Hallo,
- Ich möchte auch gerne wissen, welche Karriere ein Pfarrer
innerhalb des Berufes gehen kann, wo es Hindernisse gibt, und
ob der Pfarrer auch ausserhalb seines Berufes überhaupt tätig
(d.h. akzeptiert) sein wird.
Ein ev. Pfarrer fängt in der Regel als Pastor an, d.h. er hat zwar eine „Pfarrstelle“, aber keine „Kanzel“. Gerade in größeren Gemeinden sind ja oft mehr als ein Pfarrer tätig. Derjenige, der im Pfarrhaus wohnt, ist sozusagen der „Boss“, er hat das Kanzelrecht. Letztlich ist das vergleichbar mit dem Verhältnis eines StR zum OstR in der Schule - also, viel zu sagen hat es im Alltag oft nicht. Man erhält dann im Laufe der Zeit eine eigene Pfarrstelle, d.h. in der ev. Kirche muß man sich bei den Gemeinden bewerben und wird gewählt. Es gibt auch „Funktionspfarrämter“, die die Landeskirchen vergeben, z.B. der Militärseelsorger, Gefängnisseelsorger, oder auch so etwas wie Beauftragter für Kindergottesdienst etc. Diese sind auf einer Stufe mit den Pfarrstelleninhabern. Darüber gibt es den „Superintendenten“ (was ich hier schreibe, gilt für unierte LAndeskirchen, bei den lutherischen heißen die m.W. Probst). Das ist der Vorsitzende eines Kirchenkreises, der zu den anderen Pfarrer steht wie der Direktor eines Gymnasiums zu den Lehrern. Danach geht der Weg nicht viel weiter als bis zur Leitung der Landeskirche. Diese besteht aus mehreren Personen, halb Theologen, halb Laien. Hier gibt es dann das „höchste“ Amt, den Präses in unierten Gemeinden, Kirchenpräsidenten eher in Süddeutschland, Bischof in den lutherischen Landeskirchen. In alle Ämter kommt man durch Wahl, mit Ausnahme der „Funktionspfarrämter“, die man aber nur auf begrenzte Zeit ausfüllen darf. In den jeweiligen Wahlgremien ist die Anzahl der kirchlichen Theologen begrenzt, durchschnittlich auf 25 %:
Ein Beispiel: wenn du heute nicht Informatik gelernt hast,
dann kommst du auch als Quereinsteiger nicht an diese Arbeit,
eine imaginäre Wand steht davor.
Viele „gelernte“ PFarrer sind nicht als solche tätig. Bei den Katholiken hat es viel mit dem Zölibat zu tun, bei den Protestanten eher mit einer zynischen Personalpolitik. Der Vorteil eines Theologen liegt in seiner breiten Ausbildung, zu der eine „klassisch-humanistische“ Ausbildung in den alten Sprachen gehört, Literaturwissenschaft, Philosophie, Psychologie, Rhetorik, Pädagogik, europäische Geschichte etc. In Stellenanzeigen wird nie ein Theologe gesucht (es gibt zu wenig davon), aber ich selbst habe in der „freien Wirtschaft“ sehr gute Erfahrungen sammeln können. Natürlich nicht in der Informatik, aber in allen Bereichen, die etwas mit den berühmten „soft skills“ zu tun haben. Theologen findest zu meistens in beratenden Täigikeiten, Verlagen, Bibliotheken, Erwachsenenbildung, Personalabteilungen. Allerdings, so auch meine Erfahrung, muß sich ein ausgebildeter Theologe für den „Traumberuf“ schon ein Jahr Zeit geben…
Grüße,
Taju