kommt es mir nur so vor oder ist in letzter Zeit jedes 3. Kind „hochbegabt“ nur weil es vor der Zeit Schuhe binden oder lesen kann?
Ich beobachte immer mehr Eltern, die angeblich gleich mehrere hochbegabte Kinder haben, die natürlich entsprechend gefördert werden müssen - *Stress* (= allerlei nachmittägliche Beschäftigungen deren Sinn und Spass dahingestellt bleibt).
Ich bin da eher skeptisch, so wie jedes laute, schlecht erzogene und zappelige Kind neuerdings ADS hat, und jedes Kind mit trockener Haut Neurodermitis, gibts es nun plötzlich Massen von Hochbegabten Kindern?
Ich möchte klarstellen, natürlich gibt es hocbegabte Kinder, Neurodermitis und ADS Kinder - aber mir kommt es so vor als wären diese Erkrankungen zum Teil auch gerade „in“.
Einerseits sind Eltern heute sensibilisierter und besser aufgeklärt über die Existenz von Hochbegabung und AD(H)S. Für tatsächlich betroffene Kinder ist das ein Segen.
Andererseits ist Hochbegabung für viele ehrgeizige Eltern etwas besonders tolles, das hebt die Eltern auch gleich mit hoch. Meistens sind diese Kinder dann nicht wirklich hochbegabt, spätestens nach einem Test werden solche Eltern ganz ruhig.
AD(H)S wird bei so manchem ungezogenen Fratz als elterlicher Verdacht vorgeschoben.
Eltern und Kinder, die tatsächlich betroffen sind, leiden unter all den Pseudos. Lehrer und Erzieherinnen verdrehen nur noch die Augen, wenn schon wieder so eine Eislaufmutter daherkommt…
Ich hatte das Glück, dass die HB meiner ältesten Tochter zuerst dem Arzt und dann der Lehrerin auffielen, bevor das so sehr Mode war, so dass vermutlich in der Schulakte ein Hinweis ist „KEINE ehrgeizigen Eltern“. Trotzdem vermuteten damals plötzlich ganz viele Miteltern, auch ihr Kind könne doch hochbegabt sein… das nervt !
Im echten Leben sprechen wir kaum darüber, leider fällt die HB immer mal wieder auf (Kinder sind jünger als Klassenkameraden), bzw. die Hyperaktivität unseres Jüngsten läßt sich nicht verstecken.
Seid alle froh, wenn Ihr mit HB und AD(H)S nichts zu tun habt und Eure Kinder ganz normale Schullaufbahnen haben !
Viele Grüße,
Inselchen (die es als Kind sehr viel leichter gehabt hätte, wenn damals schon eine Diagnostik stattgefunden hätte)
kommt es mir nur so vor oder ist in letzter Zeit jedes 3. Kind
„hochbegabt“ nur weil es vor der Zeit Schuhe binden oder lesen
kann?
Nur jedes 3. ? *g*.
Wenn mir Eltern von ihrem „hochbegabten“ Kind erzählen, dann frag ich nur, welche Probleme das Kind denn hat. Ernte ich für diese Frage verständnislose Blicke, hake ich diese ohne weiteren Kommentar ab.
Inselchen hat es schon ziemlich auf den Punkt gebracht.
Hinzufügen möchte ich, dass es nicht nur ein Segen ist, wenn man HB ist. Die landläufige Ansicht dazu lautet:„da braucht man dann ja nix mehr für die Schule tun, klasse!“
Weit gefehlt!
HBs laufen mit extrem feinen Antennen durch die Gegend, sind häufig schneller frustriert (so war´s bei uns) und sind mitnichten die Kings in ihrer Klasse.
Übrigens sind wir nicht immer mit dem Wörterbuch hinter unserem Sohn hergelaufen oder haben sonstwie versucht, ihn zu trainieren.
Ich schrieb es schonmal in einem anderen thread.
Ebensowenig, wie man ein Kind am Wachsen hindern kann indem man ihm einen Brockhaus auf den Kopf legt, kann man HBs am Aufsaugen all dessen hindern, was sie interessiert.
Dass heute Abweichungen von der „Norm“ (blöder Begriff, aber mir fällt grad kein besserer ein) schneller ans Licht kommen mag einfach an der aufgeklärteren Gesellschaft und höheren Informationsdichte liegen.
