Homosexualität in Schöpfungsordnung nicht

Hallo,

Hi Taju !

Meisner geht es an dieser Stelle um Sexualität und Hinordnung
von Frau und Mann aufeinander. Das er damit prinzipiell fest
auf dem Boden der Bibel steht, kann man kaum bestreiten (seine
weitergehenden Interpretationen vielleicht, wie ich es getan
habe).

Ob er fest am Boden der Bibel steht, ist eine reine Interpretationsfrage.

Seine Argumentation kann also nur dann konsequent
geprüft werden, wenn man ihn weiter an der Bibel prüft.
Also, der gute Bischof wird sich auf Mt. 19,12 berufen, was
seit Uta Ranke-Heinemann als „Eunuchen für das Himmelreich“ in
die Literaturgeschichte eingegangen ist. Der KOntext ist
folgender: Jesus erklärt, daß man sich von seiner Frau (außer
bei Ehebruch, textkritisch unsicher) nicht scheiden lassen
darf.

Genau ist von Hurerei die Rede, aber nicht exakt, wer selbige ausführt und wer sich dann scheiden lassen darf (Mt.19/9).

Daraufhin seine Jünger: Na, dann ist es ja besser, gar
nicht zu heiraten. Jesus: „Nicht alle fassen dieses Wort,
sondern die, denen es gegeben ist, denn es gibt Verschnittene,
die von Mutterleib so geboren sind, und es gibt Verschnittene,
diesich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel
willen. Wer es fassen kann, der fasse es.“ Daraus kann man,
wenn man will, die Verpflichtung zu Ehe(und Sex-)losigkeit um
Gottes willen herauslesen.

Mt. 19/11: Er sprach aber zu ihnen:„Dies Wort fasset nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist.“ Das ist ganz eindeutig keine (!) Verpflichtung.

Außerdem 1.Kor. 7,25-40. Paulus
erklärt hier, daß man besser gar nicht heiratet (im Kontext
der Naherwartung der Wiederkehr Christi), außer es geht nicht
anders, sprich: Wer Sex haben will, soll vorher heiraten.

Ist Deine Interpretation der Zeilen, kann sein, kann nicht sein, dass das gemeint ist.

Bischof Meisner fällt also nicht nur nach meiner, sondern auch
nach seiner eigenen Interpretation nicht aus der
SChöpfungsordnung (und ich bin völlig verwirrt, weil ich hier
einen erzkatholischen Bischof verteidige:wink:
Diese Bibelstellen lehren aber auch den liberalen Christen,
daß verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität und
Partnerschaft ein Gebot Gottes ist.

Verantwortungsvoller Umgang mit anderen ist nicht nur ein religiöses Gebot, es ist eine Aufforderung der Liebe im Allgemeinen. Ich biet Dir aber mal eine andere Interpretation der Paulus-Worte an (ich betone (!!), eine andere Art, keineswegs eine richtigere, aber auch nicht notwendigerweise eine falschere):
Nimm mal an, dass Paulus - aus welchem Grund auch immer - keine Frau gekriegt hat, deswegen sauer auf das ganze weibliche Geschlecht war und diese - seine - Ansicht in der Bibel verewigte. Mit dem Ergebnis, dass der gute Bischof Paulus´ Meinung zitiert - und keineswegs die von Jesus.

Grüße,
Taju

Liebe Grüße zurück
Wolkenstein

Das tut die katholische Kirche, warum, glaubst Du, ist sie so
vehement gegen jede Art der Verhütung?
JedeR Katholik/In, der/die verhütet, ist einE Heuchler/In und
sei es nur durch coitus interruptus.

da hast du natürlich recht und ich habe mir bei ersten meinem posting überlegt, dies anzusprechen. es war mir dann aber zu kompliziert.

mir ist schon klar, daß die katholische kirche verhütungsmittel verbietet, weil sie gegen sex ohne fortpflanzungsabsicht ist.

ich denke aber, viele katholiken haben dies nicht durchschaut.

