Ist die Bibel wörtlich zu nehmen?

hallo

ich hab in meinem kurzen leben schon einige kirchengäge hinter mit und damit schon einige predigten gehört. da gabs pastoren, die gänzlich ohne bibel gepredigt haben. andere dagegen haben sich an jedes wort geklammert.

ich würde von euch gerne wissen, ob ihr davon ausgeht, daß jeder einzelne vers von Gott ispiriert ist. falls ihr das nicht glaubt, wie entscheidet ihr, was Gottes Wort ist und was nicht? weil ich das ziemlich schwierig fände.

ich bin selber christ und glaube fest, daß sich Gott in der Bibel offenbart. aber trotzdem…
auch die Bibel ist von Menschen geschrieben. Muß man da nicht davon ausgehen, daß sich Fehler einschleichen?

Vielleicht fällt euch dazu ja was ein.

Gruß annaK

Hallo Anna,

ich würde von euch gerne wissen, ob ihr davon ausgeht, daß
jeder einzelne vers von Gott ispiriert ist.

ich bin schon der Überzeugung, dass es so ist. Gott hat die Schreiber inspiriert, sie schrieben nicht ihre Gedanken nieder sondern die Gottes. Die Bibel behauptet dies an mehreren Stellen auch selbst von sich (2.thi 3:16, joh 17:17, 2.petr 1:20,21…)
EIn Gott, der das Universum geschaffen hat wird doch dafür sorgen können, das sein Wort unverfälscht bleibt? Er hat doch auf jeden Fall die Macht die Dinge so zu lenken. Er würde es nicht zulassen, dass wir falsche Sachen lesen würden.
Zum anderen ist dies seit dem Fund der Schriftrollen am Toten mehr erwiesen. Die dort gefundene Jesajarolle aus dem 3.Jh stimmt mit der heutigen Fassung überein.

falls ihr das
nicht glaubt, wie entscheidet ihr, was Gottes Wort ist und was
nicht? weil ich das ziemlich schwierig fände.

Das ist dann nähmlich die große Frage. Wer maßt sich das an? Um soetwas zu verhindern ist die ganze Schrift inspiriert.

ich bin selber christ und glaube fest, daß sich Gott in der
Bibel offenbart. aber trotzdem…
auch die Bibel ist von Menschen geschrieben. Muß man da nicht
davon ausgehen, daß sich Fehler einschleichen?

nein, sie schrieben ja nicht die eigenen Gedanken nieder, sondern Gottes.

alex

Man kann die Bibel wörtlich nehmen oder
ernst.

Dies sagte mal ein (ev.) Pfarrer in einer Diskussion.

Bei jedem Bibelzitat (ausser Psalmen und Sprüche) sollte man den Kontext sich anschauen, bevor man Lheren zieht.

Es gibt sogar Stellen, die sich wörtlich widersprechen.
Bsp:
‚macht Schwerter zu Pflugscharen‘
(Micha (glaube ich)
‚macht Pflugscharen zu Schwerten‘
(ein/zwei Bücher weiter vorn: Sorry, hab im Moment keine Bibel zur Hand)
Mail mich an, wenn du die exakten Zitierungen haben möchtest.

Tschuess Marco.

Hi AnnaK,

… soll´s tun, er sollte aber berücksichtigen, dass zur Zeit des AT Texte fast ausschließlich mündlich (wie heute bei der Stillen Post am Kindergeburtstag) überliefert wurden. Selbst mehr als 1000 Jahre später hießen die, die lesen und schreiben konnten Schriftgelehrte.

Gruß
Pat

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

mehr als 1000 Jahre später hießen die, die lesen und schreiben
konnten Schriftgelehrte.

das trifft fuer das judentum nicht zu. analphabetismus gab es
dort nie. jeder lernte lesen und schreiben. benachteiligt waren
(wie immer) die frauen. auf ihre erziehung wurde weniger wert gelegt.

Hallo

Eine schwierige Frage, auf die es meines Erachtens keine Ja/Nein-Antwort gibt. Hier meine Sicht:

  • Jede Passage der Bibel wurde von Gott inspiriert.
  • Aber die Bibel ist das Wort Gottes zu den Menschen, d.h. Gott hat so gesprochen, daß die Menschen es verstanden haben. Dieses Verstehen ergibt sich aus dem kulturellen und Weltbildlichen Kontext. Gott hat nicht gegen den Kontext gesprochen, wohl aber dabei seine wichtigen Punkte herübergebracht.
  • Bei dem Transport der Bibel über die Jahrhunderte können sich eventuell Fehler eingeschlichen haben, aber diese Gefahr wird oft zu stark vergrössert. Immerhin war das heiliges Wort und einen Fehler einzubauen ein schweres Verbrechen. Auch die stille Post würde erheblich exakter ablaufen, wenn man die Teilnehmer bedroht, sie blau zu hauen, wenn sich ein Fehler einschleicht.

