Höflichkeit vs. Durchsetzen

Hallo Ihr!

Zu Beginn des neuen Quartals musste ich in die Praxis meines Hausarztes, um mir eine Update auf eine bestehende Überweisung geben zu lassen. Der Andrang war groß; vom Tisch der Anmeldung hatte sich eine lange Schlange gebildet (ca. ein Dutzend Leute), ich mittendrin.

Die Warteschlange ignorierend ging eine ältere Frau direkt zum Anmeldungstisch und postierte sich dort in vorderster Front. Viele der wartenden Menschen schauten entweder verblüfft oder gar verärgert. Ein Mann löste sich aus der Schlange und machte die Dame höflich darauf aufmerksam, dass dies eine Warteschlange sei, sie solle sich doch bitteschön hinten anstellen.

Mit abwehrender Handbewegung erwiderte die Frau, sie benötige nur eine Überweisung.
„Andere in dieser Schlange brauchen auch nicht mehr, trotzdem stellen sie sich an“, antwortete ihr der Mann.

Darauf kam nicht einmal eine Reaktion der Frau.

Der Mann nahm mit wütendem Gesicht seinen Platz in der Schlange wieder ein, sah mich zufällig an, und ich zuckte die Achseln und lächelte beschwichtigend.

Wie geht man am besten mit solchen Menschen um?

Ich reagiere häufig in solchen Situationen eher defensiv (ich weiß, ist 'ne schwache Leistung), vor allem, wenn es sich um ältere Menschen handelt.

Ist es sinnvoller, grundsätzlich in Fällen wie diesem auf seinem Recht zu bestehen und Menschen auf ihre Unhöflichkeit aufmerksam zu machen?

Wie ist Eure Meinung?

Grüße
Logan

Sich mit dem Vordrängler auseinanderzusetzen bringt gar nichts. Er weiss, dass er sich vordrängelt und ignoriert bewusst die anderen Wartenden. Geschickter ist es, in diesem Moment die Arzthelferin hörbar für alle darauf aufmerksam zu machen, dass sie doch bitte die Reihenfolge einhalten möchte. Ignoriert auch die Arzthelferin diesen Wunsch, würde ich erstmal gar nichts tun, mich dann aber direkt bei ihr oder ihrem Vorgesetzen über das Verhalten beschweren. Die Unhöflichkeit des Vordrängelnden wird nämlich nur durch das Dulden der Person am Schalter noch getoppt.

Hallo,

warum muss das Personal ausbaden, was die direkt Betroffenen nicht selbst zu regeln gewillt sind? Wenn man hinter dem Schalter sitzt und den Blick primär beim Computer und den Unterlagen hat, kriegt man oft gar nicht mit, wenn sich jemand vordrängelt. Und wer garantiert, dass der Beschwerdeführer im Recht ist?

Derartig banale Dinge sollte doch wohl jeder für sich selbst regeln können. Und wenn man mal keinen Erfolg hat, dann ist das halt so. Nennt sich dann Frustrationstoleranz und sollte im frühen Kindesalter gelernt werden - da muss man meiner Meinung nach nicht nach dem Sheriff schreien :smile:.

Schöne Grüße,
Jule

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Huhu!

Ich habe da eine ähnliche Haltung wie du. Wenn sich einer vordrängeln möchte, soll er - ich habe Zeit (meistens) und das gute Gefühl, dass ich ein netter, freundlicher Mensch bin, der gut ohne Ellenbogen mit allen Leuten auskommt. So einen Gegenpol zu sehen, find ich da für mich immer sehr entspannend, weil mir das vor Augen gehalten wird, wie sehr ich in mir Ruhe.

Es gibt ja Auslegungen, dass man mit so einer Einstellung eher ausgenutzt wird - ist mir aber noch nicht wirklich (im halbgroßen oder großen Stil) passiert. Oder ich habe es einfach nicht als solches wahrgenommen, dann war es aber auch absolut nicht schlimm. Ich lass meine Gutmütigkeit gerne ausnutzen, solange beide dabei zufrieden sind.

