Hilfe im Umgang mit Borderlinerin

Hi,

ich habe folgendes Problem, bei dem ich mir hier am Meisten Hilfe erhoffe von Mensch die sich mit dem Thema auskennen.
Meine Schwester (21) hat verschiedene psychische Krankheiten, darunter eine Persönlichkeitsstörung Borderline-Typ, mittlere Depressionen mit Alkoholmissbrauch und leichter Abhängigkeit und eine seit 10 Jahren andauernde Bulimie.
Sie hat jetzt einen 2 Monatigen Klinikaufenthalt hinter sich und ist seit 2 Wochen ohne ambulante Betreuung wieder zu Hause. Da sie schon volljährig ist dürfen die Ärzte keine Auskunft über sie geben. Da liegt auch das Problem. Keiner bei uns zu Hause weiß wie wir mit ihr jetzt umgehen sollen. Sie hatte in den 2 Wochen bereits mehrere Rückfälle (Alkoholexzesse, Bulimieanfälle). Wir stehen jetzt wie der Ochs’ vorm Berg und wissen nicht weiter.
Welches Verhalten ist ihr gegenüber denn angebracht? Keller abschließen, Hausarrest geben, ihr freie Hand lassen, Probleme ausblenden???
Von den Ärzten der Klinik können wir leider keine Hilfe erwarten, was ich persönlich furchtbar finde, denn so können wir meiner Schwester nicht helfend unter die Arme greifen, weil wir gar nicht angemessen auf Anfälle, Aussetzer oder sonstiges reagieren können. Auch weil wir nicht wissen, was ein Symptom ist, oder was nicht.
Vielleicht hat jemand von euch ein paar Tipps.

Elli

Von den Ärzten der Klinik können wir leider keine Hilfe
erwarten

sollte mit einem Anwalt möglich sein, solche Hilfe zu bekommen. Wenn das wirklich stimmt, was diese Ärzte abziehen, dann braucht Ihr juristischen Beistand.

Elli

Mike

Servus Elli,

gab es schon einen Kontakt mit dem regional zuständigen sozialpsychiatrischen Dienst? Wenn ja, mit welchem Ergebnis?

Zu der jetzigen Situation kann sehr vieles geführt haben. Z.B. Abbruch der stationären Behandlung auf Wunsch der Patientin, gegen die Empfehlung des Arztes, der möglicherweise Zweifel daran hat, dass die Familie hier überhaupt der geeignete Aufenthaltsort ist, geschweige denn helfend unter die Arme greifen kann, und es der Patientin überlassen will, selbst zu der Einsicht zu kommen, dass sie professionelle Hilfe ggf. außerhalb der Familie braucht. Das ist jetzt pur spekulativ, würde aber das auf den ersten Blick rätselhafte Verhalten des Arztes erklären.

Schöne Grüße

MM

Hi Elli

Da sie schon volljährig ist dürfen die Ärzte keine
Auskunft über sie geben.

Ja, das ist so festhelegt. Als Erwachsener (wenigstens dann) hat man das Recht auf Einhaltung der ärztlichen Schweigepflicht.
Die Leute regen sich hier serienweise auf über Schäubles Transparenz-Nummern, aber nun soll die Schweigepflicht des Arztes nicht mehr eingehalten werden? Da wird ja offenbar mit zweierlei Maß gemessen.

Da liegt auch das Problem. Keiner bei
uns zu Hause weiß wie wir mit ihr jetzt umgehen sollen.

Das Problem fängt ja schon bei der Idee des „Umgehens“ mit psychisch kranken Familienangehörigen an. Womöge war das „Umgehen“ mit ihr davor auch schon demaßen schräg, dass sich ihre borderlne-Persönlchkeit bis zu diesem Grad entwickeln konnte/musste.

Sie
hatte in den 2 Wochen bereits mehrere Rückfälle
(Alkoholexzesse, Bulimieanfälle). Wir stehen jetzt wie der
Ochs’ vorm Berg und wissen nicht weiter.

Sie ist erwachsen! Wenn Ihr sie alle weiter wie ein Kind behandelt, wird das nie was.

Welches Verhalten ist ihr gegenüber denn angebracht?

Benehmt euch so, wie ihr euch auch sonst anderen Menschen gegenüber benehmt und wie Ihr wollt, dass man Euch begegnet.

