Hund mit 'Kontrollwahn'

… oder - ich seh den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Zu meinem Problem:

Seit nun knapp 10 Monaten ist der kleine Pinschermix-Rüde bei uns.
Zur Vorgeschichte: er wurde als Streuner in Spanien in eine Tötungsstation gebracht, er war erst ein paar Monate alt als ihn eine Familie dort rausgeholt hat und bei sich aufnahm.
Dort lebte der Hund etwas überbehütet in einer Familie mit einer weiteren Hündin, die aber nicht mit ihm zurechtkam und ihn immer wieder attackierte.
Nach einem Jahr ständiger Versuche, die Hunde aneinanderzugewöhnen, wurde der Rüde schließlich mit 1 1/2 Jahren abgegeben - in meine Hände.

Der Rüde ist entsprechend seiner Vorgeschichte und der falschen „Erziehung“ durch die Vorbesitzer sehr schwierig.
Anfangs hatte er eine starke Angstaggression gegenüber Hunden, Männern und vor Allem Kindern. Er ließ sich von Fremden generell nicht berühren, schnappte und biss auch zu.
Die Probleme mit den Hunden ließen sich relativ rasch lösen, gegenüber Frauen ist er mittlerweile gelassen bis freundlich, Männer werden argwöhnisch beäugt und genaustens kontrolliert bei jeder Bewegung, zumindest aber geht er sie nicht mehr sofort an.
Kinder gehen momentan noch gar nicht, da arbeiten wir aber dran.

Der Hund hat sich in dem knappen Jahr seit er bei mir ist, sehr gebessert. Er ist ausgeglichener und ruhiger, lässt mittlerweile Vieles mit sich machen (Berühren der Pfoten, Maulkorb anlegen, etc.).
Ich arbeite mit ihm auch hundesportmäßig (Agility, Fährtenarbeit, THS), was ihm sehr gut tut.

Nun haben wir aber nach wie vor noch ein Problem mit ihm, das ich einfach nicht in den Griff bekomme.
Vielleicht ist es sowas wie Betriebsblindheit, da ich ja nicht gerade unerfahren im Umgang mit Hunden, auch Problemhunden, bin - aber hier komm ich einfach nicht weiter.

Vielleicht habt ihr ja ein paar Tipps für mich:
Der Rüde verhält sich nach wie vor sehr kontrollierend Personen oder anderen Tieren gegenüber - aber nur in Räumen. Das bedeutet, egal wo wir sind, ob zu Hause oder bei jemandem zu Besuch, er verbellt jeden (vor Allem Männer) der das Zimmer verlässt, in dem sich der Hund gerade befindet.
Soll heißen: Wir sitzen bei meinen Eltern in der Küche, mein Vater verlässt den Raum, da fängt der Kleine wie verrückt an zu bellen, total hysterisch, schießt ihm manchmal sogar hinterher als würde er ihn gleich von hinten in die Beine beißen wollen (macht er aber nicht). Er knurrt und bellt wie ein Irrer, bis derjenige den Raum vollständig verlassen hat (also auch Türe zu), dann ist wieder Ruhe.
Zu Hause macht er das nur bei Besuch, wenn wir wo „fremd“ sind, macht er es bei allen, teilweise sogar bei mir.
Das macht er aber nur, wenn jemand den Raum verlässt, nicht aber, wenn jemand hereinkommt.
Teilweise steigert er sich dabei so rein, dass er absolut hochdreht und durch nichts mehr runterzubringen ist. Er zeigt dann Übersprungshandlungen, wenn ich versuche ihn zu berühren, schnappt auch nach mir. Letztens gab’s deshalb von mir eine saftige Ohrfeige, das hat ihn dann auch runtergebracht (wie bei einem panischen Menschen). Solche „Maßnahmen“ ergreife ich normalerweise nicht, ich halte nichts von Gewalt oder groben Erziehungsmitteln, aber in diesem Moment ging einfach gar nichts mehr.

Diesen Kontrollwahn zeigt er auch zu Hause sehr schlimm unseren Katzen gegenüber. Er verträgt sich normalerweise sehr gut mit Ihnen, sie liegen auch oft zusammen und die beiden Kater können auch den Hund gut leiden.
Jedoch hält der Rüde es absolut nicht aus, wenn die Kater z. B. zusammen toben oder spielen, er wird dann ebenso hysterisch, verbellt und stellt sie. Auch hier ist er durch nichts mehr zu beruhigen, hat er sich erstmal hochgeschaukelt. Ich schicke ihn in so einem Fall in sein Körbchen, aber es ist absolut unmöglich ihn dort zu halten, er zittert dann am ganzen Körper, fixiert die Katzen, bellt natürlich wie ein Verrückter weiter. Er versucht die ganze Zeit, seine Platz zu verlassen und den Katzen hinterher zu kommen. Er hetzt sie nicht, sie laufen auch nicht davon, sondern es wirkt dann immer so, als wolle eben er bestimmen, wer hier spielt und mit wem. Hat er ihr Spiel unterbrochen, ist es wieder in Ordnung und er beruhigt sich.
Er verhält sich den Katzen gegenüber ansonsten sehr dominant, aber kein Besteigen.

