Hallo Kermit,
ich habe nicht alle Antworten gelesen und finde meine Meinung leider in den meisten bestätigt. Was mir aber dazu noch durch den Kopf ging: bei Deinem Titel dachte ich erst, "Wow, da traut sich jemand diese bösen Worte zu äußern, die man doch so nie sagen würde - außer mit 5 Ausrufezeichen dahinter und einem
, was dann durch den Inhalt sich bestätigen würde. Also wenn etwas einigermaßen Belangloses passiert wäre, worüber man gleichzeitig lachen kann. Z.B. wenn Du ein Bild von Deinem Kind bekommen würdest, aber leider das Rot ausgegangen ist und das Kind sich erinnert, dass Du genau diese Farbe hast, und auch noch so gerne, denn es ist Dein guter und geliebter Lippenstift. Oder war. (Diese Kind wäre vielleicht jünger als 13, aber egal). So war es aber nicht. Leider.
Kurze Frage: Hättest Du auch geschrieben: „Ich hasse mein Kind“ oder warst Du so distanziert?
Als ich 13 war bauten meine Eltern auch gerade. Sie hatten keine Zeit für mich, ich nicht genug Ahnung von der Pubertät, trotz größerer Schwester, ich war nicht aufgeklärt, und bekam trotzdem meine Tage. Es war mir unheimlich peinlich, denn mit wem sollte ich sprechen? Zunächst mußte ich aber erstmal drauf kommen, was das überhaupt war.
Ich war sehr unsicher und obwohl ich es mir nicht eingestehen wollte, voller FRagen und Probleme. Und ich sah auch ziemlich häßlich aus, das machte mich noch unsicherer. Pickel, moppelig, schreckliche Haare, eine Frisur war nicht erkennbar. Meine Klamotten sahen auch schlimm aus (ich will hier gleich sagen, dass ich nicht ein Vertreter teurer Marken bin!). Meine Mutter sah immer ganz gut aus, sie hat sich nie ins Bad gestellt, sondern war einfach immer ok, nicht superschön, aber gut. Ich habe es daher nie gesehen von ihr, wie man sich die Haare macht, was mit den Pickeln. Wie man sich mit Jungs verhält, was das überhaupt alles ist, diese Jungs, die plötzlich so einen anderen Stellenwert bekommen. Erst viel später bekam ich mit, dass andere Freundinnen so viel mehr wußten über Haar- und Hautpflege, dass es acuh schön sein kann, seine Weiblichkeit zu zelebrieren. Viellciht kannst Du Deiner Tochter das ein wenig nahe bringen, vielleicht fühlt sie sich durch ihr Äußeres sehr verunsichert und reagiert mit Desinteresse auf Deine Versuche, weil a) Du als ihre „nervende Mutter“ (die bist Du ganz natürlich für eine 13järige öfters) und b) sie es nicht anders weiß.
Du hast Dein Kind mit „die“ und „das Kind“ betitelt, wenn Du von ihr geschrieben hast in Deinen unteren Postings. Das klingst so abwertend, sie ist ein kleiner, pubertierender Mensch, der sich wahrscheinlich so wahnsinnig lebenserfahren und erwachsen vorkommt - manchmal. Und manchmal gar nicht mehr weiß, ob er ein Kind ist oder ein Erwachsener oder ein Pickelmonster. Und dann vielleicht die gute Freundin, die immer da war, plötzlich eine Freund hat oder eine andere beste Freundin und sie auf dem Schulhof nun nicht mehr zusammen tuscheln, sondern die andere in der Ecke knutscht. Und vielleicht hat auch der, der gerade wieder etwas falsch gemacht hat, und sie davon nur zu reden weiß, ihr Interesse geweckt, aber sie kann gar nicht anders darüber reden, als seine vermeintlichen Verfehlungen zu besprechen. Oder vielleicht fühlte sie durch Verfehlungen anderer angegriffen, fühlt sich aber bei Euch zu Hause nicht so aufgehoben, dass sie mit Euch drüber spricht und dennoch ein Ventil sucht.