Keller
abschließen, Hausarrest geben

Ich glaube, es hakt. Das kann ja wohl nicht wahr sein!

ihr freie Hand lassen, Probleme
ausblenden???

Sie in Ruhe lassen und ihren Weg finden lassen halte ich da immehin für noch angezeigter.

Vielleicht hat jemand von euch ein paar Tipps.

Tipps gibts überhaupt keine in der Psychotherapie. Null. Nada.
Spüren, wo der Andere gerade ist, das schon eher.
Gruß,
Branden

Hi Elli

Da sie schon volljährig ist dürfen die Ärzte keine
Auskunft über sie geben.

Ja, das ist so festhelegt. Als Erwachsener (wenigstens dann)
hat man das Recht auf Einhaltung der ärztlichen
Schweigepflicht.
Die Leute regen sich hier serienweise auf über Schäubles
Transparenz-Nummern, aber nun soll die Schweigepflicht des
Arztes nicht mehr eingehalten werden? Da wird ja offenbar mit
zweierlei Maß gemessen.

Da hast du mich falsch verstanden. Ich möchte nicht, dass der Arzt seine gesetzliche Schweigepflicht umgeht und uns bis ins kleinste erzählt, was das Problem meiner Schwester ist. Allerdings hat der Arzt selbst gesagt, dass er diese Regelung nicht gerade glücklich findet, da er den Angehörigen so keine, ich nenn es jetzt mal „Verhaltensregeln“, geben kann. Bzw, uns nicht erklären kann, wie sich das Krankheitsbild bei ihr äußert und wie wir ihr da wieder heraushelfen können.

Da liegt auch das Problem. Keiner bei
uns zu Hause weiß wie wir mit ihr jetzt umgehen sollen.

Das Problem fängt ja schon bei der Idee des „Umgehens“ mit
psychisch kranken Familienangehörigen an. Womöge war das
„Umgehen“ mit ihr davor auch schon demaßen schräg, dass sich
ihre borderlne-Persönlchkeit bis zu diesem Grad entwickeln
konnte/musste.

Ich schließe nicht aus, dass die Vergangenheit in unserer Familie etwas zu dieser Situation beigetragen hat, allerdings kann ich behaupten, dass wir eine sehr liebevolle Familie sind und uns all die Jahre um meine Schwester bemüht haben, damit meine ich kein Verhätscheln, sondern ein „sich für sie interessieren“. Uns war nie egal was sie macht und was sie denkt. Der alltägliche Umgang läuft auch ganz normal ab, davon habe ich eigentlich auch nicht gesprochen. Es geht darum wie wir als Familie ihr zu Hause helfen können aus dieser Spirale von Hassen-Lieben-Fressen-Kotzen-Alkohol heraushelfen können. Keiner hier behandelt sie wie ein rohes Ei. Wir versuchen alle ehrlich zueinander zu sein und uns zu sagen was uns stört. Leider gehört es ja auch zu den Symptomen, dass sie sich die Wahrheit gerne etwas verdreht, oder völlig betrunken irgendwo rumliegt. Das kratzt natürlich an unserem Vertrauen, aber wir geben uns Mühe ihr trotzdem immer welches engegenzubringen.

Sie
hatte in den 2 Wochen bereits mehrere Rückfälle
(Alkoholexzesse, Bulimieanfälle). Wir stehen jetzt wie der
Ochs’ vorm Berg und wissen nicht weiter.

Sie ist erwachsen! Wenn Ihr sie alle weiter wie ein Kind
behandelt, wird das nie was.

Keiner hier zu Hause behandelt sie wie ein Kind! Wir machen ihr durchaus klar, dass wir ihr zur Seite stehen, sie aber letztendlich selbst für ihr Leben verantwortlich ist. Aber du kannst ja schlecht wollen, dass wir einfach so zusehen, wie sie sich völlig kaputt macht. Ergo müssen wir ja irgendetwas tun und genau darum geht es mir.

Welches Verhalten ist ihr gegenüber denn angebracht?

Benehmt euch so, wie ihr euch auch sonst anderen Menschen
gegenüber benehmt und wie Ihr wollt, dass man Euch begegnet.

Keller
abschließen, Hausarrest geben

Ich glaube, es hakt. Das kann ja wohl nicht wahr sein!

Das war mehr so eine Floskel und keine ernst gemeinte Frage. Der Keller wurde übrigens bisher auf ihren Wunsch hin abgeschlossen, weil sie sich abends gerne vollfrisst, oder sich die Kante gibt und dann womöglich noch betrunken Auto fährt.

ihr freie Hand lassen, Probleme
ausblenden???

