nur eine tendenzielle Richtigstellung entnehme. Alles weitere sind Unterdiskussionen ausgehend von diesen 2 Antworten. Wie kommst Du also zu Deiner absurden Behauptung, die Du offensichtlich weiter nutzt, um hier IMHO pauschale Antisemitismus-Vorwürfe aufzubauen?

Ich betrachte dies als
einen bedauerlichen empirischen Fakt.

Ich darf lachen, s.o.

Noch einmal für kleine
Kinder - die meisten sind nicht über den Beschmutzer empört,
sondern über denjenigen, der den Beschmutzer kritisiert.
Außerdem, nebenbei, habe ich eine Frage an dich: Ist es dir
egal, wer deine nationalen Gefühle an- und ausspricht? Bist du
damit einverstanden, daß dies Thema von den Antisemiten
besetzt wird?

Wer dieses Thema für mich besetzt, das entscheide immer noch ich. Und mir sind Antisemiten genauso zweifelhaft wie die ähnlich fanatischen Antisemitenjäger.

Zweitens. Wie man reagiert. In dem Erstposting, aber auch in
den vielen weiteren Postings zeigt sich eine Tendenz, deren
profiliertester Vertreter Martin Walser ist, der seine
berühmte Keule erfunden hat. Man ist nämlich sehr sensibel im
Umgang mit sich selbst und vermutet überall schlimme Vorwürfe.

Ich vermute nicht schlimme Vorwürfe, ich habe schlicht auf Deine nahezu expliziten Vorwürfe reagiert, hier sei ein Hort von Antisemiten, weil nicht jeder auf jeden Dummfug reagiert, bzw. Unterdiskussionen interessanter sind als die Diskussion der Hauptmeinung.

Deswegen verteidigt man sich (schnell, sonst ist es
wahrscheinlich bald zu spät), indem man die Minderheiten
verbal angreift, die nicht imstande sind, sich tatsächlich zu
verteidigen.

Wie bitte? Welche?

Man ist dann unsensibel zu den anderen, weil man
sich doch mehr liebt, warum eigentlich nicht?! Daß dadurch der
Frieden in der Gesellschaft infrage gestellt wird, merkt man
nicht, weil diese Minderheiten in sich verschliessen und nicht
mehr an einem Dialog teilnehmen (für sie ist es dann kein
Dialog mehr). Kurzum, für kleine Kinder - Reifeprüfung ist es,
wenn ich nicht an Deutsche oder Juden apelliere, sondern
konkret vor dem Fall stehe und mich entscheide, ist es mir
egal, was der anonyme Provokateur sagt oder nicht. Wenn ich
mich in dem Moment langweile und gähne oder grinse, dann kommt
peet und sagt, wie es von aussen aussieht.

Falls Du meinen Text gelesen hast, ich gähne und grinse über agressive Gutmenschenmeinungen und nicht über Antisemitismus. Aber da sind wir ja wieder bei der selektiven Wahrnehmung, wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Laaangweilig…

Sehr böse. Kinder
haben Angst und sind ganz erschrocken, sie werden in ihre
Betten geschickt. Der böse peet. *g*

Wenn du Lust hast, auf Links einzugehen, die ich empfohlen
habe, sowie darauf, was ich geschrieben habe, hätte es
vielleicht sachlicher werden können.

Wo genau war ich für Dich unsachlich? Und warum meinst Du, ich hätte nicht auf das reagiert, was Du geschrieben hast?

Auf solche Argumente habe ich immer eine Antwort, und die
lautet - ich kann überhaupt nicht lesen, und schon gar nicht
schreiben. Das hast du offensichtlich als erster erkannt, wozu
ich dir gratuliere. :smile:

Ich denke doch, dass Du sehr wohl lesen kannst, allerdings nur das, was in Dein fest gefügtes Weltbild passt, wozu ich mit meiner Meinung wohl nicht gehöre…

Ich stehe dazu, dass ich mittlerweile jeden angrinse oder
angähne, der mir mit besonderer Verantwortung der Deutschen
kommt. Warum? Weil ich diese Verantwortung nicht als
besonderes sehe (und im grunde für eine Art gutgemeinte
„Herrenmenschen“-Attitüde). Diese Verantwortung gegenüber
anderen hat jeder(!) auf unserem Planeten, denn es ist die
Verantwortung gegenüber dem Wohl des nächsten unabhängig von
Aussehen, Geschlecht, Religion etc. Und diese Verantwortung
haben wir nicht, weil unsere Opas in Europa gemetzelt haben,
sondern weil allein dies ein friedvolles Zusammenleben aller
für die Zukunft gewährleistet…

Ich will meinerseits für dich hoffen, daß du dich nie in die
Lage gebracht siehst, am eigenen Leibe zu erfahren, was es
ist, wenn Worte und Taten auseinander gehen. Wenn dir z.B. das
beste gewünscht wird und das schlechte angetan. Vielleicht
kommst du auf nicht so schmerzvollen Wegen zu einer Position,
die auf tatsächlicher Selbstverantwortung basiert und nicht
durch die Ablehnung einer gut oder schlechtgemeinten
Herrenmenschen-Attitüde. Vielleicht auch nicht. Steht dir
frei.

Ok, anders formuliert: Hast Du überhaupt begriffen, was ich geschrieben habe? Ich wäre Dir dankbar, wenn Du mir erläutern könntest, wie Du von meinem Text auf Deinen Text gekommen bist, denn der Weg ist für mich nicht nachvollziehbar.

Jürgen

Große Kunst aneinander vorbei zu reden
Hallo Jürgen,

ich habe einem Poster meine Unterstützung zugesagt, der in meinen Augen, wie gesagt, einen treffenden Ton gefunden hat. Sein Text fand bei dir wenig bis keine Unterstützung. Stimmt es soweit?

Der Gegenstand seiner Kritik war ein Text, den ich für eine schlecht retuschierte Reihe antisemitischen Äußerungen halte, du bezeichnest diesen Gegenstand als einen „Dummfug“, einen von vielen, mit der Option, es ist nicht so interessant darauf zu reaigieren. Stimmt es auch?

Ich halte es für bedauerlich, daß sich die meisten Teilnehmer der Diskussion in eine „interessante“ Richtung, mit der ‚Richtigstellung-Tendenz‘, befanden anstatt dem „Dummfug“ sich im Wege zu stellen. (Was für Korrigierungsversuche dabei unternommen wurden, möchte ich nicht weiter zitieren, weil es hier nicht mein Thema war.) Du liest daraus den allgemeinen Antisemitismus-Vorwurf und forderst Satisfaktion.

Ich stoße in den Zeitungen und Internetforen auf viele schmutzige Texte, die mir Sorgen machen. Du siehst daran nichts neues, nichts besonderes.