Dasselbe Verhalten zeigt er Besuch gegenüber, vor Allem wenn männliche Freunde zu uns kommen, werden sie erstmal verbellt (also wenn sie in die Wohnung kommen) und dann permanent kontrollierend beäugt und nicht aus den Augen gelassen - von seinem Platz aus. Macht dann jemand eine für den Hund bedrohlich erscheinende Bewegung oder spricht ein bisschen lauter, beginnt er ihn sofort zu verbellen. Am liebsten würde er auf die Leute losgehen (ohne zu beißen - haben’s ausprobiert), mit der nötigen Strenge kann ich ihn verbal in seinem Körbchen halten, aber zu bellen hört er trotzdem nicht auf.

Ähnliche Verhaltensweisen zeigt er im Auto. Sitzt er im Auto (Drahtkäfig, Kofferraum) und ich steige aus und entferne mich vom Auto, dreht er vollkommen ab - er kläfft, schreit schon fast, wird richtig aggressiv, springt von innen gegen den Käfig usw.
Ich würd sein Verhalten hier schon panisch-aggressiv nennen. Ansonsten fährt er aber gerne Auto, steigt sofort und freudig ein, während der Fahrt ist er brav, keine Auffälligkeiten. Es geht also rein darum, alleine im Auto bleiben zu müssen.
Hab’s ähnlich aufgebaut wie das Alleine lassen zu Hause, aber es zeigen sich keinerlei Erfolge. Ich finde es auch unheimlich schwierig, ihn hier für richtiges Verhalten belohnen zu können, da er ja sofort zu bellen aufhört, wenn er entweder merkt, dass ich mich dem Kofferraum nähere (dass er also mit darf). Hab versucht, im Auto sitzen zu bleiben, bis er sich beruhigt hat (das Gekreische fängt in dem Moment an, in dem ich den Motor ausstelle), aber sobald ich z.B. die Schlüssel abziehe geht’s schon wieder los. Spätestens beim Autotür öffnen flippt er aus.

Ich schreibe diese Verhaltensauffälligkeiten deswegen in einem, da er sich in allen drei Situationen in etwas gleich gebährt und dies vor Allem die Situationen sind, in denen ich mir nicht mehr zu helfen weiß.
Grundsätzlich ist zu ihm noch zu sagen, dass er einerseits sehr unsicher ist, andererseits diese Unsicherheit aber durch sehr dominantes Verhalten ausgleicht.
Er ist sehr auf mich fixiert, zeigt hier übertriebenen Beschützerinstinkt, hat so gut wie keine Toleranz- und Frustrationsgrenze und „explodiert“ grundsätzlich sehr schnell.

Entschuldigt die Länge meines Beitrages!

Danke schon mal für alle Vorschläge!

Sandra

Wieder mal: Du musst Alpha werden!
Hi Sandra,

da hast Du wohl eine harte Aufgabe vor Dir!
Du hast ja schon viel erreicht, Lob.

Dieser Rüde hat seinen Platz im „Rudel“ noch nicht gefunden, dafür wird es aber jetzt allerhöchste Zeit.

Als erstes musst Du es mal ganz klar hinkriegen, dass Du den Rüden ohne Angst vor Bissen anfassen kannst, auch wenn er gerade mal wieder voll geladen ist. Das ist die Basis, Du bist Alpha, daran ist nichts zu rütteln. Und der Boss wird nicht gebissen!

Wenn er das akzeptiert hat, kannst Du ihn jedesmal, wenn er sich aufführt ruhig packen, ein hartes lautes „Nein“ sagen und ihn in einem Nachbarzimmer festleinen (z.B. an einen Heizkörper). Sein Rumgetobe wird dann absolut ignoriert und er bleibt dort allein für ca. eine Stunde.
Kein Hund mag ignoriert werden, das wirkt!

Es ist völlig egal, aus welchem Grund er sich aufführt. Ob Männer die kommen oder gehen oder Kinder oder was weiß ich. Der Hund hat das nicht zu entscheiden. Sonst wird er zur Gefahr.