und ich denke weiter, daß die katholische kirche dies mit absicht nicht so deutlich sagt, weil ihr sonst der großteil ihrer anhänger der kirche den vogel zeigen würde.

wenn sich die kath. kirche zu verhütung äußert, klingt das nie so, als würde sich verhütung in den weg der von gott gewollten fruchtbarkeit stellen, sondern als wäre verhütung abtreibung indem zb. weil durch bestimmte pillenpräperate die einnistung einer befruchteten eizelle verhindert wird.

daher verstehen viele auch nicht, warum die kirche gegen condome ist: benutzt man ein kondom, gibt es keine befruchtung. daher kann es auch keine abtreibung geben. und ob samen und eizelle nun aufgrund enthaltsamkeit oder aufgrund der benutzung eines condoms nicht zusammenkommen, ist für viele das gleiche.

für die kirche ist es aber nicht das gleiche. und das stellt sie nach meiner meinung nicht klar heraus. ich zumindest habe lange gebraucht, bis ich das verstanden habe.

wenn die kirche nun sagt, sie sei gegen sex ohne fortpflanzungsabsicht, dann ist das für mich ok: es ist eine meinung und diese meinung ist nicht diskriminierend, da sie hetero- und homosexuelle betrifft.

wenn die kirche aber homosexualität aufgrund fehlender fortpflanzungsabsicht kritisiert, ohne gleichzeitig sex ohne fortpflanzungsabsicht allgemein zu kritisieren, dann ist das diskriminierung.

ebenso wenig kann sich ein(e) heterosexuelle®, der/ die verhütungsmittel anwendet, mit gutem gewissen hinstellen und homosexualität verdammen, weil homosexuelle keine kinder haben können.

die folge wäre auch ein verbot von sex für nachgewiesen unfruchtbare.

Was sie/er nicht weiß, macht sie/ihn nicht heiß
Hi Linda !

ich denke aber, viele katholiken haben dies nicht durchschaut.

Könnte es nicht auch sein, dass viele dabei obigem Spruch folgen. Solange der Bischof von Rom und seine getreuen Mitbrüder nicht wissen, was ich in meinem Schafzimmer tu, hab ich kein Problem damit.

wenn sich die kath. kirche zu verhütung äußert, klingt das nie
so, als würde sich verhütung in den weg der von gott gewollten
fruchtbarkeit stellen, sondern als wäre verhütung abtreibung
indem zb. weil durch bestimmte pillenpräperate die einnistung
einer befruchteten eizelle verhindert wird.

Weil sich das argumentationstechnisch viel leichter verkaufen lässt. Die katholische Kirche ist, allein durch ihre Größe und Einflussmöglichkeiten, in erster Linie ein Machtapparat und auf den Erhalt derselben ausgerichtet.

daher verstehen viele auch nicht, warum die kirche gegen
condome ist: benutzt man ein kondom, gibt es keine
befruchtung. daher kann es auch keine abtreibung geben. und ob
samen und eizelle nun aufgrund enthaltsamkeit oder aufgrund
der benutzung eines condoms nicht zusammenkommen, ist für
viele das gleiche.

Kirchliche Würdenträger haben keinen Sex, *g* zumindest keinen, den sie offiziell zugeben würden. Wenn sie Sex zum Vergnügen verbieten und die Sexualität einzig im Dienst der Fortpflanzung sehen und, verbunden damit, Kondome verbieten, so ist das nur konsequent. Ich hab keine Frau, also sollst Du auch keine haben. Das ist reinster Frust von Würdenträgern.

für die kirche ist es aber nicht das gleiche. und das stellt
sie nach meiner meinung nicht klar heraus. ich zumindest habe
lange gebraucht, bis ich das verstanden habe.

wenn die kirche nun sagt, sie sei gegen sex ohne
fortpflanzungsabsicht, dann ist das für mich ok: es ist eine
meinung und diese meinung ist nicht diskriminierend, da sie
hetero- und homosexuelle betrifft.

