Hallo Wolfgang,
dieser Artikel ist nach langer Zeit mal wieder einer, der sehr lesenswert ist in diesem Forum.
ein großer Teil aller Güter, die wir hierzulande kaufen, wird
außerhalb des Landes produziert. Arbeit ist zu teuer geworden.
Nicht erst seit Schröder, das ist eine schon Jahrzehnte
andauernde Entwicklung. Inzwischen redet man nur über die
Begrenzung der Steigerung, als aber noch von Senkung der
Sozialabgaben geträumt wurde, fabulierten Politiker über
Zehntelprozente, bemerkten aber nicht, daß sie sich in der
falschen Zehnerpotenz bewegten. Das ineffektive System unserer
sozialen Sicherung gibt aber offenkundig nur
Kostensteigerungen her und dennoch wird es als heilige Kuh
verteidigt.
V.a. diesen Punkt kann ich nur allzu gut teilen.
Soziale Sicherung ist ein wichtiges Instrument der Solidargemeinschaft.
Allerdings darf sie nicht zum Selbstzweck werden und alle anderen Aktivitäten im Land lähmen.
In einer modernen Gesellschaft funktioniert nichts anderes als das Leistungsprinzip.
Wir leisten uns ein Millionenheer an öffentlich Bediensteten
und werden als Folge mit hoher Steuerlast beglückt. Wir
leisten uns die Wehrpflicht und ein paar hunderttausend Mann
unter Waffen. Das war schon immer so, wo kämen wir denn hin,
wenn man solche Gewohnheiten plötzlich ändert.
Die eine Krähe wird der anderen kein Auge aushacken, daher wird sich an diesem System ohne Revolution gar nichts ändern.
Wir leisten uns Subventionen an den Bergbau und an die
Landwirtschaft. Das war schon immer so, wo kämen wir denn hin,
wenn wir das plötzlich …
So kauft man Wählerstimmen.
Wir leisten uns ein mäßiges und chronisch unterfinanziertes
Schul- und Ausbildungssystem. Wir leisten uns Jugendliche, die
als Analphabeten die Schule verlassen, wir leisten uns
Hochschulen mit musealer Ausstattung, wir leisten uns
Mittfünfziger, die an Rente denken. Wir leisten uns eine
leistungsfeindliche, dümmliche Spaßgesellschaft.
s.o. „Leistungsprinzip“.
Dummheit ist verpönt, Faulheit jedoch ist salonfähig. Solange sich Arbeitslose noch öffentlich damit brüsten können, dass Arbeit sich nicht lohnt, ohne Prügel zu beziehen, wird sich auch hieran nichts ändern.
Wir haben Banken, die jahrelang in Luftnummern investierten.
Wer in D Spitzentechnologie produzieren und vermarkten will,
wird von seiner Bank zum Einholen eines Gutachtens von der
Handelskammer genötigt. Da sitzt dann ein „Experte“, der tags
zuvor noch die Neugründung eines Sonnenstudios beurteilte.
Nicht nur den Banken, sondern ganz allgemein fehlt uns in D
die finanzielle, personelle und organisatorische
Infrastruktur, um zukunftsträchtige Technologie zu erkennen
und zu fördern.
Das beste Beispiel hierfür ist das „Rating-System“, die neueste Sauerei, welche sich Banken mit ihren unfähigen Politnicks in den Aufsichtsräten haben einfallen lassen, um die deutsche Wirtschaft weiterhin in Richtung sozialistischen Großbetrieb á la Siemens zu lenken.
Vor ein paar Tagen las ich: Die deutsche Wirtschaft gab im
vergangenen Jahr 35 Mrd. für F+E aus. Leider handelte es sich
nur um eine kurze Notiz ohne Quellenangabe. Wenn aber auch nur
die Größenordnung stimmt, dann ist es ganz egal, ob DM oder
Euro gemeint waren, dann ist es praktisch gleichbedeutend mit
der Aussage, daß F+E in Deutschland so gut wie nicht
stattfindet.
Das ist korrekt. Die für F&E notwendige Kreativität bringen zumeist die KMUs auf, welche sich aber aufgrund der ungünstigen Steuer- und Kapitalsituation solche Aktivitäten kaum noch leisten können.
Weil an einer der Hauptursachen, nämlich fehlende
Bildungsanstrengungen auf allen Ebenen, nichts geschieht, wird
sich absehbar am langsamen wirtschaftlichen Niedergang nichts
ändern. Über Leidensdruck wird sich etwas ändern. Bei viewiel
Millionen Arbeitslosen der Punkt erreicht ist, weiß ich nicht.
Nicht bei einer.
Das Schlimme ist nur, daß mit jedem Arbeitslosen ein
Steuerzahler zum Kostgänger wird. Damit wird auch die
Manovriermasse zum Herbeiführen und Finanzieren von
Veränderungen immer kleiner.
Noch wird dies ja durch die Mehrbesteuerung der übriggebliebenen Arbeitnehmer ausgeglichen.
Für eine Trendwende wird es viele Jahre brauchen. Bis dahin
kannst Du noch den kleinen Spinnerles, sich an ihrem Pöstchen
festhaltenden Systembewahrern und Kaffeesatzlesern mit
Pensionsanspruch Gehör schenken, die für den jeweils nächsten
Herbst ganz klar den Silberstreif am Horizont ausmachen.
Meine Stimmung wechselt zwischen bissigem Sarkasmus und
amüsierter Beobachtung. Banken bis hin zu Landesbanken
beschäftigen sich allen Ernstes mit der milliardenschweren
Finanzierung von Fußball-Übertragungsrechten und der
Vermarktung des Zuguckens beim Formel-I-Zirkus. Das scheint
dann nach Ansicht der Banker genau das Geschäft zu sein, in
dem die Zukunft ihrer Geldinstitute und dieses Landes liegt.
Für mich ist das nur ein Schlaglicht auf Niveau und
Zukunftsfähigkeit dieser Leute. Einzelne
an-die-Wand-fahr-Ereignisse smarter, aber ein bißchen doofer
BWLer sind nach einfachen Taschenrechnerübungen vorhersehbar.
Ein Beispiel sind die UMTS-Kosten. Die betreffenden
Unternehmen fallen für die absehbare Zukunft als Steuerzahler
aus. Gleichzeitig werden die Lizenzinhaber eine Amortisation
ihrer Investition nicht erreichen, wenn sie daran nicht sogar
zugrunde gehen. Die Lizenzen sind dann billig zu schießende
Konkursmasse. Nun braucht man nicht viel Phantasie, um zu
erahnen, wer die Zeche letztlich bezahlt.
Tja, und hier kommt wieder der alte Leitsatz der sog. Manager aus den 80ern (weiter sind diese Leute meistens bis heute nicht) zum tragen: „I don´t create, I own“. Nur dass derartiger Wall-Street-Kapitalismus im noch immer durch den Mittelstand geprägten Deutschland nicht viel taugt, haben unsere Sozialisten, welche nur auf Aufsichtsratspöstchen in der Großindustrie schielen, noch nicht verstanden.
Das Modell der Zukunft kann nur „Business durch Höchstleistung“ heißen. Für jeden einzelnen. Ich würde mir persönlich zunächst einmal ein freundlicheres Umfeld für Existenzgründer wünschen, so daß die paar Leute in diesem Land, die noch wach sind, wenigstens eine Chance erhalten.
Es kann und will eben nicht jeder bei Siemens, Quam oder Microsoft arbeiten…
Grüße,
Mathias