Wünsche Dir viel Erfolg, Son-ja

Hallo Sandra,

hast Du mal darüber nachgedacht, seine „Therapie“ eventuell mit Medikamenten zu unterstützen?
hab mal nach medikamentöser Unterstützung gesucht und dabei das hier gefunden:
http://www.tierarzt-berstadt.de/Info-Verhalten-Hund…

Da sind die klassischen Gegenmaßnahmen beschrieben, aber das geht ja erstmal gar nicht so lange der Hund so dermaßen ausser Kontrolle ist.
Vielleicht schaust Du mal in dem Link unter „Phobie“

hast Du das Buch „Verhaltenstherapie bei Hund und Katze“ aus dem Enke Verlag? Da steht evtl. auch noch der ein oder andere Tipp drinnen.

Gruß
Maja

Hallo

Dieser Rüde hat seinen Platz im „Rudel“ noch nicht gefunden,
dafür wird es aber jetzt allerhöchste Zeit.

Der Rüde hat schlechte Erfahrungen gemacht - Alpha oder nicht

Wenn er das akzeptiert hat, kannst Du ihn jedesmal, wenn er
sich aufführt ruhig packen, ein hartes lautes „Nein“ sagen und
ihn in einem Nachbarzimmer festleinen (z.B. an einen
Heizkörper). Sein Rumgetobe wird dann absolut ignoriert und er
bleibt dort allein für ca. eine Stunde.
Kein Hund mag ignoriert werden, das wirkt!

„ruhig packen“ - ja pack ihn und schüttel ihn, dass er auch noch sein Vertrauen zu dir verliert und aus ANGST nicht aus der Bindung zu dir folgt…

„lautes Nein“ - der Hund lernt, dass er nur auf dich hören muss, wenn du LAUT wirst

„1 Stunde festleinen“ - ja nach einer Stunde hat er keinen Plan mehr warum du ihn so mies behandelst. Er erkennt überhaupt keinen Bezug seiner Handlung! Ignorieren gut - im Nebenzimmer 1 Stunde anleinen - ne danke

Auch wenn man an ne Alpha-Theorie glaubt - SO funktionierts meiner Meinung nach nicht

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Hi
hurrrraaaaa
mein Hardcoreintervenieren hier seit Monaten fruchtet ja doch!!!
Klasse Antwort. Jetzt noch ne gute Lösung dazu schreiben und ich stell dich als Hundetrainerin bei mir ein !!!

Nein ich halt heute meinen Mund. Mach ihn morgen auf

Gruß Steffen

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Hallo Sonja

Dieser Rüde hat seinen Platz im „Rudel“ noch nicht gefunden,
dafür wird es aber jetzt allerhöchste Zeit.

Das bezweifle ich sehr. Es gibt abgesehen von diesen Situationen, mit denen er anscheinend irgendetwas Negatives verbindet, was für mich unersichtlich ist, keine groben Probleme mehr, schon gar nicht mit der Rangfolge.

Als erstes musst Du es mal ganz klar hinkriegen, dass Du den
Rüden ohne Angst vor Bissen anfassen kannst,…

Nun, ich habe nicht wirklich Angst vor seinen Bissen - die Gefahr einer Bestätigung durch ein Zurückweichen meinerseits bei diesen „Angriffen“ besteht also nicht, falls du darauf hinaus wolltest.
Ebenfalls kann ich ihn ansonsten jederzeit anfassen, falls ich mich hier unklar ausgedrückt habe.

…auch wenn er gerade mal wieder voll geladen ist.
Das ist die Basis, Du bist Alpha, daran ist nichts zu rütteln.
Und der Boss wird nicht gebissen!

Auch hier bin ich nicht deiner Meinung. Wie ich bereits erklärte handelt es sich hier um Übersprungshandlungen, die nichts damit zu tun haben, dass er mir zeigen will, wer der Boss ist!
Wenn ich mich in eine Rauferei zwischen zwei Hunden einmische und werde von meinem eigenen Hund im Eifer des Gefechtes gebissen, hat das auch nichts mit Dominanz seitens des Hundes zu tun. Es passiert im Effekt.

