Hallo,
in div. Reiseführern/-berichten lese ich, daß man der gefürchteten Höhenkrankheit (die angeblich schon ab 2500m auftreten kann) mit viel Sport etwas vorbeugen kann. Ist da was dran?
Andererseits hab ich gehört, daß man nun vorher in keinster Weise sagen kann WEN es betreffen könnte, da schon oft von Gruppen berichtet wurde, daß es nun gerade den superfitten Sportler des Teams erwischt hat und es den „unsportlichen Schwächlingen“ am besten ging.
Frage also: Kann ich mit etwas Training das Risiko mildern an der Höhenkrankheit z. B. während eines Tibet-Urlaubes zu erkranken? Mit Training meine ich nicht, vorher genug in die Berge auf entsprechende Höhenmeter steigen (weder Zeit noch Gelegenheit vorhanden), sondern irgendeine Art von Fitnesstraining wie es aus manchen Quellen hin und wieder empfohlen wird.
Kann hier jemand etwas dazu sagen, der Erfahrung/Wissen hat?
Vielen Dank im voraus,
Gruß,
Christiane
(daß regelmäßiges Fitnesstraining sowieso nicht schlecht ist versteht sich von selbst:wink:))
Hallo Christiane,
ich habe im Skiurlaub auch immer mit der Höhe zu kämpfen. Bin oft in der Schweiz und wohne auf ca 1600 m Höhe, Skigebiet bis über 3000 m. Nachts dann immer das gleiche Spiel: statt wohlig müde nach dem Sport ins Bett zu sinken bin ich total aufgekratzt, unruhig, habe Herzklopfen und kann nicht schlafen. Nun hat mir eine Kollegin erzählt, dass sie in Tibet Tabletten genommen hat, die man hier in Deutschland bestellen muss, in der Schweiz frei ín der Apotheke kaufen kann.
Wenn du willst, suche ich dir Namen und Hersteller raus, hab den Beipackzettel irgendwo verlegt. Es fördert die Sauerstoffaufnahme und ist daher eine Art Dopingmittel.
Melde dich bitte per mail, wenn du Interese hast.
Gruß Gabi
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Hallo Gabi,
ich meld mich deswegen nochmal hier im Forum und nicht per Mail, da vielleicht noch jemand was zu den Tabletten sagen kann. Bin zwar kein ängstlicher Typ, aber so quasi als ziemlicher „Tablettenfeind“ doch etwas mißtrauisch.
Wenn du willst, suche ich dir Namen und Hersteller raus, hab
den Beipackzettel irgendwo verlegt.
Das wär nett von Dir, aber wenn Du nun Stunden suchen mußst, dann laß es lieber, bis meine Tibetreise 100% steht:wink:)
Es fördert die
Sauerstoffaufnahme und ist daher eine Art Dopingmittel.
Hmm, mit welchen Nebenwirkungen? Nein, nein, nicht die die auf dem Beipackzettel stehen - da müssen immer welche stehen - aber ist so eine Einnahme o. K. als Vorbeugung für einen Tibet-Urlaub? Hi, hi, jetzt oute ich mich doch als „ängstlicher Typ“
Also, wenn das schnell geht mit dem Suchen, freu ich mich über Name und Hersteller…
Viele Grüße,
Christiane
Hi Christiane!
Zunächst mal kommt die Höhenkrankheit ja dadurch zustande, daß in der Höhe der Sauerstoffdruck kontinuierlich abnimmt und damit ein Sauerstoffdefizit in Deinem Organismus auftritt. Die Erythrozyten (roten Blutk.) sind verantwortlich für die Bindung des Sauerstoffs und desen beförderung zum Wirkort. Sauerstoffumgebungsdruck und Anzahl der Erythros stehen in einer antiproportionalen beziehung zueinander. Nimmt das eine ab (der Sauerstoffdruck) , dann muß das andere zunehmen (Anzahl der roten Blutkörperchen) um das Gleichgewicht zu bewahren. Ein Training sollte also dafür sorgen, daß die Anzahl roter Blutkörperchen in Deinem Blut gesteigert wird. Dies versteht sich als Anpassungserscheinung des Organismus auf veränderte Umgebungsverhältnisse (sprich Luftdruck, Sauerstoffdruck) oder durch körperliches Training. Ersteres ist die bessere Vorbereitung (langsames gewöhnen an die Höhe, damit sich Erythros bilden können). Letzteres die schlechtere, aber für dich einzige Lösung. Allerdings dürfte die Anpassung für Tibet unzureichend sein. Aber zumindest lindert ein Training die möglichen Anpassungserscheinungen. ALSO: AUSDAUERTRAINING in form von Radfahren oder Joggen (Puls 130-145) von mindestens 1 Std. täglich (bzw. einen über den anderen Tag) hilft Dir weiter. Langsam beginnen wenn Du nicht Ausdauertrainiert bist. Zunächst 20 min. und dann bis zu einer Std. hocharbeiten.