Hat natürlich alles Grenzen in Ausnahmesituationen, an einer vollen Bierbude beispielsweise. Aber auch das geht mit „In der Ruhe liegt die Kraft“ und man kann beim gequetscht werden noch nette Kontakte knüpfen :smile:

In diesem Sinne:
Hakuna Matata

Hallo,
es ist in einer solchen Situation eher richtig sich durchzusetzen.
Es ist möglich sich durchzusetzen und dabei höflich zu sein (kein Vs.).

Unhöflich war die Frau, die sich vorgedrängelt hat. Ich hätte laut und deutlich gesagt, dass ICH auch nur eine Überweisung möchte (konkreter werden als „andere Leute“) und die Sprechstundenhilfe miteinbeziehen. Wenn die das Vorgehen irgnoriert: den Chef holen lassen. So ein Verhalten darf man nicht dulden und das wird der Arzt auch nicht wollen.

Viele Grüße

Hallo,
doch, genau so ist es: wenn die Leute nicht in der Lage sind sich an die Regeln zu halten, muss der Sheriff her. Das hat nichts mit Frustrationsgrenze zu tun, sondern es hat sich gefälligst jeder in einer Gemeinschaft an gewisse Regeln zu halten.

Viele Grüße

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Hi

Kopie eines Threads in einem anderen Forum , das sich gerade um das selbe Thema kümmert.
hier beschwerte man sich zwar über die unhöfliche Jugend , jedoch lief der Thread weiter auf die Erziehung und auf die Generation über 50 Jahre :

hier die Kopie

>>

Ich gehe inzwischen davon aus , das es Erziehungssache ist , also nichts expliziertes unserer Jugend , sondern schon von den Eltern gelehrt wird .

2 Fälle älterer Personen ( Alterskreis ca mitte 50 bis vielleicht anfang 60 )

Vor ein paar Tagen an einer Autobahnraststätte , ich stehe an , will ein belegtes Brötchen und einen Kaffee bezahlen , kommt eine Dame , stellt sich vor mich und blökt mich an : weg hier , ich will bezahlen !

und heute ganz frisch , vor ca 2 Std geschehen : Bin im Aldi einkaufen , stehe an der Kasse an , kurz vor der Kasse stehen links Konservendosen , wollte noch schnell eine Dose Pilze greifen , lasse den Wagen kurz stehen um 2 Schritte nach links zu machen um die Dose zu greifen.

Als ich mich umdrehte , hatte das ältere Ehepaar meinen Einkaufswagen einfach zur Seite geschoben und sich anstelle dessen angestellt .

Als ich sie darauf ansprach , reagierte man mit Missachtung ohne Antwort , als wären Sie taub.und das ich wieder dort hin konnte wo ich vorher stand , wurde gebärdenmässig verhindert

Die Jugend bekommt es ja vorgemacht , da es bei älteren Mitbürgern funktioniert , schaut sich die Jugend das ab.

Ich brauche bloss am Kauflandparkplatz zu schauen , wer dort auf den Behinderten Parkplätzen hällt , nicht einer mit entsprechenden Aufkleber auf der Autoscheibe und durchweg Mitbürger über 50 die augenscheinlich keine Behinderung haben.

Ich könnte das Thema jetzt noch auf 4 – 5 Din A 4 Seiten ausführen , äuffällig würde sein , das dieses Rüpelhafte verhalten im schwerpunkt von Frauen im Alter ab 45 und älter gezeigt wird .

Ok , Ok , ich weiss , jetzt gehen einige die Decke hoch , es soll ja keine Verallgemeinerung sein , sondern lediglich eine von mir persönliche feststellung .

Vermutlich liegt es an einer Verbitterung der Lebensumstände , das ein gewisser Trotz oder Hass auf die Gesellschaft herausgehängt wird , aber die Sachbeschädigungen durch rüpelhaftes Verhalten , die ich zur Anzeige gebracht habe , beispielweise das mutwillige beschädigen meines Firmenwagens durch einen Einkaufswagen , war auch eine 51 jährige Dame .

Hallo Logan,

Zu Beginn des neuen Quartals musste ich in die Praxis meines
Hausarztes, um mir eine Update auf eine bestehende Überweisung
geben zu lassen. Der Andrang war groß; vom Tisch der Anmeldung
hatte sich eine lange Schlange gebildet (ca. ein Dutzend
Leute), ich mittendrin.