Sie in Ruhe lassen und ihren Weg finden lassen halte ich da
immehin für noch angezeigter.

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das funktioniert. Wir hängen ja nicht ständig an ihr dran und überwachen sie, aber nach einem Selbstmordversuch und nachdem sie gestern betrunken auf der Straße gefunden wurde möchte ich nicht weiter einfach nur zusehen. Das hat die ganzen letzten Jahre nicht funktioniert.

Vielleicht hat jemand von euch ein paar Tipps.

Tipps gibts überhaupt keine in der Psychotherapie. Null. Nada.
Spüren, wo der Andere gerade ist, das schon eher.
Gruß,
Branden

Danke für deine Antwort.

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Servus Elli,

gab es schon einen Kontakt mit dem regional zuständigen
sozialpsychiatrischen Dienst? Wenn ja, mit welchem Ergebnis?

Die Probleme mit meiner Schwester bestehen ja schon seit Jahren. Wir waren schon beim Jugendamt, bei Psychologen und Therapeuten usw. Wir werden uns wohl jetzt mal an eine solche Dienststelle wenden, mal sehen, was dabei herauskommt.

Zu der jetzigen Situation kann sehr vieles geführt haben. Z.B.
Abbruch der stationären Behandlung auf Wunsch der Patientin,
gegen die Empfehlung des Arztes, der möglicherweise Zweifel
daran hat, dass die Familie hier überhaupt der geeignete
Aufenthaltsort ist, geschweige denn helfend unter die Arme
greifen kann, und es der Patientin überlassen will, selbst zu
der Einsicht zu kommen, dass sie professionelle Hilfe ggf.
außerhalb der Familie braucht. Das ist jetzt pur spekulativ,
würde aber das auf den ersten Blick rätselhafte Verhalten des
Arztes erklären.

Meine Schwester hat ihren ersten 8wöchigen Aufenthalt nicht abgebrochen, sondern ganz offiziell beendet. Dass sie auf eigenen Wunsch aus der Klinik ist, das war gestern, da sie in der Nacht zuvor am Straßenrand betrunken von der Polizei aufgegriffen wurde.
Wir haben danach auch mit dem zuständigen Arzt gesprochen und er ist schon der Meinung, dass sie zu Hause in guten Händen ist. Er merkt ja, dass wir uns bemühen und dass wir ihr helfen wollen und er meinte auch, dass er nicht mit uns tauschen möchte, da er selbst Kinder hat und weiß wir das ist, wenn man keine Auskunft bekommt. Ich denke der Fehler der Klinik lag daran, dass sie in den Alltag entlassen wurde und dann zweieinhalb Wochen ohne psychische Unterstützung zu Hause war. Sie ist schnell wieder in ihre alten Muster zurückgefallen und genau da hätte eine weitergehende ambulante Unterstützung greifen können.
Wir hoffen jetzt, dass ab nächster Woche genau diese amulante Sache gestartet werden kann und dann möglichst mit Einbindung der Eltern, um auch Familiengespräche führen zu können, damit wir alle an einem Strang ziehen können und meine Schwester nicht sich selbst überlassen müssen.

Hi Mike,
ich denke nicht, dass wir da juristischen Beistand brauchen. Ich verstehe die Schweigepflicht der Ärzte ja auch, nur bringt uns das zu Hause eben nicht weiter.

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Hi Mike,

Ich verstehe die Schweigepflicht der Ärzte ja auch

das heisst sie möchte, dass die Ärzte schweigen? Nur dann ist nämlich das Schweigen in diesem Fall berechtigt.

uns das zu Hause eben nicht weiter.

Dann gibt es immer noch Möglichkeiten ausser „zu Hause“. Es gibt sowohl für Deine Schwester als auch für Euch/Dich soziale Netze ausser der Familie. Man kann es auf solche Netze ankommen lassen und allenfalls in das eine oder andere eingreifen.

Dennoch solltest Du zuerst mit einem der vernünftigeren unter den Ärzten darüber sprechen, ob sie das Schweigen wirklich so will. Es gibt doch wohl einen Unterschied zwischen den Interessen, die sie daran hat (Intimsphäre/Dinge aus der Vergangenheit/unbewältigte Schwierigkeiten oder Kämpfe, die sie Euch nicht ins Gedächtnis rufen will) und den unmittelbar nötigen Mitteln, die zur Heilung relevant werden können.

