Hallo Rainer
im Prinip kann jeder Schächten. Es gibt einige Bedingungen dafür (ruhige Hand, Altersbegrenzung etc.). Den Beginn einer formalisierten Ausbildung gibt es in Deutschland erst durch eine Rabbinerversammlung im Jahr 1220. Sie dauert heute im Regelfall gut 2 Jahre, damit sichergestellt ist, daß der angehende Schächter alle Regeln, die sehr differenziert und minutiös sind, kennt. Bevor jemand selbständig Schächten darf muß er unter Aufsicht mindestens 3 Tiere (wobei Geflügel nicht mitzählt) geschächtet haben.
Es wird immer wieder unterstellt, daß Schächten grausam sei und den Tieren unnötigen Schmerz zufügen würde.
Davon kann nicht die Rede sein, denn das dahinter stehende Konzept „za’ar ba’alei chajim" besagt, daß jeder Schmerz so weitgehend wie möglich zu vermeiden sei und der Schächtvorgang ganz schnell durchgeführt werden muß.
Im Judentum ist Tierschutz ein sehr hoher Wert, und es gibt viele Regeln für den Umgang mit Tieren. So darf z.B. ein Ochse und ein Esel nicht zusammengespannt werden, weil im bergigen Gelände der Esel im Vorteil ist und im ebenen Gelände der Ochse.
Die Schabbatruhe gilt im Judentum übrigens auch für Tiere. Dazu gibt es eine sehr hübsche Geschichte:
Ein Jude verarmte, sodaß ihm nichts mehr anderes übrig blieb als seine Kuh an einen Nichtjuden zu verkaufen. Die Kuh war es gewöhnt am Schabbat zu ruhen, und trotz der Schläge, die ihr der neue Besitzer gab, war sie nicht zum Arbeiten zu bewegen. Der ging deshalb zum Vorbesitzer und beklagte sich über die Kuh: „Was hast Du mir da für eine Kuh verkauft. Das ist Betrug …".
Der Jude ging zu seiner ehemaligen Kuh und flüsterte ihr ins Ohr: „Liebe Kuh, Du gehörst jetzt nicht mehr mir, sondern einem Nichtjuden. Deshalb mußt Du am Schabbat arbeiten, denn der Nichtjude ist nicht verpflichtet den Schabbat einzuhalten und deshalb mußt du arbeiten, wenn er es will. Sei so gut und tu es. Ich verspreche dir, daß ich dich sobald es mir möglich ist, wieder zurückkaufe".
Die Kuh befolgte das und arbeitete auch am Schabbat. Der nichtjüdische Besitzer konnte sich keinen Reim darauf machen. Er befürchtete, die Kuh sei möglicherweise verhext worden und bekam Angst. So ging er zum Verkäufer und fragte ihn, ob er der Kuh Zaubersprüche ins Ohr geflüstert habe. Der Jude erzählte ihm alles. Der neue Besitzer war erschüttert und kam ins Nachdenken. Er trat zum Judentum über und wurde ein bekannter Gelehrter. Er suchte sich den Namen Rabbi Kuhsohn aus.
Ich denke, das ist einigermaßen anschaulich.
Viele Grüße
Iris