Wenn er das akzeptiert hat, kannst Du ihn jedesmal, wenn er
sich aufführt ruhig packen, ein hartes lautes „Nein“ sagen

Wie bereits gesagt wurde, laut werden bringt gar nichts, ist in so einem Fall sogar kontraproduktiv - einen aufgeregten, hochgepuschten Hund mit lauten Worten besänftigen zu wollen, bewirkt genau das Gegenteil - er dreht noch mehr hoch.
Das mit dem ruhig halten (nicht packen - bringt ihn in eine Abwehrhaltung, das wirft mich bindungsmässig wieder 2 Monate zurück) funktioniert leider nicht, das hätte ich schon probiert. Das macht ihn noch hysterischer und ich bewirke damit wieder das Gegenteil vom Erwünschten.

und ihn in einem Nachbarzimmer festleinen (z.B. an einen
Heizkörper). Sein Rumgetobe wird dann absolut ignoriert…

Ignorieren hatte ich zuerst auch probiert. Fruchtet nur leider nicht. Er hat eine Menge Ausdauer…
Aus dem Zimmer bzw. aus der Situation rausbringen zeigt ebenfalls keinen Erfolg - auch das hatte ich schon probiert. Er scheint den Zusammenhang nicht wirklich zu begreifen, wie gesagt, er ist ja in so einer Situation so dermaßen in Rage, dass nichts mehr zu ihm durchdringen kann - die Basis ist also denkbar schlecht.

und er bleibt dort allein für ca. eine Stunde.

Die Antwort darauf überlass ich Steffen :wink:

Es ist völlig egal, aus welchem Grund er sich aufführt. Ob
Männer die kommen oder gehen oder Kinder oder was weiß ich.
Der Hund hat das nicht zu entscheiden. Sonst wird er zur
Gefahr.

Da geb ich dir absolut Recht.

Wünsche Dir viel Erfolg, Son-ja

Dank dir!

Sandra

Hallo Maja!

hast Du mal darüber nachgedacht, seine „Therapie“ eventuell
mit Medikamenten zu unterstützen?

Ja, das habe ich ehrlich gesagt schon - obwohl ich da ja immer etwas skeptisch bin. Bin da eher so der homöopathische Typ :wink:
Habe schon versucht über einen Futterwechsel (niedriger Proteinwert, hoher Faseranteil) eine Unterstützung zu geben.

hast Du das Buch „Verhaltenstherapie bei Hund und Katze“ aus
dem Enke Verlag? Da steht evtl. auch noch der ein oder andere
Tipp drinnen.

Hab ich dreimal von hinten bis vorne durchgelesen und mir auch so einiges rauslesen können - doch für diese speziellen Probleme hab ich auch nichts gefunden.
Die Schwierigkeit für mich ist einfach, dass ich nicht weiß, warum der Hund so reagiert, wodurch dieses Verhalten ursprünglich ausgelöst wurde - dadurch fällt es mir sehr schwer, entsprechende Maßnahmen zu setzen.

Ich danke dir für deine Antwort!

Sandra

Hallo Sandra,

Die Schwierigkeit für mich ist einfach, dass ich nicht weiß,
warum der Hund so reagiert, wodurch dieses Verhalten
ursprünglich ausgelöst wurde - dadurch fällt es mir sehr
schwer, entsprechende Maßnahmen zu setzen.

OK, und wenn Du einfach mal darüber hinwegsiehst, den Grund für sein Verhalten nicht zu kennen?
Ich hirnstürme mal, verzeih mir, wenn ich ganz falsch liege.

Er hat ein Sicherheitsproblem. Wäre es da nicht angebracht ihm Sicherheit zu bieten?
Hunde fühlen sich ja auch an Orten wohl, von denen aus sie beobachten können, aber selbst nicht gesehen werden.
Wäre es eine Möglichkeit den Hund in einem Kennel (den ich am Anfang nicht zu groß wählen würde)unterzubringen wenn Besuch kommt? So dass er zwar dabei ist, aber kein Mensch Gelegenheit hat im in die Augen zu schauen, er also quasie das Gefühl hat unentdeckt zu sein?
Der Kennel könnte dann ja auch sein Körbchen sein, sein Rückzugspunkt, an dem ihn niemand belästigt.

Auch ein fest geregelter Tagesaublauf vermittelt Sicherheit, Stichwort Rituale. Auch in bestimmten Situationen immer gleich reagieren.

Für Kinder habe ich leider gar keine Idee…an deren Unberechenbarkeit haben ja sogar verhaltensunauffällige Hunde zu knabbern.

Gruß
Maja

Er hat ein Sicherheitsproblem. Wäre es da nicht angebracht ihm
Sicherheit zu bieten?

Diesen Ansatz habe ich auch gesehen - denn ich denke schon, dass das Hauptproblem seine Unsicherheit ist.

Hunde fühlen sich ja auch an Orten wohl, von denen aus sie
beobachten können, aber selbst nicht gesehen werden.
Wäre es eine Möglichkeit den Hund in einem Kennel (den ich am
Anfang nicht zu groß wählen würde)unterzubringen wenn Besuch
kommt? So dass er zwar dabei ist, aber kein Mensch Gelegenheit
hat im in die Augen zu schauen, er also quasie das Gefühl hat
unentdeckt zu sein?

