Es geht darum, dass die getestete HYPOTHESE (nicht das Modell!) nicht AD HOC angepasst werden darf.
Ob Hypothese oder Modell – das habe ich nicht unterschieden wollen. Mir ist nur nicht deutlich geworden, was Dir da dran:
Das was dadurch passiert nennt er das Ergebnis des Experiments, und außerdem korrigiert seine Vorstellung für den Fall, dass es anders als wie von ihr ‚profezeit‘ verläuft.
nach einem „bedenklichen ad hoc“ klingt? Was ich damit sagen wollte war lediglich, dass eine Vorstellung (oder Hypothese oder Modell z.B. vom Atom ) falsch sein müsste, wenn ein Experiment immer wieder anders als von ihr erwartet verläuft, und dass es mir unter solcher Voraussetzung völlig vernünftig erscheint, sie zu korrigieren oder bei Bedarf auch komplett zu verwerfen…
Das Experiment stellt demnach also etwas dar, bei dem eine Hypothese auf ihre Fundiertheit hin getestet wird… sollten wir also unsere eingangs aufgestellte Definition von „Experiment“ verändern?
Wenn man die allgemeine Gesetzmäßigkeit kennt, und die jeweilige Patientin als spezifischer Einzelfall dieser schon bekannten allg. Gesetzmäßigkeit gilt, wieso sollte man sie dann FREI assoziieren lassen (…)?
Um diese Frage beantworten zu können (- würde sie etwa vom nomologisch-deduktiven Vorgehen suggeriert?) sollte man sich zunächst fragen, auf welchem Wege es der Psychoanalyse eigentlich gelingt, einen Menschen als „gültigen“ spezifischen Einzelfall (lebendiges Anschauungsbeispiel) der schon als solche anerkannten allg. Gesetzmäßigkeit (Modell der intakten Psyche) einzustufen. Das macht sie m.A.n., indem sie den Menschen auffordert zum Freien Assoziieren, weil dies eines ihrer wichtigsten Werkzeuge darstellt, fundierte Urteile über Menschen zu gewinnen.
Deine Frage würde ich demnach wie folgt beantworten: Wenn ein Mensch aufgrund der ‚Infos‘ aus seinen Freien Assoziationen (- und idealerweise aller weiteren denkbaren Äußerungen) als Paradebeispiel/ = spez. Einzelfall) des Modells der intakten Psyche gelten kann, dann gibt es für die Psychoanalyse in ihrem Verständnis als Instrument der psychopathologischen Diagnostik gar keinen Grund mehr, den derart bereits getesteten Menschen nochmals um Freie Assoziationen zu bitten. Offenbar ist er ja gesund - und rührt sein mögliches schweres „Unbehagen in der Kultur“ lediglich daher, dass sie unheilbar krank ist…
Aber davon ab, dass das „nomologisch-deduktive Vorgehen“ hier irgendwie Verwirrung zu stiften scheint, müssten wir jetzt darin einig sein, dass die PA keine prinzipiellen Bedenken hat, Menschen - unter nachgereichter Voraussetzung - als spezifische Einzelfälle und das Modell der Psyche als allg. Gesetzmäßigkeit zu bezeichnen…
Der Experimentalwissenschaflter (…) beobachtet das Verhalten der VP EINZIG in Bezug auf die zu prüfende Hypothese (d.h. vorab festgelegte Aufmerksamkeit, keine „gleichschwebende“), und die VP kann EINZIG das tun, was der Versuchsaufbau dafür vorsieht (d.h. vorab festgelegte Tun, kein „freies“).
Hm. Es werden in der PA eigentlich nicht nur Menschen dahingehend geprüft, ob und falls in welchen Aspekten sie warum vom Modell der gesunden Psyche abweichen (- deswegen wenden sie sich ja in der Regel an die PA, d.h. um eine Diagnose über ihre Problematik zu erhalten-), sondern wird ein Psychoanalytiker, der sich außer als Arzt auch als Forscher versteht, jede geeignete Gelegenheit nutzen, das Modell der intakten Psyche auf seine Fundiertheit hin zu testen. Und wer dabei mitmachen möchte, MUSS tuen, was der psychoanalytische Versuchsaufbau dafür vor allem anderen vorsieht: FREI assoziieren. Es sei denn, es wird was besseres entdeckt…