Ich beobachte immer mehr Eltern, die angeblich gleich mehrere
hochbegabte Kinder haben, die natürlich entsprechend gefördert
werden müssen
nun ja, da Hochbegabung bzw. Begabung überhaupt auch einen erblichen Faktor haben soll, ist es eher normal, wenn sich in Familien hochbegabte oder gut begabte Kinder „häufen“.
Allerdings wird wohl oft heute bei gut begabten Kindern schneller Hochbegabung vermutet, bei Kindern, die sich (aus welchem Grund auch immer) langweilen Unterforderung. In so manch einem Fall ist es dann auch tatsächlich eher das Wunschdenken der Eltern denn Realität.
ich habe du hast den Eindruck, jedes hochbegabte Kind hat Probleme, und wes es keine hat, kann es nicht sein, dass es hochbegabt ist? Oder habe ich das jetzt falsch verstanden?
Das ist der logische Trugschluss.
Hochbegabte Kinder sind häufig schlechte Schüler mit Mängeln im sozialen Verhalten.
Aber: Nicht automatisch sind schlechte Schüler mit Mängeln im sozialen Verhalten hochbegabt.
Gruß
Ratz
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doch, du hat mich ganz richtig verstanden. Hochbegabte Kinder sind definitiv „anders“ als durchschnittliche oder „nur“ begabte Kinder und „Anders sein“ bringt immer direkt darauf bezogene Probleme mit sich (die nicht hochbegabte Kinder eben nicht haben).
Gottseidank,
ich dachte schon ich wäre der einzige der meint, daß da was nicht stimmen kann.
Jedes zweite Problem, welches Kinder machen wird mit Hochbegabung erklärt und zwar im Guten wie im schlechten.
Zwei Beispiele aus meinem Bekanntenkreis:
Eltern beide studiert, beide den meistens zuhause, sehr viel Zeit wird mit lesen und Erklärungen aufgebracht. kind kann vor dem Schuleintritt lesen und hat ein tatsächlich Beeindruckendes Allgemeinwissen. Also muß es Hochbegabt sein, was wiederrum wie eine Ikone nach außen getragen wird.
Anderes Beispiel: Eltern haben von Anfang an dem Kind keine Grenzen aufgezeigt (schlägt und zerstört mittlerweile wahllos). Wenn die Eltern mal eingriffen, entschuldigten sie sich wenig später dafür, daß sie geschimpft haben. Jetzt im kindergarten werden sie zur Rede gestellt - und natürlich ist das Kind hochbegabt, weil ja eine Erzieherin gesagt hat, der kleine wäre ja ansonsten nicht dumm.
Manchmal nervt sowas, manchmal muß ich über solche Eltern lachen.
Ich beobachte immer mehr Eltern, die angeblich gleich mehrere
hochbegabte Kinder haben,
Ich war z.B. auch als Kind „hochbegabt“, was aber niemals
irgend jemand ohne weiteres bemerkt hätte, da ich im Rahmen
strenger disziplinarischer Anforderungen aufwuchs. Meine
„Hochbegabung“, und das hatte ich gelernt, konnte ich daher
nutzbringend einsetzen, um in jeglichen Situationen die
geforderten Verhaltensnormen blitzschnell aufzufassen
und umzusetzen; um das Urteil über mich auf „brav“ und
„lieb“ umzudrehen, was wiederum entsprechend von der
Umwelt honoriert wurde …
die meisten Hochbegabten sind erfolgreich, sowohl schulisch als auch im sozialen Bereich. Viele fallen nicht weiter als durch gute Leistungen auf, und selbst das fällt meist nicht besonders auf.
Nur - die „problemlosen“ Fälle werden oft gar nicht getestet, warum auch? Hören tut man immer wieder von denen, die Probleme haben. Die aufgrund von Unterforderung, Ignoranz oder gar Mobbing und anderen Gründen oder Komorbitäten große Schwierigkeiten haben. Das mag den Eindruck erwecken, dass Hochbegabte immer Schwierigkeiten haben und überall anecken. Es ist aber keinesfalls so, dass Hochbegabung zwangsläufig Probleme bedeutet, sondern ganz im Gegenteil. Aber wie gesagt, ober die problemlosen Fälle hört man selten etwas.
das ist wohl eine Frage der Definition. Ich finde, dass sehr inflationaer mit dem Begriff umgegangen wird - fuer mich ist Hochbegabung etwas sehr, sehr Aussergewoehnliches, das unglaublich selten vorkommt - ich persoenlich kenne einige Menschen, die ich fuer sehr, sehr intelligent halte, und einige, die irgend etwas sehr, sehr gut koennen. Aber ich glaube nicht, dass ich jemls auch nur einen einzigen Hochbegabten getroffen haette. Fuer mich ist Hochbegabung die absolute Ausnahme: Mozart war sicher hochbegabt, Gauss vermutlich auch. Borris Becker wuerde ich dazu zaehlen, und Napoleon (um einmal exemplarisch ein paar Personen aus vollkommen verschiedenen Begabungsbereichen anzufuehren) - also Menschen, deren Koennen auf irgend einem Gebiet meilenweit vom Durchschnitt entdernt ist.