Soweit war ich leider schon - doch hier scheint ihm (in dem Fall) der Käfig (an drei Seiten geschlossen) keine Sicherheit zu geben, sondern ihn noch aufzustacheln. Hab ihn langsam dran gewöhnt, er mag den Käfig normalerweise auch (haben ihn auch auf Agility-Turnieren dabei), doch es scheint als würde ihm dieser Kontrollverlust in der Besuchersituation noch mehr zusetzen.
Bisher hat er sich erst immer dann beruhigt, wenn er alle Besucher angeschnüffelt hat - dann legt er sich auch brav in sein Körbchen. Bis zu dem Zeitpunkt, wenn sich einer der Besucher in seinen Augen falsch bzw. bedrohlich verhält. Hier nützt auch der Käfig nichts, solange er die Besucher sehen kann, kontrolliert er sie auch - zumindest mit den Augen.

Der Kennel könnte dann ja auch sein Körbchen sein, sein
Rückzugspunkt, an dem ihn niemand belästigt.

Das ist ohnehin selbstverständlich. Kein Mensch stört ihn in seinem Körbchen, es ist zentral im Wohnzimmer, aber dennoch geschützt.
Ich habe meine Freunde auch so weit „erzogen“, dass sie den Hund weder anschauen, ansprechen oder berühren sollen, wenn sie zu Besuch kommen. Sie halten sich wunderbar daran, aber bringen tut es auch nicht viel.

Auch ein fest geregelter Tagesaublauf vermittelt Sicherheit,
Stichwort Rituale. Auch in bestimmten Situationen immer gleich
reagieren.

Ok, guter Ansatz… Ich überlege nur, wie ich das in den genannten Situationen am besten umsetzen könnte.

Für Kinder habe ich leider gar keine Idee…an deren
Unberechenbarkeit haben ja sogar verhaltensunauffällige Hunde
zu knabbern.

Das ist auch kein direktes Problem, daran arbeiten wir ja separat - solche Dinge klappen auch besser mit ihm, er ist ja sehr lernfähig und zeigt auch eine gute Bereitschaft.
Das einzige Problem sind wie gesagt, diese bes. Situationen, in denen er einfach für nichts mehr zugänglich ist, da er sich so reinsteigert.

Danke dir!

Sandra

Mir reichts auch

Gruß Steffen

Ich hab auch keinen Bock mehr.
Grüße, Son-ja

OT: Einladung an alle!
Wie was?
bist du jetzt sauer weil es neuere Erkenntnisse gibt die leider
der Realität vom Hundeleben näher kommen?

Ich lad alle ein, nur einen Tag lang bei mir Hunde im Chaos zu erleben und dabei mit mir die Verhaltensweisen durchzugehen.
Wer will soll sich melden. Würd mich über produktive Diskussionen rund um das Rudelleben von Hunden freuen.
Aber! Den Hund wegsperren und das zu propagieren wo er sowieso schiß hat… was soll das?

Seit wann produziert Wegsperren vertrauen zwischen Mensch und Hund?

Hab gerade meine Meute ausgesperrt da ich das Haus putzen musste…
Rat mal wo sie saßen… bibbernd hinter der Scheibe weil sie nicht zu mir in die Nähe durften. Und bei Gott es ist nicht kalt draußen.
Plus 14°C

Gruß Steffen

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Ok,
versuchen wir mal die Ansätze zu klären und versuchen den Fall zu lösen.
Hoffentlich klappts…

Also…
Hund hat Angst.
Gegenfragen:
Wie ist seine Körperspannung?
Sind die Lefzen in irgendeiner Form verändert(Haltung)
Wenn er los geht? Beißt er in die Luft?
Gehen irgendwo am Rücken die Haare hoch?
Wie ist der Schwanz gestellt?
Wie sind die Ohren gestellt?
Wie sehen seine Augen aus? Aggressiv, Angst, Neutral?

Wie und wann beruhigt er sich dann wieder?
Muss sich der Besuch erst setzen oder vorher schon anfänglich?
Was genau ist über seine Vorgeschichte bekannt?
Ist der Futternapf/Wasser/ Spielzeug/ andere Ressource in dem Moment nahe am Besuch?
Wen verteidigt er? Alle Hausbewohner, nur einen strikt?
Wer interveniert? Alle gleichzeitig? Einer alleine?
Wurde schon mit Wasserspritze und Belohnung es versucht?

Du siehst, Viele Fragen die nicht beantwortet sind…
Kannst du dir die Mühe machen sie zu beantworten?
Evtl. ein Bild mir schicken?
Würd gerne sehen welche Art von Pinscher sich dahinter verbirgt, und ob nicht dort ein Problem zu finden ist… Mischung evtl. Kontrovers laufend.(Siehe Windhund, Bordercolliemix)
Gruß Steffen

Ein Hund ist ein Hund!
Er hat die Gene des Wolfes, egal, was Menschen aus ihm gezüchtet haben.

