'Ich' oder 'mein Gehirn'?

Hallo!

„Ich“ bzw. „mein Gehirn“ hat da mal eine Frage. Und zwar:
Wenn ich von meinem Ich, also von mir rede, beispielsweise indem ich sage „Ich mag Musik“, dann ist es doch letztendlich mein Gehirn (welches mein Ich (also mich) ermöglicht), das mit dieser Aussage sich selbst beschreibt, oder?
Schließlich sind mein Ich und mein Gehirn doch ein und die selbe Instanz und nichts voneinander getrenntes, oder?
Das Wort „ich“ ist demnach also ein Repräsentant des Gehirns mit Bezug auf meine gesamte Person aus Fleisch und Blut und alles, was dazu gehört, kann man das so sagen?

Wohl eher ein sprachliches Problem, aber offentlich könnt ihr mir das erläutern.

Gruß,
michl

Hallo Michl!

Wenn ich von meinem Ich, also von mir rede,
beispielsweise indem ich sage „Ich mag Musik“, dann ist es
doch letztendlich mein Gehirn, das mit dieser Aussage sich selbst
beschreibt, oder?

Insofern ja, da es dein Gehirn ist, das etwas beschreibt, weil es die Instanz ist, in der die Worte formuliert werden. Das heißt jedoch nicht, dass nur dein Gehirn die Musik mag, oder? Ich denke, dass insbesondere Musik etwas ist, das sehr viel mit Emotionen zu tun hat, d.h., Gefühle hervorrufen kann, nach Stimmungen ausgewählt wird. Musik kann mit emotionalen Erinnerungen gekoppelt sein: man mag ein Musikstück, weil man es in einem schönen Moment gehört hat und würde es einem unter anderen Umständen vielleicht überhaupt nicht gefallen. Und schließlich hört man Musik ja nicht nur, man fühlt sie auch.
Wenn du sagst: „Ich habe Fußpilz“, dann hast ja auch Du Fußpilz und nicht dein Gehirn, oder? :smile:

Schließlich sind mein Ich und mein Gehirn doch ein und die
selbe Instanz und nichts voneinander getrenntes, oder?

Ich begreife als Ich mein Gehirn, aber auch meinen Körper, mein Gefühl, meinen Charakter, meine Anlagen und die Einflüsse aus Sozialisation und Erziehung, die mich geprägt haben. Somit sehe ich das Gehirn als Teil des Ichs, aber nicht als ein und die selbe Instanz.
Auch nach der Einteilung von Freud in Ich, Über-Ich und Es entspricht nicht nur das Ich deinem Gehirn, sondern ebenfalls die Normen und Werte, die du dir im Laufe deines Lebens angeeignet hast, die sich in deinem Über-Ich manifestiert haben. (Das Über-Ich versinnbildlicht die kontrollierende Instanz , es besteht aus verinnerlichten Normen und Werten. Das Es repräsentiert die Triebseite der Persönlichkeit. Das Ich vermittelt zwischen dem Über-Ich und dem Es.)

Das Wort „ich“ ist demnach also ein Repräsentant des Gehirns
mit Bezug auf meine gesamte Person aus Fleisch und Blut und
alles, was dazu gehört, kann man das so sagen?

Ich denke nein. Es lässt zu vieles von dem außer acht, was dich ausmacht.

Grüße,
jeanne

Hallo, Michl,
genau um diese Frage geht es morgen, 10.8. um 21.05 in der Sendung von WDR5 http://www.wdr5.de/index.phtml?beitrag=919454
Wenn Du bei Dir diesen Sender nicht empfangen kannst, kannst Du Dir nach der Sendung das Manuskript der Sendung oder einen Podcast davon bei WDR5 aus dem Internet herunterladen.
Gruß
Eckard

Hallo,

Wenn ich von meinem Ich, also von mir rede,
beispielsweise indem ich sage „Ich mag Musik“, dann ist es
doch letztendlich mein Gehirn (welches mein Ich (also
mich) ermöglicht), das mit dieser Aussage sich selbst
beschreibt, oder?

nein. Die Begriffe „Ich“ und „Gehirn“ gehören unterschiedlichen Ebenen an. „Ich“ gehört der Ebene an, auf der wir von Personen sprechen, „Gehirn“ gehört der Ebene an, auf der wir von Körperteilen sprechen.