In diesem Kontext halte ich es für notwendig, diejenigen zu unterstützen, die die Verantwortung besitzen, gegen den „Dummfug“ aufzutreten. Insbesonders dann, wenn ihre Kritik als „Gutmenschenattitüde“ oder als Walsers Keule abgestempelt wird. Dich langweilt das.

Es ist ein einziger Punkt, wo du mir entgegengekommen bist, bei deiner Antwort auf meine Frage

Ist es dir
egal, wer deine nationalen Gefühle an- und ausspricht? Bist du
damit einverstanden, daß dies Thema von den Antisemiten
besetzt wird?

Wer dieses Thema für mich besetzt, das entscheide immer noch
ich.

Soviel Selbständigkeit sei dir gegönnt. Allerdings relativierst du deine Position im nächsten Satz.

Und mir sind Antisemiten genauso zweifelhaft wie die
ähnlich fanatischen Antisemitenjäger.

Ich wünsche dir weiteres freudiges Lachen oder gelangweiltes Gähnen, je nachdem, was dir gerade besser gefällt. :smile:

Viele Grüße

Moin Tom

Erstmal Danke für die sachliche Diskussion die man mit Dir
(und auch mit vielen anderen) hier im
Brett führen kann.

Das kann ich nur zurückgeben. Insbesondere dann, wenn man nicht 100% einer Meinung ist, enden viele Diskussionen zu diesem Thema im Grunde genommen schon bevor sie begonnen haben. Um so schöner, wenn es auch mal anders geht :smile:

Gibt zu diesem Thema allgemeine Kriterien, nach denen
du Urteilst, oder nur den direkten Vegleich Nazi-Deutschland
irgend ein anderes Volk ?

Natürlich hast Du Recht, dass man totalitäre Regime nicht
miteinander vergleichen kann.

Das hab ich gar nicht gesagt :smile: Ich bin der Meinung, indem man allgemeine Kriterien aufstellt, sind sinnvolle Aussagen überhaupt erst möglich. Dabei geht es mir aber gar nicht so sehr um einen Vergleich, sondern vielmehr darum, den Gesamtzustand eines Staates oder einer Gesellschaft anhand diktatorischer/totalitärer Kennzeichen einzuschätzen, die nicht nur eine Ist-Analyse, sondern auch (und das finde ich viel wichtiger) eine Verlaufsanalyse zulassen. Denn was nützt der Slogan „wehret den Anfängen“, wenn man gar nicht weiss, wie diese „Anfänge“ eigentlich aussehen. Des Weiteren gerät das „Wehret“ zum Abstraktum und der ganze Slogan zur Platitüde. Eine pauschale Denkweise („alle sind Schuld“), wie ich sie aus dem posting von dir rauszuhören glaubte, auf das ich reagierte, hilft hierbei IMHO nicht weiter, sondern nur eine sehr differenzierte Betrachtungsweise, die uns als Resultat Werkzeuge in die Hand gibt, um uns dessen zu erwehren, was wir als Anfänge meinen ausgemacht zu haben, bzw. anderen zu helfen, die bereits mitten drin sind.

Unter diesen Gesichtspunkten

war die DDR (z.B.) „weniger“
represiv als z.B. die Stalindiktatur, Nazideutschland oder
auch der Irak.

Ja, da stimme ich dir zu. Und wenn du die Lebenssituation der Menschen in den jeweiligen Diktaturen und ihre Handlungsweise wirklich beurteilen willst, dann kommst du um solche Betrachtungen nicht herum. Mir geht es dabei nicht darum, einen Diktaturquotienten xy aufzustellen und einen Schwellwert festzulegen, unterhalb dessen das Volk quasi moralisch zur Rebellion verpflichtet ist oder sich auf 100 Jahre der Ächtung durch die ganze Welt aussetzt, sonder mir geht es darum, sinnvolle Meschnismen für eine ganz spezielle Situation zu finden, um Tendenzen zu stoppen oder gar zurückzudrehen. Im Grunde gibt es in der Geschichte ausreichend Anschauungsmaterial für Diktaturen und totalitäre Regime aller Art, nur leider beschäftigt sich bis auf ein paar „Friedensforschern“ kaum einer mit den Lehren, die wir aus der Untersuchung dieser Systeme für die Zukunft ziehen können. Die Frage, ob nun 100 Mio oder 20 Mio umgekommen sind, scheint historisch viel interessanter zu sein, aber die Antwort für die jetzige Menschheit doch völlig nutzlos.

Die Frage wie fein dieses Terrornetz gestrickt ist, wie
konsequent es angewendet ist, habe ich mal
ausenvor gelassen.

Das ist aber die für mich entscheidende Frage. Unser Thema lautet doch, wie (und ob) Menschen gegen ein totalitätes Regime rebellieren, bzw. sich dessen Anfänge erwehren können. Ich behaupte jetzt einfach mal, die Art des Terrors in seiner ganzen Differenzierung ist zur beantwortung dieser Frage essentiell. Dazu gehört z.B. auch, ob der Terror als solcher überhaupt wahrgenommen wird (z.B. finde viele Menschen alle möglchen Arten der staatlichen Überwachung völlig in Ordnung, sofern sie nicht das Gefühl haben, selbst im Fadenkreuz dieser Überwachung zu stehen), aber dazu weiter unten.

Über allgemeine Kriterien der „Schuldigkeit“ eines Volkes habe
ich mir ehrlich gesagt noch keine
Gedanken gemacht. Wird wohl auch nicht von heute auf morgen
gehen da auf ein Ergebnis zu
kommen.

Das verstehe ich jetzt nicht so ganz. Wie bist du denn zu dem Schluss weiter oben gekommen, einer ganzen Generation die Schuld am Nazi-Regime zu geben ? Eine ganze Generation bedeutet für mich „das ganze Volk“.

Natürlich sind die Vorgänge die zur Machtergreifung

eines Diktators führen auch
unendlich komplex. Da spielen so viele Faktoren mit rein, dass
man wahrscheinlich die Sachlage
vereinfachen muss um ein Bild zu bekommen. Andernfalls kann
man alles bis zur Unkenntlichkeit
„zerdiskutieren“.

Kommt drauf an, mit welchem Ziel man diskutiert. Wenn man Faktoren ausarbeiten will, um zukünftige Diktaturen zu verhindern, wird man um eine sehr differenzierte Aufbröselung nicht herum kommen. Wie du ja selbst weiter oben schon sagtest, Diktaturen und die Art, wie sie Entstehen, besteht aus vielen vielen Facetten. Jeh mehr davon zusammen kommen, desto eher kann man davon sprechen, dass sich eine Gesellschaft auf dem Weg zu einer Diktatur befindet. Dazu zählen für mich Mittel staatlicher Überwachung und Zensur genau so, wie die Errichtung „rechtsfreier“ Zonen wie gegenwärtig durch die USA in Guantanamo errichtet, bzw. das Halten an internationale Vereinbarungen wie UNO-Resolutionen und Waffensperrverträgen.

O.k. für mich steht fest: Hitler kam „legal“ an die Macht. Er
wurde gewählt und hat sich nicht nach
oben geputscht. Auch seine Notstandsgesetze stiessen auf wenig
Gegenwehr.

Richtig, aber das ist doch nur der Anfang der Überlegungen, das kann doch nicht das Ende sein. Die wichtige Frage lautet doch, warum war das so ? Und die Ansicht „ja weil das eben Deutsche waren, die sind halt so“ reicht mir da nicht als Antwort, es sei denn, es entdeckt wirklich noch mal jemand ein „Deutschen“-Gen *g*.

Das ganze passierte in einer Gesellschaft die Demokratie schon
erfahren hatte (im Gegensatz zu
Russland oder dem Irak). Man lies sich demokratische Rechte
einfach wieder wegnehmen.

Warum war das so ?

Auch

später machten die Deutschen (o.k. nicht alle aber der
Übergroße Anteil) alles mit. Selbst als im
Winter 42 der Vormarsch an der Ostfront abermals stoppte, die
6. Armee in Stalingrad plattgemacht
wurde rührte sich an der Heimatfront kein Widerstand. Statt
dessen nahmen weite Teile der
Bevölkerung Goebbels Aufruf zum totalen Krieg sehr ernst.

Darauf gibt es vielleicht noch am ehesten eine Antwort. Spätestens mit der massiven Bombadierung deutscher Großstädte und unterstützt durch die staatliche Propagande rechneten die Deutschen im Falle einer Kapitulation glaube ich wirklich mit dem Allerschlimmsten. Sonst hätte es auch wohl kaum diese Flüchtlingsströme von Deutschen aus den Ostgebieten gegeben.

Und das man von nichts gewusst hätte, eine beliebte Ausrede,
ist einfach nur lächerlich. Schon die
14jährige Anne Frank schreibt 1942 von Deportationen und der
Vernichtung von Juden in Lagern
in Polen. Die Deutschen hatten den gleichen Zugriff auf
Informationen wie Anne und ihre
Leidensgenossen, da der BBC auf deutsch ins Reich sendete.

Ach Tom, wissen können und wissen ist nunmal leider nicht das gleiche. Wer interessiert sich z.B. heute über das Schicksal abgeschobener Asylbewerber ? Wen interessiert es, dass Folter z.B. kein anerkannter Asylgrund mehr ist in D und wen interessiert es, wenn Folteropfer wieder darin zurückgeschoben werden, woher sie gekommen sind ? Ja, das alles könnte jeder wissen, wenn es ihn interessieren würde. Der Angelpunkt ist hier nicht irgend eine Böswilligkeit, sondern die Gleichgültigkeit.

Des weiteren weisst du selbst, wie sehr Informationsquellen selbst in heutiger Zeit, wo weitaus mehr Informationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, als früher, grundsätzzlich erstmal angezweifelt werden (was ich persönlich auch richtig finde). Viele Leute benutzen Information aber ausschließlich zur Stützung ihrers Welbildes, d.h., nur die Information, die ins eigene Weltbild passt, wird als glaubwürdig eingestuft. Die anderen Informationen sind dann eben gezielte Desinformationen und Propaganda des Gegners. Ich wage mal zu behaupten, die meisten Menschen können mit Informationen heute nicht viel besser umgehen, als die Menschen zur Nazi-Zeit, auch wenn man heute nicht mehr für das Hören von BBC in den Knast wandert (oder schlimmeres). Auch hier kann dies nur der Anfang der Überlegungen sein: „Was lernen wir daraus ? Was muss sich ändern ?“.

Täusche Dich nicht. So denkt doch Saddam nicht. Sind die
Amerikaner erst in Bagdad ist er seine
Macht los, für immer. Das war ihm klar. Sein einziger Ausweg
bestand in der gnadenlosen
Verteidigung der Hauptstadt. Aber da machten ihm seine
Soldaten einen Strich durch die
Rechnung.

OK, hier schätzen wir die Lage unterschiedlich ein. Ich halte beide Einschätzungen im MOment noch für hochgradig spekulativ. (Ich halte auch die Version, die USA haben sich den kurzen Krieg von Saddam erkauft, noch für möglich). Wie es wirklich war werden wir wohl nie erfahren (oder vielleicht erst viel später durch irgend einen Zufall).

Ich weiss was Du meinst. Aber die Deutschen wurden
unterdrückt. Sie liessen es halt mit sich
machen. Sie wurden zum Kriegsdienst gezwungen, oder zur Arbeit
an der Heimatfront, sie wurden
zum Verzicht und zum Hunger gezwungen, ihre Städte wurden
zerstört…

Ach Tom, das war doch alles erst viel später. Red doch mal mit den Leuten aus der Generation (sofern sie noch leben). Den meisten ging es doch tatsächlich mit Machtergreifung der Nazis wirtschaftlich erstmal wesentlich besser als vorher. Zudem darfst du nicht vergessen, dass Demokratie bei den Leuten nicht unbedingt einen guten Ruf hatte und die Zeit wahrlich nicht ausreichend war, demokratisches Denken in den Köpfen zu verankern. Selbst heute hört man doch öfters noch mal den Spruch: Besser eine gute Diktatur, als eine schlechte Demokratie.

Wer zur damaligen Zeit sicherlich versagt hat, war die intellektuelle Elite Deutschlands. Aber von denen (z.B. auch von jüdischen Deutschen) wurden viele erst in dem Moment wach, als es ihnen selbst an den Kragen ging.
(Wiederum die wichtige Frage: Warum war das so ?)

Ihnen ging es wesentlich dreckiger als den Deutschen die 1951
gegen das SED Regime putschten,
oder den Ungarn drei Jahre später, oder den Tschechen beim
Prager Frühling oder auch den
„Weissen“ die sich nach Lenins Machtergreifung gegen die
Diktatur des Proletariats einsetzten und
2 Jahre lang gegen die Kommunisten kämpften, oder den Bauern
die Lenin die Hölle heiß machten
bis dieser seine „Neue ökonomische Politik“ einführte und
weitgehende Zugeständnisse an die
Bauern machte (sogar Privatbesitz war wieder erlaubt). Du
siehst es geht auch anders.

Ich hab eher den Eindruck, dass ein Deutscher, der habwegs arisch war, sich völlig unpolitisch zeigte, tat was von ihm erwartet wurde, seine Arbeit gut machte, sich nichts zuschulden kommen ließ und keine Verwandten oder Bekannten hatte, die im Fadenkreuz der Nazis standen, bis zum Krieg in D ein recht gutes Leben führen konnte. Im übrigen würde das auch auf die meisten Deutschen heute noch zutreffen. Also, was lernen wir daraus ?

Außerdem hatte Stalin in den 30 Jahren seiner Herrschaft ca.
20 Millionen seines eigenen Volkes
ermorden lassen. Die Opposition, und die war vorhanden, wurde
physisch zerstört.
Im Gegensatz zum Naziregime zeigte sich die fehlende Bindung
an das System auch durch
gigantische Ausfälle in der Wirtschaft und der Landwirtschaft
(im Gegensatz zum deutschen Reich).
Mitte der 30er Jahre fiel etwa die Weizenproduktion auf 70%
des Wertes von 1917 ab! Die Russen
gaben sich nicht her für das System. Außer natürlich der sog.
Nomenklatura mit ca. 5% Anteil an
der russischen Bevölkerung.

Ok, aber ich befürchte, die Ausfälle waren eher die Folge einer mißratenen Wirtschaftspolitik (Planwirtschaft) als die Folge eines Systemwiderstands. Schau dir China an, die Lanswirdschaftsproduktion schwankte dort mit der jeweiligen Ausgestaltung des Systems, nicht mit aufmüpfigen Tendenzen in der Bevölkerung.

Na da hast Du mich aber gründlich missverstanden. Ich lasse
mich nicht von der Vergangenheit
hypnothisieren. Wenn mir jemand sagt (es kam noch nie vor) ich
sei Schuld am Holocaust, dann
würde ich ihm den Vogel zeigen.
Ich bin mir der Vergangenheit aber bewusst und trage die sich
daraus resultierende Verantwortung
gerne. Ich fühle mich schon als „Deutscher“ und dazu gehört
nun auch mal sich mit dem
schwärzesten aller Kapitel unserer Geschichte zu befassen.

ok, da sind wir uns ja mal einig :smile:

Aber wenn mir jemand sagt es störe ihn, dass die Juden in
Deutschland die offene Wunde
Holocaust durch ständiges bohren am heilen hindern, dann wehre
ich mich dagegen entschieden.

An deinem Posting als Antwort auf den Hiligen Bimbam hatte ich auch nicht das geringste auszusetzen, sonst hätte ich da schon eingehakt :smile: Eigentlich war ich nur über die Pauschalität in deinem Folgeposting gestolpert und wollte eine kurze Anmerkung machen. Um so mehr freut es mich, wie sich unsere Diskussion jetzt entwickelt hat :smile:

Lieben Gruss
Marion

Hallo peet,

ich habe einem Poster meine Unterstützung zugesagt, der in
meinen Augen, wie gesagt, einen treffenden Ton gefunden hat.
Sein Text fand bei dir wenig bis keine Unterstützung. Stimmt
es soweit?

Ich sage dazu mal folgendes: Viele Dinge dieses Postings sind IMHO absolut richtig und nicht dikussionswürdig, denn ein gegenseitiges Schulterklopfen ist für mich innerhalb eines Diskussionsforums nicht interessant. Kleineren Teilen des Postings kann ich nicht zustimmen und da beginnt für mich das Interesse an einer Diskussion. Aber wegen einer Ablehnung von Teilen darauf zu schließen, dass das ganze abgelehnt würde, ist falsch.

Der Gegenstand seiner Kritik war ein Text, den ich für eine
schlecht retuschierte Reihe antisemitischen Äußerungen halte,
du bezeichnest diesen Gegenstand als einen „Dummfug“, einen
von vielen, mit der Option, es ist nicht so interessant darauf
zu reaigieren. Stimmt es auch?

Das ist richtig, es ist für mich tausendmal gelesener, trolliger Dummfug, dem ich nach alter Newsgroup-Manier kein Futter bieten werde. Nicht jetzt und nicht in Zukunft. Ich halte es nebenbei mit der Meinungsfreiheit eher amerikanisch: Man messe Menschen an ihren Taten und weniger an ihren Worten (Grenzen sind dabei natürlich Beleidigungen o.ä.)…

Ich halte es für bedauerlich, daß sich die meisten Teilnehmer
der Diskussion in eine „interessante“ Richtung, mit der
‚Richtigstellung-Tendenz‘, befanden anstatt dem „Dummfug“ sich
im Wege zu stellen.

Was heißt entgegenstellen? Das einzige, was passiert, ist die Fütterung eines Provokateurs (s. auch nachfolgendes Posting), der sich an der Aufregung aufgeilt. Es wird schlicht keine fruchtbare Diskussion zustandekommen bzw. es werden immer wieder gebetsmühlenartig die selben Argumente genannt werden. Fütterst Du die Provokateure nicht, werden sie das Interesse daran verlieren… Gerade Rechtsausleger leben doch von der Provokation, denn die gibt ihnen ein gesellschaftliches Gewicht, das ihnen eigentlich nicht zusteht.

(Was für Korrigierungsversuche dabei
unternommen wurden, möchte ich nicht weiter zitieren, weil es
hier nicht mein Thema war.) Du liest daraus den allgemeinen
Antisemitismus-Vorwurf und forderst Satisfaktion.

Ich fordere keine Genugtuung, sondern ich habe Deinen Vorwurf relativiert, dass hier nur deswegen antisemitische Tendenzen herrschen, weil sich kaum jemand (was ja sogar sachlich falsch ist) diesen Provokatueren entgegengestellt bzw. weil man hier zum Teil der Meinung ist, dass die Deutschen keine besondere Stellung aufgrund ihrer Vergangenheit haben.

Ich stoße in den Zeitungen und Internetforen auf viele
schmutzige Texte, die mir Sorgen machen. Du siehst daran
nichts neues, nichts besonderes.

Ich sehe das als Panikmache, da ich gerade in Deutschland (im Vergleich zu manchem Nachbarland) eben keine generelle rechtsextreme Neigung sehe. Dass wir auf unsere Extremen (links, rechts, religiös…) aufpassen müssen, ist klar. Aber immer gleich den Teufel an die Wand zu malen, macht die Waffen stumpf, da man eben häufig über das Ziel hinausschießt und Kollateralschäden (ich liebe das Wort) hinterläßt.

In diesem Kontext halte ich es für notwendig, diejenigen zu
unterstützen, die die Verantwortung besitzen, gegen den
„Dummfug“ aufzutreten. Insbesonders dann, wenn ihre Kritik als
„Gutmenschenattitüde“ oder als Walsers Keule abgestempelt
wird. Dich langweilt das.

