Hi Elli
Da sie schon volljährig ist dürfen die Ärzte keine
Auskunft über sie geben.
Ja, das ist so festhelegt. Als Erwachsener (wenigstens dann)
hat man das Recht auf Einhaltung der ärztlichen
Schweigepflicht.
Die Leute regen sich hier serienweise auf über Schäubles
Transparenz-Nummern, aber nun soll die Schweigepflicht des
Arztes nicht mehr eingehalten werden? Da wird ja offenbar mit
zweierlei Maß gemessen.
Da hast du mich falsch verstanden. Ich möchte nicht, dass der Arzt seine gesetzliche Schweigepflicht umgeht und uns bis ins kleinste erzählt, was das Problem meiner Schwester ist. Allerdings hat der Arzt selbst gesagt, dass er diese Regelung nicht gerade glücklich findet, da er den Angehörigen so keine, ich nenn es jetzt mal „Verhaltensregeln“, geben kann. Bzw, uns nicht erklären kann, wie sich das Krankheitsbild bei ihr äußert und wie wir ihr da wieder heraushelfen können.
Da liegt auch das Problem. Keiner bei
uns zu Hause weiß wie wir mit ihr jetzt umgehen sollen.
Das Problem fängt ja schon bei der Idee des „Umgehens“ mit
psychisch kranken Familienangehörigen an. Womöge war das
„Umgehen“ mit ihr davor auch schon demaßen schräg, dass sich
ihre borderlne-Persönlchkeit bis zu diesem Grad entwickeln
konnte/musste.
Ich schließe nicht aus, dass die Vergangenheit in unserer Familie etwas zu dieser Situation beigetragen hat, allerdings kann ich behaupten, dass wir eine sehr liebevolle Familie sind und uns all die Jahre um meine Schwester bemüht haben, damit meine ich kein Verhätscheln, sondern ein „sich für sie interessieren“. Uns war nie egal was sie macht und was sie denkt. Der alltägliche Umgang läuft auch ganz normal ab, davon habe ich eigentlich auch nicht gesprochen. Es geht darum wie wir als Familie ihr zu Hause helfen können aus dieser Spirale von Hassen-Lieben-Fressen-Kotzen-Alkohol heraushelfen können. Keiner hier behandelt sie wie ein rohes Ei. Wir versuchen alle ehrlich zueinander zu sein und uns zu sagen was uns stört. Leider gehört es ja auch zu den Symptomen, dass sie sich die Wahrheit gerne etwas verdreht, oder völlig betrunken irgendwo rumliegt. Das kratzt natürlich an unserem Vertrauen, aber wir geben uns Mühe ihr trotzdem immer welches engegenzubringen.
Sie
hatte in den 2 Wochen bereits mehrere Rückfälle
(Alkoholexzesse, Bulimieanfälle). Wir stehen jetzt wie der
Ochs’ vorm Berg und wissen nicht weiter.
Sie ist erwachsen! Wenn Ihr sie alle weiter wie ein Kind
behandelt, wird das nie was.
Keiner hier zu Hause behandelt sie wie ein Kind! Wir machen ihr durchaus klar, dass wir ihr zur Seite stehen, sie aber letztendlich selbst für ihr Leben verantwortlich ist. Aber du kannst ja schlecht wollen, dass wir einfach so zusehen, wie sie sich völlig kaputt macht. Ergo müssen wir ja irgendetwas tun und genau darum geht es mir.
Welches Verhalten ist ihr gegenüber denn angebracht?
Benehmt euch so, wie ihr euch auch sonst anderen Menschen
gegenüber benehmt und wie Ihr wollt, dass man Euch begegnet.
Keller
abschließen, Hausarrest geben
Ich glaube, es hakt. Das kann ja wohl nicht wahr sein!
Das war mehr so eine Floskel und keine ernst gemeinte Frage. Der Keller wurde übrigens bisher auf ihren Wunsch hin abgeschlossen, weil sie sich abends gerne vollfrisst, oder sich die Kante gibt und dann womöglich noch betrunken Auto fährt.
ihr freie Hand lassen, Probleme
ausblenden???
Sie in Ruhe lassen und ihren Weg finden lassen halte ich da
immehin für noch angezeigter.
Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das funktioniert. Wir hängen ja nicht ständig an ihr dran und überwachen sie, aber nach einem Selbstmordversuch und nachdem sie gestern betrunken auf der Straße gefunden wurde möchte ich nicht weiter einfach nur zusehen. Das hat die ganzen letzten Jahre nicht funktioniert.
Vielleicht hat jemand von euch ein paar Tipps.
Tipps gibts überhaupt keine in der Psychotherapie. Null. Nada.
Spüren, wo der Andere gerade ist, das schon eher.
Gruß,
Branden
Danke für deine Antwort.