JEDER vernünftige Bergsteiger trainiert vorher in ähnlicher Weise wie Du es vorhast UND gewöhnt seinen organismus LANGSAM an die Höhe. Anders geht es nicht.
TABLETTEN wie unten empfohlen, sollten nur was für den akuten Notfall sein. Frag mal deinen Arzt.
Viel Erfolg,
Klaus
http://www.medizinertest.de
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Hallo,
in div. Reiseführern/-berichten lese ich, daß man der
gefürchteten Höhenkrankheit (die angeblich schon ab 2500m
auftreten kann) mit viel Sport etwas vorbeugen kann. Ist da
was dran?
Andererseits hab ich gehört, daß man nun vorher in keinster
Weise sagen kann WEN es betreffen könnte, da schon oft von
Gruppen berichtet wurde, daß es nun gerade den superfitten
Sportler des Teams erwischt hat und es den „unsportlichen
Schwächlingen“ am besten ging.
Frage also: Kann ich mit etwas Training das Risiko mildern an
der Höhenkrankheit z. B. während eines Tibet-Urlaubes zu
erkranken? Mit Training meine ich nicht, vorher genug in die
Berge auf entsprechende Höhenmeter steigen (weder Zeit noch
Gelegenheit vorhanden), sondern irgendeine Art von
Fitnesstraining wie es aus manchen Quellen hin und wieder
empfohlen wird.
Fitnesstraining ist sicher nicht verkehrt, es empfiehlt sich aber, zur Vorsicht ein paar Notfall-Medikamente mitzunehmen, und zwar Nifedipin (Adalat) für die Sauerstoffversorgung, Diamox und Dexamethason gegen Hirn- und Lungenödeme, Ibuprofen gegen Höhenkopfschmerz.
Bei starken Beschwerden nimmt man 20mg Nifedipin und 8mg Dexamethason und steigt sofort ab.
Vorbeugen kann man leider damit nicht, in Deutschland sind die Medikamente außer Ibuprofen rezeptpflichtig, der Hausarzt wird sie aber verschreiben.
Gruß
Rainer
Hallo Rainer,
und zwar Nifedipin (Adalat) für die Sauerstoffversorgung,
Diamox und Dexamethason gegen Hirn- und Lungenödeme, Ibuprofen
gegen Höhenkopfschmerz.
Wow, hört sich an als würde ich den Himalaya besteigen wollen:wink:)
Aber Spaß beiseite, ich wollte mir einen schönen Urlaub nicht durch die Höhenkrankheit verderben und so werde ich mich damit ausrüsten - für den Notfall. Das mit dem Absteigen ist mir schon klar, nur weiß ich gar nicht, ob sich das in Tibet immer so schnell realisieren läßt, weil ja schon Lhasa auf 3700m liegt.
Danke für den medizinischen Rat!
Gruß,
Christiane
Hi Klaus,
AUSDAUERTRAINING in form von Radfahren oder Joggen (Puls
130-145) von mindestens 1 Std. täglich (bzw. einen über den
anderen Tag) hilft Dir weiter. Langsam beginnen wenn Du nicht
Ausdauertrainiert bist. Zunächst 20 min. und dann bis zu einer
Std. hocharbeiten.
Klasse! Vielen Dank für den Tip!
Daß was mit Joggen kommt, hab ich befürchtet (ich hasse nichts mehr als Joggen), aber ich nehmen an, wenn ich stattdessen Schwimmtraining mache komme ich nicht auf diesen Pulsschlag?
Und zum Radfahren: kann ich mich auch auf so ein Rad in den Fitnessstudios setzen und dort entsprechend auf Ausdauer fahren? (Wobei mir natürlich völlig klar ist, daß so etwas an der „frischen bayerischen Luft“ viel effektiver sein würde:wink:
Viele Grüße,
Christiane
Hi Christiane!
Und zum Radfahren: kann ich mich auch auf so ein Rad in den
Fitnessstudios setzen und dort entsprechend auf Ausdauer
fahren?
Es kommt ja nur auf die Ausdauerbelastung an - wie du diese nun erzeugst ist eigentlich unerheblich
(Wobei mir natürlich völlig klar ist, daß so etwas an
der „frischen bayerischen Luft“ viel effektiver sein würde:wink:
Gerade umgekehrt wird ein Schuh draus - du willst dich doch gerade auf eine Sauerstoffmangelsituation vorbereiten - also je verbrauchter die Luft in der Miefbude, desto besser.
(Wobei ich persönlich Ergometertraining aufgrund der fehlenden Fahrtwindkühlung verabscheue)
CU
Stefan
Hallo Christiane!
Du wurdest ja schon informiert über Trainingsmöglichkeiten und Medikamente, das Wichtigste wurde aber noch übersehen, die LANGSAME Gewöhnung an die Höhe!