Im Wolfsrudel/Hunderudel hat jeder seinen Platz. Wer „Aufsteigen“ möchte, muss sich durchsetzen können.
Was meinst Du, wie lautstark und aggressiv sich ein Leitwolf/hund zur Wehr setzt?
Das ist okay. Wer sich daneben benimmt, der wird erstmal ausgeschlossen.

Nun gut, wer das nicht akzeptieren möchte, der kann auch gerne einem Fisch auf Sand setzen.

Und ich habe nicht gesagt: schrei den Hund an, mal ganz nebenbei.

Mir geht die „Vermenschlichung“ eines Tieres generell auf den Nerv. Ein relativ junger Hund kann sehr wohl umlernen und sich integrieren, wenn die Regeln stimmen.
Er ist kein menschliches Kind, was traumatisiert ganz andere Unterstützung benötigen würde!

Das wars von meiner Seite, Son-ja

Hallo,

hurrrraaaaa
mein Hardcoreintervenieren hier seit Monaten fruchtet ja
doch!!!

Ne, meine Hündin is ne gute Lehrerin :stuck_out_tongue:

Klasse Antwort. Jetzt noch ne gute Lösung dazu schreiben und
ich stell dich als Hundetrainerin bei mir ein !!!

Hab gerade keine Zeit, fixen Vorschlag hab ich keinen, nur Ideen
Wieso liest man keine Lösungsvorschläge von dir?

lg

Wie was?
bist du jetzt sauer weil es neuere Erkenntnisse gibt die
leider
der Realität vom Hundeleben näher kommen?

Bestrafung funktioniert doch so schnell - hast nen charakteristisch total veränderten Hund, der mit ner eingeklemmten Rute deine Befehle befolgt *fg*

Ich lad alle ein, nur einen Tag lang bei mir Hunde im Chaos zu
erleben und dabei mit mir die Verhaltensweisen durchzugehen.
Wer will soll sich melden.

Ich will *gg*, aber ich sitz ja wieder mal hier in Ö und ihr in D :wink:
Darf ich (seehr offtopic) fragen wo du Ausbildung gemacht bzw. Seminare etc. besucht hast?

Aber! Den Hund wegsperren und das zu propagieren wo er sowieso
schiß hat… was soll das?
Seit wann produziert Wegsperren vertrauen zwischen Mensch und
Hund?

Das Folgen in gewisser Hinsicht schon?! Ich hab mit meinem Mädl als sie klein war so lange um mein Bett gekämpft *gg* Sie ist raufgehüpft, ich „nein“ und wenn sie nicht runter ist, hab ich sie runtergehoben…das ging oft ne Stunde so… irgendwann hab ich den Raum mit nem Nein verlassen und die Tür zugemacht - ein zweites Mal noch und sie hats kapiert … aber meine is auch sehr charakterstark - nicht mit nem ängstlichen Hund mit negativen Erfahrungen zu vergleichen :wink:

Lg, Christiane

Hi Steffen,

Ich lad alle ein, nur einen Tag lang bei mir Hunde im Chaos zu
erleben und dabei mit mir die Verhaltensweisen durchzugehen.
Wer will soll sich melden. Würd mich über produktive
Diskussionen rund um das Rudelleben von Hunden freuen.

Hier meld, hab Deine Adresse schon gefunden :wink:
Nicht erschrecken, aber bei Gelegenheit würde ich das Angebot schon wirklich gerne mal wahrnehmen.

Aber! Den Hund wegsperren und das zu propagieren wo er sowieso
schiß hat… was soll das?

Ich würde aber sogar soweit gehen, Verleidung/Tadelung von unerwünschtem Verhalten -und wenn es mit der Spritzpistole wäre- bei einem derart traumatisierten Hund sein zu lassen.

Seit wann produziert Wegsperren vertrauen zwischen Mensch und
Hund?

