- alldieweil offenbar Interesse da ist (schönen Dank für die Blumen!), noch ein paar Präzisionen:
Die Ausnahme zur Regel ist ein Reservierungssystem, welches nur sekundär dem schnöden Mammon verpflichtet ist und halbstaatlich organisiert die vorhandenen Strukturen Office de Tourisme etc. nutzt, um private Unterkünfte im ländlichen Raum zu organisieren und zu vermitteln. Bei Gîtes de France gibt es nicht bloß Ferienwohnungen, sondern auch Zimmer für einzelne Übernachtungen, in der Regel auf dem Land, und teilweise mit angegliederter Restauration nach Hausfrauen- bzw. Bäuerinnenart „Table d’Hôtes“.
Per Internet ist diese Quelle, bei der ich schon viele schöne Ferienunterkünfte gefunden habe (u.a. den wie in F üblich mit 45 pensionierten Stabsarzt, der mit seiner Frau zusammen einen Landherrensitz nebst Wingert im Lubéron bezogen und renoviert hat und bald maßgeblich an der „Bio“-Konzeption der Coopérative von Grambois beteiligt war; oder das alte Bauernehepaar, deren Häuslein winzig klein in vier riesigen blühenden Linden verschwindet - der Alte erzählte, wie er 1940 im Elsass versuchen sollte, die Wehrmacht aufzuhalten, und glaubte, die Gegenoffensive wäre schon im Rollen, weil die Kuhställe so sauber waren, wie er sie sich bloß in Deutschland vorstellen konnte…), zugänglich unter
http://www.gites-de-france.fr
Und wenn man lieber mit Papier arbeitet (wie ich) gibts das komplette Adressverzeichnis der Chambres d’Hôtes auch als Broschur mit ungefähr 1400 Seiten, keine Fotos mit oder ohne Hochglanz, sondern schlicht die Adressen und Telefonnummern, Preise, vereinheitlichte Beschreibungen und eine vor Ort von den Offices de Tourisme kontrollierte Klassifizierung: Guide National des Chambres et Tables d’Hôtes, jährlich aktualisiert, in D in guten Buchhandlungen, Bezugsadresse auch auf der genannten HP; oder gleich am Anfang der Tour in Strasbourg in der Großbuchhandlung FNAC holen.
Das grün-gelbe Symbol der Gîtes de France wird Euch an der Straße auch in anderer Form begegnen, nämlich mit einem stilisierten gelben Kaminfeuer in der Mitte für „Logis de France“. Die Hotels, die dieses Label tragen, sind nicht von der untersten Preisklasse, aber praktisch alle besuchenswert: Es handelt sich um Familienbetriebe, in der Regel in Traditionshäusern, die verbilligte Kredite zur Renovierung bekommen haben und sich im Gegenzug verpflichtet haben, bestimmte Standards betreffend familäres Ambiente, mindestens ein regionaltypisches Gericht auf der Karte, Berücksichtigung von Belangen des Denkmalschutzes bei älteren Gebäuden einzuhalten.
Nicht so sehr als Quartier, sondern zum preiswerten bodenständigen Essen unterwegs ist noch bemerkenswert die blau/rote runde Plakette „Les Routiers“ (= die Fernfahrer) bei Restaus an den Landstraßen: Die ist eine ebensogute Empfehlung wie ein paar parkende Vierzigtonner vor der Wirtschaft - da isst man reell und wird nicht arm dabei.
Außerdem kann man noch achten auf kleinere Plaketten an der Tür: In Frankreich gilt „Lonely Planet Rulez“ noch nicht. Dort sind Zimmerwirte und Gastwirte unterhalb der Luxusklasse ziemlich froh, wenn sie bei den Testern von „Le Bottin Gourmand“ (Küche) und „Le Routard“ (Küche und Quartier) Gnade finden. Beide Empfehlungen gelten als kaum käuflich und ziemlich seriös, wenn man keinen Luxus erwartet, sondern einfach etwas Ordentliches. Die Herausgeber kommen ursprünglich aus der „Szene“, wo es keine Schande war, eben auch auf den Preis zu schauen - aber nicht nur! Wer eine von diesen Empfehlungen hat, wird sie gerne unübersehbar am Eingang aufhängen, auch wenn sie schon paar Jahre alt sind.
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Ein letztes noch: Wenn Ihr im Elsaß anfangen wollt, meidet in jedem Fall Haguenau. Dieser Ort ist an Fadess kaum überbietbar, irgendwie scheinen die Zuckerriegel von Mars eine Art kulturellen Einfluss zu haben…
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Und ein allerletztes: Um gleich beim Eintritt ins Landl die „Umkehrung der kulturellen Schwerpunkte“ mitzumachen - die Möblierung der Zimmer ist nicht so wichtig, aber in der Küche muss auf jeden Fall ein Gelernter stehen: Fahrt doch von Woerth aus am nördlichen Ortsausgang Richtung Langensoultzbach. Noch fast an der Landstraße links ist das Hotel „Aux Sept Chênes“, wo man nach einer langen Autobahnstrecke trefflich ausspannen kann - es ist fast ein bissel unheimlich still nachts. Das Hotel war Bahnhofshotel an einer längst stillgelegten Nebenbahn, das zweite Standbein der Familie waren Vorspann- und Rückedienste: Wenn der Patron anfängt, von seinen Pferden zu erzählen, ist die Welt (für ihn) in Ordnung… Übrigens: Das leckere „rosbif“ auf der Karte ist comme il faut vom Ross.
Schöne Grüße
MM