Und zu diesen Mitteln gehört garantiert n i c h t, dass man jemanden einsperrt! Soviel sollte Euch schon mal ohne ärztliche Pflichtverletzung klar werden!

Hallo Elli,

du schreibst „wir“. Wer ist „wir“?

Will deine Schwester bei „euch“ wohnen oder gibt es keinen anderen Platz für sie, z.B. eine Wohngruppe, in der sie betreut werden könnte?

Entschuldige, wenn ich dir damit zu nahe treten sollte, aber so weit ich weiß, entsteht „Borderline“ nicht unbedingt in einer liebevollen Umgebung?
Dieses „wir“, das sich irgendwie - so scheint es - von der einen, kranken Schwester abgrenzt, stört mich…

Gruß - iceage

hallo,
ohne irgendwelche Erfahrung zu haben: Käme vielleicht eine Familientherapie in Frage?
LG Backs

Hallo Elli,

du schreibst „wir“. Wer ist „wir“?

„Wir“ bedeutet der Rest der Familie insgesamt sind wir zu fünft.

Will deine Schwester bei „euch“ wohnen oder gibt es keinen
anderen Platz für sie, z.B. eine Wohngruppe, in der sie
betreut werden könnte?

Nein, sie möchte unbedingt bei uns wohnen bleiben. Wir sind alle ziemliche Familienmenschen auch wenn meine Schwester das nicht so zeigen kann.

Entschuldige, wenn ich dir damit zu nahe treten sollte, aber
so weit ich weiß, entsteht „Borderline“ nicht unbedingt in
einer liebevollen Umgebung?
Dieses „wir“, das sich irgendwie - so scheint es - von der
einen, kranken Schwester abgrenzt, stört mich…

Naja, man kann sich auch an kleinen Formulierungen aufhängen. Ich weiß, dass es hier schwierig ist eine so lang andauernde und schwierige Situation zu schildern, wie das die unsere ist, aber es geht mir auch nicht darum zu ergründen, woher diese psychische Störung kommt, denn das weiß ich eigentlich ganz gut, auch durch Gespräche mit meiner Schwester. Bei drei Kindern ist es schwierig allen gerecht zu werden. Ich hatte vor einigen Jahren selbst ein psychisches Problem, das die ganze Aufmerksamkeit meiner Eltern forderte und in dieser Zeit wurde meine Schwester etwas vernachlässigt. Heut wissen wir, dass das sehr unglücklich war, denn zu dieser Zeit war sie sehr empfindlich (Pubertät).
Wir grenzen uns überhaupt nicht von ihr ab, aber wenn ich das hier so schreibe, dann redest du ja nicht mit mir persönlich und siehst weder meine Mimik, noch meine Gestik, denn dann wüsstest du besser wie einzelne Dinge von mir gemeint sind. Der Wunsch aller ist es ja mehr zusammenzuwachsen und ein Gemeinschaftsgefühl auch bei meiner Schwester zu wecken.

Hi Mike,

Ich verstehe die Schweigepflicht der Ärzte ja auch

das heisst sie möchte, dass die Ärzte schweigen? Nur dann ist
nämlich das Schweigen in diesem Fall berechtigt.

uns das zu Hause eben nicht weiter.

Dann gibt es immer noch Möglichkeiten ausser „zu Hause“. Es
gibt sowohl für Deine Schwester als auch für Euch/Dich soziale
Netze ausser der Familie. Man kann es auf solche Netze
ankommen lassen und allenfalls in das eine oder andere
eingreifen.

Dennoch solltest Du zuerst mit einem der vernünftigeren unter
den Ärzten darüber sprechen, ob sie das Schweigen wirklich so
will. Es gibt doch wohl einen Unterschied zwischen den
Interessen, die sie daran hat (Intimsphäre/Dinge aus der
Vergangenheit/unbewältigte Schwierigkeiten oder Kämpfe, die
sie Euch nicht ins Gedächtnis rufen will) und den unmittelbar
nötigen Mitteln, die zur Heilung relevant werden können.

Darüber werde ich mit meiner Schwester einmal reden. Danke für den Tipp.

Und zu diesen Mitteln gehört garantiert n i c h t, dass man
jemanden einsperrt! Soviel sollte Euch schon mal ohne
ärztliche Pflichtverletzung klar werden!

