Servus!
Nicht, dass ich die Atombombenabwürfe verteidigen will. Nur - der Historiker verurteilt nicht, er versucht zu begreifen, und daher versucht er sich in die damaligen Köpfe hineinzuversetzen.
Und da kann ich mir vorstellen, dass die USA damals ganz anders dachten als Du heute - u.a. fällt mir dazu ein, dass man gar nicht einschätzen konnte, was man da eigentlich tat. Bei den ersten Tests hatte man ja auch US-Soldaten um den Testplatz postiert, weil man sehen wollte, ab wann es die Männekens umbläst…
Die Amis glaubten damals noch, dass sie halt einfach eine Megariesensuperbombe hätten, mit der sowohl Japaner als auch Russen SO beeindruckt wären, dass die einen endlich aufgeben und die anderen in Zukunft nicht aufmucken. Die Verstrahlung unterschätzte man - damals noch.
Um´s mal provokant zu formulieren (und um Provokation ging´s ja in diesem Thread von Anfang an): Von der Motivation her sind die Atombombenabwürfe durchaus auch mit der Bombardierung Dresdens oder Hamburgs zu vergleichen. Und die Amis dachten 1945 garantiert auch in diesen Bahnen: Die Zermürbungstaktik per Städtebombardierung hatten sie
schon in Deutschland angewandt. Nur hatten sie jetzt eine Bombe, die die vielen gefährlichen Flüge über feindliches Gebiet überflüssig machte. Ein Flugzeug, eine Bombe - gleicher Effekt.
Wie gesagt: Ich verteidige hier nichts. Eine militärische Führung, die ihre Soldaten schon seit langem verheizt, durch die Bombardierung von Zivilisten zum Aufgeben zwingen zu wollen, das ist hirnrissig (oder zeugt von Verzweiflung auf Seiten des Bombenwerfers) und ein Kriegsverbrechen, im Fall Dresden genauso wie in Hiroshima. Mir geht´s hier darum, die Motivation der Amis zu verstehen, die zu dem Verbrechen geführt hat.
der Krieg war für Japan zu dieser Zeit eh schon verloren.
Nur, von den Deutschen wusste man, wie lange sich so ein eh schon verlorener Krieg noch hinziehen konnte, wenn der Verlierer das partout nicht einsehen will. Schon beim „Inselhüpfen“ hatten die Amis ja die Erfahrung gemacht, dass Japaner im Zweifelsfall bis zum allerletzten Mann kämpfen. Is also kein Argument, den Amis den ganz schwarzen Peter zuzuschieben.
Militärisch war die Verbichtung der beiden Städte wertlos. Es
gab da weder eine nenneswerte Rüstungsproduktion, deren Fehlen
sich innerhalb der nächsten Wochen ausgewirkt hätte noch eine
Konzentration von Militär.
Äh?
Lies mal:
http://de.wikipedia.org/wiki/Atombombenabwurf_auf_Hi…
http://de.wikipedia.org/wiki/Nagasaki
Da steht: Nagasaki war Rüstungsschwerpunkt. Die Mitsubishi-Werke stellten Waffen her, in Nagasaki war ein Großteil der japanischen Flotte gebaut worden, und die Stadt war DER Ölhafen an der japanischen Westküste - im Japanischen Meer gibt´s Ölvorkommen, die damals ausgebeutet wurden und Japans einzige damals noch erreichbare Vorräte darstellten.
Hiroshima war Truppensammelpunkt, Hauptquartier der Seestreitkräfte und ebenfalls Rüstungsschwerpunkt (Mitsubishi-Werften).
Einzig und allein der moralische Effekt war da
Der war AUCH da - wobei ich nicht entscheiden will, welcher der verschiedenen Aspekte, die die USA zum Abwurf bewogen haben, wichtiger war. Die Masse hat´s halt gemacht. Man konnte dem Gegner empfindlich schaden und ihn moralisch fertig machen. Und gleichzeitig noch Stalin beeindrucken, damit er in Ostasien nicht zuviel fordert (die Kurilen hatte er ja noch schnell besetzt, und es stand zu fürchten, dass er noch mehr forderte)
- und auch der hat ja nicht zur sofortigen
Kapitulation geführt. Am Ende kapitulierte Japan ja wegen der
Unmöglichkeit, den krieg militärisch entscheiden zu können und
nicht wegen der beiden zerstörten Städte.
Japan kapitulierte 6 Tage nach Nagasaki! Ich denke schon, dass das mit dem Abwurf der A-Bomben zu tun hatte…
Die Hunderttausende mußten allein aus einem einzigen Grund
sterben - es galkt die Russen zu beeindrucken. Die USA wollten
sich als militärisch eindeutig ü+berkegen in Scene setzen. Der
Abwurf der Bomben war mehr Nachkriegspolitik als
Kriegsentscheidung.
Hätte Churchill die Bombe geworfen, würde ich dir zustimmen. Die USA hatten zwar auch schon spitzgekriegt, wes Geistes Kind Stalin war, aber deren Nachkriegspolitik begann so richtig erst nach dem Krieg, und war eine Reaktion darauf, dass Stalin während des Krieges was anderes sagte als er nach dem Krieg machte.
VG
Christian