Personen sprechen, denken, lesen, lieben, verurteilen, bewundern, rechnen, haben Angst, mögen usw. Das Gehirn stoffwechselt, es kann sich ausdehnen, zusammenschrumpfen, sich entzünden, Tumoren bilden usw. Es ist ein Organ, keine Person. Es kann nicht sprechen, nicht denken, nicht sehen, nicht lesen, nicht verurteilen, bewundern, Angst haben usw.

Bedauerlicherweise wird dies in Berichten über den Fortschritt der Neurowissenschaften häufig nicht deutlich. Es liegt zum Teil daran, daß Neurowissenschaftler häufig in Metaphern sprechen, die man zum Beispiel so übersetzen kann: „Wenn wir davon sprechen, daß das Gehirn denkt, dann meinen wir, daß wir erhöhte Stoffwechselaktivität und elektrische Aktivität eines bestimmten Typs in bestimmten Bereichen des Gehirns feststellen, von der wir wissen, daß unsere Versuchspersonen zu der Zeit, als wir diese Aktivität festgestellt haben, davon berichtet haben, daß sie über etwas nachgedacht haben.“

Grüße

Das ICH oder der „Geist“ ist die wahrnehmende und denkende Instanz, der Körper der Speicher von Erfahrungen, und beide bilden eine Seele, die das eigentlich Lebendige an uns ist. http://freenet-homepage.de/Traumanalyse-Seelenmodell… .
Im Grunde ist es also nicht Dein Ich, der die Musik hört, sondern Deine Seele.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi michl!

Schalte mal Dein Hirn an!

Gesetzt dem Fall :

Ein Baby ist ein „ich“ - bei völliger organischer Intaktheit des Hirns werden dem Kind Reize verwehrt. Das Hirn könnte sich nicht wie normal üblich entwickeln. Trotzdem würde das „Ich“ existieren Grundbedürfnisse zur Lebenserhaltung haben.

DU lernst mit Reizen umzugehen, sie zu erfassen, zu erkennen , einzuordnen, Verbindungen herzustellen, sie gebrauchsfertig zu machen, zu lagern und abrufbereit zu halten. …Verbindungen zwischen den Hirnhälften schaffen…

Die Reize, mit denen Du ständig konfrontiert wirst und Deine momentane Motivation - Dein Wollen- lassen „die Funken springen“.
Doch Dein Hirn kann nur so gut funktionieren, wie Du es ihm beigebracht hast und es auch weiterhin trainierst.
Trotzdem werden die cerebralen Leistungen ab einem gewissen Alter abnehmen - und auch dann liegt es am „ich“ und seiner Einstellung, was es daraus macht.

Aber: das „Ich“ braucht das Gehirn zur Existenz - wie umgekehrt - sie gehören existetiell zusammen - und beeinflussen sich gegenseitig.
Das „Ich“ entscheidet dabei das „Wie“.

Gruß Roxelane

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ich danke euch für eure Antworten!
Sie haben auch ein bisschen geholfen.

Der Fortschritt der Neurowissenschaften und Psychologie interessiert auch mich, nur bin ich als Laie dieser Wissenschaften hoffnungslos überfordert, um mich damit tiefschürfend und kritisch auseinanderzusetzen, wie mit so vielen Dingen im Leben. Und das, was man in den gängigen Medien davon erfährt, klingt für mich oft eher nach Sensationsgeilheit. Auch werden die Themen nicht gerade nachvollziehbar dargestellt und mit dem wissenschaftlichen Fachjargon kann ich auch nicht mithalten.

Ohnehin geht es wohl um Themen, über die man ganze Berge von Büchern nicht bloß schreiben KÖNNTE, sondern dies vermutlich auch TUT. Und um diese zu verstehen, nachzuvollziehen oder sich kritisch (und nicht leichtgläubig) mit ihnen auseinandersetzen zu können, muss man wohl Psychologie studiert haben. :o(
Und das kommt für mich nicht in Frage, da ich mit dem erforderlichen Numerus Clausus nicht mithalten kann.

Von Sigmund Freuds Ich-Model hat mir (bzw. uns, also dem Kurs) netterweise schon mein Deutsch-LK-Lehrer erzählt. Er ist ein großer Fan von Freud. Außerdem haben wir Themen wie Psychoanalyse und Kulturentwicklung etwa in Bezug auf Hoffmanns „Der Sandmann“ angewendet.