Hier ziehst Du mein Zitat einer „gutgemeinten Herrenmenschenattitüde“ aus dem Zusammenhang. Ich lehne damit nicht das entgegentreten im allgemeinen ab sondern die Angewohnheit, den Deutschen aufgrund ihrer Geschichte eine „besondere Verantwortung“ zuzuschreiben (was ich übrigens bis vor 5 Jahren ebenfalls tat). Das hat mittlereile für mich tatsächlich etwas durchaus bedenkliches, da es wieder(!) von einer besonderen Stellung der Deutschen ausgeht, was die Deutschen nicht verdient haben. Und schon gar nicht ist die gemeinte Verantwortung etwas besonderes…
[]

Soviel Selbständigkeit sei dir gegönnt. Allerdings
relativierst du deine Position im nächsten Satz.

Und mir sind Antisemiten genauso zweifelhaft wie die
ähnlich fanatischen Antisemitenjäger.

Mir sind alle Menschen zweifelhaft, die wegen ihrer Überzeugung IMHO regelmäßig übers Ziel hinausschießen (im Guten wie im Bösen). Und was ich überhaupt nicht leiden kann, sind Totschlagsargumente in Diskussionen.

Grüße
Jürgen

Sensibilisieren oder desensibilisieren…
… das ist die Frage!

Hallo Jürgen,

wo wir unsere Differenzen einigermaßen geklärt und unseren Ton erfreulicherweise gemäßigt haben, möchte ich gerne noch einmal betonen, warum ich Tom Meisinger, den du als „Gutmenschen“ siehst, meine Unterstützung erweise und dir, der du eine neue Position vor 5 Jahren gewonnen hast (warum nur? das würde mich sehr interessieren, wenn es dir nicht zu persönlich wird!), so ausführlich antworte.

Wenn ein „Dummfug“ gepostet wird - und wir sind immer noch im Internetforum, wo virtuelle Worte gleich virtuelle Taten sind, - und ich mich davon fern halte, heißt es noch lange nicht, daß die anderen es genauso tun. Es gibt genug andere Leser, ein Teil welcher darauf antwortet, der andere Teil schweigt. Diejenigen, die darauf antworten, positionieren sich. Die schweigenden, ja, die schweigenden, wie willst du wissen, was sie vom „Dummfug“ halten? Und wenn auch dich es nicht interessiert, mich interessiert es, weil die schweigenden die Mehrheit bilden, die etwas toleriert oder nicht, siehe weiteren Diskussionsablauf zwischen Tom Meisinger und pendragon in diesem Thread, wo dieses Thema angesprochen wurde.

Außerdem unterscheide ich zwischen mindestens zwei Arten des „Dummfugs“. Der eine kommt aus der rechtsextremen Szene, da ist alles eindeutig. Der andere kommt ursprünglich aus der politischen Mitte und wurde erst durch Möllemans Worte (die keine Taten sind, o ja) 2002 mündig. Ihm fehlt die Sensibilität für die Gefühle der anderen. Die Arbeit mit den Rechtsextremen wird geführt, mit der schweigenden Mitte aber nicht. Ich halte es für wichtig, diese Menschen anzusprechen, mit dem Versuch sie zu sensibilisieren.

Was dieses Brett betrifft, so wurde die Stammtisch-Atmosphäre schon oft genug kritisiert und war der Grund für viele, sich fern zu halten. Das führt automatisch dazu, daß Provokateure mehr Raum gewinnen, sie besetzen Themen und Sprache.

Ich halte es für wichtig, wenigstens ab und zu den Widerstand zu leisten, und Dinge beim Namen zu nennen. Fast immer kommt darauf entweder keine oder eine beleidigte Antwort, nach dem Motto: Ich? ich doch nicht! Die Autoren von solchen Relativierungskorrekturen sind um eigenes Wohl besorgt. In ihren Augen bin ich der Panikmacher, fanatischer Antisemitenjäger oder Totschläger. Ich versuche aber ausschliesslich darauf aufmerksam zu machen, daß ein böses Wort ein Echo der Erinnerungen hervorruft und daß die Toleranz gegenüber dem bösen Wort auch eine Konnotation mit sich trägt. In meinen Augen sind derartige Kritiker unsensibel, unter anderem auch im Hinblick auf die geschichtlichen Erfahrungen. Ich möchte nicht, daß für mich jemand entscheidet, was für mich beleidigend ist und was nicht. Ich glaube, du auch. Ich behaupte aber auch zu wissen, was für andere beleidigend ist. Existiert dies Thema für dich?

Zu guter Letzt: ich habe (noch) nie das Thema der besonderen Stellung einer Nation angesprochen. Da hast du mich mit jemandem verwechselt.

Mir sind alle Menschen zweifelhaft, die wegen ihrer
Überzeugung IMHO regelmäßig übers Ziel hinausschießen (im
Guten wie im Bösen). Und was ich überhaupt nicht leiden kann,
sind Totschlagsargumente in Diskussionen.

Wo es bis hier eine friedliche Klärung der Divergenzen zwischen uns werden durfte, würde es mich interessieren, worin du ein Totschlagsargument in unserer Diskussion meinerseits siehst.

Viele Grüße

Auch und v.a. die Opfer, die einen Genozid im eigenen Land
veranstalten, obwohl gerade sie es besser wissen sollten.

gottseidank kann der heutige deutsche komplexler durch verunglimpfung des israelischen staates wenigstens indirekt auf „die juden“ hacken, weil er sonst an seinem gekränkten stolz und aufgestautem erbschuldfrust zugrundegehen würde. ein glück auch, daß diese „israelkritik“ heutzutage so opportun in linken gutmenschenkreisen ist. man braucht also keine angst haben als antisemit gebrandmarkt zu werden. nichteinmal dann, wenn man auf so plumpe weise auschwitz als besserungsanstalt hinstellt („die opfer von damals wüßten es ja besser wissen“). also ein jubelruf auf den jüdischen staat - ohne ihn ginge es gewissen leuten sehr sehr schlecht!!!

datafox

Aber ein klitzekleines Quäntchen an zivilem Ungehorsam, ein
bisschen Zivilcourage, ein wenig
den Drang Sand ins Getriebe der Vernichtungsmaschinerie zu
streuen, und sei es auch noch so
unbedeutend, noch so subtil, leider totale Fehlanzeige. Der
Mut der Deutschen reichte gerade mal
aus das Regime in den eigenen vier Wänden zu kritisieren, das
wars dann auch schon. Es gab
noch nicht mal eine Exilopposition geflohener Deutscher.
Für mich ist das ein ziemlich trauriges Kapitel. Nicht nur die
viehische Herrschaft der Nazis,
sondern auch das willige Unterordnen eines Volkes, dass ohne
mit der Wimper zu zucken Millionen
anderer Menschen krepieren lies, Land verwüstete und
unermessliches Leid über die Welt brachte,
und nach dem Krieg, superschnell zu Demokraten mutiert, davon
nix mehr hören will.

