Hilfe bei Problembedingten Depressionen

Hallo, die Überschrift ist leicht verwirrend also erkläre ich mal worum es geht.

Meinem Bruder (29)geht es in den letzten Wochen und Monaten immer schlechter.

Er ging früher einer Tätigkeit in der Industrie nach und verdiente einigermaßen gut. (Und er war damals „Normal“)

Vor knapp 2 Jahren wurde er aus Betrieblichen Gründen entlassen und findet seid dem keine Arbeit. (er ist ungelernt)

Nach einem halben Jahr Alg 1 „lebt“ er seid 1,5 Jahren von Hartz 4 bzw ab und an von Zeitarbeit (wobei er in der Zeitarbeit durch hohe Fahrtkosten auch nicht mehr rauszuhaben scheint als mit ALG2)

Nun zum Problem: Im Laufe dieser 1,5 Jahre in quasi „Armut“ verschlechtert sich sein Seelischer Zustand immer weiter. Seine Freundin hat sich kurz nach Ende der Arbeit von ihm getrennt. Er sagt der Grund war das er nichts mehr mit ihr Unternehmen kann; ich weiß es aber nicht genau.

Er hockt nur noch in seiner Wohnung und geht nicht mehr vor die Tür (er sagt er kann sich Ausgehen nicht leisten)
Will man ihn Einladen sagt er das er nicht mitkann weil er sich keine passende Kleidung zum Ausgehen leisten kann.

Ich komme kaum noch an ihn ran er wird immer trauriger und die einzige Hilfe vom Amt ist ein 1 Euro Job bei dem er durch Fahrtkosten auch wieder bei 0 ist.

Als ich das letzte Mal gestern bei ihm war sah er verheult und völlig runtergekommen aus. Seine Wohnung unaufgeräumt.

Meine Schwester (seine ist es nicht wir sind Halbbrüder) sagt immer zu mir ich soll ihn zum Psychologen schleppen und wenn er nicht will (und er will nicht) soll ich mich mal langsam nach „Zwangsmöglichkeiten“ erkundigen bevor er sich noch was antut.

Aber ich glaube nicht das er sich was antun würde und als ich mal mit ihm gesprochen habe (als es ihm Seelisch gerade mal etwas besser ging)sagte er das ihm eine Therapie nichts bringen kann weil die Armut der Grund dafür ist das es ihm schlecht geht und daran auch Gespräche nichts ändern können.

Habt ihr einen Rat was ich noch mit ihm machen kann? Finanziell kann ich ihm nicht helfen. Einen Psychologen halte ich für keine schlechte idee aber seine Aussage das ihm das nichts hilft halte ich für Logisch weil die Armut die Wurzel des Übels ist und da kann auch kein Psychologe helfen denke ich.

Geld haben stellt an sich keinen seelisch/menschlichen Wert dar, es ist vielmehr sogar so, dass er erst in dem Maße ins Bewusstsein gedrängt wird, wie die eigentlichen menschlichen Werte ins Unbewusste verdrängt werden. Das geschieht durch eine entsprechende Erziehung von klein auf an. Um das aber zu verstehen und nachträglich aufzuarbeiten (- zugleich die menschlichen Werte wieder ins Bewusstsein hebend), kann in der Tat nur eine Kur bei der Tiefenpsychologie helfen.

Hallo,

Ob es sich tatsächlich um eine Depression handelt, kann nur vom Arzt diagnostiziert werden. Am besten geht er zum Hausarzt und lässt sich beraten. Sollte er körperliche Beschwerden haben, sowie eine Depression wäre er beim Facharzt für Psychosomatik oder Psychiatrie am besten aufgehoben. Oft helfen leichte Antidepressiva in Kombination mit einer Psychotherapie um ihn wieder in die Bahn zu bringen.

Viele Menschen trauen sich nicht zum Psychologen - erst recht nicht wenn der Tip aus dem Freundeskreis oder aus der Familie kommt. Sie denken, sie schaffen es auch alleine und es sind nur Bekloppte, die da hingehen. Deswegen wäre es schon fast gut wenn er ein bisschen körperliche Beschwerden hätte (Schlaflosigkeit, Herzrasen, Panik, Appetitlosigkeit, Atemnot, Verdauungsbeschwerden… die Liste der psychosomatischen Beschwerden ist lang), denn der Gang zum Hausarzt ist nicht so „peinlich“ und wenn der dann nüchtern und unaufgeregt, wie Ärzte so sind, sagt dass er zum Psychologen gehen soll und ihm auch noch eine Überweisung in die Hand drückt, dann nimmt er das vielleicht auch eher an.