Ein sollte klar sein. NIEMAND will meine Schwester einsperren. Das war mehr so eine Floskel, so dahingesagt, aber mit keinem ernsten Hintergrund. Ich wollte nur verdeutlichen, dass es uns einfach an konkreten Ideen fehlt um ihr stützend unter die Arme zu greifen.

hallo,
ohne irgendwelche Erfahrung zu haben: Käme vielleicht eine
Familientherapie in Frage?
LG Backs

Das wäre jetzt unsere nächste Idee. Ich habe mir auch schon Adressen besorgt. Ich glaube einfach, dass wir das jetzt alle an einem Strang ziehen sollten und uns jemand von außen hilft meine Schwester besser zu verstehen und dass jemand ihr klar macht, wie diese Situation für uns ist.

Hallo Elli!

Meine Schwester hat dasselbe Problem- und meine Eltern dieselben Fragen,wie Du!

Ich wohne weit weg von denen- und hab denen nun mal den Vorschlag von einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von psychisch Erkrankten gemacht!

Da ich wenig auch nur am Rande mitbekomme, bleibt doch der Eindruck, daß Angehörige massiv leiden und in der Zwickmühle von Liebe und Hilflosigkeit nicht mehr weiterwissen!

Keine Ahnung, ob es ne gernelle Verhaltens-Möglichkeit bei Borderlinern gibt!
Meine Schwester ist jedenfalls schwer zu durchschauen- erzählt auch nicht alles…findet auch nicht den Weg eines Auszuges aus diesem Haus…-- jedenfalls für alle Beteiligten sehr schwer!!

Viel Kraft Euch
Kitty

Hallo Elli,

manchmal sind es die kleinen Formulierungen, hinter denen etwas mehr steckt, darum fragte ich nach.

Du gehst davon aus, deine Schwester sei in einer für sie sensibleren Phase vernachlässigt worden und dadurch habe sich ihr Problem entwickelt?
Ich muss dir sagen, das klingt mir ein wenig nach Verharmlosung.

Verstehe mich bitte nicht falsch, das soll keinerlei Angriff sein, sondern ein Ausdruck meines Erstaunens, dass eine Person darum eine „Borderlinepersönlichkeit“ mit äußerst massiven Formen des autoaggressiven Verhaltens entwickelt, weil sie in der Pubertät vernachlässigt wurde.

Ich kenne einige Mädchen/ Frauen, die solche Probleme entwickelt haben, und bei allen - allen, die ich kenne - war die Vernachlässigung wohl nur die Spitze des Eisberges. Was darunter alles im Verborgenen lag/ liegt, will ich hier gar nicht benennen; es mag bei deiner Schwester auch alles anders sein, als bei anderen.

Deine Schwester möchte zwar in der Familie leben, andererseits kann sie das nicht auf eine Art und Weise, die ihre Probleme lösen würde, oder? Ich kenne Frauen (und auch Männer), die sind noch mit an die 40 Jahren zu Mama nach Hause zurück; immer dann, wenn sie nicht mehr wussten, wohin sie sonst (außer in die „Geschlossene“) hätten gehen können… also, dass deine Schwester zu euch kommt, heißt nicht, dass sie das wegen ihres Empfindens von Gemeinschaft (Sich-aufgehoben-Fühlen) entscheidet - zumal, sie empfindet ja nicht dieses Gemeinschaftsgefühl, wie du schreibst.

Bei den „Symptomen“, die du beschreibst, glaube ich kaum, dass ihr sie dazu bewegen werdet, dieses Gefühl der familiären Nähe und Geborgenheit zu empfinden… eher im Gegenteil: Die Kluft scheint ja für sie so unüberwindlich, dass sie z.B. in den Keller geht und sich besäuft?
Etwas läuft also falsch… solange ihr sie als die Kranke in der Familie betrachtet, wird sie wahrscheinlich nicht gesunden.

Was könnte also ihr - und euch allen - helfen? Sie könnte zunächst einen anderen Wohnort wählen und/ oder ihr macht alle gemeinsam eine Therapie?

Gruß - iceage

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Hallo Kitty,

ich danke dir für deine Antwort. Irgendwie ist es etwas beruhigend, dass es anderen genauso geht wie uns. Du hast Recht, wir als Angehörige leiden extrem unter dieser schon so lange andauernden Situation.