Zur Erläuterung der Kontextabhängigkeit:
Oft verwendet die Bibel Bilder und Vorstellungen aus der Zeit des Schreibers. Diese Bilder an sich sind dabei nicht der wesentliche Punkt, es ist die Botschaft, die mit diesen transportiert werden soll.
Ist zum Beispiel vom Leviathan die Rede, so soll das ausdrücken, daß Gott Macht selbst über die mächtigsten Tiere hat, ob es ein Wesen wie den Leviathan überhaupt gegeben hat, ist dabei unerheblich.
Ist von den Sternen und Planeten als Götter die Rede, dann soll das nicht heissen, daß Sterne und Planeten Götter sind, sondern Gott bezieht sich auf die Vorstellungen im umfeld des Volkes Israel.
Wenn es heisst, daß Gott das Universum in sieben Tagen geschaffen hat, dann ist die relevante Aussage, daß alles auf Gottes Wirken hin entstanden ist, das wie und wie lange ist nicht der wesentliche Teil, sondern der damaligen Vorstellungswelt entnommen.

Gruß
Thomas

Hallo Thomas,

eine kurze Frage dazu:

[snip]

  • Jede Passage der Bibel wurde von Gott inspiriert.

[snip]

  • Bei dem Transport der Bibel über die Jahrhunderte können
    sich eventuell Fehler eingeschlichen haben,

[snip]

du glaubst bei der Niederschrift waren die Menschen inspiriert, sie schrieben Gottes Gedanken?
Wenn du dies glaubst, unterschätzt du nicht die Macht Gottes sein Wort zu schützen? Wäre es für den Schöpfer des Universums nicht ein leichtes sein Wort zu schützen, so wie er es niedergeschrieben hat, ja wäre es nicht sogar seine Pflicht? Er will doch bestimmt nicht, dass Menschen heut etwas falsches lesen.

alex

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mehr als 1000 Jahre später hießen die, die lesen und schreiben
konnten Schriftgelehrte.

das trifft fuer das judentum nicht zu. analphabetismus gab es
dort nie. jeder lernte lesen und schreiben.

Hi lehitraot,
wenn das so ist, haben mir alle meine (christlichen) Religionslehrer was falsches beigebracht. Gut möglich! Ich hätte ihnen also schon damals nicht trauen sollen. Man lernt eben nie aus.
Gruß
Pat

wenn das so ist, haben mir alle meine (christlichen)
Religionslehrer was falsches beigebracht.

was fuer schriftgelehrte meinten deine lehrer? ich weiss das
schon, dass es in der moenchstradition genauso war, dass eben nur
moenche lesen und schreiben konnten. die waren dafuer aber auch
spezialisten. die univesitaet als institution stammt ja davon ab.

Wäre es für den Schöpfer des Universums
nicht ein leichtes sein Wort zu schützen, so wie er es
niedergeschrieben hat, ja wäre es nicht sogar seine Pflicht?

man kann es auch so sehen: gott hat den menschen sein werk in
ihre verantwortung gegeben. jetzt gehoert es den menschen. wenn
sie fehler damit machen, ist das wirklich nicht sein problem. das
ganze wurde vor tausenden jahren geschrieben. heute verstehen wir
manche worte gar nicht mehr. klar, dass es da probleme gibt. aber
das war eben gottes risiko. wenn er perfekte menschenmaschinchen
haben wollte, haette er dem menschen keinen starken willen und
intelligenz gegeben, die die welt so veraendern koennen, dass wir
heute die worte nicht mehr verstehen…

Hi,

man kann es auch so sehen: gott hat den menschen sein werk in
ihre verantwortung gegeben. jetzt gehoert es den menschen.
wenn
sie fehler damit machen, ist das wirklich nicht sein problem.
das
ganze wurde vor tausenden jahren geschrieben. heute verstehen
wir
manche worte gar nicht mehr. klar, dass es da probleme gibt.
aber
das war eben gottes risiko. wenn er perfekte
menschenmaschinchen
haben wollte, haette er dem menschen keinen starken willen und
intelligenz gegeben, die die welt so veraendern koennen, dass
wir
heute die worte nicht mehr verstehen…

Wenn ich heute ein Buch schreibe, dann bin ich aber an dessen Erhaltung interessiert. Es würde ja bei einer Veränderung auch Schmach auf meinen Namen bedeuten. Hat Gott dieses Interesse nicht???

alex

Wenn ich heute ein Buch schreibe, dann bin ich aber an dessen
Erhaltung interessiert.

klar. deswegen muessen heilige texte auch mit akribischer
sorgfalt abgeschrieben werden. nur ausgebildete schreiber duerfen
das. wenn auch nur ein buchstabe zerstoert ist, ist der text
unbrauchbar und wird begraben.

das aendert nichts an der tatsache, dass der inhalt des
buches in den haenden der menschen ist. man kann hunderte
bedeutungen aus einem vers lesen. es ist sache der menschen, sich
darueber in den haaren zu liegen, und nicht gottes.

eine ziemlich polemische Antwort auf Deine Frage findest Du unter

http://www.wits.ac.za/helmut/arno1.htm

Dieser Text stammt aus dem Jahre 1957 und hat Arno Schmidt ziemlichen Ärger eingebracht.