An anderer Stelle schriebst Du, Deine Tochter hätte in den Ferien Geburtstag gehabt und hätte daher feiern dürfen. Vielleicht habe ich es falsch gelesen, aber ich fragte mich, ob sie das sonst nicht hätte dürfen? Hat sie denn Freunde, weißt Du es? Deine Tochter ist alt genung ihre Freunde selbst einzuladen,sie würde es wohl nicht wollen, dass Du jemanden einlädst. Aber Du kannst ihr doch zur Seite stehen und z.B. gemeinsam eine Einladungsliste machen. Und wenn Du merkst, da stockt es mit den Freunden, kannst Du sie einfach in den Arm nehmen. Sie muß nicht sofort alles erzählen, sie muss nur sich geborgen fühlen, denn sie ist bei Dir und Deinem Mann zu Hause.
Wo ist ihr Vater morgens beim Frühstück? Wie geht ein Kind zur Schule, wenn Mama morgens schon tippt, sie selbst am Fernseher hängt. Was isst sie denn? Toast und Cola? Wenn Du ein bisschen auf sie achtest und auch wie und was sie isst, kann sie diese kleinen Dinge in ihren Alltag einbauen udn sie vermehren sich von selbst. Ordentliches Frühstück bringt a) gesunde Ernährung, b) zumindest gemeinsam am Tisch sitzen, auch wenn nicht geredet wird, c) ein kleines Ritual der konkreten Ordnung. Diese wird sie vielleicht erst einmal ablehnen, aber ich denke, Kinder brauchen diese Ordnung (oder Regeln) und übernehmen sie dann in ihren Alltag. Wenn sie fürs Frühstück gefragt ist, wird sie sich dessen bewußt, dass sie auch in anderen Dingen gefragt sein könnte.
Thema: A… aufreißen für dieses blöde Kind: das sind sehr harte Worte. M.E. arbeitest Du doch auch gar nicht halbtags, wie Du woanders beschreibst. Halbtags wäre 8-13Uhr, aber nicht 5.30-23.00. Ich weiß, man kann nicht sich immer an die bestimmte Stundenzahl halten, aber entweder übertreibst Du oder es läuft ganz gründlich was schief. Denn wenn auch Du mit einer 13jähringen Tochter gar keine Zeit mehr hast, die Du für Dich in Anspruch nehmen kannst, dann ist das für Dich sehr schade. Deine Tochter braucht Dich nicht mehr 24Stunden am Tag. Wie wäre es, wenn Du zweimal die Woche etwas länger arbeitest, dafür mit Deiner Tochter frühstückst, sie bittest, an den beiden Tagen das Essen zu machen, ihr da aber Hilfestellung gibst und gleichzeitig Freiraum läßt (auch wenn es dann mal grausam schmeckt, dann kann man lachen und ne Pizza machen). Gönn Dir auch während der Bauzeit ein wenig was für Dich. Ist „das blöde Kind“ tatsächlich Schuld daran, dass Du Angebote hast sausen lassen? Du hast Dich dafür entschieden, oder hast die Entscheidung nicht wirklich zu Deiner gemacht. Was genau ist Dir entgangen? (Keine rhetorische Frage!). Würdest Du Dich jetzt denn soviel besser fühlen können oder stündest Du soviel besser da? Man kann einer getroffenen Entscheidung durchaus hinterhertrauern - begrenzt - aber man darf nicht andere dafür verantwortlich machen, vor allem nicht sein Kind. Denn auch mit Kind geht eine ganze Menge, es ist allerdings ein Frage, ob man es sich zutraut und das oftmals große Risiko, ob es klappt, tatsächlich eingehen will. Man muss es nicht eingehen wollen! Trotzdem kann man denken, „hätte ich gerne gemacht“. Aber nicht das Kind ist dran Schuld, etwas nicht gemacht zu haben, sondern man selbst.
Deiner Tochter könnte vielleicht eine Sport-AG gut tun. Dann duscht man auch von selbst.
„dem sei bestätigt, dass dieses Kind durchaus ein extrem geplantes und gewolltes Kind ist, bei dem so ziemlich alles schiefgeht/schiefging, das man sich vorstellen kann. Beginnend mit diversen Fehlgeburten, miserabler Schwangerschaft. Und das Chaos nimmt -wie man hier liest- kein Ende.“ schriebst Du weiterhin.