Doch, diese Ansicht diskriminiert. Sie diskriminiert eines der wundervollsten zwischenmenschlichen Gefühle.

wenn die kirche aber homosexualität aufgrund fehlender
fortpflanzungsabsicht kritisiert, ohne gleichzeitig sex ohne
fortpflanzungsabsicht allgemein zu kritisieren, dann ist das
diskriminierung.

Zustimmung.

ebenso wenig kann sich ein(e) heterosexuelle®, der/ die
verhütungsmittel anwendet, mit gutem gewissen hinstellen und
homosexualität verdammen, weil homosexuelle keine kinder haben
können.

Genau.

Liebe Grüße
Wolkenstein

1 „Gefällt mir“

Hallo Taju,

ich brauche in diesem Zusammenhang die Bibel nicht zu bemühen, sondern muß nur Meisner an Meisner messen. Meisner soll gesagt haben:

„Der Tatsache, dass es den einen Menschen in zwei Grundausstattungen gibt, nämlich als Mann und Frau, geht eine Botschaft aus, nämlich, dass der Mann auf die Frau hin geordnet ist und die Frau auf den Mann, dass sie sich in der Ehe gegenseitig ergänzen und in der Familie fruchtbar werden, sodass der Fortbestand der Menschheit damit gesichert ist.“

Meisner ist ein Mann und als solcher nach seiner Auffassung auf die Frau „hin geordnet“, „dass sie sich in der Ehe gegenseitig ergänzen und in der Familie fruchtbar werden, sodass der Fortbestand der Menschheit damit gesichert ist.“

Als nächstes sagt Meisner:

„Homosexualität etwa ist in der Schöpfungsordnung nicht vorgesehen.“

Da er diese Aussage in diesem Kontext macht, muß sie so verstanden werden, daß Homosexualität „in der Schöpfungsordnung nicht vorgesehen“ ist, weil diese Form der Sexualität der Ordnung des Mannes auf die Frau und der Frau auf den Mann zum Fortbestand der Menschheit zuwiderläuft.

Folgt man Meisners Ansicht, die durch den Kontext der Aussage vollkommen klar ist, dann kann man weiter fragen: „Welche anderen Dinge gibt es, die dieser Schöpfungsordnung zuwiderlaufen?“ Und in dem von Meisner gebrachten Kontext läuft der Zölibat der Schöpfungsordnung, so wie sie Meisner definiert, zuwider, weil der Zölibat der Ordnung des Mannes auf die Frau zuwiderläuft.

Wenn ich Deine Worte richtig verstanden habe, dann kann man den Zölibat aus der Bibel heraus verteidigen. Wenn dem so ist, dann stimmt Meisners Argumentation nicht mehr, da noch irgend etwas anderes als Meisners „Schöpfungsordnung“ beachtet werden muß, um sowohl Meisners Haltung zur Homosexualität und den Zölibat miteinander vereinbaren zu können. Ergo ist Meisners Argumentation mindestens zu kurz gegriffen und genau darauf habe ich mit meinen vorangehenden Postings hinweisen wollen.

Die Schlußfolgerung aus meiner Argumentation geht vollkommen aus der Aussage Meisners hervor (wenn mir jemand das Gegenteil zeigt, dann räume ich gern einen Fehler ein). Mit der Unterstellung von „Kreuzdämlichkeit“ oder dergleichen hat das alles nichts zu tun. Im Gegenteil: Die Kürze meiner Postings fordert geradezu heraus, selbst zu denken und die Schwachstelle der Meisnerschen Schöpfungsordnung zu entdecken.

Gruß,

Oliver Walter

4 „Gefällt mir“

Ich habe vor kurzem ein Buch des Papstes vorzittiert bekommen und da sagt er wohl
sowas Wie: ich bin für die erhaltung jedes Lebens, und das uneingeschränkt.
Daraus ergibt sich, das er zwangsläufig auch gegen Verhütung sein muss, da durch
Verhütung die MÖGLICHE Zeugung von Leben verhindert wird.

Ich sag nicht, das ich das gut finde, aber in seiner Überzeugung ist er wirklich
100 %ig!