Gandalf

thema verfehlt
der gute herr schmidt weiss nicht, wovon er redet.

atheismus laesst sich nicht begruenden, indem man die
ueberlieferung der bibel kritisiert, der figur jesus von nazareth
goettlichkeit abspricht und gegen die unheilvollen auswirkungen
des politischen christentums polemisiert. das sind vielleicht
gruende, kein christ oder kirchgaenger zu sein, aber keine
dafuer, atheist zu sein.

atheismus ist eine philosophische position. es gibt argumente
dafuer. diejenigen im link sind aber ein schuss in den ofen.

Hallo annaK,

na so ganz wörtlich kann es wohl nicht gemeint sein. Schließlich gibt es ja auch in der Bibel wohl einige wiedersprüche in sich, die sicher daraus rühren, daß da verschiedene Berichterstatter am Werk waren.
Ansonsten ist das Ganze einfach eine Frage des Glaubens. Wenn ich nicht glaube, dann finde ich viele Gründe um zu belegen, daß sich die Sache sicher nicht so abgespielt hat, zum Beispiel das Fehlen von Berichten in der „offiziellen“ römischen Geschichtsschreibung.
Andererseits kann die Geschichte aber auch stattgefunden haben und wenn sie stattgefunden hat, dann kann es auch genau so gewesen sein, wie es in der Bibel steht.
Es gibt hier keine Gewißheit in deer Form von wirklich wissen oder wirklich beweisen. Entweder ich glaube es, oder ich lasse es bleiben. Das aber muß jeder für sich selbst entscheiden.

Gernot Geyer

‚der gute Herr Schmidt‘!: Nachsitzen!..
…Frau Lehrerin weiß schon Bescheid! :smile:

der gute herr schmidt weiss nicht, wovon er redet.

Ich stimme nicht in allen Punkten mit Arno Schmidt überein, aber im großen und ganzen trifft er die Sache ganz gut. Wenn ich mir anschaue, daß es allein vier offizielle Evangelien gibt (und mindestens noch zwei apokryphe), dann frage ich mich was das soll, zumal die vier Evangelien sich deutlich unterscheiden. Wo bitte bleibt da die göttliche Eingebung, oder ist Gott (der christliche) nicht nur dreieinig sondern auch viergeteilt? Mir ist die Situation der Bibel zu schwammig. Im Text von A.S. wurde es schon gesagt, das was wichtig zu erwähnen ist, wird auch anderswo zum Teil früher z.T. besser beschrieben. Eine Religion mit einer solchen Stiftungsurkunde ist mir suspekt.

Gandalf

stimmst du mir zu oder nicht? (nt)
.

Hi,

klar. deswegen muessen heilige texte auch mit akribischer
sorgfalt abgeschrieben werden. nur ausgebildete schreiber
duerfen
das. wenn auch nur ein buchstabe zerstoert ist, ist der text
unbrauchbar und wird begraben.

oh, dann hatte ich dich falsch verstanden.

das aendert nichts an der tatsache, dass der inhalt des
buches in den haenden der menschen ist. man kann hunderte
bedeutungen aus einem vers lesen. es ist sache der menschen,
sich
darueber in den haaren zu liegen, und nicht gottes.

wie bekommt man dann aber die wahre Bedeutung heraus? Meiner Meinung wenn man die Bibel als ganzes liest. Lese ich einen Satz aus einem Roman, dann verstehe ich auch nix.

alex

Hallo Gerhard,

na so ganz wörtlich kann es wohl nicht gemeint sein.
Schließlich gibt es ja auch in der Bibel wohl einige
wiedersprüche in sich, die sicher daraus rühren, daß da
verschiedene Berichterstatter am Werk waren.

kannst du mir bitte ein beispiel geben? Es scheint nur viele zu geben. Forscht man jedoch tiefer, so erkennt man, dass es oft sogar Ergänzungen sind. beispiele bitte für deine Behauptung.

Ansonsten ist das Ganze einfach eine Frage des Glaubens. Wenn
ich nicht glaube, dann finde ich viele Gründe um zu belegen,
daß sich die Sache sicher nicht so abgespielt hat, zum
Beispiel das Fehlen von Berichten in der „offiziellen“
römischen Geschichtsschreibung.
Andererseits kann die Geschichte aber auch stattgefunden haben
und wenn sie stattgefunden hat, dann kann es auch genau so
gewesen sein, wie es in der Bibel steht.
Es gibt hier keine Gewißheit in deer Form von wirklich wissen
oder wirklich beweisen. Entweder ich glaube es, oder ich lasse
es bleiben. Das aber muß jeder für sich selbst entscheiden.

Jedoch sollte man nicht die Argumente annehmen, die man hört oder ließt, man sollte sie selbst prüfen.

alex