Das Problem mit dem Geld wird später gelöst und ist eher zweitrangig. Es gibt viele Aktivitäten, die kein Geld kosten - joggen, spazieren gehen, ehrenamtliche Arbeiten (wodurch sich erstens Kontakte knüpfen lassen und dadurch eventuell bezahlte Arbeiten ergeben).

Viele Grüße

Guten Abend.

Nun ist bin anderer Meinung als meine beiden Vorposter.

Was der Mann meiner Meinung nach braucht ist kein Psychologe sondern einen Lebensinhalt.

Ein Psychologe ist sicherlich keine schlechte Lösung doch wäre das nicht nur eine Behandlung der Symptome? Die Ursache bleibt aber doch immer noch und führt auch weiterhin zu Problemen. Da wird er ja Dauergast beim Psychologen.

Wenn ich mir das so durchlese hockt er nur zu Hause. Ich gehe also davon aus das im Laufe der 1,5 Jahre wohl nicht nur die Freundin sondern auch die meisten Freunde verschwunden sein dürften oder?

Sicherlich muss man nicht wohlhabend oder gar reich sein um Glücklich zu werden. (ihr kennt sicher den Spruch: „Geld allein macht auch nicht glücklich“)
Aber von ALG 2, also in Armut zu leben kann einen Menschen „fertig machen“

Ich denke da nicht nur an Scham (gegenüber Familie, Freunden, sich selbst) sondern auch an Ängste (wie soll es weitergehen, wie bezahle ich die nächste Rechnung usw)

ALG 2 nennt sich nicht umsonst „Grundsicherung“
Es reicht zum Überleben. Man hat ein Dach über dem Kopf, das nötigste zu Essen usw. Aber „Leben“ sieht sicherlich anders auf.
Ich kann mich in den Beitrag recht gut reinversetzen weil ich kürzlich auch in die ALG2 Armut abgerutscht bin.
Die Lösung aller Probleme ist so einfach wie sie schwer ist: Ein neuer Job (keine Zeitarbeit)

Ok auf der anderen Seite hocken sicherlich nicht alle ALG2ler und Zeitarbeiter weinend zu Hause, aber wirklich glücklich sind die allesamt nicht und es hat nunmal nicht jeder Mensch die gleiche innere Stärke mit diesem doch sehr großen Problem umzugehen.

Ehrenamtliche Arbeit wurde vorgeschlagen.
Ich halte Ehrenamtliche Tätigkeiten für eine gute Sache. Aber keinesfalls nur arme Menschen!
Ehrenamtlich zu Arbeiten kann glücklich machen. Meine Oma arbeitete Jahrelang in ihrer Rente ehrenamtlich. Es ging ihr Finanziell immer gut und sie wollte etwas von diesem Glück mit den Bedürftigen teilen; etwas an die Gesellschaft zurückgeben.

Doch was passiert wenn man einen Mittellosen Menschen ehrenamtlich arbeiten lässt?
Ich denke doch er wird sich folgendes sagen:
„Andere Menschen gehen Arbeiten und Ernähren davon ihre Familie, leisten sich vielleicht von dem Geld einen schönen Urlaub mit ihren Lieben, gehen schick essen oder was immer so spass macht.
Und was tue ich? Ich Arbeite auch und bekomme nichts von alldem, meine Arbeit ist wertlos“
Ich denke also in seinem Fall keine gute Idee.

Ein Psychologe kann sicherlich helfen sein Offensichtliches Leid etwas zu mildern aber ich denke das wird im Endeffekt kaum „wirklich“ weiterhelfen.

Ich erinnere mich gerade an den Psychologen George Pennington und seine DvD „Psychologie für den Alltag“

Ich erinnere mich nicht mehr an den genauen Zusammenhang aber es ging um das Leben und das Glücklich sein.

Love it, change it, leave it.

„Love it“ ist immer das Ziel. Im Leben soll man glücklich sein.

Ist man es nicht ist man beim „change it“
Man kann die Situation an sich verändern oder aber die eigene Sichtweise/Interpretation der Situation.
(in unserem Fall wird es schwer die Sichtweise zu ändern denn wer ist schon gerne Arm und man sieht täglich andere Menschen die es auch nicht sind)

Man kommt nur über die Veränderung „change it“ der Situation weiter. „Leave it“ aus der verhassten Situation ausbrechen um zu einem neuen „love it“ zu kommen.