Das geht natürlich gar nicht…

Hab gerade meine Meute ausgesperrt da ich das Haus putzen
musste…
Rat mal wo sie saßen… bibbernd hinter der Scheibe weil sie
nicht zu mir in die Nähe durften. Und bei Gott es ist nicht
kalt draußen.
Plus 14°C

:wink: ich stelle mir gerade die Gesichter vor *g

Gruß
Maja

Hi Christiane
du wirst lachen,
ich war bei Zimen(leider starb er zu früh), von Reinhard(klasse Frau auch wenn für manchen nicht gerade einfach zu nehmen)
hab mir Bloch und den Fernsehkasper angetan(Bloch… ich liebe seine Einstellung) hab mich in Stuttgart mit den verschiedensten Trainern auseinander gesetzt(T-Touch bis Polizeihundeausbildung), hab mit einem K9 Trainer mich lange unterhalten und auch gegenseitig geübt(super interessant) war dann mit Jagdhundausbildern unterwegs, durfte von Pietralla Winter 98/99 Clickertraining aus erster Hand lernen und letztlich hab ich meine vielen Hunde als Oberlehrer gehabt.
Inzwischen hören meine Hunde kaum mehr als nötig dafür sind sie sozial gut drauf(mir fehlt die Zeit für mehr).
In Stuttgart widmete ich mein Leben nur dem Training von Hunden, hier im neuen Domizil widme ich mich dem Wesen der Hunde, es besser zu verstehen.
Leider erlebte ich Trummler nicht mehr. Aber, wer meint nur weil man bei den Toptrainern der Welt war kann man Hunde trainieren täuscht sich.
Wer kein Herz und keine Seele für Hunde hat, kann egal bei wem er war, nie einen Hund trainieren. Wer aber bei keinem Experten war, kann ein unbekanntes Genie sein.
Daher juckt mich nicht wen ich alles kenne. Ich beobachte meine Hunde, die Gasthunde und daraus ziehe ich meine Lehren. Ein grandioser Mann ist Werner Freund. Ihn hab ich im Grunde zum Vorbild. Ein Leben wie er es führt ist mein letzter Traum im Leben. Doch dazu hab ich noch 20 Jahre Zeit :smile:

Steffen

Ein OT Zusatz zum Thema hier
Für mich gilt ein einfacher Grundsatz.
Je besser ich die Hunde kennenlerne desto mehr verabscheue ich die Menschen(Frei glaub ich nach F.v. Assisi, oder wird der Satz Otto von Bismark in den Mund gelegt???)

Auf alle Fälle, jeder hier kann sehr wichtige Tipps geben, wenn die Halter hier endlich anfangen würden wie Hunde zu denken, sie zu verstehen wie sie sind, wie sie fühlen, was ihre Lebensziele sind.
Fragt nicht was ihr denkt, fragt was euer Hund denkt und versetzt euch in ihn hinein. Das ist der ganze Trick.

Wer propagiert… Rangordnung, Rudelführer, Wegsperren usw. der muss entweder einen Scheiß Job haben und am Wochenende einmal Chef sein wollen oder aber er versteht die Seele seines Hundes nicht.

Nicht Chef sein wollen, Chef sein ist das Ei des Kolumbus. Und wenn du begirffen hast wie man Chef ist ohne dabei Dominant sein zu müssen dann hast du viel gewonnen. Der Hundechef ist Vorausschauend, Entspannend, Futterintelligent und Fortpflanzungsfähig. (siehe hierzu die DVD von der Trummlerstation aus dem Jahr `94, Jahr des Hundes Teil I&II). Er meidet Gefahren und weicht ihnen rechtzeitig aus. Er schützt das Rudel im Notfall als Vorderster und wird jegliche Auseinandersetzung im Rudel unterbinden, jedoch nicht durch Beißen und Unterwerfen sondern durch seine Präsenz.

Wir Menschen streben immer nach oben, Ellenbogengesellschaft. Der Hund ist ein Soziales Tier und will nicht zwingend nach oben. Diesen Trieb hab ich nie feststellen können.
Einmal definiert respektieren Hunde nach ihrer 2. Pupertät ihre Stellung ohne wenn und aber. Und die Althunde erreichen ihre Stellungsklärung durchs Spiel! Nicht den Kampf. Wenn Hunde täglich um eine Stellung kämpfen müssten, hätten sie keine Kraft mehr fürs Überleben. Daher lassen sie es, nur der Mensch der keinen Überlebenskampf hat weil er mittels sozialem Auffangnetz, Geld zum Leben hat, hat die Energiereserven zum Aufstiegskampf.
Daher wehre ich mich hier wehement gegen solche Aussagen.