Grüsse

Julia

Ich sag nicht, das ich das gut finde, aber in seiner
Überzeugung ist er wirklich
100 %ig!

daß er 100%ig überzeugt ist, glaube ich durchaus. ich finde nur, daß diese überzeugung nicht so deutlich herausgestrichen wird wie die meinungen zu homosexualität und zwar aus politischen gründen:

sexverbot für alle ohne zeugungsabsicht wäre ziemlich unpopulär, wogegen sexverbot für homosexuelle der meinung vieler entspricht.

Sexualität
Das stimmt wohl, das würde sicher nicht so gut kommen.
Da ist die Kirche schon recht politisch, unangenehmere Themen werden nicht so
disskutiert, wie z:B Homosexualität, was ja leider viele noch als unnatürlich
ansehen und als was eckeliges. Da spricht die kirche doch noch mehr Leute an.

Lieber Woilkenstein,

damit kassierst Du das zweite Sternchen in einem thread von mir.
Klasse war auch der Teufel in Deinem *Ironieposting ganz oben*

Gruß
Bernd

was sagt der Vatikan dazu
Hallo Oliver Walter,

auch wenn deine Schlußfolgerungen und Argumente logisch sind, werden sie nach meiner Einschätzung keine Bedeutung für die Haltung von Bischof Meissner haben. Das sind zwei verschiedene Stiefel, denn es geht um die Einstellung des Vatikans gegen die Legalisierung von Ehen Gleichgeschlechtlicher.
Ich habe ein wenig geschmökert und im Internet folgende Textauszüge gefunden, die vom Vatikan stammen:
(…) Nach der Lehre der Kirche ist den Männern und Frauen mit homosexuellen Tendenzen „mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen.“ Diese Personen sind wie die anderen Christen gerufen, ein keusches Leben zu führen. Aber die homosexuelle Neigung ist „objektiv ungeordnet“, und homosexuelle Praktiken gehören „zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen“.
weiter…
(…) Die Legalisierung von homosexuellen Lebensgemeinschaften würde deshalb dazu führen, daß das Verständnis der Menschen für einige sittliche Grundwerte verdunkelt und die eheliche Institution entwertet würde.
deshalb…
(…) Weil die Ehepaare die Aufgabe haben, die Folge der Generationen zu garantieren, und deshalb von herausragendem öffentlichen Interesse sind, gewährt ihnen das bürgerliche Recht eine institutionelle Anerkennung. Die homosexuellen Lebensgemeinschaften bedürfen hingegen keiner spezifischen Aufmerksamkeit von Seiten der Rechtsordnung, da sie nicht die genannte Aufgabe für das Gemeinwohl besitzen.
Bischof Meissner ist ein Angestellter:
(…) Wenn alle Gläubigen verpflichtet sind, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben, dann sind es die katholischen Politiker in besonderer Weise, und zwar auf der Ebene der Verantwortung, die ihnen eigen ist. Wenn sie mit Gesetzesvorlagen zu Gunsten homosexueller Lebensgemeinschaften konfrontiert werden, sind folgende ethische Anweisungen zu beachten.
Google macht´s möglich:
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B1…
Das Thema Zölibat ist dafür irrelevant.

Ich glaube, dass eine konstruktive Diskussion mit einem überzeugten Anhänger der katholischen Kirche nur mit Bibelwissen möglich ist, und weniger mit konstruierten Gedanken- und Wortgebäuden, egal wie stabil sie wirken. :smile:

gruß
grilla

1 „Gefällt mir“

was Du willst:wink:

