Hüftprotektoren

Hallo,

in Altenheimen wird sehr für Hüftprotektoren geworben, so dass man ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man diese seinem „Pflegling“ verweigert oder nicht aufschwatzen will.

Was ist von Hüftprotektoren zu halten?

Der Tragekomfort lässt wohl sehr zu wünschen übrig (lokale Erwärmung, Schwitzen, Schwierigkeiten beim An- und Ablegen und insbesondere beim Toilettengang), da sie sehr eng sitzen müssen.

Wie ist der Komfort beim Sitzen? In Prospekten wird nur immer der Sitz der Schalen beim Stehen gezeigt, beim Sitzen aber dürfte da ganz schön Spannung ins Höschen kommen.

Am wichtigsten aber: Bieten H. tatsächlich einen verlässlichen Schutz gegen Hüftfrakturen? Mir erscheint die Idee zwar gut, aber bei der Ausführung mussten wohl mit Rücksicht auf die Tragbarkeit Kompromisse gemacht werden, so dass kaum eine Schutzwirkungerzielt wird wenn die H. nicht ganz genau sitzen - oder überhaupt nicht getragen werden, weil zu unbequem.

Wie sind Eure Erfahrungen?

Wolfgang D.

Moin, Wolfgang,

luat Aussage meiner Krankenkasse sind die Dinger unnütz, weil so gut wie nie jemand auf die Protektoren fällt. Stell Dir vor, Du hast die an und kippst um - die Chance, gerade auf der Polsterfläche zu landen, ist minimal.

Die Brüche, die unseren Alten zu schaffen machen, sind meist Scherbrüche, bei denen der Knochen wegen einer Biegung bricht, fast nie wegen Schlagwirkung.

Gruß Ralf

Hallo Wolfgang,

eines vorweg: Von der Altenpflege habe ich keine Ahnung! Aber als Eiskunstläuferin kenne ich viele Läufer, die mit sogenannten Fallhosen unterwegs sind und frage mich, warum diese Protektoren für die Senioren mit Schalen ausgestattet sind. Schalen kenne ich nur vom Inline-Skaten. Sie dienen dazu, eine Gleitbewegung über den Asphalt zu ermöglichen. Auf glatten Untergründen bzw. geringen Geschwindigkeiten erscheinen sie mir ziemlich überflüssig. Denn ob sie bei einem Sturz auf eine Kante wirklich formstabil genug sind, um ein Durchschlagen auf den Knochen zu verhindern? Bei einem solchen Sturz könnte das u.U. sinnvoll sein.

Im Gegensatz zu Schaumstoffpolstern könnte ich mir gut vorstellen, dass die Schalen wesentlich unflexibler sind und man darunter vermehrt schwitzt (so ist es jedenfalls bei meinen Inliner-Knieschonern).

Was die Wirksamkeit angeht: Fallhosen erleichtern vor allem ängstlichen, empfindlichen und vor allem sehr dünnen Läufern das Training. Stürze auf die Hüfte oder den Po sind vor allem bei sehr schlanken Läufern schon mal ziemlich schmerzhaft. Wer etwas besser gepolstert ist, ist da unempfindlicher. Deshalb sind sie vor allem bei Mädchen vor der Pubertät, die mit den schwierigeren Sprüngen anfangen, ziemlich beliebt. Die älteren, erfahreneren verzichten meist darauf (die wissen meist auch schon, wie man fällt).

Übertragen auf die Senioren könnte ich mir deshalb gut vorstellen, dass vor allem sehr schlanke Personen, die schon sehr wackelig auf den Beinen sind, davon profitieren könnten. Vor allem die, die ängstlich sind.

Mit Fallhosen aus elastischem Stoff und Schaumstoffpolstern kann man ganz gut sitzen, im Sommer ist das aber sicherlich viel zu warm. Von der Optik mal ganz abgesehen :wink:. Eisläuferinnen ziehen sie dann auch meist direkt aus, wenn das Training des „kritischen“ Sprungs beendet ist und andere Dinge geübt werden.

Bei Protektoren mit Kunststoffschale könnte ich mir aber gut vorstellen, dass sie sich je nach Körperstellung unangenehm ins Fleisch bohren könnten. Ich könnte mir deshalb gut vorstellen, dass der Tragekomfort bei Hosen ohne Schale höher ist und solche Hosen dann auch lieber getragen würden.

Man kann sich so etwas aber auch leicht selbst anfertigen: Man nehme zwei Paar (ungepolsterte) Radlerhosen, besorge im Polstergeschäft eine Platte festes Schaumstoffmaterial (nicht zu weich - das hilft nicht!), schneide es passend zu und nähe es zwischen die zwei übereinandergezogenen Radlerhosen (elastischen Stich wählen). So kommt man günstig an individuell angepasste Fallhosen und kann selbst entscheiden, an welchen Stellen man sich wie dick abpolstern möchte.

Überhaupt: Hast Du denn schon mal mit den Betroffenen darüber gesprochen? Wollen die so etwas überhaupt? Wie wäre es, wenn Du sie in Deine Überlegungen miteinbeziehst?

Viele Grüße

Anne