Hallo,
ich habe 3 Katzen und einen Hund, bin aber eher ein „Katzentyp“. Da ich den Hund erst seit kurzem habe, sind mir einige Unterschiede aufgefallen.
Natürlich gibt es die von Dir genannten, weniger subtilen Gründe: man liebt Tiere allgemein, hat aber nicht die Möglichkeit einen Hund zu halten. Dann nimmt man eben eine Katze.
Dir geht es aber wohl mehr um diejenigen, die prinzipiell die Wahl zwischen beidem haben und sich immer für das eine entscheiden würden (und unter Umständen das andere auch nicht mögen).
Um einen Hund als Haustier artgerecht zu behandeln, bedarf es viel Konsequenz und einer gewissen Härte, die nicht jeder hat. Mir ist das besonders aufgefallen, da ich jahrelang nur Katzen hatte und jetzt auf einmal einen Hund.
Ich bin sehr darauf bedacht, bei der Hundeerziehung alles richtig zu machen und habe festgestellt, dass es mir sehr schwerfällt, den Hund so zu behandeln, wie er es braucht. Man muss dem Hund viel mehr Grenzen setzen als einer Katze. Man macht ihm keine Freude damit, wenn man ihn deutlich bevorzugt - er hat lieber eine beständige, niedrige Stellung im „Rudel“ als eine den Launen und der Zeit des Besitzers unterworfene, mal höhere, mal niedrigere Stellung. Es gehört zur Erziehung dazu, den Hund auch mal zu ignorieren, wenn er Aufmerksamkeit fordert und ihn andererseits auch mal aus seinem Körbchen zu befehlen und zu streicheln, wenn es mir selbst am besten passt.
Diese ständige Stellung als Rudelführer, die ich da einnehmen muss, ist für mich sehr anstrengend. Man muss schon von Natur aus etwas dominant sein, um damit klar zu kommen, damit habe ich große Probleme.
Bei Katzen ist es genau umgekehrt: sie bekommen Beachtung wenn sie es wünschen und ansonsten lässt man sie in Ruhe - sonst macht man sich schnell unbeliebt.
Diese Unterschiede in der Behandlung liegen natürlich im Unterschiedlichen Verhalten der beiden Tierarten begründet (Rudeltier vs. unabhängiger Einzeljäger). Aber was zieht Menschen an der einen oder anderen Tierart an?
Ich kenne einen Hundehalter, der typisch ins Klischee passt: er kommandiert seinen Hund nur herum und verachtet Hundehalter, die ihren Hund mit Leckerchen für Gehorsam belohnen. Sein Hund gehorcht natürlich nicht gut. Er blickt dann neidisch auf die Hunde der anderen und sagt „die machen das ja nur, weil sie dafür ein Leckerchen bekommen“. Er sieht dies als Bestechung, nicht als Belohnung. Er ist offenbar der Ansicht, der Hund müsse ihm aus seiner Natur heraus gehorchen, sei ihm diesen Gehorsam sozusagen schuldig.
Das ist meiner Meinung nach ein Hundehalter, der keine Katzen halten würde - er hat gerade dieses Haustier gewählt, weil er jemanden haben will, der seine Kommandos ausführt.
Das Gegenteil wären die typischen Katzentanten/onkel: sie verwöhnen ihre Katzen wie kleine Kinder, füttern sie mit nicht artgerechten Dingen, erziehen sie nicht (ja, auch Katzen kann man erziehen), so dass sie über Tische und Bänke gehen. Diese Menschen würden keinen Hund halten.
Gruß,
Myriam