Hallo Heinrich,
mit deinen Überlegungen liegst du ganz sicher richtig. Allerdings kann man den Bayern, obwohl ich wahrhaftig alles andere als ein Fan von denen bin, deshalb keinen Vorwurf machen. Sie hatten historisches Glück, als ihnen Ende der 60er Jahre eine wirklich gute Mannschaft „in den Schoß“ fiel, zu einer Zeit, als sich Mannschaften noch im näheren Umkreis bildeten und nicht mit Dollarbündeln in der Hand zusammengekauft wurden. Sie haben es dann verstanden, diese Basis zu erhalten und auszubauen, indem verdiente Ex-Spieler ins Management berufen wurden (und ein Typ wie Hoeneß ist schlicht und ergreifend ein genialer Manager, egal was der managt). Sie haben die Zeichen der jeweiligen Zeit rechtzeitig erkannt und sich als erster Verein in Deutschland Mannschaften zusammengekauft - weshalb sie in meiner Generation außerhalb Bayerns bis heute wenige Freunde haben, denn sie haben zu allererst unseren damaligen „romantischen“ Fußball kaputt gemacht. Aber heute machen das natürlich alle.
Andere Vereine hatten diese Chance auch: M’gladbach in den 70ern, der HSV Anfang der 80er Jahre, später Werder, Dortmund, dann wieder Werder. Aber die haben es allesamt nie richtig gepackt.
Andererseits ist die Schwäche der Liga inzwischen auch ein Problem für die Bayern, wie man in der Champions League unschwer erkennen kann. In der Liga langt es auch dann noch locker zum Erfolg, selbst wenn der alternde Keeper mal daneben greift. International gehört Bayern momentan nicht zur Spitze und wird es auch schwer haben, über die Bundesliga wieder dahin zu kommen.
Ergo: Am Besten wäre es, einen alten Plan von Herrn Rummenigge aufzugreifen und den Verein in Italien antreten zu lassen. Ich hätte nichts dagegen.
Und was die Titelambitionen des HSV angeht: Warum muss man so etwas überhaupt offiziell verkünden? Heißt das umgekehrt, dass die bislang angetreten sind, um Zweiter zu werden? Von Werder Bremen hört man das ja auch. Die wollen alle nur in die Champions League, da ein bisschen abkassieren, und das war’s dann. Dann geht’s wieder darum, nächstes Jahr erneut in die Champions League zu kommen und so weiter. Höhere Ziele haben die offenbar nicht.
Das ist meiner Meinung nach typisch deutsch. Wie oft schon hat man auch von der Nationalmannschaft gehört, ihr Ziel sei es, ins Finale zu kommnen. Das Erreichen des Finales 2002 wurde gefeiert als gäbe es kein Morgen. Mir hat damals schon der entschiedene Wille gefehlt, dieses Finale auch gewinnen zu wollen.