Hallo,

wenn Du polemisieren willst, was sicherlich eine mögliche und auch adäquate Reaktion auf Meisner sein kann, dann ist es sicherlich nicht falsch, Meisner die Worte im Mund herumzudrehen. Willst Du ihn aber verstehen, dann solltest Du Dich kaum auf ein paar Sätze aus einer längeren Rede, die im Zusammenhang vieler anderer Äußerungen stehen, beziehen.
Aber auch aus Deine Argumentation kann ich nicht so furchtbar logisch finden, denn Meisner hat sich ja nicht darüber geäußert, ob das Zölibat oder das enthaltsame Leben der Schöpfungsordnung entspricht, sondern Homosexualität. Voraussetzung ist dabei, daß für Meisner (und ich kenne - leider - auch einen ev. Bischof, der so denkt:frowning: ) Homosexualität eine Perversion ist, d.h. unnatürlich. Wenn er sie außerhalb der SChöpfungsordnung sieht, dann heißt das, das er meint, Gott habe den Menschen nicht homosexuell geschaffen, es liegt also im freien Willen des MEnschen, nicht homosexuell zu sein. Daher auch der nett gemeinte Rat, das, wenn schon jemand homosexuell ist, er es nicht praktizieren soll, um eben nicht zu sündigen. Es geht Meisner darum, daß Gottes Schöpfungsordnung nur die Heterosexualität vorsieht. Da er Dir bei einem entsprechenden Einspruch sicherlich auch sofort mit den genannten Bibelstellen entgegnen würde, ist sein Denken in seinem System also kohärent und widerspruchsfrei: 1. Gott hat den Menschen heterosexuell geschaffen - Beweis: einziger biblisch sanktionierter Nutzen der Sexualität ist der Versuch der Fortpflanzung; 2. Wer nicht heterosexuell praktiziert (homosexuelles Sein schließt sich logischer Weise aus), sündigt; 3. Enthaltsamkeit ist eine von Gott von einzelnen geforderte Tugend, durch die man seinen Dienst und sein Gebot ebenso ausüben kann, wie eben durch rein auf Fortpflanzung konzentrierte Sexualität.
Differenzierungen sind auch bei „fundamentalistischen“ Meinungen möglich:wink:

Die Gegenfrage, die wir wahrscheinlich beide Meisner stellen würden, nämlich warum es denn homosexuelle Menschen gibt, wenn Gott sie so nicht geschaffen hat, würde bei ihm also ins Leere führen. Und selbstverständlich würde ich ihn fragen, warum er angesichts seines Bibelfundamentalismus nicht verheiratet ist:wink:

Grüße,
Taju

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo
als bekennende Buchchristin…

Genau ist von Hurerei die Rede, aber nicht exakt, wer selbige
ausführt und wer sich dann scheiden lassen darf (Mt.19/9).

Die Lektüre des griechischen Textes macht es eindeutig: Scheiden läßt sich nur der Mann (Relativpronomen os, eindeutig männlich). Parallel dazu Mt. 5,32: Wenn jemand - auch hier wieder eindeutig eine männliche Person - eine „Entlassene“ heiratet (eindeutig weiblich), veranlaßt er sie zum Ehebruch. D.h. hier ist offensichtlich nur davon die Rede, daß ein Mann sich von seiner Frau trennt (was wohl auch dem in Mt. 19 erwähnten mosaischen Scheidebrief entspricht, wäre mir neu, das den auch Frauen „ausstellen“ konnten).
Da hier aus der Sicht des Mannes geredet wird, fände ich es zumindest eigenartig, wenn Jesus prinzipiell Ehebruch und Ehescheidung verbieten würde, gleichzeitig aber erklärt, wenn Du schon Ehebruch begangen hast, dann darfst Du Dich zur Belohnung doch scheiden lassen. Vor allem, da diese „Ehebruchausnahme“ textkritisch sekundär ist (vgl. Lk 16,18) geht es hier wohl doch eher darum, daß man dieses harte Gebot als Zumutung empfand, wenn die Frau Ehebruch begangen hat. Die Bibel ist nun mal aus der Sicht der Männer geschrieben…

Ich hoffe in diesem Forum ausreichend deutlich gemacht zu haben, daß meine Interpretationen nicht nur der Bibel allein meine sind:wink: Gerade daher bin ich auch bekennende Buchchristin, da ich den Dialog über einzelne Bibelstellen äußerst spannend und lehrreich finde. Und lege daher auch großen Wert auf die größtmögliche Verobjektivierung des Textbestandes (auch wenn wir nur bis 200 kommen…)

Grüße,
Taju

Hallo,

nein, die Absicht ist nicht zu polemisieren, sondern zu zeigen, daß Meisners Argumentation zu Widersprüchen führt. Ich verwahre mich dagegen, Meisner die Worte im Mund umgedreht zu haben. Ich habe Kardinal Meisners Argumentationsweise logisch auf Kardinal Meisner selbst angewendet. Wenn Meisners Argumentation bereits bei Meisner zu Widersprüchen führt, dann hat sie sich zumindest als unvollständig und für eine Diskussion über Homosexualität an dieser Stelle als unbrauchbar erwiesen.