Sprich wenn er Arbeit und einen festen Lohn hätte würde er wohl aus seinem „Loch“ herrausfinden den früher war er ja auch „normal“ wie es im UP stand.
Es gibt doch viele Menschen die durch Arbeitslosigkeit „fallen“ wenn ichs mal so nennen darf. Liebevolle Familienväter die nie ein Alkoholproblem hatten ertränkten ihren Kummer, wurden Alkoholiker und Gewalttätig (man ließt doch immer wieder von solchen und ähnlichen Fällen)

Naja soviel mal von mir dazu. Nochmal zur Ergänzung: Ich bin wie man sicher erkennen kann kein Fachmann; aber ich versuche zu helfen sogut ich kenn und ich denke (da ich diese Art Situation leider auch kennenlernen musste) das ich zumindest ganz gut erahnen kann was im Bruder des UPs vorgeht.

Hi,

ich denke wie mein Vorposter, dass er den Hintern hochkriegen und was tun muss. Ein Psychologe kann ihn im besten Fall auch nur mit der Nase darauf stoßen.

Du sagst er ist ungelernt - hat er nicht die Möglichkeit, noch eine Ausbildung zu machen? Dann hätte er erstmal auch nicht mehr Geld, aber eine Perspektive und was zu tun.

Gruß
Cess

Arbeitslosigkeit und Depression (links inside)
Hallo,

hier ein paar Hintergrundinformationen:

http://www.das-parlament.de/2008/40-41/beilage/004.html

http://www.bpb.de/publikationen/2OHJCA,5,0,Arbeitsid…

http://www.nepsy.com/leading/0506_ne_cover_study.html

Gruß

=^…^=

Js so ist das halt in unseren schönen Deutschland aber… Der mag vielleicht dein Bruder sein, aber hör auf ihn zu bemitleiden. Dadurch wird es nicht besser gib im am besten einen starken Tritt in den Hintern. Dem geht es zu gut, wenn er mal Hunger erleben würde. Dann häte er sich auf jeden fall bewegt, aber so kommt das Ganze nur aus Langeweile. Ich will ihn nicht beschuldigen oder benachteiligen, aber die Erfahrung habe ich bei mir gemacht. Und übrigens der geht deswegen nicht aus, weil sich selber sehr niedrich beurteilt. Da die Arbeit weg ist usw. Der denkt das die anderen viel höher am Status sind als er.

Hallo,

also ich weiss ja nicht, was DU geraucht hast, aber das hätte ich auch gerne :wink:

Offenbar hast Du nicht den Hauch einer Ahnung einer Ahnung um das einmal salopp zu formulieren.

Depressionen führen zu Antriebslosigkeit, die man mitnichten durch „einen Tritt in den Hintern“ beseitigen kann.

Gruss
Petra

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Hallo,

Psychologe ist eine gute Idee. Depressionen sind wohl immer situationsbedingt (soweit ich die kenne), nur meistens muss man erstmal herausfinden, was das eigentliche Problem ist.

An der Lebenssituation Deines Freundes kann der Therapeut auch nichts ändern, aber an der Art und Weise wie Dein Freund damit umgeht. Er steckt da momentan in einer Endlosschleife…so wie er sich im Moment sieht, findet er natürlich auch keine neue Stelle. Spätestens beim Vorstellungsgespräch würde jeder Personalchef, mit Recht, abwinken.

Neuen Lebensmut und Selbstbewusstsein wird er nicht eben so mal finden, da muss schon ein Profi ran.

Es gibt sehr viele Menschen in ähnlichen Situationen, die sich auch Hilfe holen, weil sie es alleine nicht schaffen. Das ist nichts schlimmes, das ist absolut legitim und leider viel zu oft auch nötig.

Alles Gute und die besten Wünsche für den Freund.

Gruss
Petra

Genau das ist ein psychologiescher Grund einen „Tritt in den Hintern“ zu geben, durch den Schmerzreiz steigt die psychische Aktivität.
Ich meitne eigentlich nur wenn man sich selber und andere zu viel bemitleidet, kommt nichts gutes heraus. Das Leben geht weiter. Schaut mal wie es in der China zugeht