Im Rilkes Gedicht "Im Herbst": worauf bezieht sich die zweite Strophe?

Liebe Alle

Ich bräuchte nun eilig Eure Hilfe. Es geht darum, dass eine russische Dame von jemandem aus Wien eine Hilfe geholt hat, und zwar betreffend des Rilkes Gedichts „Im Herbst“. Da schreibt die Muttersprächlerin:

„Meiner Meinung nach bezieht sich die zweite Strophe eben auf diesen „Laurenziberg“, der sich „auf Strahlenkrücken stützt“.“

Und damit bin ich gar nicht einverstanden, weil für mich ganz klar ist, dass das „auf Strahlenkrücken stützt“ sich auf die Sonne bezieht, die „sucht müd schon frühe ihr Valladolid“.

Nun wäre ich froh, wenn Ihr mir in dem Fall Eure Meinungen hier schreibt, dass ich sie in die entsprechende Diskussion übertragen könnte.

Danke im voraus.

Im Herbst

Ein Riesenspinngewebe, zieht
Altweibersommer durch die Welt sich;-
und der Laurenziberg gefällt sich
im goldig-bläulichen Habit.

Weil er so mild herübersieht,
sucht müd, gestützt auf Strahlenkrücken,
die Sonne hinter seinem Rücken
schon frühe ihr Valladolid.

Ohmann, das klingt ja fast 1:1 zu meinem Jahreszeitengedicht zum Herbst :sob: ,welches ich noch nie wagte, einen Menschen beurteilen zu lassen (schäm).

Mit der Interpretation bin ich ganz bei Dir; die Sonne, die müde wirkend immer früher/schneller untergeht, besonders hinterm Berg verschwindet, die Tage kürzer zu werden scheinen; die Strahlen, die die Wolken - Durchbrüche im Herbst besonders in Szene setzen, während sie (die Sonne) schon wieder weiterwandert, um spanisches Dorf noch ein bisschen länger zu bescheinen…

¡buenas noches, hombre!

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Vielen Dank! Ich habe es bereits weitergeleitet. Es muss aber noch mehr Zustimmungen kommen, um die Dame zu überzeugen, weil sie leider etwas stur ist.

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Servus,

es könnte das in Richtung herbstlichem Sonnenuntergang liegende Valladolid (Mexiko) gemeint sein, das mit 3.120 Sonnenstunden im Jahr ein dankbares Betätigungsfeld für die Sonne ist.

Schöne Grüße

MM

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Es gibt doch fast immer mehr als nur eine Deutungsebene?
Und ist es nicht -auch- Kunst, wenn verschiedene Personen sie verschieden wahr nehmen?

Für mich gerade spannender die Frage: Was bedeutet „Valladolid“, ausser den Namen einer Stadt?

Habe dieses Gedicht noch nie gesehen, es scheint eines von den früheren zu sein (?).

Nun ja, mein erster Treffer war die Stadt in Nord-Spanien, und es gibt noch mehr:

ja, es ist eines von den früheren, Erstdruck 1895:

https://de.wikisource.org/wiki/Im_Herbst_(Rilke)

Ich denke, dass der genaue Ort in dem Fall nicht unbedingt ausschlaggebend ist. Ich nehme an, dass damit nur auf die Richtung hingedeutet wird, wo die Sonne im Herbst untergeht, also gen Süd-Westen.

Aber: ich bitte Dich vielleicht doch noch Deine Meinung hier kund zu geben - worauf bezieht sich in dem Fall das „auf Strahlenkrücken stützt“ - auf die Sonne oder auf dem Berg? Und ich bitte Dich, dass Du Deine Meinung so formulierst, dass ich es dann eins zu eins übertragen kann.

Bezieht sich eindeutig auf die Sonne. Nur sie kann sich „auf Strahlenkrücken“ stützen.

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Ob Du mir auch antworten könntest: worauf bezieht sich in dem Fall das „auf Strahlenkrücken stützt“ - auf die Sonne oder auf dem Berg?

Das hat aber nichts mit Deutungsebene zu tun, weil der grammatiklische Bezug eindeutig ist.

Manche Leute lässen sich nur durch Einschübe und Zeilenumbrüche verwirren:

Weil er so mild herübersieht, sucht müd (…) die Sonne hinter seinem Rücken schon frühe ihr Valladolid.

Im Nebenstatz geht es eindeutig um die Sonne. Damit beziieht sich auch derv Einschub:

gestützt auf Strahlenkrücken

auf die Somne. Da muss man nichts interpretieren oder diskutieren.

Und ist es nicht -auch- Kunst, wenn verschiedene Personen sie verschieden wahr nehmen?

Kunst kann verschieden Wahrgenommen werden, aber das heißt nicht, das man über Kunst jeden beliebigen Unsinn verzapfen kann. (Und noch viel weniger heißt es, dass etwas automatisch Kunst ist, wenn es verschieden wahrgenommen wird.)

Auch im Angesucht von Kunst muss man nicht den Verstand ausschalten.

Gruß,
Max

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Entschuldige, aber ich finde dein Vorhaben absolut albern und kindisch. Es hat schon EINE Person deine Meinung bestätigt (sorry, inzwischen zwei), es hat NIEMAND

zugestimmt. Was soll das bringen? Was ist, wenn die

woanders nach Meinungen sucht, die der anderen Interpretation zustimmen, und sie sie auch findet? Wollt ihr euch in Forenzitaten duellieren, oder was? :woman_facepalming:

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Vienen Dank!

Hier geht es um die Deutsche Grammatik vor allem: ob man es überhaupt anders auslegen könnte. Und da muss ich mich ja auf Muttersprächler beziehen. Die Dame aus Wien hat mit ihrer Meinung ja alles erschwert.

Danke, der Meinung bin ich auch

Darauf hat @Denker_a_D ausführlich genug geantwortet. Nochmal: was bringt es dir, wenn noch mehr Leute antworten „das sehe ich wie du“?

Dem Duden sind übrigens nur Muttersprachler bekannt: https://www.duden.de/rechtschreibung/Muttersprachler

Servus,

es bezieht sich auf die Sonne. Krücken sind Gehstützen, das Wort „Strahlenkrücken“ ist ad hoc gebildet: Die schwächliche Sonne benutzt ihre eigenen Strahlen als Gehstützen.

Das Bild bezieht sich auf Krepuskularstrahlen, die bei Dunst oder Staub zwischen oder neben Wolken am Himmel zu sehen sind - typisch bei höherer Luftfeuchtigkeit und niedrigeren Temperaturen (= leichtere Kondensation) bei Herbstwetter.

Schöne Grüße

MM

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danke-danke!

Servus,

auf Valladolid (Mexiko) war ich gekommen, weil die Richtung ab Prag etwas besser zum Sonnenuntergang im (meteorologischen) Herbst passt - Sonnenuntergang Richtung Valladolid in der spanischen Meseta geht schon ziemlich auf Wintersonnwende zu.

Schöne Grüße

MM

vielen Dank! das ist es, worauf es mir in dem Fall ankommt!

ist schon Möglich, ich glaube aber nicht, dass gerade Rilke so stark in der Weltgeographie war :wink: