neulich kam mein Sohn mit zwei sehr großen (von der Schläfe bis zum Kinn über die ganze Wange) Kratzwunden heim. Sie hatten offensichtlich (leicht) geblutet (zumindest teilweise) und es bildete sich gerade eine Kruste. Er meinte ein Klassenkamerad hätte das versehentlich gemacht. Wir haben ein bißchen Spaß gemacht und gut wars.
Etwa 10 Tage sind seitdem vergangen und man sieht beide Kratzer noch recht deutlich.
Mir würde gesagt, dass ein Kind, dass sich in der Schule verletzt grundsätzlich nicht behandelt wird. Allerhöchstens wird Leitungswasser an der Wunde übertragen. Sollte die Wunde „ernster“ aussehen, wird ein Arzt konsultiert oder das Kind zu ihm gebracht.
Das hat mich zu denken gegeben. In meiner Heimat, zumindest damals, sind wir regelrecht von den Dozenten „verarzt“ worden und bekamen, bei Kratzwunden immer Alkohol und dann entweder einen Pflaster oder Chromquecksilber darauf. Ich wußte von keinem Kind, der davon irgendwelche Schaden davon getragen hätte.
Wann hat sich das verändert? Und vorallem, warum? Gab es Fällen, hier in Deutschland, die dazu beitrugen, das zu ändern?
Fragen über Fragen!
Über sachdienstliche Antworten würde ich mich sehr freuen! Vielen Dank!
die Wunde reinigen sollte mindestens sein. Ansonsten ist es so, dass kleine Kratzwunden am besten verheilen, wenn sie nicht zugeklebt sind. Aber solltest du da medizinisch intensivere Fragen haben ist das Medizinbrett dein Freund.
Mein Sohn hatte schonmal von einem Sturz eine komplett aufgeschrammte Nase - das blieb noch Wochen und Monate sichtbar - die Wunde wurde im Kindergarten mit Wasser gereinigt, die Nase oberhalb der Wunde auf Schäden abgetastet und mit feuchten Tüchern gekühlt. Ich war damit durchaus zufrieden, denn anders hätte ich selbst auch nicht gehandelt. Hättest du deinen Sohn mit den Kratzern sofort zugepflastert?
eigentlich ein sehr heikles Thema - aber hier geht es weniger
um die Wundversorgung, sonder mehr um andere Dinge wie
hat das Kind Allergien
wer haftet bei „falscher“ Versorgung
und und und …
Deshalb lassen die Schulen lieber die Finger von sowas und
schicken die Kinder gleich zum Arzt.
Genau so ist es.
Wir (Schulsekretariat, Hausmeister, Lehrkräfte, Betreuungskräfte) werden in zu Ersthelfern ausgebildet, wobei wir dann vorrangig lernen, was wir alles NICHT tun dürfen.
Wir dürfen oberflächlich reinigen und bei Prellungen Eispacks draufpacken und bei allem anderen werden Eltern angerufen oder gleich die Ambulanz.
Wir dürfen auch keine Zecken entfernen, nur die Eltern informieren.
eigentlich ein sehr heikles Thema - aber hier geht es weniger
um die Wundversorgung, sonder mehr um andere Dinge wie
hat das Kind Allergien
wer haftet bei „falscher“ Versorgung
Warum habe ich immer verstärkt das Gefühl, dass man jetzt die Allergien zur sehr willkommene Ausrede herhalten muss? Eigentlich soll den Lehrer soweit wissen, ob das Kind eine Allergie auf solche Mitteln hat, oder nicht? (Allerdings mMn. wisen oft den eigenen Eltern das nciht, weil sie ja das noch nie haben ausprobieren müssen).
Ausserdem bei einem Kratzer frage ich mich was man überhaupt falsch an eine Reinigung mit Wasser UND Seife machen kann…
und und und …
Was meinst du genau mit und, und, und?.. Welche andere Maßnahmen gehören dazu?
Deshalb lassen die Schulen lieber die Finger von sowas und
schicken die Kinder gleich zum Arzt.
Zum Arzt??? Sorry, Moon, dass ich lache. Aber das habe ich in den 3 Jahren Grundschule noch nie gehört. Soweit mir bekannt (und glaube mir, es wäre mir bekannt wenn so etwas passiert wäre), ist noch nie einen Arzt aus diesem Grund in der Grundschule meines Sohnes geschickt worden.
Hallo,
tatsächlich haben sich die Theorien zur Wundversorgung in den letzten Jahrzehnten geändert. Ich kann mich bei meiner Kindheit auch noch an Jodpinselungen und Verpflasterungen erinnern.
Inwzischen sagt man: Wunden höchstens mit Wasser etwas säubern und dann trocknen lassen - wenn es natürlich sehr blutet, auch evtl. ein Pflaster/Verband rauf.
Ich bin zwar nicht im Schuldienst, arbeite aber in einer Behinderteneinrichtung.
Um meinen Kollegen richtig und vernünftig (auch bei kleinen Verletzungen) helfen zu können und dürfen, brauchen wir ne Menge an Infos, von Eltern, Betreuern, Ärzten usw. - für uns ein großer Aufwand, der in den Schulen bei meinen eigenen Kindern nie betrieben wurde.
Soweit mir bekannt
(und glaube mir, es wäre mir bekannt wenn so etwas passiert
wäre), ist noch nie einen Arzt aus diesem Grund in der
Grundschule meines Sohnes geschickt worden.
So war es nicht gemeint:
ENTWEDER Eltern informieren ODER zum Arzt.
Aber es ist uns (Hessen) verboten, eine Wunde mit etwas anderem als Wasser zu reinigen, verboten ein Pflaster aufzukleben (was nicht heißt, dass wir es nicht gelegentlich doch machen).
wir dürfen als Lehrkräfte keinerlei Substanzen auf und in unsere Schüler bringen. Auch kein Desinfektionsspray, keine Sport- oder Brandsalbe und schon gar kein Schmerzmittel.
Der Grund ist primär eine potentielle allergische Reaktion.
Wenn wir es mit einer Verletzung zu tun haben, die uns stärker behandlungsbedürftig erscheint, als es mit einem Pflaster/ einem Verband und etwas Wasser zu erledigen wäre, müssen wir dafür sorgen, dass das Kind einem Arzt vorgestellt wird. Zudem müssen wir die Eltern informieren. Bei leichteren Blessuren geht es auch umgekehrt: Erst Eltern informieren und dann diese entscheiden lassen, ob sie mit ihrem Kind zum Doc wollen.
ja, selbstverständlich. Auch eine Herz-Lungen-Wiederbelebung oder ein Ganzkörperkühlen bei schweren Verbrennungen - Akutmaßnahmen eben, die im Rahmen der Ersten Hilfe geleistet werden können und müssen und die das Leben des Verunfallten retten können, bis ärztliche Hilfe kommt. Für solche Fälle werden - zumindest an unserer Schule - auch alle KollegInnen regelmäßig geschult.
Medikamente geben dürfen wir aber auch in diesem Fall nicht - es sei denn, es handelt sich um ein Notfallmedikament, das speziell diesem Schüler verordnet wurde.