Die Warteschlange ignorierend ging eine ältere Frau direkt zum
Anmeldungstisch und postierte sich dort in vorderster Front.
Viele der wartenden Menschen schauten entweder verblüfft oder
gar verärgert. Ein Mann löste sich aus der Schlange und machte
die Dame höflich darauf aufmerksam, dass dies eine
Warteschlange sei, sie solle sich doch bitteschön hinten
anstellen.

Diejenigen, die stumm verärgert oder verblüfft waren, und den Mann nicht unterstützt haben, die haben die unhöfliche Dame unterstützt. Lernen passiert über Verstärkung und Erfolgserlebnisse. Die Dame hat die Erfahrung gemacht, dass ihr Verhalten zum Erfolg führte.

Du hättest den Mann unterstützen können und / oder aus Deiner Warteposition in der Schlange die Arzthelferin ansprechen können und deutlich machen können, dass Du möchtest, daß sie Leute der Reihe nach dran nimmt.

Mit abwehrender Handbewegung erwiderte die Frau, sie benötige
nur eine Überweisung.
„Andere in dieser Schlange brauchen auch nicht mehr, trotzdem
stellen sie sich an“, antwortete ihr der Mann.

Das andere ist wenig konkret - zu allgemein.

Darauf kam nicht einmal eine Reaktion der Frau.

Ja, warum auch. Konkrete Aufforderung an die Frau: „Ich brauche auch nur eine Überweisung und stehe hier in der Reihe. Bitte stellen Sie sich auch hinten an.“

Der Mann nahm mit wütendem Gesicht seinen Platz in der
Schlange wieder ein, sah mich zufällig an, und ich zuckte die
Achseln und lächelte beschwichtigend.

Aber Dein Posting und dass es Dich weiter beschäftigt hat, weist doch eher darauf hin, dass Du auch andere Impuls hattest. Warum hat der „Beschwichtigungsimpuls“ das Übergewicht bekommen?

Wie geht man am besten mit solchen Menschen um?

Kann man so allgemein nicht sagen.

Ich reagiere häufig in solchen Situationen eher defensiv (ich
weiß, ist 'ne schwache Leistung),

Du wirst Deine Gründe dafür haben. Was ist für Dich der Nutzen / der Gewinn Deines Verhaltens?

vor allem, wenn es sich um
ältere Menschen handelt.

Ist es sinnvoller, grundsätzlich in Fällen wie diesem auf
seinem Recht zu bestehen und Menschen auf ihre Unhöflichkeit
aufmerksam zu machen?

Bei der Frage, ob ich in Einzelfällen auf etwas bestehe oder nicht, wäge ich ab,
wie das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag ist.
Abgesehen davon finde ich hier Höflichkeit versus Durchsetzen die falsche Alternative.

Man kann sehr klar und deutlich sein ohne unhöflich zu sein.
Ich denke, dass es hier eher darum geht, nicht aufzufallen, weil man sich exponiert bzw. um ein falsches Verständnis von „harmonischem“ Zusammenleben …

Mir ist in solchen Situationen, die doch relativ harmlos sind und ich eine schweigende Mehrheit erlebe, eher deshalb unwohl, weil mir das zeigt, dass ich mich in schwierigen Situationen (Gewalt in der U-Bahn) wohl noch weniger auf die Solidarität von Mitmenschen verlassen kann. Wer es in so einfachen Situationen in der Arztpraxis nicht schafft, tut es in schwierigeren Situationen erst recht nicht.

Viele Grüße

Iris

Das Personal badet hier gar nichts aus. Ich erwarte vom Personal einfach, dass es in einer solchen Situation für Ordnung sorgt. Wenn es optimal läuft, achten die Angestellten von sich aus darauf, dass sich die Leute nicht wie Kraut und Rüben aufstellen. Wenn sich plötzlich so eine Alte vorne dran am Tisch plaziert, erwarte ich vom Personal, dass sie dazu auffordern, sich doch bitte hinten anzustellen. So lange kann die Nase gar nicht am PC kleben, um derartige Unverfrorenheiten nicht zu sehen.