Sie sind aus Canidensicht totaler Schwachsinn. Wenn ein Canide sich bei einer Auseinandersetzung im Rudel selber verletzt kann er nicht mehr helfen die Gruppe zu schützen und zu ernähren. Dies ist in unseren Hunden auch heute noch drin!
Genau dafür aber lebt ein Hund. Soziale Strukuren die ihm die Möglichkeit geben sicher zu fressen, in Ruhe zu schlafen und das Rudel zu sichern und den Fortbestand zu gewähren

Gruß Steffen

das war mir der punkt wert - wäre schön, wenn ich bereits die rente einreichen könnte, mich meinem hobby zu bekennen und da mehr zu tun.

viele grüße

manfred

… oder - ich seh den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Du siehst ihn schon, Du weißt nur nicht das du ihn siehst.
Da Du nur wage Pinschermix schreibst, tippe ich mal auf einen Dobermannmix oder Deutschen Pinscher-Mix. Wichtig ist der MIX! Es ist doch hoffentlich kein Bordercollie, oder? :smile:

Dein Hund hat ein Problem mit dem er nicht fertig wird. Weil Du ihm dabei die Unterstützung versagst. Du als Rudelfüherin, schäm Dich. Frage ist nur, wenn er so auf Dich fixiert ist, und dich so beschützt, ob Du in seine Augen qualifiziert genug bist für euch beide zu sorgen? Er brauch jetzt einfach mal Deine Hilfe, weil ihm selber das nämlich auch ganz schön auf den Sack geht, wie Steffen schon erwähnte. Der „Kleine“ kann schließlich nicht für alles sorgen.

Ich möchte das Du mal einen Test machst mit Deinem Vater, er soll den Raum (Küche) verlassen und die Tür aber OFFEN lassen. Was passiert?

Was passiert eigentlich, wenn ihr euch alle (mit Besuch) gleichzeitig erheben würdet, und jeder ginge in einen anderen Raum und täte dort irgendetwas? Bei wem würde er letztendlich bleiben? Oder rast er von einem Zimmer ins andere und verbellt alle? Was passiert wenn ihr euch dann von seinem Gebell alle wieder ins Wohnzimmer dirigieren lasst? Probiere es aus!

Zur Backpfeife, aus dem Affekt heraus, sehr gut! Ein schwächerer Hund hätte gekniffen, ein starker oder stärkerer hätte zurückgeschnappt. Soll nicht heißen das man Hunde schlagen soll, aber Punktgenau aus dem Affekt wenn er nach Dir schnappt. Zack! So etwas wirkt beruhigend. Wie war seine genaue Reaktion darauf? Verdutzt? Ängstlich? Verblüfft? Unterwürfig? Wie war Deine weitere Reaktion? Hast Du dann so getan als wenn nichts weiter gewesen wäre? Sehr gut! Oder hast Du noch mit ihm rumlamentiert? Platzverweis etc.? Hach ärgerlich!

Kinder, ja Kinder sind ein Problem. Wie äußert sich sein Mißfallen?
Grundlose Attacken? Oder nur wenn Kinder auf ihn zugehen oder auf ihn einwirken? Alle Kinder? Größe, Geschlecht, Alter? Mit welchen Kindern „übst“ Du jetzt mit ihm?

Männer, naja :smile: welche Männer? Alle? Junge, alte, dicke, dünne, laute leise, südländische Typen? Was ist mit Deinem Freund, Mann, Arbeitskollegen falls vorhanden? Oder seit ihr beide ein zweier Team?

Katzen? Gut kann sein das er ihre Spiele als „Kämpfe“ ansieht und schlichten will? Vielleicht gehen sie ihm auch nur auf die Nerven, weil er sie beide nicht gleichzeitig kontrollieren kann? Blickfeld? Was ist wenn die Katzen bei Dir sind und schmusen? Mit Dir! Wo ist dann der Hund? Was macht er? Darf der Hund zu Dir auf’s Sofa? Und wenn, wie reagiert er wenn die Katzen dazukommen?

Nächster Test:
Vorher bitte als Vorsichtsmaßnahme Oropax besorgen und reinstöpseln.
Fahre das Auto mal in eine abgelegenen Ecke, Seitenstraße. Hole den Hund aus dem Kofferraum :smile: tschuldige. Lass ihn auf den Rücksitz auf eine Decke (Schmutz). Bleibt er dort nicht, leine ihn vorübergehend mittels Sicherheitsgurt am HB an, durchziehen und einrasten. Nicht mit der Leine! Steige ein und fahre ein paar Meter, parke ein, steige aus, schlage die Tür nur zu, gehe zum Kofferraum, nehme etwas heraus und steige wieder vorne ein. Tue dies 3 bis 6 mal. Beobachte aus dem Augenwinkel ganz genau wie sich Dein Hund verhält. Ignoriere ihn aber ansonsten völlig. UND SCHAU IHN NICHT DIREKT AN!

Nächster Test
Fahre ein Stück, halte an, mach den Motor aus, rauche eine (Nichtraucher?) esse ein Stück Schokolade. Ignoriere den Hund vollkommen! Als wenn er gar nicht da wäre. Tue dies auch 3 bis 6 mal. Was tut er?

Bin auf deine Antworten gespannt!
Grüße von der Jagdelster