Wenn deine Eltern die gleichen Fragen haben, was haben die denn schon unternommen bzw. wo haben sie Hilfe gefunden?

Elli

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Elli,

manchmal sind es die kleinen Formulierungen, hinter denen
etwas mehr steckt, darum fragte ich nach.

Du gehst davon aus, deine Schwester sei in einer für sie
sensibleren Phase vernachlässigt worden und dadurch habe sich
ihr Problem entwickelt?
Ich muss dir sagen, das klingt mir ein wenig nach
Verharmlosung.
Verstehe mich bitte nicht falsch, das soll keinerlei Angriff
sein, sondern ein Ausdruck meines Erstaunens, dass eine Person
darum eine „Borderlinepersönlichkeit“ mit äußerst massiven
Formen des autoaggressiven Verhaltens entwickelt, weil sie in
der Pubertät vernachlässigt wurde.

Ich denke wir sollten grundsätzlich festhalten, dass das natürlich nicht alleine der Grund dafür war. Ich möchte hier aber auch nicht bis ins kleinste Detail alles ausbreiten. Natürlich kann ich in einem solchen Forum nur Bruchteile wiedergeben, sonst würde ich mir die Finger wund tippen. Eigentlich ist es auch nicht relevant, wie diese Störung sich entwickelt hat. Sie ist nun mal da und wir wollen alle versuchen das Leben meiner Schwester (das sie selbst eher hasst als liebt) angenehmer zu gestalten und letztlich damit auch unser Leben, denn die Situation zu Hause ist extrem schwierig.

Deine Schwester möchte zwar in der Familie leben, andererseits
kann sie das nicht auf eine Art und Weise, die ihre Probleme
lösen würde, oder? Ich kenne Frauen (und auch Männer), die
sind noch mit an die 40 Jahren zu Mama nach Hause zurück;
immer dann, wenn sie nicht mehr wussten, wohin sie sonst
(außer in die „Geschlossene“) hätten gehen können… also,
dass deine Schwester zu euch kommt, heißt nicht, dass sie das
wegen ihres Empfindens von Gemeinschaft
(Sich-aufgehoben-Fühlen) entscheidet - zumal, sie empfindet ja
nicht dieses Gemeinschaftsgefühl, wie du schreibst.

Da hast du Recht. Ihr ist dieses Gemeinschaftsgefühl im Laufe der Jahre verloren gegangen, aber es ist ihr eigener Wunsch sich in unserer Familie wieder mehr zu integrieren und sich mehr mitzuteilen.

Bei den „Symptomen“, die du beschreibst, glaube ich kaum, dass
ihr sie dazu bewegen werdet, dieses Gefühl der familiären Nähe
und Geborgenheit zu empfinden… eher im Gegenteil: Die Kluft
scheint ja für sie so unüberwindlich, dass sie z.B. in den
Keller geht und sich besäuft?
Etwas läuft also falsch… solange ihr sie als die Kranke in
der Familie betrachtet, wird sie wahrscheinlich nicht
gesunden.

Ich habe dir schon versucht zu verstehen zu geben, dass wir ihr nicht das Gefühl des schwarzen Schafes geben. Ganz im Gegenteil. Jeder hier zu Hause hat so seine Macken und das betonen wir auch immer wieder. Auch ich habe eine lange psychisch schwere Zeit hinter mir. In diesem Zeitraum war ich die mit dem Problem.

Was könnte also ihr - und euch allen - helfen? Sie könnte
zunächst einen anderen Wohnort wählen und/ oder ihr macht alle
gemeinsam eine Therapie?

Die Idee sie an einen anderen Wohnort zu verfrachten ist glaube ich die schlechteste von allen Lösungen. Auch die Ärzte sagen, dass sie den Halt von zu Hause braucht. Dass wir eine Familientherapie ansteuern müssen wissen wir und das ist auch schon in Arbeit. Ich hatte mir eben erhofft hier Tipps zu bekommen wie ich ihr gegenüber richtig reagiere, wenn sie eines ihrer Symptome hat. Was ist zu viel Verständnis und was ist zu wenig. Vielleicht auch ein paar Worte von Menschen denen es ähnlich geht wie meiner Schwester, oder von Angehörigen oder Experten. Ich möchte dir auch nicht zu nahe treten, aber als Lehrer hast du vielleicht nicht den psychologischen Hintergrund um die Situation bei uns zu Hause beurteilen zu können.