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@ Iris

Ihrem Beitrag müsste man 5 Sterne geben , so wie diese Ausführung die Sache trifft .

Ich komme auch sehr viel unter Leute , so sagt man jedenfalls hier , und ich erlebe solche Situationen fast jede Woche mindestens 1 mal und ich schliesse mich dem Zitat an , das ich aus einem anderen Forum kopiert habe , das es sehr Auffällig ist , das es fasst immer ältere Damen sind , die solche Verhaltensweisen praktizieren.

Sei es nun , das man mir den Einkaufswagen von hinten in die Beine schiebt , Sei es , das ein PKW halb Schräg auf 2 Parkplätzen steht , oder eine stark Übergewichtige Damen mit Krücken , mittig durch eine Einkaufspassage schleicht und ein Vorbeigehen ohne Sie zu berühren unmöglich ist .

Manchmal denke ich mir nur meinen Teil , und frage mich ob die Person nicht anwesend war als IQ verteilt wurde , manchmal frage ich höflich was das soll und wenn durch solches Verhalten Schaden entsteht und sei es nur eine Schürfwunde an der Ferse durch den Einkaufswagen , dann geht es auch mal zur Sache.
In aller Regel entsteht dann aber eine Schreierei von der betroffenen Person , obwohl man es nur in normaler Lautstärke aber im verärgerten Ton gesagt hat , das dann Geschäftsführer oder der Sicherheitsdienst gerufen wird .
Erfolg : 30 Minuten Diskussion , verletzter Fuss , aber keinerlei Einsicht oder Schuldbekenntniss und schon gar nicht die erwartete Entschuldigung .

Eine Patentlösung solchen Minderbemittelten Personen argumentativ entgegen zu treten , ist mir noch nicht eingefallen

Toni

Hallo,

nunja, ich handhabe es lieber so, Dinge, die mich betreffen und die ich regeln kann, auch selbstständig zu regeln. Eine Situation wie die oben beschriebene gehört dazu. Ich käme mir albern vor, wenn ich da nach dem Händchen der Sprechstundenhilfe greifen sollte.

Schöne Grüße,
Jule

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@ Iris

Ihrem Beitrag müsste man 5 Sterne geben , so wie diese
Ausführung die Sache trifft .

Ich komme auch sehr viel unter Leute , so sagt man jedenfalls
hier , und ich erlebe solche Situationen fast jede Woche
mindestens 1 mal und ich schliesse mich dem Zitat an , das ich
aus einem anderen Forum kopiert habe , das es sehr Auffällig
ist , das es fasst immer ältere Damen sind , die solche
Verhaltensweisen praktizieren.

Hi,

mir ist neulich folgendes passiert:

Streß in der Arbeit, danach noch schnell einkaufen unter Zeitdruck, da ich noch Blumen für den Friedhof holen wollte und das Grab herrichten (Geburtstag). Also schnell alles im Supermarkt eingesammelt, zur am wenig besetzten Kasse gehechtet und die Waren aufs Band gewuchtet.

Kommt eine ältere Damen, geht wie selbstverständlich an mir vorbei, hat einen Bügeltischbezug in der Hand und meinte zur Kassiererin, sie möchte doch zuerst sie dran nehmen weil ich hätte ja Zeit. Macht nix, das ich grad 9 Stunden im Büro Stress gehabt habe, so ein Bügelbezug ist natürlich endwichtich!

Ich war so perplex, das ich gar nichts sagen konnte!

Dann noch umständlich das Geld hervorgekramt und wech war sie. Nicht das es die 5 Min. rausgerissen hätten, ich hätte sie sogar vorgelassen, wenn sie gefragt hätte. Aber so selbstverständlich vorauszusetzen, daß ich genügend Zeit hätte, hat mich echt sprachlos gemacht.