Ich meine fast, hier wieder als Schuldigen Deine Tochter zu sehen, so wie Du schreibst. Diesmal heißt Deine Tochter Chaos. Mir kommt es alles etwas bösartig vor. Doch wenn Deine Tochter ein Chaos ist, dann sie begeistert, ein Chaos ist eine sehr komplexe Sache, sie bschäftigt Heerschaften von Wissenschaftlern! War Dein Kind zu extrem geplant? Gibt es eine Wunschvorstellung, wie sie zu sein hat? Fragst Du Dich das manchmal im Stillen, warum sie nicht anders ist, als sie ist? Wenn es so wäre, such Dir schnell jemanden, mit dem Du so etwas besprechen kannst, denn sie würde es merken. Ich hoffe bloß, dass es nicht so ist. Nur leider habe ich gar nicht Nettes über Deine Tochter gehört, dass fände ich im Eifer des ersten Gefechts noch einigermaßen (!)nachvollziehbar, aber auf Nachrfragen fällt Dir nur ein:
„Sie raucht nicht, sie trinkt nicht, hat noch kein Kind empfangen“. Was um aller Welt wäre, wenn sie es täte oder wenn sie schwanger würde? Würdest Du sie verstoßen? Wäre sie ein schlechter Mensch? Würde sie etwas von Dir erwarten können? Würde sie Dir von einer SChwangerschaft überhaupt erzählen? Dich um Rat und Hilfe bitten? So wie ich Dich wahrnehme, würde ich es an ihrer Stelle nicht tun, denn ich würde erwarten zu hören, daß ich stinkendes und störendes Element jetzt eine noch größere Belastung bin, die gefälligst selber auslöffeln soll, was sie sich eingebrockt hat.
Mensch, wach mal auf! Ohne jemanden, der ihr einen guten Weg zeigt und ihn auch ein Stück weit mitläuft und auch den ein oder anderen Stien aus dem Weg zu räumen hilft, kommt sie vielleicht in eine nicht so positive Richtung.
Auch ich habe von meinen Eltern in der Kindheit gegenüber Dritten manches Mal gehört, dass ich nicht genug helfe im Haushalt, oder mich nicht richtig verhalte oder wieder irgendwas gemacht habe, was nicht gut war. Das hat weh getan, denn sie haben es anderen erzählt, ohne mir zuvor etwas davon zu sagen. Das war sozusagen die Maßregelung vor Dritten, damit es besser wirkt. Sie haben auber auch Nettigkeiten gesagt. Eine Freundin von mir meinte damals, ihre Eltern würden immer nur Gutes über sie erzählen, das wäre ihr auch unangenehm. Jetzt überleg mal, was auf ein Kind schlimmer wirkt. Und es sind schlimmere Dinge, die Du hier rausläßt, ich wage zu vermuten, dass Du ihr gegenüber Dich nicht groß anders verhälst oder auch am Telefon solche harten Worte verwendest und sie Deine Abneigung spüren kann.
Im Moment scheint Deine Tochter keine große Selbstachtung zu haben oder sich ihrer Außenwirkung nicht sicher zu sein. Ein „Du stinkst, Dusch Dich mal“ hilft da nicht. Sei konsequent, erklär ihr, warum sie auf sich achten soll. Nimm sie zum nächsten Einkauf mit und lass sie sich ihr Duschzeug und ihre Haarspülung und ihr Deo selbst aussuchen, kann alles im preislichen Rahmen liegen. Meine frühere Klassenlehrerin hat die ganze Klasse auf einmal aufgeklärt, dass es unzumutbar ist, in die Klasse zu kommen, sie würde uns ein Deo doch sehr ans Herz legen weil… dann kam die große Erklärung und wir fühlten uns alle so erwachsen, dass es fast zur inoffiziellen Hausaufgabe geworden war, sich ein eigenes Deo zu kaufen und das fleißig zu benutzen.
Deine Tochter bringt Dich sicher zur sprichwörtlichen Weisglut - Du tust das auch umgekehrt, das ist eben so. Aber lass es nicht ausarten, indem Du, die sie beim Aufwachsen begleitet, sie mit Frust, Hass und Schuldgefühlen überziehst und ihr jedes Selbstbewußtsein nimmst. Wenn es nicht anders geht, such eine Ganztagsschule. Wenig Zeit gut miteinander zu verbringen ist besser, als viel Zeit schlecht.
Ich wünsche Euch sozusagen „Gute Besserung“.
Ariane