Hallo,
Hi Taju !
Meisner geht es an dieser Stelle um Sexualität und Hinordnung
von Frau und Mann aufeinander. Das er damit prinzipiell fest
auf dem Boden der Bibel steht, kann man kaum bestreiten (seine
weitergehenden Interpretationen vielleicht, wie ich es getan
habe).
Ob er fest am Boden der Bibel steht, ist eine reine Interpretationsfrage.
Seine Argumentation kann also nur dann konsequent
geprüft werden, wenn man ihn weiter an der Bibel prüft.
Also, der gute Bischof wird sich auf Mt. 19,12 berufen, was
seit Uta Ranke-Heinemann als „Eunuchen für das Himmelreich“ in
die Literaturgeschichte eingegangen ist. Der KOntext ist
folgender: Jesus erklärt, daß man sich von seiner Frau (außer
bei Ehebruch, textkritisch unsicher) nicht scheiden lassen
darf.
Genau ist von Hurerei die Rede, aber nicht exakt, wer selbige ausführt und wer sich dann scheiden lassen darf (Mt.19/9).
Daraufhin seine Jünger: Na, dann ist es ja besser, gar
nicht zu heiraten. Jesus: „Nicht alle fassen dieses Wort,
sondern die, denen es gegeben ist, denn es gibt Verschnittene,
die von Mutterleib so geboren sind, und es gibt Verschnittene,
diesich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel
willen. Wer es fassen kann, der fasse es.“ Daraus kann man,
wenn man will, die Verpflichtung zu Ehe(und Sex-)losigkeit um
Gottes willen herauslesen.
Mt. 19/11: Er sprach aber zu ihnen:„Dies Wort fasset nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist.“ Das ist ganz eindeutig keine (!) Verpflichtung.
Außerdem 1.Kor. 7,25-40. Paulus
erklärt hier, daß man besser gar nicht heiratet (im Kontext
der Naherwartung der Wiederkehr Christi), außer es geht nicht
anders, sprich: Wer Sex haben will, soll vorher heiraten.
Ist Deine Interpretation der Zeilen, kann sein, kann nicht sein, dass das gemeint ist.
Bischof Meisner fällt also nicht nur nach meiner, sondern auch
nach seiner eigenen Interpretation nicht aus der
SChöpfungsordnung (und ich bin völlig verwirrt, weil ich hier
einen erzkatholischen Bischof verteidige:wink:
Diese Bibelstellen lehren aber auch den liberalen Christen,
daß verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität und
Partnerschaft ein Gebot Gottes ist.
Verantwortungsvoller Umgang mit anderen ist nicht nur ein religiöses Gebot, es ist eine Aufforderung der Liebe im Allgemeinen. Ich biet Dir aber mal eine andere Interpretation der Paulus-Worte an (ich betone (!!), eine andere Art, keineswegs eine richtigere, aber auch nicht notwendigerweise eine falschere):
Nimm mal an, dass Paulus - aus welchem Grund auch immer - keine Frau gekriegt hat, deswegen sauer auf das ganze weibliche Geschlecht war und diese - seine - Ansicht in der Bibel verewigte. Mit dem Ergebnis, dass der gute Bischof Paulus´ Meinung zitiert - und keineswegs die von Jesus.
Grüße,
Taju
Liebe Grüße zurück
Wolkenstein