In diesem Zusammenhang ist es irrelevant, ob Meisner sich zum Zölibat geäußert hat oder nicht. Aus dem, was von Meisner vorliegt, kann logisch die Feststellung getroffen werden: „Wenn das gilt, was Meisner sagt, dann ist der Zölibat ebenfalls nicht in der Schöpfungsordnung.“ Mich interessiert der Zölibat und seine Rechtfertigung nur insofern, als daß seine Heranziehung ein Mittel darstellt, um Meisners Argumentation ad absurdum zu führen.

Bisher hat niemand zeigen können, daß meine Argumentation falsch ist.

Gruß,

Oliver Walter

PS: Ich persönlich finde sowohl den Zölibat als auch Homosexualität in Ordnung und brauche nicht von Dir von der Berechtigung des Zölibats überzeugt zu werden. :wink:

1 „Gefällt mir“

Homophobie?
Hi infotalk!

Leider bleibt mir nichts mehr übrig als die „alte“ Homophobie Theorie zu zitieren.
Je mehr Angst ein Mann vor Homos hat
Desto mehr fürchtet/unterdrückt er seine eigenen Anteile…

Leben und leben lassen…
Kannst du wohl nicht.
Weshalb?

Denk mal darüber nach.

Gruß
Siân

denn es geht um die Einstellung des Vatikans gegen
die Legalisierung von Ehen Gleichgeschlechtlicher.

das ist ein verstoß gegen die trennung von staat und kirche, ja sogar gegen religionsfreiheit.

der vatikan ist, wie ich hier lernen durfte, ein souveräner staat und hat erstmal überhaupt rein gar nichts zur legalisierung von irgendwas in einem anderen staat zu sagen.

zweitens ist auch die katholische religion wie jede adnere religion nicht befugt, über die legalisierung von hanf, von mp3 oder von rechtsüberholen zu entscheiden. sie kann wähler beeinflussen, aber nicht den staat! das ist eine einmischung der kirche in den staat.

drittens findet sich hier ein weiterer verstoß gegen trennung von staat und kirche und der religionsfreiheit.

eine „ehe gleichgeschlechtlicher“ kann es aus religiöser sicht nicht geben, deswegen ist dieser begriff irreführend und eine beleidigung religiöser gefühle. der staat mischt sich hier in den vatikan ein, um es mal plakativ zu sagen.

also bitte: „lebensgemeinschaften von gleichgeschlechtlichen“ heißt das, und nicht „homo-ehe“. dann vermeidet man diesen streit von anfang an.

datafox

hallo,

vielleicht ein paar sachliche anmerkungen.
hier gehts offensichtlich um jüdisches eherecht, das schon damals wahrscheinlich sich nicht sehr von heute unterschieden haben mag.

Scheiden läßt sich nur der Mann

ja, nur der mann kann sich scheiden lassen.

eine „Entlassene“
heiratet (eindeutig weiblich), veranlaßt er sie zum Ehebruch.

warum? wenn sie entlassen wurde, ist es kein ehebruch. verstehe ich nicht, aber ist auch nicht relevant.

D.h. hier ist offensichtlich nur davon die Rede, daß ein Mann
sich von seiner Frau trennt (was wohl auch dem in Mt. 19
erwähnten mosaischen Scheidebrief entspricht, wäre mir neu,
das den auch Frauen „ausstellen“ konnten).

nein, den kann keine frau ausstellen. nur der mann.