Natuerlich: Wenn 100 IQ-Punkte per definitionem der Durchschnitt sind, dann kann ich 130 als hochbegabt definieren oder auch 200. Im ersten Fall gibt es wohl eine ganze Menge Leute, die dieses Kriterium erfuellen, im zweiten nur noch sehr wenige.
Wenn heute jeder drei hochbegabte Kinder hat, dann ist eben an der Definition von „Hochbegabt“ was faul.
Schoenen Gruss, Gnlwth
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
also Menschen, deren Koennen auf irgend einem Gebiet
meilenweit vom Durchschnitt entdernt ist.
und genau das ist nämlich nicht Hochbegabung.
Natuerlich: Wenn 100 IQ-Punkte per definitionem der
Durchschnitt sind, dann kann ich 130 als hochbegabt definieren
oder auch 200.
Definiert wird sie nicht „willkürlich“ bei 130 oder 200. Denn dabei kommt es natürlich auch darauf an, wie viele Punkte man erreicht.
Hochbegabt wird nach „Prozentrang“ definiert. Dabei entspricht ein IQ von 100 einem Prozentrang von 50. D. h. von 100 Testpersonen schneiden durchschnittlich 49 schlechter ab, 49 besser. Wer durchschnittlich 97,6 von 100 Testpersonen hinter sich lässt gilt als hochbegabt. Bei den in Deutschland gängigen Testverfahren und deren Berechnung liegt dieser Prozentrang dann bei einem IQ von 130.
irgendwie verstehe ich die Diskussion nicht.
Es ist mir doch sch…egal ob mein Kind hochbegabt ist. Das
was zählt ist ob sie sich wohlfühlt oder nicht.
D.K.
Hallo,
ja, dem stimme ich voll zu. Im echten Leben nehme ich dieses Wort so gut wie nie in den Mund.
Wenn aber das Kind Probleme hat, ist es nicht mehr egal. Probleme durch Hochbegabung lassen sich in der Regel lösen - aber nur, wenn man überhaupt von der Existenz dieses Phänomens weiß. Gelangweilte hochbegabte Kinder sind nämlich sehr erfinderisch, sich ihren Kick zu holen, sie zappeln, träumen, schusseln, motzen, bocken (Achtung: MANCHMAL, nicht zwingend !). Weiß man nun nicht, dass dies von Unterforderung kommt, ergreift man falsche Maßnahmen (grob gesagt Sanktionen statt Förderung).
Nicht wenige erwachsene, ältere Hochbegabte hatten eine völlig verkorkste Schullaufbahn, weil sie als ewige „Störer“ und „Faulpelze“ von der Schule flogen. Was im Umkehrschluss natürlich nicht heißt, dass jeder schwierige Störer hochbegabt ist
Aber wie gesagt - wenn es gut läuft, ist der IQ sowas von piepegal
Zuerst möchte ich mal klarstellen, dass Hochbegabung keine Krankheit ist, sondern eine Auffälligkeit im Verhalten der Kinder schon von Geburt an. Es kann getestet werden, was nicht immer sinnvoll ist, aber diesen Kindern in bestimmten Situationen weiterhelfen kann.
Mein Sohn ist noch nicht getestet, er ist fast 4 Jahre alt, zählt aus langer Weile mal eben bis 10000 oder nimmt sich ein Buch und ließt einfache Sätze oder nimmt sich seine Autos und rechnet die Grundrechenarten bis 20. Er hat sich als Säugling schon sehr auffällig verhalten, seine Entwicklung ging so schnell, dass wir bis zu vollendeten 3. Lebensjahr alles versucht haben auf Video festzuhalten, aber oft kam er irgendwann und zeigte uns was er neues kann, ohne das einer von uns mitbekommen hat, wie er sich das beigebracht hat. Wir als Eltern sind da fast gar nicht dran beteiligt, da wir beide berufstätig waren zu der Zeit. Und nun? Habe ich jetzt Hirngespinnste oder ist das so ganz normal? Ich glaube, wenn Eltern ihre Kinder nur gut beobachten und ein wenig auf ihre Aktivitäten achten, kommen viele darauf alles erst mal abzuwarten uund zuu sehen ob das nicht nur mal so ne Phase ist. Bei HB-Kindern ist es keine Phase, sondern die Wissbegier ist ein Dauerzustand, der auch des öfteren Probleme verursachen kann. Sich sorgende Eltern gleich abzustempeln halte ich für nicht richtig, immer den Hintergrund betrachten!