wenn ich mich einmischen darf - provokant natürlich:

diese dinge haben ihren ursprung meiner meinung nach NICHT in
a) allgemeiner deutscher bösartigkeit und kaltblütigkeit (greueltaten gibt es überall)
b) besonderer moralischer minderwertigkeit der deutschen (in jedem volk gibt es böses)
c) besonders stark ausgeprägtem antisemitismus der deutschen (in anderen ländern war es noch schlimmer, zb. polen, rußland)

sondern in der „typisch deutschen“ mentalität und lebensweise. diese zeichnet sich aus durch:

  • stillsitzen und ja nicht auffallen.
  • meinungsterror, meinungsverbote.
  • gleichschaltung.
  • melden und petzen statt selbst aufstehen und für sein recht eintreten.
  • autoritätenhörigkeit und gehorsam.
  • denunzieren von abweichlern.
  • vernichten von unbequemen meinungsäußerern.

das sind keine vorurteile. diese dinge fallen einem auch nicht auf, weil man selbst teil des ganzen ist. sie fallen einem erst auf, wenn man weit weg davon ist und etwas völlig anderes kennenlernt.

diese dinge haben auch eigentlich mit der nazizeit gar nichts zu tun. sie sind jetzt nach wie vor präsent, und zwar ÜBERALL im deutschen sprachraum. es beginnt bei kleinigkeiten wie der umgang mit kunden, mitschülern, vorgesetzten und der einstellung gegenüber staatlicher autorität. es geht weiter bei meinungen über kleinigkeiten wie mülltrennung, kopftuchstreit und möllemanns flyer. es endet beim meinungsverbot. beim denkverbot. beim fertigmachen und vernichten von diskussionsgegnern.

man kann diese dinge studieren zb. im IRC chat. in internetforen. es ist dasselbe wie seit eh und je. dieselben mechanismen, dieselben einstellungen, dieselben reaktionen sind nach wie vor da. nur die inhalte haben sich geändernr. diese grundatmosphäre deutscher befindlichkeit hat letztendlich zu einem reibungslos funktionierenden, bürokratisch organisierten vernichtungsapparat geführt.

es ist völlig falsch, damalige nazimitläufer als „unmoralisch“ und „feig“ zu kritisieren. das ist völliger sinnlos und geht am punkt vorbei. kritisiert muß das denksystem werden. wahrscheinlich wären wir alle gute nazis gewesen und hätte gar nichts daran gefunden. DAS ist es, was mich wirklich mehr beunruhigt als alles andere.

datafox

Offenheit, Pragmatismus und Liberalität
… das ist meine Antwort

Hallo peet,

wo wir unsere Differenzen einigermaßen geklärt und unseren Ton
erfreulicherweise gemäßigt haben, möchte ich gerne noch einmal
betonen, warum ich Tom Meisinger, den du als „Gutmenschen“
siehst, meine Unterstützung erweise und dir, der du eine neue
Position vor 5 Jahren gewonnen hast (warum nur? das würde mich
sehr interessieren, wenn es dir nicht zu persönlich wird!), so
ausführlich antworte.

Warum? Weil ich wie bereits erwähnt mittlerweile überhöhende Sonderrollen der Deutschen (auch die des Berufsguten der Welt aus moralischer Pflicht) als nicht sinnvoll ansehe. Denn das ist meine Lehre aus unserer Geschichte:
Wir Deutschen sind nicht besser und nicht schlechter als der Rest der Welt. Wir sind in vielem gleich, in manchem anders aber eben niemals besser (was zu Arroganz und Selbstüberschätzung führt mit desaströsen Konsequenzen im letzten Jahrhundert (nebenbei, ich finde auch das Verhalten der Deutschen im Irakkonflikt geht in diese Richtung, auch wenn die Entscheidung richtig war)) oder schlechter (was zu schwer kontrollierbaren Minderwertigkeitskomplexen und Selbstzweifel/-haß führt, s. IMHO Nachkriegszeit)
Und das andere, was ich ebenfalls bereits schrieb, ist die Erkenntnis, dass die so als besonders bezeichnete Verantwortung allen auf der Welt gleichermaßen zusteht und mit nichten in der/unserer Vergangenheit aufgehängt ist.

Wenn ein „Dummfug“ gepostet wird - und wir sind immer noch im
Internetforum, wo virtuelle Worte gleich virtuelle Taten sind,

  • und ich mich davon fern halte, heißt es noch lange nicht,
    daß die anderen es genauso tun. Es gibt genug andere Leser,
    ein Teil welcher darauf antwortet, der andere Teil schweigt.
    Diejenigen, die darauf antworten, positionieren sich. Die
    schweigenden, ja, die schweigenden, wie willst du wissen, was
    sie vom „Dummfug“ halten? Und wenn auch dich es nicht
    interessiert, mich interessiert es, weil die schweigenden die
    Mehrheit bilden, die etwas toleriert oder nicht, siehe
    weiteren Diskussionsablauf zwischen Tom Meisinger und
    pendragon in diesem Thread, wo dieses Thema angesprochen
    wurde.

Ich stimme Dir hier in der Tendenz sicher zu, nur wie ich vorher schrieb, halte ich ein Flugblatt der FDP für deutlich diskussionswürdiger als die gebetsmühlenartigen Postings von Provokateuren, denen eben erst durch eine Antwort Gewicht gegeben wird. Das ist dann für mich Pragmatismus, dass ich das ignoriere…

Außerdem unterscheide ich zwischen mindestens zwei Arten des
„Dummfugs“. Der eine kommt aus der rechtsextremen Szene, da
ist alles eindeutig. Der andere kommt ursprünglich aus der
politischen Mitte und wurde erst durch Möllemans Worte (die
keine Taten sind, o ja) 2002 mündig. Ihm fehlt die
Sensibilität für die Gefühle der anderen. Die Arbeit mit den
Rechtsextremen wird geführt, mit der schweigenden Mitte aber
nicht. Ich halte es für wichtig, diese Menschen anzusprechen,
mit dem Versuch sie zu sensibilisieren.