Gruß
michl

…aiwendil,

Ich weiß ja nicht, MIT WAS DU DENKST??!

Das Gehirn kann … nicht denken, …

Bei mir ist das Denken schon ein Vorgang, der im Gehirn stattfindet…

Aber wie war das nochmal bei den Männern…? :smile:

fragt sich
jeanne

Hallo Jeanne,

Bei mir ist das Denken schon ein Vorgang, der im Gehirn
stattfindet…

hast Du einmal nachgeschaut oder woher weißt Du das?

Was man über das Gehirn weiß, ist, daß dort Stoffwechselprozesse und elektrische Vorgänge stattfinden. Bestimmte Stoffwechselprozesse und elektrische Vorgänge in bestimmten Teilen des Gehirns gehen mit bestimmten Aktivitäten der Versuchspersonen einher, von denen die Versuchspersonen sagen, daß es Denken ist (oder von denen man sagt, daß für diese Tätigkeiten Denken notwendig ist).

„Einhergehen“ ist aber nicht das Gleiche wie „identisch sein mit“. Wenn bestimmte Stoffwechselprozesse und elektrische Aktivitäten mit Denken identisch wären, müßte Denken ja die gleichen Eigenschaften haben wie bestimmte Stoffwechselprozesse und bestimmte elektrische Aktivitäten und umgekehrt. Mein Denken jedenfalls hat sicherlich nicht die gleichen Eigenschaften wie das Membranpotential in den Nervenzellen meines Gehirns. Wie steht es mit Deinem Denken? Hat Dein Denken ein paar Millivolt Potentialdifferenz zum Extrazellulärraum und kann mit der NERNST-Gleichung beschrieben werden?

Grüße

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OT Studienfach

Der Fortschritt der Neurowissenschaften und Psychologie
interessiert auch mich, nur bin ich als Laie dieser
Wissenschaften hoffnungslos überfordert, um mich damit
tiefschürfend und kritisch auseinanderzusetzen, wie mit so
vielen Dingen im Leben.:open_mouth:hnehin geht es wohl um Themen, über die man ganze Berge von
Büchern nicht bloß schreiben KÖNNTE, sondern dies vermutlich
auch TUT. Und um diese zu verstehen, nachzuvollziehen oder
sich kritisch (und nicht leichtgläubig) mit ihnen
auseinandersetzen zu können, muss man wohl Psychologie
studiert haben. :o(
Und das kommt für mich nicht in Frage, da ich mit dem
erforderlichen Numerus Clausus nicht mithalten kann.

Gruß
michl

Hey Michl,

Wie wärs denn mit Soziologie?
Hast zwar die biologischen Grundlagen nicht dabei (aber im Grundstudium sicher genug Freizeit die dir anzulesen) aber es ist der Psychologie verwand. hatte auch mal Psychologie studieren wollen. Allerdings wegen Nummerus Clausus gings nur als Magister-Nebenfach(Nebenfach sollte auch bei dir möglcih sein, Magister gibts nimmer oft aber bei Diplom isses auch möglich)fand dann allerdings das doch nich so aufschlussreich, Soz. hingegen schon :smile:

Grüsse, Sophie

Interessanter Beitrag!
;o)

Schließlich sind mein Ich und mein Gehirn doch ein und die
selbe Instanz und nichts voneinander getrenntes, oder?
Das Wort „ich“ ist demnach also ein Repräsentant des Gehirns
mit Bezug auf meine gesamte Person aus Fleisch und Blut und

Moin,
darüber solltest du mal mit ein paar tibetischen Mönchen reden…
Das ICH ist da völlig unwichtig, da gibt es nur " the mind" und die dazugehörige FRage „what is the mind?“.
Oder lies mal Krishnamurti, der befasste sich auch ausgiebigst mit diesem Thema.
Gruß,
Claudia

Moin,

zur Einführung für Unbedarfte :smile: in die Thematik empfehle ich das Buch „Ich. Wie wir uns selbst erfinden“ von Siefer/Weber, ISBN: 3593376768 Buch anschauen.

Wenn du dich etwas eingelesen hast, dann mach mal weiter bei Thomas Metzinger, http://www.philosophie.uni-mainz.de/metzinger/ z.B. mit dem Buch „Being No One. The Self-Model Theory of Subjectivity“, ISBN: 0262633086 Buch anschauen. Da wirds dann richtig scharf :smile:

Gruß
Marion