Hi,
Das verstehe ich jetzt nicht. Überzahl wovon? Von allen
Menschen auf der Erde, die sich fortgepflanzt haben?
Von denen, die sich nicht fortgepflanzt haben oder wollten aufgrund des Lebensstils oder physisch/psychologischer Inkapazitäten.
Es ging IMHO den Wissenschaftlern eher darum, dass schon
geringe Einschränkungen der Fortpflanzung über einen mittleren
Zeitraum zum Aussterben der Genlinie führt. Und ich kann mir
nicht vorstellen, dass Homosexuelle genauso häufig
heterosexuellen Sex und demnach genauso viele Nachkommen
haben/hatten.
Es geht nicht um die Häufigkeit von Sex sondern um den Erfolg.
Du kannst auch 100 mal ne Frau besteigen, solange du nicht fruchtbar bist oder du dich nicht vermehren willst, nützt das gar nix.
Ein Homosexueller Mann, der sich also einmal vermehren will und das auch tut, nutzt mehr als ein heterosexueller Mann, der zwar diverse Frauen besteigt, aber sich nicht vermehrt.
Es gibt da jedenfalls Berechnungen (leider finde ich den Link
nicht), nachdem schon geringe Einschränkungen in der
Forpflanzungsrate mittelfristig zum Aussterben der Genlinie
führen. Deshalb ist ja auch der Selektionsdruck auf
Veränderungen, die im weitesten Sinne mit der Fortpflanzung zu
tun haben, besonders hoch.
Was ist eigentlich mit den ganzen heterosexuellen Männern die sich nicht vermehren?
Damit meine ich nicht nur die unfruchtbaren sondern auch solche, die aufgrund ihrer Religion (und solche gibt es in diversen Kulturen) Enthaltsam leben, ob im Kloster oder nicht?
Behauptet jemand das sei krank oder ungesund oder ähnliches? Nö, das ist auch normal, hindert aber ebenso die Fortpflanzung. Also warum ist hier die Fortpflanzung kein Faktor?
Außerdem - konnte Homosexualität nicht auch schon im Altertum
frei gelebt werden? Und auch im Mittelalter war das Ausleben
homosexueller Neigungen trotz kirchlicher Verfolgung in
Klöstern oder den Söldnertruppen nicht unbedingt selten.
So lustig wie du dir das vorstellst ist das nicht.
Wie ich schon erwähnte besteht da ein unterschied zwischen der Homosexualität und einer Homosexualität die als solche ausgelebt wird. Letztere ist viel seltener.
Selbst wenn ein König „offen“ homosexuell war (im Sinne von: Es war im Führungsstab bekannt, und da gabs nicht wenige) wurde dieser doch irgendwie dazu genötigt gefälligst Nachkommen zu zeugen.
Im Altertum war es auch nicht so einfach.
Wie du bestimmt weißt, war es in den antiken europäischen Kulturen, d.h. v.a. Griechen, üblich dass ein Mentor seinen Schüler bestieg (mit welcher Praktik auch immer, Analverkehr war es wahrscheinlich nicht) das war jedoch eher Päderastie, denn die Schüler waren eben Knaben und ab einen gewissem Lebensjahr waren solche Beziehungen verpönt.
Auf dem Schlachtfeld gab es zwar auch einige Männerfreundschaften
aber die wurden auch maximal toleriert statt anerkannt.
Selbst Platon, der zuvor sehr offen war, hat zum Ende seines Lebens eine Kehrtwende gemacht und Homosexualität unter Männern plötzlich verteufelt.
Ein ähnliches System gab es im alten China und im alten Japan (v.a. unter den Samurai und Dichtern mit deren Schülern).
Bei denen gilt das selbe wie im späten europäischen Mittelalter und der Neuzeit:
Homosexualität ist okay, so lange man sie in entsprechenden Etablissements auslebt (Knabenhäuser, private Clubs) aber man hat gefälligst eine Familie zu gründen und nach außen hin ein „normales“ von der Gesellschaft anerkanntes und von oben aufgedrücktes Leben zu führen.
Kurz gesagt:
Die meisten homosexuellen Männer hatten nie die Wahl, sich fortzupflanzen oder nicht.
Es wurde von ihnen nicht nur erwartet, sondern auch verlangt.
Denn wer sich offenbar nicht fortpflanzte weil er nicht wollte (was umso offensichtlicher wurde, desto höher der Rang des Mannes war, denn da gabs umso mehr interessierte Kandidatinnen (bzw. deren Eltern)) outete sich damit quasi und gab sich eher der Verfolgung (v.a. durch die Kirche) preis, als jemand der Frau und Kind zuhause sitzen hat und dann mit seinem „Sekretär“ auf Forschungsreise geht.
In Asien war es dank des Neokonfuzianismusm ja sogar so, dass diese Männer sehr stark verfolgt wurden und wer sich nicht an die gesellschaften Regeln hielt, oder es sogar wagte das patriarchalische Mannsbild (wie in Rom) durch die Betonung seiner weiblichen Seite zu betonen (früher war es In, dass Männer sich schminkten, später verboten) zu untergraben, musste auch mit dem Tod und Folter rechnen.
Es gab immer Homosexualität, und in wiefern sie gelebt werden konnte ohne den Kopf zu verlieren war immer eine Fluktuationssache… aber generell lässt sich sagen, dass sie nur in zwei Bereichen wirklich gelebt werden konnte:
a) bei denen, die so reich und mächtig sind, dass sie es sich erlauben können (doch diese sind durch Pflicht an die Fortpflanzung gebunden)
b) die Ausgestoßenen der Gesellschaft: Arme, Prostituierte, Schausteller, Schauspieler etc.
Bei den Frauen wissen wir sehr wenig, doch auch sie hatten selten eine Wahl.
In übermäßig patriarchalischen Gesellschaften wurden sie geschwängert, notfalls mit Gewalt, ohne ihre Zustimmung zu erfragen, damit war die Fortpflanzung gesichert.
Man weiß aber von Beziehungen zwischen Baronessen oder auch zu Dienerinnen.
In China, wo die Frauen von den Männern ohnehin räumlich getrennt lebten, weiß man von Dienerinnen, die in Männerkleidung der Dame des Hauses „zu Diensten“ waren.
lg
Kate