Elli

Ich beundere Deinen Mut
… und hoffe, dass Du hier hilfreiche Hinweise findest!
Liebe Grüße, Son-ja

Wenn deine Eltern die gleichen Fragen haben, was haben die
denn schon unternommen bzw. wo haben sie Hilfe gefunden?

Elli

Tja Elli- die gehören zu der Sorte " mal leiden- mal verdrängen"-- leider :frowning:

In unserem Elternhaus lief sehr viel „schief“- und bei einer Familiensitzung vor vielen Jahren, als die Eltern mal dabei sein sollten- hat sogar der Therapeut nachher abgewunken :wink:

Letztlich bin wohl ICH es, die sich da mehr Gedanken um diese schwierigen Verhältnisse macht!

Ich selber lebe ja weit weg davon- und kann meine Schwester einfach „in Ruhe“ lassen.
In den letzten Jahren gab es von ihrer Seite mal Zeiten, wo sie Kontakt wollte- dann wieder null davon!
Hat mich zuerst sehr verletzt…und als ich „meiner kleinen Schwester“ dann auch mal einen Besuch in ner Klinik angeboten habe, wurde das dermassen missverstanden ( „ich soll mich nicht einmischen!!“), daß ich seitdem denke-- soll sie machen was sie will!!

Ich liebe sie und wäre für sie da-- aber, wenn ihr Weg mit wenig Kontakt aussieht- dann soll das so sein!

Meine Mutter sagt zu der Selbsthilfegruppe " ich bin soweit, daß ich nach all den Jahren klar komme"-- was ein Quatsch ist, wenn sie sich dann doch mit Tränen bei mir ausheult!
Mein Vater kann- alla Mann- nur immer reagieren…bzw auf harte Verbalattacken meiner Schwester nur mit Trotz reagieren- und meine Mutter muss dann wieder vermitteln ( tut sie zumindest, weil sie so denkt!)

Kurz- wirklich Hilfe wollen sie gar nicht!
Jeder meiner Eltern sagt „wenn der andere zu ner SHG gehen will- kann er“- aber keiner will-- und ich sag mal - sie trauen sich nicht!

Letztlich muss man sich vielleicht sich selber stellen- etwas, was meine Eltern ja total umgehen ( nur die anderen werden angeklagt).

Gut- vielleicht bin ich dann auch was falsch hier mit meiner ANtwort!

Aber ich glaube, daß eine SHG wirklich was bringt- und wäre ICH näher am Geschehen und käme nicht klar ( was ich vermute), würde ICH mir da Beistand holen!
Vermutlich ist zwar das Krankheitsbild gleich- aber doch jeder Fall ganz individuell…und so kann man sich vielleicht Wege aussuchen aus denen der anderen (die ihn gegangen sind)- oder sich zumindest mal mit Menschen austauschen, die DIESES Leiden einfach nur verstehen…alleine so etwas tut unwahrscheinlich gut!

Denke schon deshalb- weil doch zur Aussenwelt immer der Schein des „Normalen“ rüberkommen soll!!

Kitty

Hallo Elli,

nein, es geht dir sicher nicht darum, ein „schwarzes Schaf“ auszumachen. Das wollte ich auch mit keinem Wort unterstellen.
Deine Schwester an einen anderen Ort zu „verfrachten“, davon habe ich auch nichts geschrieben.

Ich bin vielleicht jemand, der unterrichtet an einer Schule, aber ich würde mir nicht anmaßen, dir zu antworten, nur weil ich „Lehrer“ bin. Meine Motivation, dir zu antworten, habe ich doch anklingen lassen, oder nicht?

Du möchtest wissen, wie du das richtige Maß an Verständnis deiner Schwester gegenüber zeigen kannst. Deine Frage geht von der Voraussetzung aus, dass es überhaupt ein richtiges Maß an Verständnis gegen kann, dass man jemandem - in so extremen Momenten - entgegen bringen könnte. Dazu kann ich dir leider keine Antwort liefern, weil ich die Erfahrung machen musste, dass es nicht darauf ankommt, wie auch immer man sich dazu situativ verhält.
Was würde bei deiner Schwester denn wirklich ankommen?

Alles, was du tun kannst, liegt darin, dass du professionelle Hilfe von Außen holt, für euch alle… unter der Voraussetzung, dass auch alle dies wollen, denn jeder wird sich dann einbringen müssen, nicht nur deine Schwester.

Gruß - iceage