Wer durchschnittlich 97,6 von 100 Testpersonen hinter
sich lässt gilt als hochbegabt. Bei den in Deutschland
gängigen Testverfahren und deren Berechnung liegt dieser
Prozentrang dann bei einem IQ von 130.
Eben, und genau das ist ist eine sehr willkuerliche Definition! Warum ist „hochbegabt“ definiert ueber die 1 sigma-Abweichung? „Hochbegabt“ ist ein Wort - ein Wort, das die Assoziation hervorruft, es mit etwas sehr Aussergewoehnlichem zu tun zu haben. Der „offiziellen“ Definition nach koennen sich also 2.4% aller Menschen hochbegabt nennen. Ich finde eben genau das nicht richtig. Ich wuerde vielleicht eine 5 sigma-Abweichung aussergewoehnlich finden.
Hier tauchen so viele Muetter auf, die sagen: mein Kind konnte mit drei Jahren schon lesen, es kennt die Zahlen bis xxxxx, es drueckt sich aus wie ein Erwachsener - ja schoen! Wenn es wirklich so viele dieser Art gibt, dann ist eben genau das nicht weiter erwaehnenswert - dann ist eben das Konzept falsch, dass Kinder erst ab sechs Jahren lesen lernen koennen, erst ab x Jahren mit Zahlen umgehen koennen…
Hochbegabt ist (und bleibt) fuer mich ein Kind - aus dem auch irgendwann einmal ein Erwachsener wird, der sich signifikant!!! von anderen Erwachsenen unterscheidet - das eine wirklich signifikante Abweichung von der Norm zeigt (egal, ob es sich um Intelligenz, musische Begabung, Sport etc handelt).
Wer mit fuenf lesen kann, wer mit sechs den Zahlenraum bis 10000 beherrscht, der ist nicht hochbegabt, sondern sehr, sehr schlau: viel, viel schlauer als die meisten Kinder.
Wer mit fuenf Romane schreibt, wer mit sechs Integrale loesen kann - der ist hochbegabt. Viel, viel schlauer, als fast alle Kinder.
Wer mit fuenf lesen kann, wer mit sechs den Zahlenraum bis
10000 beherrscht, der ist nicht hochbegabt, sondern sehr, sehr
schlau: viel, viel schlauer als die meisten Kinder.
Wer mit fuenf Romane schreibt, wer mit sechs Integrale loesen
kann - der ist hochbegabt. Viel, viel schlauer, als fast alle
Kinder.
Ebendas ist nicht die offizielle bzw. wissenschaftliche Definition, sondern Deine.
Man könnte natürlich auch all diese Kinder testen, um ihren tatsächlichen IQ festzustellen. Nur wofür??
Aus unserer Erfahrung kann ich nur sagen, dass es enorm anstrengend ist mit einem extrem wissbegierigen Kind.
Und, ebenso wie andere Schreiber hier, haben wir keinen Sticker am Auto mit „Hochbegabtes Kind an Bord“ und gehen in der Schule sparsam mit solchen Informationen um.
Auch, weil sich offenbar in gewisser Weise bei Eltern schnell etwas wie Neid entwickelt.
Das geht übrigens schon im Säuglingsalter los („Wie, Deines schläft noch nicht durch? Was, schon 4 Monate und es sitzt noch nicht?“)
Vielleicht tauchen insbesondere hier überdurchschnittlich viele Leute mit HB-Kindern auf, weil es - wie oben schonmal geschrieben - auch etwas mit dem Umfeld zu tun hat, ob sich eine HB ständig weiterentwickeln kann.
Wer als Kind nicht gewisse Außenreize erhält, wird wesentlich schwerer seine Begabungen entdecken und ausbauen können. Ich denke, das gilt für HBs noch viel mehr als für andere.
Und sonst denke ich, dass HBs - ebenso wie alles andere - sich nach dem Prinzip der Gauss´schen Glocke verteilt. Wobei ich da dann aber schon die IQ-Werte ab 130 aufwärts als HB-Definition sehe.