Hi Du,
natürlich spielt die gemeinsame Erfahrung, das durch-die-Hölle-gegangen-sein,…, eine Rolle.
Aber wenn Du mal ein bisschen anders darüber nachdenkst, oder zumindest, wenn ich das tue, komme ich zu einem anderen ‚Schluss‘:
Es gibt (bzw lass sie uns jetzt einfach mal so nennen) ‚Durchschnittsmenschen‘, Menschen, die ihr Leben lang in einem emotionalen Gleichgewicht leben. Menschen, die eben mit einem solchen Character geboren sind, dass sie nicht die gleichen Höhen und Tiefen erfahren, wie Menschen, die einen sehr emotionalen Charakter haben.
Die Menschen, die eben mit einem sehr emotionalen Charakter geboren sind, sind eben die, die sich dadurch im Leben leicht ‚umhauen lassen‘ - Menschen, die Verlust, Trauer, etc etc etc nicht leicht verarbeiten können, sondern gleich in die Tiefe gerissen werden. Menschen, die aber gleichzeitig auch von positiven Dingen in ein ‚Hoch‘ versetzt werden können - ein Hoch, das ‚Durchschnittsmenschen‘, genau wie das Tief, vielleicht nie erleben. Dadurch, dass diese Menschen so sehr auf emotionaler Basis leben, haben sie mit Sachen zu kämpfen, die ein ‚Durchschnittsmensch‘ nie mitmachen muss. Wenn es zu schwierig wird, diese Dinge zu bewältigen, greifen diese Menschen zu ‚für Durchschnittsmenschen ungewöhnliche Methoden‘, um mit diesen Dingen fertigzuwerden.
Bei manchen ist es ‚self medication‘, bei anderen einfach eine Flucht, an accessible way out of the problem for the moment: Sie greifen zu Alkohol, Drogen, etc etc, oder werden zu Bulimie- oder Anorexiekranken, or end up in a psychiatic ward for a while, and and and and…
Was diese Menschen gemeinsam haben, ist die Art und Weise, das Leben zu sehen & zu erfahren.
Wie sollst Du jemandem, der noch nie ein EXTREMES Hoch oder Tief erfahren hat, erklären, wie es Dir dabei ging? You might as well be speaking two different languages. Also kein Wunder, dass Du dich zu denen hingezogen fühlst, die Dir in der Art und Weise, das Leben zu erfahren, ähnlich sind.
Du hattest in Deinem Leben ähnliche Erfahrungen, auch wenn sie sich in völlig unterschiedlichen Weisen ausgedrückt haben.
Entschuldige, es ist spät, und obwohl ich genau weiss, was ich sagen will, finde ich nicht so ganz die Worte. Den Ausdruck ‚Durchschnittsmensch‘ finde ich eigentlich zum Kotzen, and the whole comparison might sound a little flat.
Aber noch nicht lange so ‚flat‘ wie das ‚Mensch muss durch die Hölle gegangen sein, um interessant zu sein‘. Eh, das soll jetzt keine Kritik sein - ich will sagen, der Ansatz ist falsch:
Diese Menschen sind nicht nur hochinteressante Menschen, sondern meist auch hochintelligente Menschen - manchmal zu intelligent (wenn ab und zu auch nur auf einer bestimmten ‚Ebene‘) um mit dem Erlebten klarzukommen (nach dem Motto ‚was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss‘ - ‚Durchschnittsmensch‘ bekommt aus Desinteresse oft die Zusammenhänge im Leben nicht mit, die diese ‚Problemmenschen‘ so fertig machen - Intelligenz kann also auch oft ein grosses Leiden sein, bzw kann ein Leiden mit sich bringen).
Du guckst Dir also die SYMPTOME an, den Alkoholismus oder die Bulimie, und wunderst dich, warum Du gerade mit diesen Leuten so gut klarkommst. Wenn Du aber nicht die Symptome, sondern die oben sehr schlecht beschriebenen URSACHEN selbiger Symptome anguckst, verstehst Du vielleicht, warum Du so einen guten Draht zu diesen Menschen hast.
Andererseits: Churchill soll sich mal - in etwa - über Erfolg so geäussert haben: Erfolg ist einmal mehr aufstehen als hinfallen.
Soll heissen, Menschen, die nie hingefallen sind, die nie eine Niederlage erlitten haben (äh, ‚Durchschnittsmenschen‘), wissen gar nicht, was für eine Kraft es braucht, um wieder aufzustehen.
Und dieses dennoch-wieder-aufstehen-statt-aufgeben ist auch das, was Du mit diesen Menschen gemeinsam hast. Und diese Erfahrung verbindet ungeheuerlich.
Ich muss sagen, ich bin auch kein ‚Durchschnittsmensch‘, und fühle mich von diesen oft sehr missverstanden. Ich kann also nachvollziehen, warum Du diese Gedanken hast. Und klar, so sind meine engsten Freunde eben auch Leute, die keine ‚Durchschnittsmenschen‘ sind, sondern Menschen, mit denen ich auf der gleichen Ebene reden kann, ohne missverstanden zu werden.
Wie gesagt, es ist spät - I hope I’m making at least some sense.
All the best,
liebe Grüsse, Isabel