Aus dem Buch des Höhenbergsteigers und Arztes Dr. Franz Berghold:
„Bei Bergtouren muss der abnehmende Luftdruck bedacht werden, da mit diesem auch das Sauerstoffangebot für den Organismus sinkt. Näherungsweise verringert sich der Luftdruck pro 1.000 Höhenmeter um 10%.
Gedankenlosigkeit und Selbstüberschätzung können hierbei große Gefahren heraufbeschwören.
Auch körperliche Fitness schützt nicht vor der Höhenkrankheit!
Daher sollte man sich langsam an die atmosphärischen Verhältnisse gewöhnen: Für den Aufstieg von Meereshöhe auf 2.500 m zwei Tage einplanen, danach für jede 500 m Höhenunterschied einen Tag. Höhen von 5.000 m sollten Untrainierte nicht überschreiten.
So kann es sehr hilfreich sein, zur Eingewöhnung eine Woche auf etwa 3.000 m zu bleiben, und dann erst langsam weiterzusteigen. Durch langsame (!) Gewöhnung an die Höhe, d.h.„richtige Höhentaktik“, werden schwere Zwischenfälle vermieden:
Die Höhenkrankheit ist ein besonderes Risiko für Reisende in Eile!“
Ich rate dir, die Trekkingtour wenigsten um 1 Jahr zu verschieben und inzwischen mit Höhentraining zu beginnen.Du wirst nicht drum herum kommen, willst du das Risiko auf das Minimum reduzieren. So eine Tour wird erst zum Erlebnis, wenn Fitness und Höhenanpassung optimal sind . Du verringerst nicht nur für dich das Risiko, im Falle einer Erkrankung beeinträchtigst du nämlich das Geschehen der ganzen Gruppe: Der Erkrankte muss SOFORT in tiefere Lagen gebracht werden, Medikamente allein sind zu wenig!
Und in Tibet gibt es keine Bergrettungsmänner,keine Helicopter, die Unfallopfer oder unvernünftige Bergsteiger nach einem Handyalarm ins Tal bringen. Trekking in Tibet ist Bergsteigen, nicht Wandern! Papier ist geduldig und das Papier mancher Reiseführer ganz besonders…
Wir erfahren hier in den Hohen Tauern (http://www.hohetauern.at) jedes Jahr, wie Selbstüberschätzung und Unerfahrenheit enden kann…
Berge erleben - und das ist auch Tibet - körperlich gut vorbereitet, ist etwas vom Schönsten;
schlecht vorbereitet ist es IMMER lebensgefährlich…
Mein (halbes)Leben sind die Berge…
Gruß Helene
Hallo Helene,
danke für Deine lange Mail mit den sehr nützlichen Erläuterungen!
die
LANGSAME Gewöhnung an die Höhe!
Ich weiß schon, nur dies genau war der Grund meiner Mailanfrage. Wie läuft das in Tibet mit langsamer Gewöhnung, wenn man z. B. direkt mit dem Flieger in Lhasa ankommt und man dort sofort bereits auf 3700m ist?
Die Höhenkrankheit ist ein besonderes Risiko für Reisende in
Eile!"
Ja, leider, aber vollkommen richtig, ich möchte seit ich vor einiger Zeit in Nepal war unbedingt dort wieder hin und diesmal bis ca. 5500m aufsteigen, aber möchte wenigstens 4 Wochen Zeit dort haben. (Und da sich dies so nicht ergab, verschieb ich dies immer wieder)
Ich rate dir, die Trekkingtour wenigsten um 1 Jahr zu
verschieben
Ich meinte hier nicht mal eine Trekkingtour sondern wirklich eine 2-3 wöchige „Kulturreise“ ohne großes Trekking. Aber man beginnt schon auf solch hohen Höhen, daß ich mir eben auch hier die Frage nach der Höhenkrankheit stellte. Es ist weniger die Angst krank zu werden, als Sorge um einen „versauten“ Urlaub und vor allem hart erspartes Geld:wink:)
und inzwischen mit Höhentraining zu beginnen.Du
wirst nicht drum herum kommen, willst du das Risiko auf das
Minimum reduzieren. So eine Tour wird erst zum Erlebnis, wenn
Fitness und Höhenanpassung optimal sind . Du verringerst nicht
nur für dich das Risiko, im Falle einer Erkrankung
beeinträchtigst du nämlich das Geschehen der ganzen Gruppe:
Der Erkrankte muss SOFORT in tiefere Lagen gebracht werden,
Medikamente allein sind zu wenig!
Bin vollkommen Deiner Meinung! Und wenn ich mal wieder Trekking in Asien machen möchte, muß ich auf jeden Fall schon hier etwas tun für die Vorbereitung. (Hab leider schon lange keine Bergtour mehr gemacht)
Viele Grüße (in die Berge)
Christiane