Gruß
Tina

Hallo Tina,

bei einer ziemlich exakt baugleichen Gelegenheit wurde ich zieemlich laut: „Hey, junge Frau!! Es geht nach der Reihe und nicht nach der Schönheit!!“

Der etwas angejahrte Herr vor mir an der Kassenschlange, an dem die Schabracke sich vorher ebenso wie an mir einfach rüde vorbeigewälzt hatte, taxierte jene kurz geringschätzig, drehte sich grinsend zu mir um und, mit der gleichen Lautstärke: „Neenee Frolleinchen, tun Se ihr det nich an. Da steht die ja morgen noch.“

Beste Grüße

Annie (ich verbürge mich für die Authentizität dieser Schnurre)

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Frechheit siegt?
Ein freundliches Hallo, an Alle

ja leider ist es immer wieder so, dass Frechheit siegt.

Auch wenn meine Frustrationsgrenze sehr hoch ist, ich bin Sternzeichen Fisch, und immer „Priemel freundlich“ zu allen Menschen, mein Motto: So blöd kann mir gar keiner kommen, wie ich es brauche.

Ich würde die „ältere“ Dame (Ich bin auch über 50 - Danke Toni…)sicherlich nicht direkt ansprechen, sondern mich innerlich grämen, grrrr.

ICH bin diejenige die (fast) jeden Freitag „Wenigkäufer/innen“ beim Netto vorlässt, die anderen Leuten die Tür aufhält und die sogar in der Straßenbahn für Ältere Leute aufsteht.

Jawoll, und ich fühl mich gut dabei.

Also, Gott sei Dank sind nicht alle Älteren so…

LG aus LE von mg6358

hi

aus einem anderen Forum kopiert habe , das es sehr Auffällig
ist , das es fasst immer ältere Damen sind , die solche
Verhaltensweisen praktizieren.

Aber so
selbstverständlich vorauszusetzen, daß ich genügend Zeit
hätte, hat mich echt sprachlos gemacht.

hast du aber!! Ich mein im Verhältnis zu IHR. Wer weiss ob sie noch lebt, bis sie zu Hause ankommt - deswegen musste sie sich so beeilen :wink:

Gruß und auf ein langes Leben ! :smile:

H.

Hallo Iris,

Diejenigen, die stumm verärgert oder verblüfft waren,
und den Mann nicht unterstützt haben, die haben die unhöfliche
Dame unterstützt. Lernen passiert über Verstärkung und
Erfolgserlebnisse. Die Dame hat die Erfahrung gemacht, dass
ihr Verhalten zum Erfolg führte.

da muss ich Dir natürlich zustimmen. Wäre die Frau 30-40 Jahre jünger gewesen, hätte ich sie wahrscheinlich direkt angesprochen.

Du hättest den Mann unterstützen können und / oder aus Deiner
Warteposition in der Schlange die Arzthelferin ansprechen
können und deutlich machen können, dass Du möchtest, daß sie
Leute der Reihe nach dran nimmt.

Das wäre in der Tat eine sinnvolle Möglichkeit gewesen, nur bin ich in diesem Moment nicht auf die Idee gekommen.

Mit abwehrender Handbewegung erwiderte die Frau, sie benötige
nur eine Überweisung.
„Andere in dieser Schlange brauchen auch nicht mehr, trotzdem
stellen sie sich an“, antwortete ihr der Mann.

Das andere ist wenig konkret - zu allgemein.

Meinst Du damit, der Mann hätte präziser werden sollen, also der Frau direkt sagen, sie verhalte sich unhöflich und möge sich an die für alle geltenden Regeln halten?

Darauf kam nicht einmal eine Reaktion der Frau.

Ja, warum auch. Konkrete Aufforderung an die Frau: „Ich
brauche auch nur eine Überweisung und stehe hier in der Reihe.
Bitte stellen Sie sich auch hinten an.“

Ich bezweifle, dass er damit Erfolg gehabt hätte.

Aber Dein Posting und dass es Dich weiter beschäftigt hat,
weist doch eher darauf hin, dass Du auch andere Impuls
hattest. Warum hat der „Beschwichtigungsimpuls“ das
Übergewicht bekommen?

Generell habe ich eher Hemmungen, Menschen offensiv anzugehen, die über ein wesentlich höheres Lebensalter verfügen als ich. Das ist bedingt durch verschiedene Faktoren; zum einen durch meine stark südländisch geprägte Erziehung, bei der Respekt vor Älteren ein ganz wesentlicher Bestandteil ist, zum anderen durch meine berufliche Tätigkeit im Rettungsdienst, bei der ein Großteil der Patienten ältere Menschen sind.

Ich reagiere häufig in solchen Situationen eher defensiv (ich
weiß, ist 'ne schwache Leistung),

Du wirst Deine Gründe dafür haben. Was ist für Dich der Nutzen
/ der Gewinn Deines Verhaltens?

s.o.

Natürlich könnte man auch ein Fehlen von Mut und ein Vermeiden von Konfliktsituationen in mein Verhalten deuten, keine Ahnung, ob das bei mir eine Rolle spielt.

Man kann sehr klar und deutlich sein ohne unhöflich zu sein.
Ich denke, dass es hier eher darum geht, nicht aufzufallen,
weil man sich exponiert bzw. um ein falsches Verständnis von
„harmonischem“ Zusammenleben …

Ist gut möglich, zumindest erscheint es mir plausibel.

Mir ist in solchen Situationen, die doch relativ harmlos sind
und ich eine schweigende Mehrheit erlebe, eher deshalb unwohl,
weil mir das zeigt, dass ich mich in schwierigen Situationen
(Gewalt in der U-Bahn) wohl noch weniger auf die Solidarität
von Mitmenschen verlassen kann. Wer es in so einfachen
Situationen in der Arztpraxis nicht schafft, tut es in
schwierigeren Situationen erst recht nicht.

Ob man von solch kleinen Konfliktsituationen direkt Rückschlüsse auf Menschen und deren Verhalten in wirklichen Momenten der Not schließen kann, vermag ich nicht zu sagen.

Vielen Dank für Deinen sehr informativen Beitrag.

Grüße
Logan

Hallo Toni,

mi Sicherheit wird in der Kindheit durch die Erziehung der Grundstein für ein solches Verhalten gelegt.
Jedoch ist der Mensch ein lernendes Wesen, das sich ständig weiterentwickelt; insofern ist es bei einem erwachsenen Menschen mit viel Lebenserfahrung wahrscheinlich überflüssig, die Ursache für sein Verhalten nur in seiner Erziehung zu suchen.

Je älter ein Mensch ist, desto mehr richtet sich sein Verhalten möglicherweise nach seinen Erfahrungswerten.

Aber da es natürlich nicht des Rätsels Lösung sein kann, solche Situationen mit Brachialgewalt zu klären, ist es in meinen Augen manchmal einfach sehr schwierig.

Gruß
Logan

Hallo Chili,

im Nachhinein glaube ich auch, dass es hier angebracht gewesen wäre, der Frau ihr Verhalten nicht durchgehen zu lassen.

Aber wer reagiert in solchen Situationen schon immer richtig und vor allem wohlüberlegt?

Gruß
Logan

Hallo Frau Lockenlicht,

wie sieht es denn danach bei Dir aus, ärgerst Du Dich auch manchmal über solche Leute oder Dich selbst?

Denn instinktiv neigt wahrscheinlich jeder dazu, dem Menschen in diesem Fall die Meinung geigen zu wollen.

Gruß
Logan

Hallo,

ja leider ist es immer wieder so, dass Frechheit siegt.

Leider ist das die Realität, wohl wahr.

Auch wenn meine Frustrationsgrenze sehr hoch ist, ich bin
Sternzeichen Fisch, und immer „Priemel freundlich“ zu allen
Menschen, mein Motto: So blöd kann mir gar keiner kommen, wie
ich es brauche.

Das ist eine sehr nette Einstellung, aber mit der Zeit staut sich doch sicher Einiges auf, und das möchte man doch irgendwann rauslassen?

ICH bin diejenige die (fast) jeden Freitag „Wenigkäufer/innen“
beim Netto vorlässt, die anderen Leuten die Tür aufhält und
die sogar in der Straßenbahn für Ältere Leute aufsteht.

Das kenne ich auch von mir, so zu agieren, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Häufig nehmen das viele Leute auch als selbstverständlich hin, oder aber, man wird verdutzt angeschaut.

Jawoll, und ich fühl mich gut dabei.

Häufig tut man das. Und dann denkt man hin und wieder: Wieso habe ich diesen Simpel jetzt vorgelassen?

Gruß
Logan