Du schon Ehebruch begangen hast

ein mann kann sein eigene ehe nicht brechen, sondern immer nur die ehe eines anderen. es gilt (theoretische) polygamie.

daß man dieses harte Gebot
als Zumutung empfand, wenn die Frau Ehebruch begangen hat.

verstehe ich nicht. wenn die ehe zerrüttet ist, dann ist scheidung der normale weg.

Die
Bibel ist nun mal aus der Sicht der Männer geschrieben…

die gesamte gesellschaft ist hier aus der sicht der männer gesehen. immer im auge behalten!

hoffe was beigetragen zu haben.
datafox

eine „ehe gleichgeschlechtlicher“ kann es aus religiöser sicht
nicht geben, deswegen ist dieser begriff irreführend und eine
beleidigung religiöser gefühle. der staat mischt sich hier in
den vatikan ein, um es mal plakativ zu sagen.

also bitte: „lebensgemeinschaften von gleichgeschlechtlichen“
heißt das, und nicht „homo-ehe“. dann vermeidet man diesen
streit von anfang an.

na gut, aber auf dem standesamt schließt man ja auch die ehe und nicht jeder, der auf dem standesamt die ehe schließt, schließt sich nachher nochmal in der kirche. eine rein standesamtliche ehe müßte dann ja auch religiöse gefühle verletzen.

eine rein
standesamtliche ehe müßte dann ja auch religiöse gefühle
verletzen.

man ist da im allgemeinen halt weniger empfindlicher :wink: im grunde hast du natürlich recht. eine derartige reaktion müßte eigentlich vom vatikan kommen, wenn konsequent argumentiert werden soll. denn: WENN eine staatliche homo-ehe „gegen die göttliche ordnung“ ist und der vatikan dagegen opponiert, DANN müßte er auch gegen das staatliche wiederverheiraten von geschiedenen opponieren, denn das widerspricht derselben „göttlichen ordnung“. es wird aber nicht opponiert, ergo ist das opponieren gegen die homo-ehe heiße luft.

gruß
datafox

hallo,

Je mehr Angst ein Mann vor Homos hat
Desto mehr fürchtet/unterdrückt er seine eigenen Anteile…

Leben und leben lassen…
Kannst du wohl nicht.
Weshalb?

Denk mal darüber nach.

bleib mal sachlich und bring ein gegenargument anstatt den gegner ad hominem anzugreifen.

das schönste argument brachte oliver walter. ein meisterstück an formaler argumentationskunst :smiley:

datafox

Hallo Taju,

Die Lektüre des griechischen Textes macht es eindeutig:
Scheiden läßt sich nur der Mann (Relativpronomen os, eindeutig
männlich). Parallel dazu Mt. 5,32: Wenn jemand - auch hier
wieder eindeutig eine männliche Person - eine „Entlassene“
heiratet (eindeutig weiblich), veranlaßt er sie zum Ehebruch.

der Artikel von datafox hat mich veranlasst, dem Text aus Mt.19,9 nachzugehen.

Luther übersetzt hier:
„Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe.“

In der Fassung von 1545 folgt noch:
„Und wer die Abgeschiedene freit, der bricht auch die Ehe.“

Dieser Nachsatz findet sich auch noch in der Ausgabe von 1914 und in einigen anderen Übersetzungen (Elberfelder, Schlachter).

In der revidierten Luther (1964) steht der Satz nicht mehr. Er steht auch nicht in der interlinearen Übersetzung bzw. bei David Stern.

Mich hätte jetzt interessiert, wie dieser Satz in die Bibel gekommen ist. Immerhin gründet sich darauf die Ansicht der kath. Kirche, dass Geschiedene nicht wieder heiraten dürfen.

Gruss Harald

Hallo,

eine rein
standesamtliche ehe müßte dann ja auch religiöse gefühle
verletzen.

das tat sie auch bei ihrer Einführung. Die Zivilehe war ein Mittel Bismarcks im Kampf gegen die katholische Kirche in den Gründungsjahren des Deutschen Reiches. Dieser Kampf ist als Kulturkampf in die Geschichte eingegangen.

Gruß,

Oliver Walter