Dann berichtet die Tochter eines Abends den Eltern (nach einem
kleinen Familienstreit) , daß sie vor 14 Jahre vom Bruder
sexuell mißbraucht wurde. Keine Vergewaltigung, aber
gewaltsamer Oralverkehr. Das wäre nicht über Jahre hinweg
passiert, sondern innerhalb 1-2 Monaten so 3-4 mal.
Hm, es tun sich ein paar Fragen auf.
Aber erstmal: Totschweigen ist das schlimmste, was man nun anstellen könnte!
Meiner Meinung nach sollten die Eltern die Tochter fragen, wie sie damit umgehen möchte:
Hält sie es für nötig, dies zu verarbeiten, also zB eine Therapie zu machen?
Möchte sie, dass der Bruder vom Wissen der Eltern weiss, oder im Gegenteil?
Möchte sie, dass sich die Familie damit auseinandersetzt?
etc etc etc.
Unter den Teppich kehren KANN man es nicht.
Nur hier die Fragen:
Das Ganze kam innerhalb eines ‚kleinen Familienstreits‘ ans Licht.
Wieso, inwiefern?
Weil die Eltern die Tochter irgendwie abwerteten, und den Sohn aufwerteten, und sie sagte, ach tut doch nicht so - wisst ihr, was der mir angetan hat?
Oder…
Die Tatsachen ändern sich zwar nicht damit, aber die Gründe, warum sie es nun gerade zu dem Zeitpunkt erzählte, lassen doch immerhin ein klein bisschen darauf schliessen, WIE sie selbst damit umgeht.
Also, hat sie es ausgespuckt, weil sie sauer war, sich verteidigen wollte, ihn schlechtmachen wollte, oder weil es sie belastete, und es halt ‚rauskam‘?
Sprich, hat sie es weit genug verarbeitet, dass sie es nun endlich aussprechen kann, oder hat sie es ausgesprochen, weil sie noch verarbeiten muss? etc etc.
Nochmal: Die Eltern müssen sie unterstützen. Und zwar auf die Art und Weise, wie sie es wünscht.
gruss, isabel
PS: selbst WENN die Geschichte erfunden WÄRE, so gäbe es selbst dafür sicher Gründe, die in einer Therapie erkundet werden müssten. Aber diese Version ist extrem unwahrscheinlich, quasi an den Haaren herbeigezogen.