Ich dagegen sehe vielmehr das Problem, dass zum Teil durchaus diskussionswürdige Dinge auch im Verhältnis von Minderheiten zu unserer Gesellschaft vermischt werden mit extremen Thesen, was dann (eben auch über die sich ergebende Argumentation der Gegner) zu einem Schlagabtausch und einem Abbruch der Diskussion führt. Und genau das ist der Stil der Provokateure, aber eben leider auch häufig der überzeugten Gegner, die ebenfalls von Verallgemeinerung nicht zurückschrecken…
Und in diesem Zusammenhang ist es mir egal, wer der Brandstifter ist, ob er Haider, Schönhuber, Möllemann heißt oder ob er bei den Reps, der CSU oder bei den Grünen ist, gefährlich könnten bei ausreichend politischer Begabung und Intellekt alle werden…

Was dieses Brett betrifft, so wurde die Stammtisch-Atmosphäre
schon oft genug kritisiert und war der Grund für viele, sich
fern zu halten. Das führt automatisch dazu, daß Provokateure
mehr Raum gewinnen, sie besetzen Themen und Sprache.

Das ist richtig, wobei ich eben auch meine, dass auf Provokateure teilweise zuviel geantwortet wird, so dass sie Raum greifen, wo eigentlich keiner sein müßte…

Ich halte es für wichtig, wenigstens ab und zu den Widerstand
zu leisten, und Dinge beim Namen zu nennen. Fast immer kommt
darauf entweder keine oder eine beleidigte Antwort, nach dem
Motto: Ich? ich doch nicht! Die Autoren von solchen
Relativierungskorrekturen sind um eigenes Wohl besorgt. In
ihren Augen bin ich der Panikmacher, fanatischer
Antisemitenjäger oder Totschläger. Ich versuche aber
ausschliesslich darauf aufmerksam zu machen, daß ein böses
Wort ein Echo der Erinnerungen hervorruft und daß die Toleranz
gegenüber dem bösen Wort auch eine Konnotation mit sich trägt.
In meinen Augen sind derartige Kritiker unsensibel, unter
anderem auch im Hinblick auf die geschichtlichen Erfahrungen.
Ich möchte nicht, daß für mich jemand entscheidet, was für
mich beleidigend ist und was nicht. Ich glaube, du auch. Ich
behaupte aber auch zu wissen, was für andere beleidigend ist.
Existiert dies Thema für dich?

Da muss ich jetzt ehrlich und direkt antworten: Die Schwelle zur Intoleranz ist hierbei IMHO schnell gegeben. Es steht natürlich jedem zu, sich durch solche Provokatuere angegriffen oder beleidigt zu fühlen, aber bei der engagierten Gegenwehr läuft man sehr schnell Gefahr, durch sprachliche Unpräzision und Verallgemeinerungen (Stichwort Totschlagsarg.) Mitdiskutanten ebenfalls zu treffen, die eben eine andere Herangehensweise an die Diskussion haben. Wenn ich z.B. den Eindruck habe, dass ich (weil ich auf den diskussionswürdigen Teil eingehe und den anderen Teil als Dummfug ignoriere) in die Antisemitenecke gedrängt werde (hier schon passiert, allerdings nicht durch Dich, sondern durch eine ebenfalls sehr engagierte Antisemitismus-Bekämpferin:wink:), dann hat das ebenfalls Stammtischniveau, eben der Stammtisch der „Gutmenschen“.

Zu guter Letzt: ich habe (noch) nie das Thema der besonderen
Stellung einer Nation angesprochen. Da hast du mich mit
jemandem verwechselt.

Das war im Bezug auf Toms „besondere Verantwortung“ der Deutschen und hatte nur über Dein Lob dieses Postings Bezug auf Dich.

Wo es bis hier eine friedliche Klärung der Divergenzen
zwischen uns werden durfte, würde es mich interessieren, worin
du ein Totschlagsargument in unserer Diskussion meinerseits
siehst.

Wie oben beschrieben, wer früh das Wort Antisemitismus in den Mund nimmt, läuft Gefahr, in diesen Ruf zu kommen…

Grüße
Jürgen

Hallo datafox

sondern in der „typisch deutschen“ mentalität und lebensweise.
diese zeichnet sich aus durch:

  • stillsitzen und ja nicht auffallen.
  • meinungsterror, meinungsverbote.
  • gleichschaltung.
  • melden und petzen statt selbst aufstehen und für sein recht
    eintreten.
  • autoritätenhörigkeit und gehorsam.
  • denunzieren von abweichlern.
  • vernichten von unbequemen meinungsäußerern.

Meines Erachtens triffst Du den Nagel auf den Kopf. Wobei die Punkte Meinungsterror und -verbote sowie Gleichschaltung, wesentliche Elemente einer jeden Diktatur sind und sicherlich keine typisch deutschen Eigenschaften. Ein Punkt den Du vergessen hast ist der damalige Militarismus, in allen Schichten weit verbreitet, der zu einer engen Verbundenheit des Volkes mit den bewaffneten Kräften geführt hat. Letztendlich hat Hitler mit der Einführung einer pseudogermanischen Mythologie genau den Nerv der Zeit getroffen.
Auch die Hybris vieler Deutscher sich als etwas besonderes zu betrachten machte sich Hitler zu nutze indem er den Deutschen eine krude Rassenlehre eintrichterte, die viele nur zugern für bare Münze nahmen.

diese dinge haben auch eigentlich mit der nazizeit gar nichts
zu tun. sie sind jetzt nach wie vor präsent, und zwar ÜBERALL
im deutschen sprachraum. es beginnt bei kleinigkeiten wie der
umgang mit kunden, mitschülern, vorgesetzten und der
einstellung gegenüber staatlicher autorität. es geht weiter
bei meinungen über kleinigkeiten wie mülltrennung,
kopftuchstreit und möllemanns flyer. es endet beim
meinungsverbot. beim denkverbot. beim fertigmachen und
vernichten von diskussionsgegnern.

man kann diese dinge studieren zb. im IRC chat. in
internetforen. es ist dasselbe wie seit eh und je. dieselben
mechanismen, dieselben einstellungen, dieselben reaktionen
sind nach wie vor da. nur die inhalte haben sich geändernr.
diese grundatmosphäre deutscher befindlichkeit hat
letztendlich zu einem reibungslos funktionierenden,
bürokratisch organisierten vernichtungsapparat geführt.

Ich glaube aber durchaus, dass ein halbes Jahrhundert Freiheit und Demokratie die Deutschen zum positiven hin beinflusst hat. Auch wenn sie sich diese Demokratie nicht erarbeitet haben, sonder sozusagen von den Besatzungsmächten aufgezwungen bekamen. Sicherlich findet man noch häufig die von Dir beschriebenen deutschen Reflexe, aber alles in allem können wir uns über eine ausdifferenzierte Gesellschaft freuen, wie man sie nur in wenigen Ländern antrifft.

es ist völlig falsch, damalige nazimitläufer als „unmoralisch“
und „feig“ zu kritisieren. das ist völliger sinnlos und geht
am punkt vorbei. kritisiert muß das denksystem werden.
wahrscheinlich wären wir alle gute nazis gewesen und hätte gar
nichts daran gefunden. DAS ist es, was mich wirklich mehr
beunruhigt als alles andere.

Sinnlos ist es sicherlich, denn diese Menschen sind in der Regel lange tot. Dennoch kann man sie feige und unmorisch schimpfen, den der jedem Menschen eigene Kanon an Grundwerten (heruntergebrochen auf das banale „Was Du nicht willst was man dir tu das füg’ auch keinem andern zu“) wurde doch tagtäglich, und für alle offensichtlich, mit Füssen getreten. Ich bin mir sicher, dass weite Teile der Deutschen in ihrem Inneren eine Stimme hatten, die Ihnen sagte dass das alles großes Unrecht ist was da im Namen der Deutschen auf der Welt angerichtet wird.
Die Deutschen waren ein aufgeklärtes Volk in denen doch zumindest theoretisch christliche Grundsätze fest verankert waren. Wie kann es also in nur 6 Jahren ('33-'39) gelingen einem ganzen Volk eine derartige Gehirnwäsche zu verpassen, dass es sich Widerstandslos zu einem Krieg bewegen lässt, wenn nicht eine starke Affinität zur nationalsozialistischem Gedankengut vorhanden gewesen wäre?

Gruß
Tom

hallo tom,

Wobei die
Punkte Meinungsterror und -verbote sowie Gleichschaltung,
wesentliche Elemente einer jeden Diktatur sind und sicherlich
keine typisch deutschen Eigenschaften.

da widerspreche ich. die angeführte liste von eigenschaften bezog sich nicht auf die zeitspanne der hitlerdiktatur, sondern auf die „typisch deutsche“ mentalität. mit hitler und nazis hat das nicht im geringsten etwas zu tun, sondern mit dem generellen umgang mit autoritäten, mit fehlender zivilcourage und null fähigkeit mit abweichenden meinungen überhaupt umzugehen. statt streit und debatte werden meinungen einfach „verboten“ und wer das übertritt wird „gemeldet“! so ist es doch heute noch.

Ein Punkt den Du
vergessen hast ist der damalige Militarismus, in allen
Schichten weit verbreitet, der zu einer engen Verbundenheit
des Volkes mit den bewaffneten Kräften geführt hat.

auch da möchte ich widersprechen. militarismus und verbundenheit mit den bewaffneten kräften sind völlig normale phänomene in jeder kriegsführenden nation. als jemand der seit 3 jahren in israel lebt, weiß ich wovon ich spreche. trotzdem gibt es keine dikatorischen auswüchse in diesem land. warum? weil das volk zu störrisch und eigenwillig ist. es fehlt der nährboden für eine diktatur: gehorsam und der wunsch nicht aufzufallen existieren hier nicht. immer wieder kommen revanchistische sprüche wie „israel plant einen golocaust an den arabern“. nun, ich kann euch sagen, sowas wird nicht passieren, nichtmal unter einer diktatur. und das nicht, weil die israelis alle liebliche sanftmütige und hochmoralische menschen sind, sondern weil sich hier nichtmal die mülltrennung durchsetzen läßt, alle rechts überholen und eine parlamentssitzung einer massenschlägerei und einem brüllkonzert gleicht. wie sollen solche leute einen industriellen massenmord veranstalten?? verstehst du was ich meine? nur in deutschland konnte sowas passieren, weil die mentalität paßte und nicht weil alle böse menschen waren.

…vieler Deutscher sich als etwas besonderes zu
betrachten machte sich Hitler zu nutze indem er den Deutschen
eine krude Rassenlehre eintrichterte,

oh die hat hitler weder erfunden noch den deutschen „eingetrichtert“. vielmehr war das damals zeitgeist und völlig normale etablierte wissenschaft. nicht nur in deutschland, sondern überall wurden rassistische theorien an den unis (!) gelehrt.

Ich glaube aber durchaus, dass ein halbes Jahrhundert Freiheit
und Demokratie die Deutschen zum positiven hin beinflusst hat.

natürlich. doch die gewissen strukturen sind immer noch da. ich meine nicht „nationalsozialistisches gedankengut“, sondern das stillsein und nicht auffallen wollen, das verbieten, das melden und das gehorsame fertigmachen von abweichlern.

bei der fiedman / möllemann debatte konnte man das ja wunderbar studieren. zuerst war möllemann dran und jetzt friedman. die inhalte sind absolut austauschbar. zuerst haben sich allerhand antiimperialistische gutmenschen für möllemanns flyer in die bresche geschlagen und jetzt sabbern philosemiten dem friedman hinterher. nur nicht auffallen, nur nicht irgendeine meinung haben, die nicht etabliert ist!

Wie kann es also in nur 6 Jahren ('33-'39) gelingen
einem ganzen Volk eine derartige Gehirnwäsche zu verpassen,
dass es sich Widerstandslos zu einem Krieg bewegen lässt, wenn
nicht eine starke Affinität zur nationalsozialistischem
Gedankengut vorhanden gewesen wäre?

ganz einfach: es war keine gehirnwäsche. niemand hat irgendwen gehirngewaschen. der glaube an die gehirnwäsche ist eine beruhigungsstrategie. wer gehirngewaschen wurde ist unzurechnungsfähig! es ist doch ganz einfach: das system von gehorsam, verbieten und melden läuft gefahr in eine mordmaschinerie auszuarten. menschen die es gewohnt sind, andere zu denunzieren und fertigzumachen, menschen die alles tun nur um nicht aufzufallen, menschen die anstatt ihren mund aufzumachen sich bei den höheren instanzen beschweren gehen, menschen die wegen des titels studieren (in österreich zumindest) - DAS sind dann die rädchen im mordsystem, die willigen helferlein, die alle brav still halten und ihre todeslisten auch noch mit herr doktor unterschreiben… nur in deutschland konnte sowas passieren. „sowas“ meint nicht nur völkermord oder greueltaten (die gibts überall, sogar mit mehr opfern), sondern durchorganisierter fabriksmäßiger mord.

und das schlimme daran ist: wir alle wären dabeigewesen. ich und du. leb mal ein paar jährchen im ausland, vorzugsweise amerika. dann wird einem klar, was „typisch deutsch“ eigentlich ist und daß das und NUR DAS die einzige bedingung für die möglichkeit von auschwitz war. hinterher ist es immer leicht mit dem finger auf die anderen zu zeigen. nur die frage lautet: „was hätte ich getan?“ und die ehrliche antwort lautet: „wahrscheinlich nichts.“ alles andere ist geschwätz.

datafox